Die Anfänge: Abarth 695 Typ 312 (2008-2015)
Als Fiat 2007 den neuen 500 auf den Markt brachte, dauerte es nicht lange, bis Abarth 2008 die erste sportliche Version präsentierte. Der ursprüngliche Abarth 500 bot bereits deutlich mehr Leistung als das Basismodell, doch Abarth setzte noch einen drauf: Der Abarth 695 debütierte als Topmodell mit noch schärferer Abstimmung. Der 1,4-Liter-Turbobenziner leistete in der ersten Version 160 PS und beschleunigte den nur 1.035 Kilogramm leichten Kleinstwagen in 7,1 Sekunden auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 212 km/h – beachtliche Werte für einen Stadtflitzer mit 3,66 Metern Länge.
Optisch unterschied sich der 695 durch aggressivere Stoßfänger, größere Lufteinlässe, einen Heckspoiler und charakteristische Abarth-Schriftzüge. Die Sitze stammten von Sabelt, das Lenkrad war mit Leder bezogen, und die Instrumentierung zeigte sich sportlich in Weiß gehalten. Abarth bot den 695 in verschiedenen Sondermodellen an, darunter den 695 Tributo Ferrari mit 180 PS, der in Zusammenarbeit mit Ferrari entstand und mit Lackierungen in Rosso Corsa oder Grigio Titanio sowie Ferrari-Schriftzügen aufwartete. Das Modell war streng limitiert und wurde schnell zum Sammlerobjekt.
Erweiterte Modellpalette und Sonderserien (2012-2015)
In den Folgejahren baute Abarth die 695-Baureihe kontinuierlich aus. 2012 erschien der Abarth 695 Edizione Maserati, der mit 180 PS und exklusiven Design-Elementen an die Schwestermarke Maserati erinnerte. Die Außenspiegel zeigten das Maserati-Trident-Logo, im Innenraum fanden sich edle Materialien und spezielle Plaketten. Ebenfalls 2012 kam der 695 Competizione auf den Markt, eine noch radikalere Version mit Akrapovič-Auspuffanlage, Record Monza-Auspuff und einer auf 230 km/h erhöhten Höchstgeschwindigkeit.
2013 folgte der Abarth 695 Biposto (Zweisitzer), der als extremste Version konzipiert war: Mit nur zwei Schalensitzen von Sabelt, ohne Rücksitzbank, mit Überrollkäfig und auf 190 PS erstarktem Motor sollte er die Rennstrecke erobern. Das Leergewicht wurde auf unter 1.000 Kilogramm reduziert, die Beschleunigung auf 5,9 Sekunden verbessert. Der Biposto kostete über 40.000 Euro und war auf 133 Exemplare limitiert – eine klare Ansage an Puristen. 2014 erschien der 695 Yamaha Factory Racing Edition, der die Partnerschaft mit dem Motorrad-Hersteller Yamaha feierte und in den charakteristischen Yamaha-Racing-Farben lackiert wurde.
Facelift und neue Sondermodelle (2016-2020)
2016 erhielt die gesamte Fiat-500-Familie ein Facelift, das auch den Abarth 695 betraf. Die Änderungen waren eher dezent: überarbeitete Scheinwerfer, neue LED-Rückleuchten, ein modernisiertes Infotainment-System mit Uconnect und Apple CarPlay sowie Android Auto. Der Motor blieb grundsätzlich der 1,4-Liter-Vierzylinder mit Turbolader, allerdings wurde die Leistung je nach Version zwischen 165 und 180 PS angeboten. Das Fahrwerk wurde weiter verfeinert, die Bremsen stammten nun serienmäßig von Brembo.
Abarth nutzte das Facelift, um weitere Sondermodelle aufzulegen: Der 695 Rivale (2016) mit 180 PS und sportlicher Ausstattung, der 695 XSR Yamaha (2017) als Hommage an das Yamaha-Motorrad XSR900, und der 695 Pista (2018) als Tribut an die Rennstrecke mit 180 PS, Record-Monza-Auspuff und Sabelt-Rennsitzen. Jedes dieser Modelle war streng limitiert und mit exklusiven Farbkombinationen sowie Ausstattungsdetails versehen. 2019 erschien der 695 70° Anniversario zum 70. Geburtstag der Marke Abarth mit nur 1.949 Exemplaren weltweit – als Referenz an das Gründungsjahr 1949.
