Entstehung und technische Basis (1958-1959)
Der Aston Martin DB4 wurde im Oktober 1958 auf der London Motor Show präsentiert und markierte einen Wendepunkt in der Firmengeschichte. Er war der erste Aston Martin, der vollständig im neuen Werk in Newport Pagnell gebaut wurde. Das Design stammte von Carrozzeria Touring aus Mailand, die ihre patentierte Superleggera-Bauweise anwendeten: Dabei wurde ein Skelett aus kleinen Stahlrohren mit Aluminiumblechen beplankt, was für damalige Verhältnisse eine leichte und zugleich stabile Karosserie ergab. Der DB4 ersetzte den DB Mark III und bot eine völlig neue Designsprache mit fließenden Linien, einer langen Motorhaube und einem kurzen Heck. Unter der Haube arbeitete ein neu entwickelter 3,7-Liter-Reihensechszylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen, konstruiert von Tadek Marek. Der Motor leistete zunächst 240 PS und ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von über 225 km/h, was den DB4 zu einem der schnellsten Serienautos seiner Zeit machte.
Serie 2 und Serie 3 (1959-1961)
Die Serie 2 wurde im Januar 1960 eingeführt und brachte erste Verbesserungen: Der Radstand wurde um 7,6 cm verlängert, um mehr Innenraum zu schaffen, und die hinteren Seitenfenster erhielten eine größere Öffnung für bessere Belüftung. Die Stoßstangen wurden verstärkt, und die Scheinwerfer erhielten eine neue Einfassung. Diese Serie war bis September 1960 in Produktion. Die Serie 3 folgte im März 1961 mit weiteren Detailverbesserungen: Die vordere Stoßstange wurde modifiziert, die Kühlergrill-Streben wurden feiner gestaltet, und im Innenraum gab es überarbeitete Sitze mit verbesserter Polsterung. Die elektrische Anlage wurde robuster ausgelegt, nachdem frühere Serien mit Zuverlässigkeitsproblemen zu kämpfen hatten. In dieser Zeit bot Aston Martin auch erstmals eine Cabriolet-Version an, die als "Drophead Coupé" bezeichnet wurde und von Tickford karossiert wurde.
Serie 4 und GT-Variante (1961-1962)
Die Serie 4, eingeführt im September 1961, erhielt größere Heckleuchten im Stil der italienischen Karosserien jener Zeit und ein überarbeitetes Armaturenbrett mit besserer Instrumentenanordnung. Die Windschutzscheibe wurde flacher gestellt, was der Karosserie ein moderneres Aussehen verlieh. Parallel zur regulären Serie 4 wurde die legendäre DB4 GT vorgestellt, eine radikale Hochleistungsversion mit verkürztem Radstand (um 12,7 cm), leichterem Aluminium-Karosseriebau und einem auf 302 PS erstarkten Motor. Der DB4 GT war ausschließlich als Zweisitzer konzipiert und verzichtete auf viele Komfortausstattungen zugunsten des Gewichts. Er erreichte Geschwindigkeiten von bis zu 245 km/h und war primär für den Motorsport gedacht. Nur 75 Exemplare des DB4 GT wurden gebaut, was ihn heute zu einem der wertvollsten Aston Martin überhaupt macht. Eine noch extremere Version war der DB4 GT Zagato, bei dem die Mailänder Carrozzeria Zagato eine komplett neue, aerodynamischere Karosserie entwarf. Von diesem Meisterwerk entstanden ursprünglich nur 19 Stück, später folgten Nachbauten durch das Werk selbst.
Serie 5 und Produktionsende (1962-1963)
Die finale Serie 5 wurde im September 1962 eingeführt und stellte die ausgereifteste Version des DB4 dar. Sie erhielt einen Vantage-Motor mit 266 PS als optionale Ausstattung, der durch drei Weber-Doppelvergaser gespeist wurde und noch mehr Leistung bot. Die Karosserie wurde an einigen Stellen verstärkt, und die Bremsanlage mit Scheibenbremsen rundum wurde nochmals verbessert, nachdem frühe DB4 unter Bremsschwäche gelitten hatten. Die Serie 5 war äußerlich an den anders gestalteten Rückleuchten und den verchromten Lufteinlässen in der Motorhaube zu erkennen. Die Innenausstattung wurde luxuriöser gestaltet mit hochwertigerem Leder und Wurzelholz-Verkleidungen. Im Juli 1963 endete die Produktion des DB4 nach insgesamt 1.110 gebauten Exemplaren. Sein Nachfolger, der DB5, basierte technisch weitgehend auf der Serie 5, erhielt aber einen auf 4,0 Liter vergrößerten Motor und wurde vor allem durch die James-Bond-Filme weltberühmt. Der DB4 hatte dennoch seinen eigenen, unverwechselbaren Charakter und gilt heute als purer und sportlicher als der luxuriösere DB5.
