Die erste Generation DB11 (2016–2023)
Im März 2016 wurde der Aston Martin DB11 auf dem Genfer Automobilsalon der Öffentlichkeit präsentiert. Die Markteinführung erfolgte im vierten Quartal 2016 zunächst als Coupé mit einem völlig neu entwickelten 5,2-Liter-V12-Biturbo-Motor. Diese Eigenentwicklung löste den zuvor verwendeten V12-Saugmotor ab und leistete beeindruckende 447 kW (608 PS) bei 6500 U/min sowie 700 Nm Drehmoment. Der DB11 basiert auf einer neuen Aluminiumplattform, die deutlich steifer als die des Vorgängers DB9 ist und gleichzeitig Gewicht einspart. Das Design von Marek Reichman zeigt eine evolutionäre Weiterentwicklung der Aston-Martin-Designsprache mit markanten Proportionen, einer langen Motorhaube und einem coupéhaften Dachverlauf. Besonders auffällig sind die aerodynamischen Details wie die sogenannten 'AeroBlade'-Luftauslässe an den C-Säulen, die Luft aus den Radkästen ableiten und den Abtrieb verbessern. Der Innenraum präsentierte sich deutlich moderner als beim DB9, mit einem neuen Infotainmentsystem auf Basis von Mercedes-Benz-Technologie – ein Resultat der technischen Partnerschaft zwischen Aston Martin und Daimler.
Technisch war der DB11 Launch Edition mit einem ZF-Achtgang-Automatikgetriebe und Hinterradantrieb ausgestattet. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelang in 3,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 322 km/h. Im deutschen Markt startete der DB11 V12 zu einem Grundpreis von etwa 212.000 Euro. Die adaptive Dämpfung und die Torque-Vectoring-Funktion durch gezieltes Bremsen einzelner Räder sorgten für eine deutlich dynamischere Fahrwerksabstimmung als beim Vorgänger, ohne den Komfort eines Gran Turismos zu vernachlässigen.
DB11 V8 und Volante: Erweiterung der Baureihe (2017–2018)
Im Jahr 2017 erweiterte Aston Martin die DB11-Baureihe um eine V8-Variante, die auf der IAA in Frankfurt vorgestellt wurde. Angetrieben wurde diese Version von einem 4,0-Liter-V8-Biturbo-Motor von AMG mit 375 kW (510 PS) und 675 Nm Drehmoment. Die V8-Version war nicht nur günstiger im Einstiegspreis (ab circa 195.000 Euro in Deutschland), sondern auch rund 115 Kilogramm leichter als die V12-Variante, was sich positiv auf die Agilität auswirkte. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erfolgte in 4,0 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit betrug 301 km/h. Der geringere Verbrauch und die ausgewogenere Gewichtsverteilung machten den DB11 V8 für viele Kunden zur attraktiveren Wahl.
Im Oktober 2017 folgte auf der IAA die Präsentation des DB11 Volante, der offenen Variante des Gran Turismos. Das Stoffverdeck öffnet und schließt in 14 Sekunden bei Geschwindigkeiten bis 50 km/h. Zunächst war das Volante nur mit dem V8-Motor erhältlich, ab 2018 folgte auch eine V12-Volante-Version. Das Volante brachte gegenüber dem Coupé etwa 110 Kilogramm Mehrgewicht mit sich, bot aber unveränderten Kofferraumraum von 270 Litern. Die Preise für das Volante starteten in Deutschland bei etwa 205.000 Euro für die V8-Version.
Facelift und AMR-Variante (2019–2020)
Im Jahr 2019 unterzog Aston Martin den DB11 einem dezenten Facelift, wobei vor allem die V12-Variante überarbeitet wurde und die neue Bezeichnung DB11 AMR (Aston Martin Racing) erhielt. Die AMR-Version des V12 leistete nun 470 kW (639 PS) bei unverändertem Hubraum, das maximale Drehmoment blieb bei 700 Nm. Die Leistungssteigerung resultierte aus optimierter Motor-Software und verbesserter Abgasanlage. Der Sprint auf 100 km/h gelang nun in 3,7 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit stieg auf 334 km/h. Optisch unterschied sich die AMR-Version durch dunkel getönte Scheinwerfer, einen schwarzen Kühlergrill, neue 20-Zoll-Leichtmetallfelgen und spezifische Farbkombinationen. Das Fahrwerk wurde nochmals geschärft mit strafferen adaptiven Dämpfern und direkterer Lenkung.
