Die erste Generation: Rapide (2010–2012)
Aston Martin präsentierte den Rapide erstmals 2006 als Konzeptstudie und brachte die Serienversion 2010 auf den Markt. Der ursprüngliche Rapide basierte auf der VH-Plattform des DB9 und DBS, wurde jedoch um 295 mm in der Länge gestreckt, um vier vollwertige Sitzplätze zu ermöglichen. Der 6,0-Liter-V12-Saugmotor leistete zunächst 350 kW (476 PS) und wurde mit einem Sechsgang-Automatikgetriebe von Touchtronic II kombiniert. Die Produktion erfolgte zunächst bei Magna Steyr in Graz, Österreich, da die Kapazitäten in Gaydon nicht ausreichten. Das Design folgte der klassischen Aston-Martin-Formensprache mit langgestreckter Motorhaube, flach gehaltenem Dach und fließenden Linien. Der Rapide war mit 5,02 Metern Länge deutlich größer als alle bisherigen Aston-Martin-Modelle. Die Markteinführung in Deutschland erfolgte zu Preisen ab etwa 180.000 Euro. Der Wagen sollte eine Lücke im Portfolio schließen und wohlhabende Kunden ansprechen, die Sportwagen-Performance mit Alltagstauglichkeit verbinden wollten.
Der Rapide S (2013–2020)
Im Jahr 2013 stellte Aston Martin den überarbeiteten Rapide S vor, der bedeutende technische Verbesserungen mit sich brachte. Die Motorleistung wurde auf 410 kW (558 PS) bei 6.750 U/min gesteigert, das maximale Drehmoment betrug nun 630 Nm bei 5.500 U/min. Diese Leistungssteigerung resultierte aus modifizierten Ansaugkanälen, optimierter Motorsteuerung und einem neuen Abgassystem. Die Höchstgeschwindigkeit stieg auf 327 km/h, der Sprint von 0 auf 100 km/h gelang in 4,9 Sekunden. Aston Martin ersetzte das bisherige Sechsgang-Automatikgetriebe durch eine Achtgang-ZF-Automatik mit Touchtronic-III-Technologie, die kürzere Schaltzeiten und bessere Effizienz bot. Die Kraftübertragung erfolgte weiterhin auf die Hinterachse.
Neben den Antriebsverbesserungen erhielt der Rapide S ein überarbeitetes adaptives Dämpfungssystem mit drei Modi (Normal, Sport und Track), das die Fahrdynamik deutlich schärfte. Die Lenkung wurde direkter abgestimmt, und neue 20-Zoll-Leichtmetallräder im Zehnerspeichen-Design prägten die Optik. Äußerlich unterschied sich der Rapide S durch einen modifizierten Frontgrill mit größerer Lufteinlassöffnung, neue LED-Rückleuchten und dezente aerodynamische Verbesserungen am Heck mit integriertem Diffusor. Im Innenraum bot Aston Martin umfangreiche Individualisierungsmöglichkeiten über das Q-Programm, von exotischen Lederarten bis zu Carbon- und Holzdekoreinlagen. Das Infotainmentsystem wurde modernisiert, blieb aber hinter den Standards deutscher Premium-Hersteller zurück.
Sondermodelle und Varianten
2014 präsentierte Aston Martin den Rapide S Rapide als limitierte Edition mit speziellen Design-Details. Ein Jahr später folgte 2015 der Rapide S als Bond-Edition anlässlich des James-Bond-Films "Spectre", limitiert auf wenige Exemplare mit exklusiver Ausstattung. Diese Sondermodelle zeichneten sich durch besondere Lackierungen, spezielle Innenausstattungen und zusätzliche Carbon-Elemente aus. Der deutsche Markt erhielt nur wenige dieser limitierten Varianten, die Preise lagen deutlich über dem Basismodell.
Technische Besonderheiten und Fertigung
Ab 2013 wurde die Produktion des Rapide S von Graz nach Gaydon in England verlagert, wo Aston Martin eine neue Fertigungslinie etablierte. Jeder Rapide S wurde in Handarbeit gefertigt, wobei die Karosserie aus Aluminium bestand und in VH-Architektur (Vertical Horizontal) konstruiert war. Diese Bauweise kombinierte stranggepresste Aluminiumprofile mit Aluminium-Gussteilen und sorgte für hohe Steifigkeit bei vergleichsweise geringem Gewicht. Mit einem Leergewicht von etwa 1.990 kg war der Rapide S für eine viertürige Luxuslimousine relativ leicht. Die Gewichtsverteilung lag bei 51:49 (vorne:hinten), was zusammen mit dem tief liegenden Schwerpunkt für ausgewogene Fahrdynamik sorgte.
Das Fahrwerk basierte auf einer Doppelquerlenker-Konstruktion vorn und hinten, ergänzt durch Stabilisatoren und die adaptive Dämpferregelung. Die Bremsanlage stammte von Brembo und umfasste 398 mm große Scheiben vorn sowie 360 mm hinten. Carbon-Keramik-Bremsen waren optional erhältlich. Die Lenkung arbeitete mit elektrohydraulischer Unterstützung und bot trotz der Fahrzeuggröße präzises Feedback.
Marktpositionierung und Konkurrenz
Der Rapide S positionierte sich in Deutschland als exklusive Alternative zu Porsche Panamera Turbo, Maserati Quattroporte GTS und Mercedes-AMG S 63. Mit Preisen ab etwa 185.000 Euro für die Basisversion und Endpreisen von über 230.000 Euro bei voller Ausstattung richtete sich der Wagen an eine kleine, kaufkräftige Klientel. Die Verkaufszahlen blieben überschaubar – weltweit wurden etwa 1.200 bis 1.500 Exemplare des Rapide S pro Jahr produziert, wobei der deutsche Markt nur einen kleinen Anteil davon ausmachte. Die begrenzte Stückzahl und die Handarbeit machten jeden Rapide S zu einem exklusiven Objekt.
Das Ende der Baureihe und elektrischer Ausblick
2020 endete die Produktion des Rapide S, nachdem Aston Martin bereits 2019 den vollelektrischen Rapide E als Konzept vorgestellt hatte. Der Rapide E sollte mit vier Elektromotoren und einer 65-kWh-Batterie über 610 PS leisten, kam jedoch nie in Serie. Stattdessen konzentrierte sich Aston Martin auf neue Modelle wie den DBX SUV. Der Rapide S bleibt damit die einzige viertürige Sportlimousine mit V12-Motor in der Geschichte des Herstellers und repräsentiert eine besondere Ära britischen Automobilbaus. Auf dem Gebrauchtmarkt sind gut erhaltene Exemplare heute ab etwa 80.000 bis 120.000 Euro zu finden, wobei die Unterhaltskosten durch den komplexen V12-Motor und die exklusive Marke erheblich sind. Wartungsintervalle liegen bei 20.000 km oder jährlich, wobei eine Inspektion schnell mehrere tausend Euro kosten kann. Trotz dieser Aspekte gilt der Rapide S unter Enthusiasten als einer der letzten echten viertürigen GT-Sportwagen mit Zwölfzylinder-Saugmotor – eine aussterbende Spezies in Zeiten von Downsizing und Elektrifizierung.