Die erste Generation (2009–2013): Pionier des SUV-Coupé-Segments
Als Acura 2009 den ZDX vorstellte, betrat der Hersteller Neuland. Das Fahrzeug kombinierte die erhöhte Sitzposition und Alltagstauglichkeit eines SUV mit der coupéhaften Silhouette eines Sportwagens. Der ZDX der ersten Generation basierte technisch auf der Plattform des Honda Pilot und Acura MDX, unterschied sich jedoch fundamental in seiner Designsprache. Die stark abfallende Dachlinie, die massiven Radhäuser und die geteilte Heckscheibe waren damals provokant und polarisierten das Publikum. Während manche das Design als visionär lobten, empfanden andere es als zu extravagant.
Unter der Haube arbeitete ein 3,7-Liter-V6-Benzinmotor mit 224 kW (304 PS), der über ein Sechsgang-Automatikgetriebe die Kraft auf alle vier Räder verteilte. Das Super Handling All-Wheel Drive (SH-AWD) System von Acura ermöglichte eine dynamische Kraftverteilung und verbesserte die Traktion in Kurven erheblich. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erledigte der ZDX in etwa 7,3 Sekunden – respektable Werte für ein Fahrzeug dieser Klasse. Der Verbrauch lag kombiniert bei rund 12,5 Litern auf 100 Kilometer, was für einen V6-Allradler jener Zeit marktüblich war.
Im Innenraum bot der ZDX Platz für bis zu vier Personen (eine optionale Fünf-Sitz-Konfiguration war verfügbar), wobei die coupéhafte Linienführung besonders im Fond auf Kosten der Kopffreiheit ging. Die Verarbeitung war hochwertig, die Ausstattung umfangreich: Ledersitze, ein Premium-Soundsystem von ELS Studio, Navigationssystem und adaptive Dämpfer gehörten zur Serienausstattung. Der Kofferraum fasste 765 Liter, bei umgeklappter Rückbank bis zu 1.520 Liter – solide Werte, aber nicht klassenführend.
Kommerziell war die erste Generation des ZDX kein Erfolg. In den USA wurden zwischen 2009 und 2013 nur etwa 7.200 Einheiten verkauft, deutlich unter den Erwartungen. Die Nische zwischen SUV und Coupé war damals noch zu eng, und der relativ hohe Preis von über 45.000 US-Dollar schreckte viele Käufer ab. 2013 wurde die Produktion eingestellt, ohne dass ein Nachfolger geplant war. In Europa und insbesondere in Deutschland war der ZDX nie offiziell erhältlich, weshalb das Fahrzeug hierzulande eine absolute Rarität darstellt.
Die Pause: 2013–2023
Nach dem Ende der ersten Generation verschwand der Name ZDX für ein Jahrzehnt vollständig aus den Produktplänen von Acura. Die Marke konzentrierte sich auf ihre Kernmodelle wie MDX, RDX und die Limousinen TLX und ILX. Doch mit dem weltweiten Siegeszug der Elektromobilität und der wachsenden Nachfrage nach SUV-ähnlichen Fahrzeugen mit sportlicher Optik entschied sich Honda/Acura, den ZDX als rein elektrisches Modell wiederzubeleben – diesmal als Teil einer strategischen Partnerschaft mit General Motors.
Die zweite Generation (ab 2024): Elektrische Wiedergeburt
2024 kehrte der Acura ZDX zurück, und zwar als vollelektrisches SUV-Coupé auf Basis der Ultium-Plattform von General Motors. Technisch eng verwandt mit dem Cadillac Lyriq und dem Honda Prologue, repräsentiert der neue ZDX einen kompletten Neuanfang. Das Design ist deutlich moderner und fließender als beim Vorgänger: Die Frontpartie wird von einem geschlossenen Kühlergrill mit beleuchteten Acura-Diamanten dominiert, die Seitenlinie ist dynamisch, und das Heck wirkt breit und muskulös. Die coupéhafte Dachlinie ist geblieben, wurde aber harmonischer in die Gesamtform integriert.
Der neue ZDX wird in mehreren Varianten angeboten. Die Basisversion leistet 253 kW (340 PS) und verfügt über Hinterradantrieb. Das Topmodell ZDX Type S bietet Allradantrieb und eine Systemleistung von 373 kW (500 PS), womit der Sprint von 0 auf 100 km/h in unter 4,5 Sekunden gelingt – ein gewaltiger Sprung gegenüber dem Verbrenner-Vorgänger. Die Batterie hat eine Kapazität von 102 kWh und soll nach EPA-Norm bis zu 480 Kilometer Reichweite ermöglichen (realistisch in Europa eher 400–450 Kilometer). Die Ladeleistung liegt bei maximal 190 kW, womit die Batterie in rund 40 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden kann.
Technologisch ist der ZDX auf der Höhe der Zeit: Das AcuraWatch-Sicherheitspaket umfasst adaptive Geschwindigkeitsregelung, Spurhalteassistent, Totwinkelwarner und automatische Notbremsung. Das Infotainmentsystem basiert auf einem 11,3-Zoll-Touchscreen mit Google Built-in (Android Automotive OS), ergänzt durch ein 11-Zoll-Digitalinstrument. Drahtlose Integration von Apple CarPlay und Android Auto ist selbstverständlich. Der Innenraum bietet Platz für fünf Personen, und die Kopffreiheit im Fond wurde gegenüber dem Vorgänger deutlich verbessert. Der Kofferraum fasst 810 Liter, bei umgeklappten Sitzen bis zu 1.723 Liter – mehr als genug für den Alltag.
Preislich startet der neue ZDX in den USA bei etwa 60.000 US-Dollar, das Type S-Modell bei rund 73.000 US-Dollar. Für den deutschen Markt ist auch diese zweite Generation nicht offiziell vorgesehen, da Acura nach wie vor ausschließlich in Nordamerika, China und einigen asiatischen Märkten aktiv ist. Interessenten in Deutschland müssten den ZDX als US-Import zulassen, was mit erheblichem Aufwand und Kosten verbunden wäre – von der Homologation über die Umrüstung auf europäische Normen bis hin zu Garantiefragen.
Marktpositionierung und Konkurrenz
In seiner ursprünglichen Form konkurrierte der ZDX mit Fahrzeugen wie dem BMW X6, Audi Q5 Sportback oder Mercedes GLE Coupé – wobei er preislich darunter positioniert war, aber auch weniger Markenimage bot. In seiner elektrischen Neuauflage tritt der ZDX gegen den Tesla Model Y Performance, Ford Mustang Mach-E GT, Hyundai Ioniq 5 N und eben die GM-Schwestermodelle an. Während die technische Basis geteilt wird, setzt Acura auf ein sportlicheres, premiumorientiertes Image mit japanischer Verarbeitungsqualität.
Fazit: Ein Exot mit zwei Leben
Der Acura ZDX ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie ein Fahrzeugname nach einem kommerziellen Misserfolg eine zweite Chance erhalten kann. Die erste Generation war ihrer Zeit designtechnisch voraus, fand aber keine ausreichende Käuferschaft. Die zweite Generation profitiert vom Elektro-Boom und der etablierten SUV-Coupé-Nische, bleibt aber für europäische Kunden ein unerreichbares Objekt der Begierde. Für den deutschen Markt bleibt der ZDX eine Fußnote der Automobilgeschichte – interessant, aber ohne praktische Relevanz.