Die Wiedergeburt einer Legende: DBS (2007-2012)
Nach einer langen Pause belebte Aston Martin 2007 die legendäre DBS-Bezeichnung wieder, die ursprünglich in den 1960er Jahren verwendet wurde. Die erste moderne DBS-Generation basierte auf der VH-Plattform (Vertical Horizontal) des DB9, erhielt aber umfangreiche Modifikationen. Der 5,9-Liter-V12-Saugmotor leistete 517 PS und 570 Nm Drehmoment, was für eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,3 Sekunden und eine Spitzengeschwindigkeit von 307 km/h sorgte. Das Design stammte von Henrik Fisker und zeichnete sich durch eine aggressivere Frontpartie mit größerem Kühlergrill, Karbon-Motorhaube mit charakteristischen Luftauslässen und einen ausgeprägten Diffusor am Heck aus. Die Karosserie kombinierte Aluminium mit Karbon-Verbundwerkstoffen, was zu einem Leergewicht von etwa 1.695 kg führte.
Ein entscheidendes Merkmal war die adaptive Dämpfung und das Keramik-Bremssystem, das serienmäßig verbaut wurde. Der DBS war als Coupé und als Volante (Cabrio) erhältlich. Das Sechsgang-Schaltgetriebe von Graziano konnte optional durch ein Touchtronic-Automatikgetriebe ersetzt werden. Der DBS dieser Generation erlangte zusätzliche Berühmtheit durch seinen Auftritt im James-Bond-Film "Casino Royale" (2006), wo er noch vor der offiziellen Markteinführung zu sehen war. In Deutschland startete der Preis bei etwa 230.000 Euro. Die Produktion umfasste rund 3.500 Einheiten weltweit, bevor das Modell 2012 durch den Vanquish ersetzt wurde.
Die Ära des Vanquish und die DBS-Pause (2012-2018)
Zwischen 2012 und 2018 gab es keinen DBS im Aston-Martin-Portfolio. Die Rolle des Spitzen-GT übernahm der Vanquish, der zunächst mit einem 573 PS starken 6,0-Liter-V12-Saugmotor antrat. 2014 wurde der Vanquish einem Facelift unterzogen, das die Leistung auf 595 PS steigerte. Parallel entwickelte sich die Marke strategisch weiter: Der DB11 wurde 2016 als Nachfolger des DB9 eingeführt und brachte erstmals einen V12-Biturbo-Motor in die Baureihe. Diese Motorentechnologie sollte später auch für den neuen DBS entscheidend werden. In dieser Übergangsphase entwickelte Aston Martin zudem die zweite Generation der Bonded-Aluminium-Plattform weiter, die als Basis für die kommende DBS-Generation dienen sollte.
DBS Superleggera: Die aktuelle Generation (seit 2018)
Im Sommer 2018 präsentierte Aston Martin auf dem Goodwood Festival of Speed den DBS Superleggera als Nachfolger des Vanquish S. Der Name "Superleggera" (italienisch für "superleicht") ist eine Hommage an die legendäre italienische Karosseriebauweise und wurde bereits in den 1960er Jahren bei Aston Martin verwendet. Die aktuelle Generation basiert auf der weiterentwickelten Bonded-Aluminium-Plattform des DB11, wurde jedoch umfassend modifiziert und verstärkt, um die deutlich höheren Leistungswerte zu bewältigen.
Das Herzstück ist der überarbeitete 5,2-Liter-V12-Biturbo-Motor, der nun 725 PS bei 6.500 U/min und ein maximales Drehmoment von 900 Nm zwischen 1.800 und 5.000 U/min liefert. Dies bedeutet eine Steigerung von 88 PS und 180 Nm gegenüber dem Vanquish S. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 3,4 Sekunden, 0 auf 200 km/h werden in 6,4 Sekunden erreicht. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 340 km/h. Die Kraftübertragung erfolgt über ein ZF-Achtgang-Automatikgetriebe mit optimierten Schaltzeiten und Heckantrieb mit mechanischem Sperrdifferenzial.
Das Design von Marek Reichman ist deutlich muskulöser und aggressiver als beim DB11. Die markante Frontpartie mit dem breiten Kühlergrill wird von einem neuen aerodynamischen Konzept geprägt. Ein charakteristisches Element ist die "Aeroblade"-Spoilerlippe, die den Luftstrom unter dem Fahrzeug kanalisiert. Die Motorhaube aus Karbon verfügt über einen funktionalen Luftauslass ("Curlicue"), der heiße Luft aus dem Motorraum abführt. An den Flanken fallen die ausgestellten Radhäuser und die "Aeroblade"-Elemente vor den Hinterrädern auf, die den Luftstrom um die Hinterachse optimieren. Das Heck dominiert ein großer Diffusor mit zentralem Auspuffauslass. Die Aerodynamik-Arbeit resultiert in 180 kg Abtrieb bei Höchstgeschwindigkeit.
