Die Wurzeln: Abarth 500 (2008-2016)
Die Geschichte des modernen Abarth 595 beginnt eigentlich mit dem Abarth 500, der 2008 auf Basis des wiederbelebten Fiat 500 (Typ 312) auf den Markt kam. Carlo Abarth hatte bereits in den 1950er und 1960er Jahren Fiat-Kleinwagen zu Rennmaschinen veredelt, und diese Tradition wurde 2007 mit der Wiederbelebung der Marke Abarth unter dem Fiat-Konzern fortgesetzt. Der erste moderne Abarth 500 legte den Grundstein für das Konzept: ein 1,4-Liter-Turbobenziner mit zunächst 135 PS, später in stärkeren Varianten bis zu 160 PS. Das charakteristische Abarth-Soundsystem mit Record-Monza-Auspuffanlage, die aggressive Frontschürze mit größeren Lufteinlässen, Seitenschweller und ein Heckspoiler machten den kleinen Italiener unverwechselbar. Die Karosserieform war ausschließlich als Dreitürer erhältlich, was die sportliche Ausrichtung unterstrich. Das Fahrwerk wurde straffer abgestimmt, größere Bremsen verbesserten die Verzögerung, und im Innenraum sorgten Sportsitze sowie ein sportliches Lenkrad für Rennambiente.
Namensänderung und Modellvielfalt ab 2016
Im Jahr 2016 erfolgte eine wichtige Neustrukturierung der Abarth-Modellpalette. Der bisherige Abarth 500 wurde in Abarth 595 umbenannt – eine Hommage an den legendären Abarth 595 aus dem Jahr 1963. Gleichzeitig wurde die Modellpalette klarer gestaffelt: Der Abarth 595 bildete die Einstiegsvariante, darüber positionierten sich der Abarth 595 Turismo mit mehr Komfortausstattung und der Abarth 595 Competizione mit noch sportlicherer Abstimmung. An der Spitze stand weiterhin der Abarth 695, der als Sondermodell mit noch mehr Leistung und exklusiver Ausstattung aufwartete. Technisch basierte der 595 weiterhin auf dem Fiat 500 Typ 312, erhielt aber Updates bei Motoren und Ausstattung. Der 1,4-Liter-Turbobenziner wurde in verschiedenen Leistungsstufen angeboten: 145 PS im Basis-595, 165 PS im Turismo und 180 PS im Competizione. Alle Varianten waren mit manuellem Fünfgang-Getriebe oder optional mit einem automatisierten Fünfgang-Schaltgetriebe lieferbar.
Facelift 2019: Mehr Leistung und Technologie
2019 erhielt der Abarth 595 ein deutliches Facelift, das vor allem unter der Haube für Verbesserungen sorgte. Die Motorenpalette wurde überarbeitet und die Leistung gesteigert: Der Basis-595 leistete nun 145 PS, der 595 Turismo 165 PS und der 595 Competizione beeindruckende 180 PS. Gleichzeitig wurde die Höchstgeschwindigkeit der stärksten Variante auf 230 km/h angehoben. Optisch erhielt der Kleinwagen neue LED-Tagfahrlichter, überarbeitete Stoßfänger und neue Leichtmetallfelgen-Designs. Im Innenraum zog moderne Technik ein: Ein 7-Zoll-Touchscreen mit Uconnect-Infotainmentsystem, Apple CarPlay und Android Auto gehörten nun zur Serienausstattung. Die Instrumententafel wurde aufgewertet, und neue Sitzbezüge sowie Farbkombinationen erweiterten die Individualisierungsmöglichkeiten. Auch bei den Fahrassistenzsystemen legte Abarth nach und bot erstmals Systeme wie Rückfahrkamera und Einparkhilfe an.
Serie 4 (2020-2024): Die letzte Verbrenner-Generation
2020 führte Abarth die sogenannte Serie 4 ein, die finale Evolution des verbrennergetriebenen 595. Diese Generation brachte weitere Verfeinerungen bei Ausstattung und Technik. Besonders die Sondermodelle gewannen an Bedeutung: Der Abarth 595 Pista, der 595 Esseesse und verschiedene limitierte Editionen wie der 595 Monster Energy Yamaha oder der 595 Scorpioneoro boten noch mehr Individualisierung und Performance. Der Motor blieb der bewährte 1,4-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit T-Jet-Technologie, allerdings in optimierter Form. Die Leistungsspanne reichte von 145 PS bis zu 180 PS, in Sondermodellen auch darüber hinaus. Das Record-Monza-Auspuffsystem wurde weiter verfeinert und bot einen noch charakteristischeren Sound mit Sport-Modus-Taste, die Klappen in der Abgasanlage öffnete. Die Fahrwerksabstimmung wurde je nach Modellvariante angepasst: Der Turismo bot einen Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort, während der Competizione mit Koni-Stoßdämpfern und strafferer Abstimmung auf maximale Performance ausgelegt war. Brembo-Bremsen waren bei den Top-Varianten serienmäßig, bei anderen optional erhältlich.