Die V8-Variante blieb weitgehend unverändert, erhielt aber ebenfalls leichte optische Aktualisierungen und verfeinerte Abstimmungen bei Fahrwerk und Lenkung. Im Innenraum wurden hochwertigere Materialien und neue Farbkombinationen angeboten. Das Infotainmentsystem erhielt Software-Updates für verbesserte Bedienung. Die AMR-Variante positionierte sich als sportlichste DB11-Version und bildete gleichzeitig die Brücke zum noch leistungsstärkeren DBS Superleggera im Aston-Martin-Portfolio.
Ende der Produktion und Marktpositionierung (2021–2023)
Ab 2021 begann Aston Martin, die Produktion des DB11 sukzessive herunterzufahren, um Ressourcen für die neuen Modelle wie den Vantage, DBS und später den DB12 freizumachen. Die letzten DB11-Exemplare liefen 2023 vom Band im Aston-Martin-Werk in Gaydon, Warwickshire. Insgesamt wurden in den rund sieben Produktionsjahren etwa 10.500 Einheiten des DB11 in allen Varianten gefertigt – eine für Aston-Martin-Verhältnisse respektable Stückzahl.
Der DB11 etablierte sich erfolgreich im Segment der luxuriösen Gran Turismos und konkurrierte direkt mit Fahrzeugen wie dem Bentley Continental GT, Ferrari GTC4Lusso und Mercedes-AMG GT. Seine Stärken lagen in der Kombination aus britischer Handwerkskunst, emotionalem Design, kraftvollen Motoren und überraschend guten Langstreckeneigenschaften. Die Zuverlässigkeit verbesserte sich gegenüber früheren Aston-Martin-Modellen deutlich, auch dank der Verwendung bewährter Zulieferteile von Mercedes-Benz und ZF.
Technische Besonderheiten und Innovation
Der DB11 war für Aston Martin ein technologischer Sprung. Die neue VH3-Plattform (Vertical Horizontal der dritten Generation) bestand aus einer Aluminium-Monocoque-Struktur mit strategisch platzierten Magnesiumkomponenten. Die Karosserie setzte auf eine Mischung aus Aluminium und Verbundwerkstoffen. Besonders innovativ waren die aerodynamischen Lösungen: Die AeroBlade-II-Luftführung leitete Luft durch Öffnungen hinter den Vorderkotflügeln über die Flanken und durch Schlitze in den C-Säulen ab, wodurch ein virtueller Heckflügel entstand, der Abtrieb generierte, ohne zusätzlichen Luftwiderstand zu erzeugen.
Das elektrische System arbeitete mit 48 Volt für bestimmte Komfortfunktionen und stellte damit zukunftsweisende Technologie bereit. Das adaptive Dreikammer-Luftfederungssystem von Bilstein passte sich automatisch an Fahrsituation und Fahrmodus an. Die elektronische Hinterachslenkung (nur bei V12-Modellen) verbesserte Agilität und Stabilität gleichermaßen. Das Torque-Vectoring-System durch gezielte Bremseingriffe optimierte die Traktion in Kurven.
Der DB11 auf dem deutschen Markt
In Deutschland fand der DB11 eine treue, wenn auch überschaubare Käuferschicht. Die exklusive Positionierung mit Preisen zwischen 195.000 und weit über 250.000 Euro für individualisierte Exemplare machte ihn zu einem echten Luxusgut. Aston Martin bot über das Q-Personalisierungsprogramm nahezu unbegrenzte Individualisierungsmöglichkeiten bei Lackierung, Leder, Nähten und Details. Deutsche Kunden schätzten besonders die V8-Variante wegen der besseren Alltagstauglichkeit und des günstigeren Unterhalts. Die jährliche Wartung bei autorisierten Aston-Martin-Partnern in Deutschland kostete zwischen 2.000 und 3.500 Euro, abhängig von Laufleistung und Modellvariante.
Fazit und Vermächtnis
Der Aston Martin DB11 erfüllte seine Mission, die Marke zu modernisieren und für eine neue Generation von Sportwagenkäufern attraktiv zu machen. Er bildete die Basis für die nachfolgenden Modelle Vantage und DBS Superleggera, die auf derselben Plattform aufbauten. Mit dem 2023 vorgestellten DB12 als Nachfolger endete die DB11-Ära, doch das Modell bleibt ein wichtiger Meilenstein in der 110-jährigen Geschichte von Aston Martin. Der DB11 bewies, dass traditionelle Sportwagenwerte und moderne Technologie erfolgreich vereinbar sind und setzte Maßstäbe in Design, Performance und Handwerkskunst, die den Weg für die Zukunft der Marke ebneten.