Die erste Generation (2001–2007): Pionier der modernen Aston-Martin-Ära
Der ursprüngliche Vanquish debütierte 2001 als Nachfolger des Virage und markierte einen Wendepunkt für Aston Martin. Erstmals kam eine Aluminium- und Kohlefaser-Verbundstruktur zum Einsatz, die von Lotus Engineering entwickelt wurde. Der 5,9-Liter-V12-Motor leistete zunächst 460 PS und beschleunigte den 1.835 kg schweren Sportwagen in 4,7 Sekunden auf 100 km/h. Die maximale Geschwindigkeit lag bei 306 km/h. Das markante Design mit der langen Motorhaube und dem kurzen Heck wurde von Ian Callum gestaltet und prägte die Formensprache der Marke für Jahre. Die Karosserie wurde in Handarbeit gefertigt, wobei jeder Wagen rund 200 Arbeitsstunden in der Lackiererei verbrachte. Das Interieur kombinierte feinstes Leder mit Alcantara und Aluminium-Akzenten.
Die erste Generation nutzte ein 6-Gang-Automatikgetriebe von Magneti Marelli, das über Schaltpaddles am Lenkrad bedient wurde. Ein konventionelles Kupplungspedal fehlte, was damals noch ungewöhnlich war. Die Hinterachse wurde von einem adaptiven Dämpfungssystem kontrolliert, das für Gran-Turismo-Komfort sorgte, ohne die sportliche Ausrichtung zu vernachlässigen. 2004 erhielt der Vanquish ein bedeutendes Update: Der Vanquish S brachte die Leistung auf 520 PS, verkürzte die Beschleunigung auf 4,5 Sekunden und bot ein überarbeitetes Fahrwerk mit strafferen Federn und Dämpfern. Auch die Aerodynamik wurde optimiert, erkennbar an größeren Lufteinlässen und einem prominenteren Heckdiffusor.
Die Lücke (2007–2012): DBS als spiritueller Nachfolger
Nach 2007 verschwand der Vanquish-Name zunächst aus dem Programm. Der DBS übernahm die Rolle des Flaggschiff-Coupés und nutzte eine Weiterentwicklung der VH-Plattform (Vertical Horizontal). Mit 517 PS aus dem 5,9-Liter-V12 positionierte sich der DBS ähnlich wie der Vanquish S, bot aber modernere Technik und ein überarbeitetes Design. Diese Übergangsphase dauerte bis 2012, als Aston Martin den Vanquish-Namen für eine völlig neue Generation wiederbelebte.
Die zweite Generation (2012–2018): Rückkehr in großem Stil
Im Jahr 2012 kehrte der Vanquish zurück und etablierte sich sofort als neues Flaggschiff oberhalb des DB9. Die zweite Generation basierte auf der weiterentwickelten VH-Plattform der dritten Generation mit einer Aluminium-Monocoque-Struktur. Der 5,9-Liter-V12-Motor leistete nun 573 PS bei 6.750 U/min und lieferte 620 Nm Drehmoment bei 5.500 U/min. Das Touchtronic-2-Automatikgetriebe mit sechs Gängen übertrug die Kraft auf die Hinterräder. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erfolgte in 4,1 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 295 km/h. Das Design von Marek Reichman zeichnete sich durch fließende Linien, eine muskulöse Schulterpartie und eine stark abfallende Dachlinie aus.
Die Karosserie bestand zu großen Teilen aus Karbon, insbesondere das Dach, die Motorhaube und die Seitenschweller. Dies reduzierte das Gewicht auf etwa 1.739 kg und verbesserte die Gewichtsverteilung auf nahezu perfekte 51:49. Das Interieur bot modernste Verarbeitung mit handgenähtem Leder, optionalen Karbonapplikationen und einem neuen Infotainmentsystem. Die adaptive Dämpfung mit drei Modi (Normal, Sport, Track) ermöglichte ein breites Spektrum zwischen Komfort und Sportlichkeit. Carbon-Keramik-Bremsen waren optional verfügbar und sorgten für herausragende Verzögerungswerte.
Vanquish Volante (2013): Offene Eleganz
2013 ergänzte Aston Martin die Baureihe um den Vanquish Volante, eine Roadster-Variante mit elektrisch betätigtem Stoffverdeck. Das Verdeck ließ sich in 14 Sekunden öffnen oder schließen und passte sogar bei Geschwindigkeiten bis 50 km/h. Trotz des zusätzlichen Gewichts von etwa 60 kg durch die Versteifungen blieb die Leistung identisch bei 573 PS. Die Beschleunigung verlängerte sich marginal auf 4,1 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit blieb bei 295 km/h. Der Volante bot dieselbe luxuriöse Ausstattung wie das Coupé und wurde zum gefragten Modell für sonnige Küstenstraßen.
Vanquish S (2016–2018): Das finale Update
2016 erhielt die zweite Generation ihr bedeutendstes Facelift mit dem Vanquish S. Die Motorleistung stieg auf 595 PS bei 7.000 U/min, das Drehmoment auf 630 Nm bei 5.500 U/min. Ein neues 8-Gang-Touchtronic-III-Automatikgetriebe ersetzte die Sechsgangversion und bot schnellere Schaltvorgänge sowie bessere Effizienz. Die Beschleunigung verkürzte sich auf 3,5 Sekunden (Coupé) beziehungsweise 3,7 Sekunden (Volante), die Höchstgeschwindigkeit kletterte auf 323 km/h beim Coupé. Äußerlich erkennbar war der Vanquish S an neuen Quad-Auspuffendrohren, überarbeiteten Lufteinlässen und einem ausgeprägteren Frontsplitter.
Das Fahrwerk wurde weiter verfeinert mit neuen Adaptivdämpfern, strafferen Federn und einer präziseren elektrischen Servolenkung. Der Vanquish S bot einen noch fokussierteren Sportmodus und ein schärferes Ansprechverhalten. Im Innenraum gab es neue Ausstattungsoptionen, darunter gestepptes Leder in diversen Farben und erweiterte Karbonpakete. Der Vanquish S markierte den Höhepunkt der zweiten Generation und wurde bis 2018 produziert, bevor der DBS Superleggera als Nachfolger eingeführt wurde.
Sondermodelle und Ausblick
Während seiner Produktionszeit entstanden diverse Sondermodelle des Vanquish, darunter der Vanquish Zagato (2016) in limitierter Stückzahl mit karosseriespezifischen Karbonteilen und 600 PS. Aston Martin kündigte 2024 für 2025 eine Neuauflage des Vanquish an, die als Nachfolger des DBS 770 Ultimate dienen soll. Die dritte Generation wird voraussichtlich weiterhin auf einen V12-Saugmotor setzen und die Grand-Tourer-Tradition fortführen, während sie moderne Technologien und Design-Elemente integriert. Der Name Vanquish bleibt somit ein Symbol für die unverwechselbare Verbindung aus Leistung, Luxus und britischer Handwerkskunst, die Aston Martin seit Jahrzehnten auszeichnet.