Die Entwicklung des DB6 (1965-1970)
Der Aston Martin DB6 wurde im September 1965 auf dem London Motor Show vorgestellt und trat die Nachfolge des erfolgreichen DB5 an. Die Limousine bildete die Basis für die spätere Volante-Version. Im Vergleich zum Vorgänger DB5 erhielt der DB6 eine um 95 mm verlängerte Radstand, was zu deutlich verbesserter Beinfreiheit im Fond führte. Die markanteste Designänderung war das steilere Heck mit einer abgeschnittenen Kamm-Kante und einem integrierten Spoiler, der bei Geschwindigkeiten über 110 km/h für besseren Abtrieb sorgte. Diese aerodynamische Verbesserung war das Ergebnis umfangreicher Windkanaltests und unterschied den DB6 optisch deutlich vom DB5. Der charakteristische Kühlergrill mit den vertikalen Streben blieb erhalten, wurde aber geringfügig modifiziert. Technisch setzte der DB6 auf den bewährten 4,0-Liter-Reihensechszylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen, der von Tadek Marek entwickelt worden war. Dieser Motor leistete in der Standardversion 282 PS und ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 240 km/h.
Der DB6 Volante (1965-1969)
Die Cabriolet-Version DB6 Volante wurde erst im Oktober 1965 eingeführt, etwa einen Monat nach der Limousine. Der Name "Volante" stammt aus dem Italienischen und bedeutet "fliegend" – eine passende Bezeichnung für ein offenes Fahrzeug. Die Entwicklung eines Cabriolets stellte eine besondere Herausforderung dar, da die Karosseriesteifigkeit ohne festes Dach deutlich geringer ausfiel. Aston Martin verstärkte daher den Unterboden und die Schweller erheblich, was das Gewicht um etwa 90 kg gegenüber der Limousine erhöhte. Das Stoffverdeck war aufwendig gefüttert und konnte manuell bedient werden. In geschlossenem Zustand verschwand es unter einer maßgeschneiderten Abdeckung, die die fließende Linie des Fahrzeugs bewahrte. Die Produktion des DB6 Volante war äußerst limitiert: Zwischen 1965 und 1969 entstanden nur 140 Exemplare in Handarbeit bei Aston Martin in Newport Pagnell. Jedes Fahrzeug wurde nach individuellen Kundenwünschen konfiguriert, was zu einer enormen Vielfalt bei Farben, Ausstattungen und Details führte. Der Innenraum war mit feinstem Connolly-Leder ausgestattet, das Armaturenbrett bestand aus poliertem Holz mit verchromten Instrumenten. Technisch teilte sich der Volante die Spezifikationen mit der Limousine: Der 3995 ccm große Reihensechszylinder mit drei SU-Vergasern leistete 282 PS bei 5500 U/min und entwickelte ein maximales Drehmoment von 380 Nm bei 4500 U/min. Die Kraftübertragung erfolgte wahlweise über ein 4-Gang-Schaltgetriebe von David Brown oder ein 3-Gang-Automatikgetriebe von Borg-Warner. Die meisten Volante wurden mit Schaltgetriebe ausgeliefert, da die sportlich orientierten Käufer die direkte Kontrolle bevorzugten.
Vantage-Spezifikation und technische Besonderheiten
Wie bei den Limousinen bot Aston Martin auch für den Volante eine leistungsgesteigerte Vantage-Version an. Diese verfügte über drei Weber-Doppelvergaser statt der SU-Vergaser und leistete 325 PS. Die Vantage-Spezifikation war deutlich seltener und nur etwa 30 DB6 Volante wurden mit dieser Motorisierung ausgeliefert. Diese Fahrzeuge erreichten Höchstgeschwindigkeiten von über 240 km/h und galten als besonders sportlich. Das Fahrwerk des DB6 Volante basierte auf einer traditionellen Konstruktion mit doppelten Querlenkern vorne und einer Starrachse mit Längslenkern hinten. Scheibenbremsen an allen vier Rädern waren serienmäßig, wobei vorne große Girling-Bremsen mit 292 mm Durchmesser zum Einsatz kamen. Die Lenkung war eine Zahnstangenlenkung ohne Servounterstützung, was bei niedrigen Geschwindigkeiten durchaus Kraft erforderte, dem Fahrer aber exzellentes Feedback vermittelte. Die Bereifung maß 6.70-15 und wurde auf eleganten Speichenrädern von Borrani montiert, alternativ standen Drahtspeichenräder zur Verfügung.