Technische Besonderheiten und Innovation
Der DB4 war seiner Zeit in vielerlei Hinsicht voraus. Die Superleggera-Bauweise war für britische Verhältnisse revolutionär und ermöglichte ein Leergewicht von nur etwa 1.260 kg bei gleichzeitig hoher Steifigkeit. Der von Tadek Marek konstruierte Sechszylinder-Motor mit 3.670 cm³ Hubraum verfügte über zwei obenliegende Nockenwellen und wurde anfangs von zwei SU-Vergasern befeuert. In der Vantage-Version kamen drei Weber-Doppelvergaser zum Einsatz, die die Leistung auf bis zu 266 PS steigerten. Die Kraftübertragung erfolgte über ein manuelles Vierganggetriebe von David Brown, optional war ein Borg-Warner-Dreigang-Automatikgetriebe erhältlich, das allerdings nur selten bestellt wurde. Das Fahrwerk bestand aus vorne doppelten Querlenkern und hinten einer Starrachse mit Panhardstab und Schraubenfedern. Die Scheibenbremsen an allen vier Rädern waren für die damalige Zeit fortschrittlich, litten aber anfangs unter unzureichender Kühlleistung, was in späteren Serien verbessert wurde.
Motorsport-Erfolge und Rennsport-DNA
Der DB4 GT und insbesondere der DB4 GT Zagato waren im Motorsport aktiv und erzielten beachtliche Erfolge in der GT-Klasse. Bei Rennen in Goodwood, Silverstone und auf dem Nürburgring konnten Privatfahrer und Werksteams Klassensiege einfahren. Der leichte DB4 GT Zagato war besonders erfolgreich und trat gegen Ferrari 250 GT SWB und andere italienische Konkurrenten an. Obwohl Aston Martin in den 1960er Jahren eher für seine Prototypen wie den DBR1 bekannt war, der 1959 in Le Mans siegte, trug der DB4 GT wesentlich zum sportlichen Image der Marke bei. Die Rennsport-Varianten verfügten über modifizierte Motoren mit bis zu 314 PS und erreichten Spitzengeschwindigkeiten von über 250 km/h. Viele DB4 GT wurden später zu Straßenfahrzeugen zurückgebaut, was ihre heutige Seltenheit in originaler Rennsport-Spezifikation erklärt.
Kulturelle Bedeutung und Sammlermarkt
Der Aston Martin DB4 hat einen festen Platz in der Automobilgeschichte als stilbildender Gran Turismo der späten 1950er und frühen 1960er Jahre. Sein Design beeinflusste nachfolgende Aston Martin-Modelle bis in die 1970er Jahre hinein. Auf dem heutigen Sammlermarkt gehören DB4 zu den wertvollsten britischen Klassikern. Normale Coupés der Serien 1 bis 5 erzielen je nach Zustand und Originalität zwischen 400.000 und 800.000 Euro. Besonders begehrt sind Exemplare der Serie 1 mit Originalmotor und -karosserie sowie die Cabriolet-Versionen. Der DB4 GT erreicht Preise zwischen 2 und 4 Millionen Euro, während der extrem seltene DB4 GT Zagato regelmäßig zweistellige Millionenbeträge erzielt – ein Exemplar wechselte 2019 für über 14 Millionen Euro den Besitzer. Aston Martin selbst ehrte das legendäre Modell 2017 mit einer limitierten Neuauflage von 25 DB4 GT Zagato Continuation-Modellen, die nach Originalspezifikation in Newport Pagnell handgefertigt wurden und jeweils über 6 Millionen Euro kosteten. Diese Wertschätzung unterstreicht die zeitlose Bedeutung des DB4 als Meilenstein britischer Automobilkunst.