Abarth Grande Punto (2007-2010) – Die Basisgeneration
Im Oktober 2007 debütierte der Abarth Grande Punto auf dem Pariser Automobilsalon und markierte die Rückkehr der traditionsreichen Tuning-Marke Abarth in den Kleinwagensektor. Der Grande Punto basierte auf der zweiten Generation des Fiat Punto (Grande Punto, Typ 199), wurde jedoch umfassend modifiziert. Unter der Haube arbeitete ein 1,4-Liter-Turbobenziner mit 114 kW (155 PS), der aus dem T-Jet-Motorenprogramm von Fiat stammte. Dieser Vierzylinder-Motor mit Turboaufladung und variablem Ventiltrieb ermöglichte eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 7,9 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h. Das maximale Drehmoment von 206 Nm lag bereits ab 3.000 U/min an, was für eine kräftige Durchzugskraft im mittleren Drehzahlbereich sorgte.
Optisch unterschied sich der Abarth Grande Punto deutlich von seinen zivilen Geschwistern: Ein aggressiver Frontspoiler mit großen Lufteinlässen, Seitenschweller, ein markanter Heckdiffusor und ein Dachkantenspoiler prägten das Erscheinungsbild. Die charakteristischen Abarth-Scorpion-Embleme zierten Kühlergrill und Heck. Serienmäßig rollte das Fahrzeug auf 17-Zoll-Leichtmetallrädern, optional waren 18-Zöller erhältlich. Das Fahrwerk wurde um 25 Millimeter tiefergelegt und erhielt härtere Dämpfer sowie stabilere Federn. Die Lenkung wurde direkter ausgelegt, und das ESP-System konnte teilweise deaktiviert werden, um mehr Fahrdynamik zuzulassen. Im Innenraum dominierten sportliche Sportsitze mit Abarth-Logo, ein Lederlederlenkrad mit rotem Zierstreifen, Aluminium-Pedalerie und spezifische Instrumentierung mit weißen Zifferblättern.
Abarth Grande Punto SuperSport (2008) – Die Performance-Variante
Bereits ein Jahr nach der Markteinführung legte Abarth 2008 mit dem Grande Punto SuperSport nach. Diese Version erhielt den leistungsgesteigerten 1,4-Liter-T-Jet-Motor mit nun 132 kW (180 PS) und einem erhöhten Drehmoment von 250 Nm. Die Beschleunigung verbesserte sich auf 7,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit stieg auf 215 km/h. Technisch wurde der Motor mit einem größeren Turbolader, optimierter Motorsteuerung und einem sportlicheren Auspuffsystem ausgestattet. Der Sound wurde markanter, was durch die serienmäßige Record-Monza-Auspuffanlage von Abarth unterstrichen wurde. Das SuperSport-Paket umfasste zudem Brembo-Hochleistungsbremsen mit größeren, belüfteten Bremsscheiben vorne (305 mm), rot lackierten Bremssätteln und einer verbesserten Bremsanlage hinten.
Optisch setzte sich der SuperSport durch eine mattschwarze Motorhaube, dunkel getönte Rückleuchten, spezifische Grafiken an den Flanken und eine Zweifarbenlackierung ab. Im Innenraum fanden sich Sabelt-Schalensitze, ein Alcantara-Lenkrad und Carbon-Dekoreinlagen. Die Fahrwerksabstimmung wurde nochmals verschärft, mit reduzierter Bodenfreiheit und strafferer Dämpferauslegung. Das manuelle Sechsgang-Getriebe erhielt eine kürzere Übersetzung für sportlichere Gangwechsel. Der SuperSport war auf 1.000 Exemplare limitiert und wurde vorwiegend in den Farben Weiß und Schwarz ausgeliefert. In Deutschland lag der Neupreis bei etwa 22.900 Euro, was den Grande Punto SuperSport zu einem attraktiven Angebot im Performance-Kleinwagensegment machte.
Abarth Grande Punto esseesse (2008-2010) – Das Performance-Kit
Parallel zum SuperSport bot Abarth ab 2008 das esseesse-Kit an, ein Werks-Tuning-Paket für den Standard-Grande Punto mit 155 PS. Das Kit steigerte die Leistung auf 165 PS und 230 Nm Drehmoment durch eine optimierte Motorsteuerung und eine sportlichere Abgasanlage. Das esseesse-Paket umfasste zudem Koni-Stoßdämpfer mit manuell einstellbarer Dämpferhärte, ein mechanisches Sperrdifferenzial an der Vorderachse zur Verbesserung der Traktion, 18-Zoll-Leichtmetallräder im speziellen Design und eine weiße Lackierung mit roten Abarth-Streifen über Motorhaube und Dach. Im Innenraum gab es Sabelt-Sportsitze und ein Plakette mit fortlaufender Nummerierung.