DB6 Mk II und DB6 Mk II Volante (1969-1970)
Im August 1969 stellte Aston Martin den überarbeiteten DB6 Mk II vor, der auch als Volante erhältlich war. Die Änderungen waren im Vergleich zum ursprünglichen DB6 subtil, betrafen aber wichtige Details. Die auffälligste Modifikation waren die neuen DBS-inspirierten Radkappen mit breiteren Felgen (6 Zoll statt 5,5 Zoll), die dem Fahrzeug eine modernere Optik verliehen. Die Scheinwerfer erhielten eine breitere Chromumrandung, und am Heck wurden die Rückleuchten leicht modifiziert. Technisch blieb der Motor weitgehend unverändert, allerdings wurden die Vergaser überarbeitet und die Motorleistung wurde offiziell mit 282 PS beibehalten. Die wichtigste Neuerung war die optionale ZF-Servolenkung, die das Manövrieren deutlich erleichterte und von vielen Käufern geschätzt wurde. Das Getriebeangebot wurde ebenfalls erweitert: Neben dem bewährten 4-Gang-Schaltgetriebe und der 3-Gang-Automatik bot Aston Martin nun auch ein modernes 5-Gang-Getriebe von ZF an, das allerdings nur selten geordert wurde. Der Innenraum des Mk II erhielt modernisierte Schalter und ein überarbeitetes Armaturenbrett mit besserer Ergonomie. Die Klimaanlage, zuvor eine seltene Option, wurde häufiger bestellt. Vom DB6 Mk II Volante entstanden zwischen 1969 und 1970 lediglich 38 Exemplare, was dieses Modell noch seltener macht als den ursprünglichen DB6 Volante. Die Produktion endete im November 1970, als Aston Martin sich vollständig auf den moderneren DBS und dessen Nachfolger konzentrierte.
Bedeutung und Sammlerwert heute
Der Aston Martin DB6 Volante gilt heute als einer der begehrtesten klassischen Sportwagen überhaupt. Mit insgesamt nur 178 produzierten Volante-Exemplaren (140 DB6 Volante und 38 DB6 Mk II Volante) gehört dieses Cabriolet zu den seltensten Aston Martin der Nachkriegszeit. Die Kombination aus zeitlosem Design, handwerklicher Perfektion und limitierter Stückzahl hat die Preise in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich steigen lassen. Gut erhaltene Exemplare erzielen auf internationalen Auktionen regelmäßig siebenstellige Beträge, wobei Vantage-Versionen und Fahrzeuge mit besonderer Provenienz Spitzenpreise erreichen. Der DB6 Volante profitiert zudem von seiner Verbindung zur James-Bond-Ära, auch wenn im Film hauptsächlich der DB5 zum Einsatz kam. Die technische Verwandtschaft und die zeitliche Nähe zum filmischen DB5 verleihen dem DB6 Volante zusätzlichen Glamour. Für Sammler ist die Authentizität entscheidend: Matching Numbers, originale Karosserieteile und eine lückenlose Dokumentation erhöhen den Wert erheblich. Der deutsche Markt spielte für den DB6 Volante historisch eine untergeordnete Rolle, da die meisten Fahrzeuge nach Großbritannien, in die USA oder in die Schweiz ausgeliefert wurden. Heute befinden sich jedoch mehrere Exemplare in deutschen Sammlungen, und das Interesse an diesem britischen Klassiker ist ungebrochen. Die Wartung und Restaurierung eines DB6 Volante erfordert Spezialisten-Kenntnisse, wobei mehrere Werkstätten in Deutschland sich auf klassische Aston Martin spezialisiert haben.