Erste Generation (1985-1989): Der Pionier
Die erste Generation des Acura Integra wurde 1985 zeitgleich mit der Gründung der Marke Acura eingeführt und war eines der drei Gründungsmodelle neben Legend und NSX. Technisch basierte der Integra auf dem Honda Quint/Civic, wurde aber deutlich hochwertiger ausgestattet und positioniert. Angeboten wurden eine dreitürige Schrägheck-Variante und eine viertürige Limousine. Als Antrieb diente zunächst ein 1,6-Liter-Vierzylinder mit 86 bis 113 PS, der über ein Fünfgang-Schaltgetriebe oder eine Viergang-Automatik die Vorderräder antrieb. Das Design folgte der kantigen Formensprache der 1980er Jahre mit rechteckigen Scheinwerfern und klaren Linien. Die Ausstattung umfasste für damalige Verhältnisse luxuriöse Details wie elektrische Fensterheber, Klimaanlage und ein hochwertiges Audiosystem. In Europa wurde dieses Modell parallel als Honda Quint Integra vermarktet, erreichte jedoch nur geringe Verkaufszahlen. Die erste Generation legte den Grundstein für den Ruf des Integra als gut verarbeiteter, zuverlässiger Kompaktwagen mit sportlichen Ambitionen.
Zweite Generation (1990-1993): Reifung des Konzepts
1990 erschien die zweite Integra-Generation (intern DA9/DB1), die deutlich runder und aerodynamischer gestaltet war. Honda nahm hier erstmals Designanleihen aus Europa auf und schuf eine elegantere Silhouette. Die Motorenpalette startete mit einem 1,6-Liter-Motor mit 113 PS, während eine 1,8-Liter-Variante mit bis zu 140 PS die Spitze markierte. Besonders bemerkenswert war die Einführung der GS-R-Variante ab 1992, die mit einem hochdrehenden 1,7-Liter-VTEC-Motor und 160 PS ausgestattet war und den Integra erstmals als echtes Sportcoupé etablierte. Dieses Modell verfügte über VTEC-Technologie (Variable Valve Timing and Lift Electronic Control), die Honda zu einem Vorreiter bei variablen Ventilsteuerungen machte. Die zweite Generation wurde erneut als drei- und viertürige Limousine sowie erstmals als zweitüriges Coupé angeboten. In Europa lief das Fahrzeug weiterhin als Honda Integra und fand vor allem bei jungen Fahrern Anklang, die die Kombination aus Zuverlässigkeit, Fahrspaß und bezahlbarem Preis schätzten. Die Verarbeitungsqualität und die Materialgüte lagen spürbar über dem Standard der Kompaktklasse.
Dritte Generation (1993-2001): Die Legende entsteht
Die dritte Generation des Integra (DC2/DB8) gilt unter Enthusiasten als die ikonischste und wird bis heute als einer der besten Fronttriebler aller Zeiten gefeiert. Das 1993 vorgestellte Modell kombinierte aggressiveres Design mit noch schärferer Fahrdynamik. Besonders die Type R-Variante, die 1995 in Japan und 1997 in den USA eingeführt wurde, entwickelte sich zur Legende. Der DC2 Integra Type R verfügte über einen 1,8-Liter-VTEC-Motor (B18C), der in der japanischen Spezifikation 200 PS bei 8.000 U/min leistete – eine sensationelle spezifische Leistung von 111 PS pro Liter. Das Triebwerk wurde ausschließlich mit einem manuellen Fünfgang-Getriebe kombiniert und trieb die Vorderräder an. Das Fahrwerk war straff abgestimmt, die Karosserie durch Versteifungen optimiert, und das Gewicht wurde durch den Verzicht auf Schalldämmung, Klimaanlage (optional) und andere Komfortfeatures auf unter 1.100 kg gedrückt. Der Integra Type R wurde berühmt für sein präzises Handling, die direkte Lenkung und den hochdrehfreudigen Motor mit dem charakteristischen VTEC-Klang. In Europa wurde der Integra Type R offiziell als Honda Integra Type R verkauft und entwickelte sich schnell zum Kultobjekt. Die Standardmodelle boten 1,6-Liter- und 1,8-Liter-Motoren mit 105 bis 170 PS. Diese Generation erhielt 1998 ein Facelift mit überarbeiteter Front und Heck sowie dezenten technischen Updates. Die Nachfrage nach gut erhaltenen DC2 Type R ist bis heute enorm, und die Preise für Sammlerfahrzeuge haben in den letzten Jahren stark angezogen.
