Entwicklung und Markteinführung (1965-1966)
Im Herbst 1965 präsentierte Aston Martin den DB6 als evolutionäre Weiterentwicklung des DB5. Die wichtigste Änderung war eine um 94 mm verlängerte Radstand, der deutlich mehr Beinfreiheit im Fond bot und den DB6 zu einem echten Viersitzer machte. Optisch unterschied sich der DB6 durch ein modifiziertes Heck mit charakteristischem Kamm-Tail (Kamm-Heck), das nach aerodynamischen Prinzipien des deutschen Ingenieurs Wunibald Kamm gestaltet wurde. Dieses Design verbesserte die Hochgeschwindigkeitsstabilität erheblich und reduzierte den Auftrieb an der Hinterachse. Der 4,0-Liter-Reihensechszylinder leistete in der Standardversion 282 PS (207 kW), was eine Höchstgeschwindigkeit von rund 240 km/h ermöglichte. Das Design stammte weiterhin von Carrozzeria Touring aus Mailand, wurde aber nun vollständig bei Aston Martin in Newport Pagnell gefertigt, da Touring 1966 in finanzielle Schwierigkeiten geriet.
DB6 Vantage (1966-1970)
Parallel zur Standardversion bot Aston Martin ab 1966 die leistungsgesteigerte Vantage-Variante an. Mit drei Weber-Doppelvergasern statt der üblichen SU-Vergaser leistete der Vantage-Motor 325 PS (239 kW). Die Vantage-Modelle erkannte man an speziellen Leichtmetallrädern und dezenten Vantage-Schriftzügen. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erfolgte in unter 6,5 Sekunden – beeindruckende Werte für die 1960er-Jahre. Etwa 140 der insgesamt 1.788 produzierten DB6 wurden als Vantage ausgeliefert, was diese Version heute besonders wertvoll macht. Die Vantage-Spezifikation kostete seinerzeit etwa 10% Aufpreis gegenüber dem Standardmodell und war vor allem bei sportlich orientierten Kunden beliebt.
DB6 Volante (1966-1970)
Im Mai 1966 erweiterte Aston Martin die DB6-Baureihe um eine Cabriolet-Variante, die traditionell die Bezeichnung Volante trug. Das Stoffverdeck war elektrisch betätigt und verschwand unter einer profilierten Abdeckung. Der Volante basierte auf dem kurzen Chassis des DB5, nicht auf dem verlängerten des DB6, was ihn sportlicher, aber weniger alltagstauglich machte. Mit nur 140 produzierten Exemplaren ist der DB6 Volante heute der seltenste und wertvollste Vertreter der Baureihe. Auch hier war eine Vantage-Version erhältlich, von der jedoch nur 29 Stück gebaut wurden. Die Volante-Modelle waren erheblich teurer als die Coupés und richteten sich an eine exklusive Klientel, die offenes Fahren mit Grand-Tourer-Komfort verbinden wollte.
Mark II-Facelift (1969-1971)
Im September 1969 erhielt der DB6 ein Facelift und wurde als Mark II (auch Mk II geschrieben) angeboten. Die Änderungen waren überwiegend kosmetischer und technischer Natur: Die Radhäuser wurden verbreitert, um breitere Reifen aufzunehmen, die Scheinwerfer erhielten eine neue Einfassung mit zusätzlichen Lufteinlässen darunter, und die Stoßstangen wurden robuster ausgeführt. Serienmäßig waren nun Servolenkung und automatische Klimaanlage, die zuvor nur optional erhältlich waren. Mechanisch blieb der DB6 Mark II weitgehend unverändert, wobei einige Detail-Verbesserungen am Kühlsystem und an der Kraftstoffanlage vorgenommen wurden. Von der Mark II-Version wurden etwa 240 Exemplare gebaut, bevor die Produktion im Januar 1971 endgültig eingestellt wurde. Der Mark II war das letzte Modell der klassischen DB-Baureihe mit Reihensechszylinder, bevor Aston Martin mit dem DBS V8 eine neue Ära einläutete.