Technische Besonderheiten und Fahrwerk
Über alle Generationen hinweg zeichnete sich der Abarth 595 durch mehrere technische Besonderheiten aus. Das mechanische Sperrdifferential an der Vorderachse, optional oder serienmäßig je nach Variante, verbesserte die Traktion beim Beschleunigen aus Kurven erheblich. Die elektrische Servolenkung wurde sportlich kalibriert und bot direktes Feedback. Das Sport-Fahrwerk mit verkürzten Federn und angepassten Dämpfern senkte den Schwerpunkt und reduzierte die Wankbewegungen. Bei höheren Modellvarianten kamen Koni FSD (Frequency Selective Damping) Stoßdämpfer zum Einsatz, die sich automatisch an die Fahrsituation anpassten. Die Bremsanlage wurde je nach Modell mit größeren Scheiben und bei Top-Versionen mit Brembo-Komponenten ausgestattet. Die Sitze stammten von Sabelt und boten guten Seitenhalt, bei Competizione-Modellen waren Schalensitze mit noch besserer Unterstützung verfügbar.
Motorisierung und Performance
Das Herz aller Abarth 595 Generationen war der 1,4-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit 16 Ventilen und variablen Ventilsteuerzeiten. Dieser Motor, intern als "Fire"-Familie bekannt, wurde von Abarth grundlegend überarbeitet und erhielt einen größeren Turbolader, eine angepasste Motorsteuerung und ein optimiertes Ansaugsystem. Die Kompression wurde auf 9,8:1 ausgelegt, das maximale Drehmoment lag je nach Ausbaustufe zwischen 206 und 230 Nm, verfügbar bereits ab niedrigen Drehzahlen um 2.000 U/min. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelang dem 145-PS-Modell in 7,8 Sekunden, der 165-PS-Version in 7,3 Sekunden und der stärksten 180-PS-Variante in beeindruckenden 6,7 Sekunden. Der Normverbrauch lag je nach Motorisierung und Fahrweise zwischen 5,8 und 6,5 Litern auf 100 Kilometer nach NEFZ-Norm, nach WLTP-Norm etwas höher bei 6,2 bis 7,2 Litern.
Ausstattungsvarianten und Sondermodelle
Abarth bot den 595 in zahlreichen Ausstattungsvarianten und limitierten Sondermodellen an. Die Basis-Version 595 kam bereits mit Sport-Fahrwerk, Abarth-Auspuffanlage, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen und Sportsitzen. Der 595 Turismo ergänzte dies um Leder-Ausstattung, Klimaautomatik, 17-Zoll-Räder und Komfort-Extras. Der 595 Competizione bot Sabelt-Schalensitze, Koni-Fahrwerk, mechanisches Sperrdifferential und Brembo-Bremsen serienmäßig. Dazu kamen über die Jahre zahlreiche Sondermodelle: Der 595 Pista mit noch schärferer Rennstrecken-Abstimmung, der 595 Esseesse als Hommage an historische Abarth-Modelle mit 180 PS und exklusiver Ausstattung, oder limitierte Editionen in Zusammenarbeit mit Partnern wie Yamaha, Ferrari oder zur Feier von Rennsport-Erfolgen. Diese Sondermodelle waren oft auf wenige hundert Exemplare limitiert und zeichneten sich durch exklusive Lackierungen, spezielle Dekorstreifen und einzigartige Ausstattungsdetails aus.
Der Übergang zur Elektromobilität
2024 endete die Produktion des verbrennergetriebenen Abarth 595. Mit dem Fiat 500 Elektro als Basis kündigte Abarth 2023 den Abarth 500e an, die erste vollelektrische Abarth-Interpretation. Damit endet eine Ära des charakteristischen Vierzylinder-Klangs, auch wenn Abarth versuchte, mit einem künstlichen Soundgenerator das akustische Erlebnis zu bewahren. Der klassische Abarth 595 mit Verbrennermotor wird damit zum gesuchten Klassiker für Enthusiasten, die den authentischen Sound und das unmittelbare Fahrgefühl des Turbobenziners schätzen. Auf dem Gebrauchtmarkt bleiben alle Generationen des 595 gefragt, wobei gut gepflegte Competizione-Modelle und limitierte Sonderserien besonders begehrt sind.