Vierte Generation (2001-2006): Größer und komfortabler
Mit der vierten Generation (DC5) vollzog der Integra 2001 einen Wandel hin zu mehr Größe und Komfort. Das neue Modell wuchs in allen Dimensionen und wurde ausschließlich als zweitüriges Coupé angeboten – die Limousinen-Variante entfiel. Das Design war moderner und muskulöser mit ausgeprägten Kotflügeln und einer coupéhafteren Dachlinie. In den USA wurde diese Generation als Acura RSX vermarktet, während sie in Japan und anderen Märkten weiterhin Honda Integra hieß. Die Motorenpalette umfasste einen 2,0-Liter-i-VTEC-Motor mit 160 PS in der Basisversion und 200 bis 220 PS in den sportlichen Type S (USA) bzw. Type R (Japan/Europa) Varianten. Der europäische DC5 Type R leistete 220 PS und bot dank verbesserter Fahrwerkstechnik, größerer Bremsen und einem limitiertem Sperrdifferenzial (in einigen Märkten) beeindruckende Fahrleistungen. Das manuelle Sechsgang-Getriebe ersetzte die bisherige Fünfgang-Schaltung. Die vierte Generation war komfortabler und alltagstauglicher als ihre Vorgängerin, büßte dafür aber etwas von der rohen, kompromisslosen Sportlichkeit des DC2 ein. In Europa endete der Verkauf 2006, da Honda sich entschied, den Integra-Namen auslaufen zu lassen. Der Civic Type R übernahm ab 2007 die Rolle des kompakten Honda-Sportlers in Europa.
Die lange Pause (2006-2022)
Nach 2006 verschwand der Integra-Name für 16 Jahre vom Markt. Honda konzentrierte sich auf andere Modelle, und die Rolle des sportlichen Kompaktfahrzeugs wurde vom Civic Type R übernommen, der ab 2007 in Europa und später weltweit verfügbar war. In Nordamerika wurde das Coupé-Segment zunehmend unbeliebt, und Acura konzentrierte sich auf SUVs und Limousinen. Enthusiasten hofften jahrelang auf eine Rückkehr des Integra-Namens, doch Honda/Acura gab keine entsprechenden Signale. Erst 2021 kündigte Acura an, dass der legendäre Name 2022 zurückkehren würde – allerdings ausschließlich für den nordamerikanischen Markt und ohne Bezug zu den klassischen Type R-Modellen der Vergangenheit.
Fünfte Generation (2023-heute): Die Wiedergeburt
2022 stellte Acura die fünfte Generation des Integra vor, die seit Frühjahr 2023 verkauft wird. Das neue Modell basiert auf der elften Generation des Honda Civic (FL1) und teilt sich Plattform, Technik und viele Komponenten mit diesem. Anders als die Vorgänger wird der neue Integra ausschließlich als fünftürige Fließheck-Limousine (Liftback) angeboten, was die Alltagstauglichkeit erhöht, aber den klassischen Coupé-Charakter aufgibt. Das Design orientiert sich an modernen Acura-Designlinien mit dem charakteristischen Pentagon-Kühlergrill, schlanken LED-Scheinwerfern und einer dynamischen Seitenlinie. Der Innenraum entspricht weitgehend dem des Civic, bietet aber hochwertigere Materialien und eine umfangreichere Serienausstattung. Als Antrieb dient ein 1,5-Liter-Turbomotor (L15C7) mit 200 PS und 260 Nm Drehmoment. In der Basisversion A-Spec ist eine stufenlose CVT-Automatik Standard, während die besser ausgestattete Variante ein manuelles Sechsgang-Getriebe erhält. Im Sommer 2023 folgte die Type S-Version mit dem 2,0-Liter-Turbomotor (K20C4) aus dem Civic Type R, der hier 320 PS leistet – deutlich weniger als im Civic Type R mit 330 PS, aber immer noch beeindruckend. Die Type S kommt ausschließlich mit manuellem Getriebe und einem mechanischen Sperrdifferenzial. Die Preise in den USA starten bei etwa 31.000 Dollar für die Basisversion und erreichen knapp 52.000 Dollar für die Type S. Für Europa und Deutschland ist der neue Integra nicht vorgesehen, da Acura weiterhin keine Präsenz auf dem europäischen Markt plant. Enthusiasten müssen daher weiterhin auf Importfahrzeuge oder den Honda Civic Type R ausweichen, der technisch eng verwandt ist.