Technische Besonderheiten
Der DB6 basierte auf einem Gitterrohrrahmen aus Stahlrohren, auf dem die Aluminiumkarosserie montiert wurde. Diese Leichtbauweise war typisch für Aston Martin und trug zum günstigen Leistungsgewicht bei. Der 3.995 ccm große Reihensechszylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen war eine Weiterentwicklung des Motors aus dem DB4 und DB5. Die Kraftübertragung erfolgte über ein manuelles Fünfganggetriebe von ZF oder optional über ein Dreigang-Automatikgetriebe von Borg-Warner. Die Einzelradaufhängung vorne mit Doppelquerlenkern und die De-Dion-Hinterachse mit Panhardstab boten für die damalige Zeit hervorragende Fahreigenschaften. Scheibenbremsen an allen vier Rädern waren serienmäßig, wobei die vorderen von Girling stammten und innenbelüftet waren.
Produktion und Sondermodelle
Insgesamt wurden zwischen 1965 und 1971 exakt 1.788 Exemplare des DB6 gebaut – davon 1.575 Coupés und 178 Volantes, plus 35 Shooting Brakes. Die Shooting Brake-Variante war eine besonders rare Kombilösung, die vom britischen Karosseriebauer Harold Radford umgesetzt wurde. Mit ihrer zweitürigen Karosserie und der großen Heckklappe kombinierte sie Sportwagen-Ästhetik mit praktischem Nutzen. Jeder DB6 wurde in Handarbeit bei Aston Martin in Newport Pagnell gefertigt, was die hohen Produktionskosten und die limitierte Stückzahl erklärt. Die Bauzeit pro Fahrzeug betrug mehrere Wochen, und jeder Kunde konnte sein Fahrzeug individuell konfigurieren – von der Lackfarbe über die Lederausstattung bis hin zu speziellen technischen Wünschen.
Marktpositionierung und Konkurrenz
Mit einem Neupreis von rund 4.500 Pfund (etwa 50.000 DM) war der DB6 eines der teuersten britischen Automobile seiner Zeit. Seine direkten Konkurrenten waren der Ferrari 330 GT 2+2, der Maserati Quattroporte und der Jensen Interceptor. Im Vergleich zu italienischen Sportwagen galt der Aston Martin als gediegener und alltagstauglicher, während er gleichzeitig sportlicher war als große britische Limousinen wie Bentley oder Rolls-Royce. Die Marke Aston Martin profitierte in den 1960er-Jahren erheblich von der Popularität der James-Bond-Filme, auch wenn Bond im Film den DB5 fuhr, nicht den DB6. Dennoch half die Assoziation mit 007 der Marke, ein Image von Eleganz, Sportlichkeit und britischer Exklusivität aufzubauen.
Der DB6 heute
Auf dem heutigen Sammlermarkt zählt der Aston Martin DB6 zu den gefragtesten klassischen Grand Tourern. Gut erhaltene Coupés mit Matching Numbers erzielen Preise zwischen 250.000 und 400.000 Euro, während Vantage-Versionen und vor allem Volantes deutlich darüber liegen können – seltene Volante Vantage erreichen mitunter über 800.000 Euro. Die Shooting Brakes sind aufgrund ihrer Seltenheit besonders wertvoll und erzielen Spitzenpreise. Die Wertentwicklung ist in den letzten Jahren stabil geblieben, nachdem sie zwischen 2010 und 2015 stark gestiegen war. Der DB6 gilt als ausgezeichneter Einstieg in die Welt der klassischen Aston Martins, da er im Vergleich zum legendären DB5 oft noch günstiger zu haben ist, aber ähnliche Fahreigenschaften und Ästhetik bietet. Die Ersatzteilversorgung ist dank spezialisierter Händler und des Aston Martin Heritage Parts Programms gesichert, allerdings sind Wartung und Unterhalt aufwendig und kostspielig. Clubs wie der Aston Martin Owners Club Deutschland bieten Unterstützung für Besitzer und organisieren regelmäßige Treffen und Ausfahrten.