Das esseesse-Kit kostete etwa 5.000 Euro Aufpreis und konnte sowohl beim Neuwagenkauf als auch nachträglich geordert werden. Die Veränderungen führten zu einer spürbaren Verbesserung der Fahrdynamik, insbesondere das Sperrdifferenzial reduzierte das für Fronttriebler typische Untersteuern erheblich. Die einstellbaren Dämpfer erlaubten es dem Fahrer, zwischen komfortabler Straßenabstimmung und härterer Rennstrecken-Charakteristik zu wechseln. Der Abarth Grande Punto esseesse wurde zum Inbegriff der Abarth-Philosophie: bezahlbare Performance mit individuellen Tuning-Optionen. Bis zur Produktionseinstellung 2010 entstanden mehrere tausend Exemplare des esseesse-Modells.
Technische Besonderheiten und Motorisierungen
Alle Versionen des Abarth Grande Punto basierten auf dem 1,4-Liter-Turbobenziner mit vier Zylindern und 16 Ventilen. Der Motor nutzte die MultiAir-Technologie von Fiat, die durch elektrohydraulische Ventilsteuerung den Kraftstoffverbrauch senkte und gleichzeitig die Leistung steigerte. Je nach Version variierte die Leistung zwischen 155 PS und 180 PS. Das Sechsgang-Schaltgetriebe war durchweg serienmäßig, eine Automatik wurde nicht angeboten. Der Frontantrieb war Standard, ein Allradantrieb wurde nicht entwickelt. Der Verbrauch lag im kombinierten Zyklus zwischen 6,8 und 7,5 Litern auf 100 Kilometer, was für einen Sportwagen dieser Leistungsklasse akzeptable Werte darstellte.
Das Fahrwerk kombinierte MacPherson-Federbeine vorne mit einer Verbundlenkerachse hinten. Die Bremsen waren durchweg scheibenbremst (vorne innenbelüftet), bei den stärkeren Versionen kamen Brembo-Bremsen zum Einsatz. Die Lenkung war als elektromechanische Servolenkung ausgeführt, bei der SuperSport-Version mit sportlicherer Abstimmung. Das Leergewicht betrug je nach Ausstattung zwischen 1.130 und 1.180 Kilogramm, was dem Grande Punto ein günstiges Leistungsgewicht bescherte. Die Länge betrug 4.030 mm, die Breite 1.697 mm und die Höhe 1.485 mm. Der Kofferraum fasste 275 Liter, bei umgeklappten Rücksitzen erweiterte sich das Volumen auf 1.030 Liter.
Ende der Produktion und Nachfolge
Die Produktion des Abarth Grande Punto endete 2010, als Fiat die Punto-Baureihe einem Facelift unterzog und in Punto Evo umbenannte. Der sportliche Ableger wurde zunächst als Abarth Punto Evo fortgeführt, allerdings mit modifizierten Design-Elementen und leicht überarbeiteter Technik. Der Grande Punto hatte in seiner dreijährigen Bauzeit die Marke Abarth erfolgreich wiederbelebt und zahlreiche Fans gewonnen. Seine Kombination aus kompakten Abmessungen, kräftiger Motorisierung und attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis machte ihn zu einem beliebten Einstiegsmodell in die Welt der Sportkleinwagen. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt sind gut erhaltene Exemplare heute gesuchte Fahrzeuge, insbesondere die limitierten SuperSport- und esseesse-Versionen erzielen Liebhaberpreise.
Der Abarth Grande Punto verkörperte die klassischen Abarth-Tugenden: hohe Leistung aus kleinem Hubraum, sportliches Handling, charakteristischer Sound und italienisches Design. Mit seinem kultigen Auftritt und den markanten Scorpion-Emblemen hinterließ er einen bleibenden Eindruck im Kleinwagensegment. Heute gilt der Grande Punto als Klassiker der Abarth-Neuzeit und als wichtiger Meilenstein in der Geschichte der wiederbelebten Marke. Seine Nachfolger Punto Evo und später der Abarth 595 auf Basis des Fiat 500 führten die Tradition fort, doch der Grande Punto bleibt für viele Enthusiasten der Inbegriff des modernen Abarth-Kleinwagens.