Aktuelle Generation: Abarth 695 (2020-heute)
Die aktuelle Version des Abarth 695 wurde 2020 eingeführt und stellt die vorerst letzte Evolutionsstufe der Baureihe dar. Technisch basiert sie weiterhin auf dem Fiat 500 Typ 312, doch Abarth hat die Leistung auf bis zu 180 PS geschärft. Der 1,4-Liter-T-Jet-Motor mit 1.368 cm³ Hubraum leistet im Standardmodell 695 bereits 180 PS bei 5.500 U/min und entwickelt ein maximales Drehmoment von 250 Nm bei 3.000 U/min. Die Kraftübertragung erfolgt über ein manuelles Fünfgang-Getriebe auf die Vorderräder. Optional ist ein automatisiertes Schaltgetriebe mit Paddels am Lenkrad erhältlich.
Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 6,7 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 218 km/h. Das Fahrwerk wurde mit Koni-Stoßdämpfern ausgestattet, die Bremsen stammen von Brembo mit 305 mm großen, belüfteten Scheiben vorne. Die 17-Zoll-Leichtmetallfelgen sind serienmäßig, optional sind 18-Zoll-Räder verfügbar. Der Verbrauch liegt nach WLTP bei 6,4 Litern auf 100 Kilometer, was CO2-Emissionen von 145 g/km entspricht.
Optisch zeigt sich der aktuelle 695 mit markanten Design-Elementen: Der Kühlergrill ist größer und aggressiver gestaltet, die Lufteinlässe in der Frontschürze wurden vergrößert, und der Heckspoiler ist deutlich präsenter. Die Abarth-Schriftzüge an den Seiten und am Heck sind größer dimensioniert, das Skorpion-Emblem prangt auf der Motorhaube. Im Innenraum dominieren Alcantara und Leder, die Sportsitze von Sabelt bieten exzellenten Seitenhalt, und das Armaturenbrett zeigt sich mit Carbon-Elementen. Das Lenkrad ist unten abgeflacht, die Instrumente sind weiß hinterlegt mit roten Zeigern – klassisches Abarth-Design.
Sondermodelle der aktuellen Generation
Auch in der aktuellen Generation setzt Abarth auf limitierte Sondermodelle. 2020 erschien der Abarth 695 Esseesse mit 180 PS, Akrapovič-Auspuffanlage, Koni-FSD-Stoßdämpfern und Sabelt-Rennsitzen. Die Produktion war auf 1.390 Exemplare begrenzt. 2021 folgte der 695 Scorpioneoro (Goldener Skorpion) als Hommage an Carlo Abarth, den Gründer der Marke. Mit goldenen Akzenten an Kühlergrill, Felgen und Skorpion-Emblem sowie einer Auflage von nur 133 Stück war dieser 695 ein echter Exot.
Der Abarth 695 positioniert sich als emotionales Sportgerät für Enthusiasten, die maximale Performance im kleinsten Format suchen. Mit Preisen ab etwa 36.000 Euro ist er deutlich teurer als ein gewöhnlicher Fiat 500, bietet aber auch ein einzigartiges Fahrerlebnis mit motorsportlichem Charakter. Der Sound der Sport-Auspuffanlage, die direkte Lenkung und das geringe Gewicht machen den 695 zu einem Spaßmobil für kurvige Landstraßen und spontane Sprints. Gleichzeitig ist er alltagstauglich genug für den täglichen Einsatz in der Stadt – wenn auch mit Kompromissen bei Komfort und Platzangebot.
Ausblick und Ende einer Ära
Mit der Einführung des vollelektrischen Fiat 500e im Jahr 2020 begann eine neue Ära für die Marke Fiat. Abarth kündigte an, ebenfalls auf Elektroantrieb zu setzen, und präsentierte 2023 den Abarth 500e als ersten vollelektrischen Abarth. Der klassische 695 mit Verbrennungsmotor läuft damit aus und wird nicht mehr in einer neuen Generation erscheinen. Die aktuellen Modelle sind somit die letzten ihrer Art – ein Umstand, der sie für Sammler besonders interessant macht. Der Abarth 695 bleibt ein Symbol für die Philosophie der Marke: maximale Leistung, minimales Gewicht und purer Fahrspaß. Mit über einem Dutzend Sondermodellen und Varianten über die Jahre hinweg hat sich der 695 als Ikone unter den Sport-Kleinstwagen etabliert und wird als letzter Verbrenner-Abarth seiner Klasse in die Geschichte eingehen.