Die Karosserie besteht zu großen Teilen aus Karbon-Verbundwerkstoffen, darunter Motorhaube, Dach, Kotflügel und Heckklappe. Das Leergewicht beträgt je nach Ausstattung etwa 1.693 kg für das Coupé. Das adaptive Fahrwerk mit drei Modi (GT, Sport, Sport Plus) und Kohlefaser-Keramik-Bremsscheiben (398 mm vorn, 360 mm hinten) gehören zur Serienausstattung. Optionale 21-Zoll-Räder unterstreichen den sportlichen Charakter.
2019 folgte die Volante-Version als Cabrio mit elektrisch betätigtem Stoffverdeck, das in 14 Sekunden öffnet oder schließt. Das Cabrio wiegt etwa 1.870 kg und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 335 km/h. Der Innenraum kombiniert britisches Handwerk mit modernster Technik: Leder, Alcantara und Karbon-Einlagen prägen das Ambiente. Das Infotainmentsystem basiert auf Mercedes-Benz-Technologie (durch die Kooperation beider Hersteller) und umfasst ein 8-Zoll-Display mit Navigation und Smartphone-Integration.
Sondermodelle und Varianten
Aston Martin hat mehrere Sondermodelle des DBS Superleggera aufgelegt. 2019 erschien die limitierte "DBS 59"-Edition zum 60-jährigen Jubiläum des Sieges in Le Mans 1959, auf 24 Einheiten limitiert. 2020 folgte der DBS Superleggera "Volante Tag Heuer Edition" in Zusammenarbeit mit dem Uhrenhersteller. 2021 präsentierte Aston Martin den DBS Superleggera 007 Edition, inspiriert vom James-Bond-Film "Keine Zeit zu sterben", limitiert auf 25 Exemplare. Besonders exklusiv ist die "On Her Majesty's Secret Service"-Edition von 2019, limitiert auf 50 Stück und inspiriert vom gleichnamigen Bond-Film von 1969.
Technische Weiterentwicklungen und Marktposition
Im deutschen Markt startete der DBS Superleggera 2018 bei einem Grundpreis von etwa 274.000 Euro, das Volante kostet rund 290.000 Euro. Der Normverbrauch nach WLTP liegt bei etwa 14,7 l/100 km kombiniert, die CO2-Emissionen bei 337 g/km. Trotz dieser Werte bleibt der DBS als klassischer Grand Tourer mit V12-Motor und Heckantrieb eine Hommage an die traditionelle Sportwagen-Philosophie in Zeiten zunehmender Elektrifizierung und Downsizing.
Der DBS Superleggera konkurriert mit Fahrzeugen wie dem Ferrari 812 Superfast, Bentley Continental GT Speed und Porsche 911 Turbo S. Seine Stärke liegt in der Kombination aus handwerklicher Exklusivität, V12-Charakter und Grand-Tourer-Komfort. Die Produktion erfolgt im Aston-Martin-Stammwerk in Gaydon, Warwickshire, wo jedes Fahrzeug weitgehend in Handarbeit gefertigt wird. Die Lieferzeiten betragen typischerweise sechs bis neun Monate, je nach Individualisierungsgrad durch das "Q by Aston Martin"-Personalisierungsprogramm.
Ausblick und Ende der Ära
Mit der Einführung elektrischer und hybridisierter Modelle steht die Zukunft des klassischen V12-DBS in Frage. Aston Martin kündigte an, bis 2030 eine vollständig elektrifizierte Modellpalette anzubieten. Der DBS Superleggera könnte damit zu den letzten reinen Verbrennungssportwagen der Marke gehören. 2024 werden noch Modelle produziert, doch ein direkter Nachfolger ist nicht angekündigt. Die DBS-Linie verkörpert damit das Ende einer Ära analoger Supersportwagen mit großvolumigen Saugmotoren und nun auch Turbomotoren, die über Jahrzehnte die DNA von Aston Martin prägten. Sammler und Enthusiasten sehen in den aktuellen DBS-Modellen daher bereits zukünftige Klassiker, die den Höhepunkt britischer Sportwagen-Ingenieurskunst des frühen 21. Jahrhunderts repräsentieren.