Typ 85 (1984-1988) – Die erste Generation
Im Februar 1984 debütierte der Audi 90 als B2-Modell (intern Typ 85) auf Basis des dritten Audi 80 (B2). Die Einführung erfolgte gezielt, um eine Lücke zwischen dem Audi 80 und dem größeren Audi 100/200 zu schließen. Optisch unterschied sich der Audi 90 durch eine aufwendigere Chromzierleiste an der C-Säule, hochwertigere Stoßfänger in Wagenfarbe und exklusivere Scheinwerfer vom Basismodell Audi 80. Die Motorenpalette startete mit einem 2,0-Liter-Fünfzylinder mit 85 kW (115 PS), dem 2,2-Liter-Fünfzylinder mit 100 kW (136 PS) und dem Topmodell mit 2,3 Litern und 100 kW (136 PS). Alle Motoren waren Benziner mit Saugmotor-Technologie.
Die Ausstattung des Audi 90 war von Beginn an deutlich umfangreicher als beim Audi 80: Velourssitze oder Ledersitze, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung und hochwertigere Holzapplikationen waren Standard oder gegen Aufpreis erhältlich. Die Servolenkung gehörte ebenfalls zur Grundausstattung. Das Fahrwerk war komfortorientiert abgestimmt, bot aber dennoch die für Audi typische Straßenlage. Ab 1985 wurde der quattro-Allradantrieb optional angeboten, zunächst für den 2,3-Liter-Motor. Dieser permanente Allradantrieb machte den Audi 90 quattro zu einem gefragten Modell für Kunden in schneereichen Regionen und verschaffte Audi einen technologischen Vorsprung gegenüber vielen Konkurrenten, die noch ausschließlich auf Heckantrieb oder Frontantrieb setzten.
Ab 1986 ergänzte ein 2,2-Liter-Turbodiesel mit 74 kW (100 PS) die Motorenpalette – eine Reaktion auf die gestiegene Nachfrage nach sparsamen Dieselantrieben in der gehobenen Mittelklasse. Das Getriebe war wahlweise eine Fünfgang-Handschaltung oder eine Dreigang-Automatik. Die erste Generation des Audi 90 verkaufte sich solide, konnte aber nicht an die Erfolge des Audi 80 anknüpfen, da viele Kunden den Aufpreis für die dezenten Mehrwerte als zu hoch empfanden.
Typ 89 (1988-1991) – Zweite Generation mit modernem Design
Im Herbst 1987 präsentierte Audi die zweite Generation des Audi 90 (Typ 89, intern auch B3 genannt), die im Januar 1988 in den Handel kam. Das Design wurde grundlegend überarbeitet und orientierte sich an der kantigen, aerodynamischen Formensprache, die bereits beim Audi 100 C3 und Audi 200 etabliert worden war. Der cW-Wert verbesserte sich deutlich auf 0,32, was den Audi 90 zu einem der windschlüpfrigsten Fahrzeuge seiner Klasse machte. Die Front erhielt flachere Scheinwerfer, einen breiteren Kühlergrill und eine glattere Motorhaube. Die Heckpartie wurde ebenfalls aerodynamisch optimiert, mit schmalen Rückleuchten und einer integrierten Stoßstange.
Die Motorenpalette wurde modernisiert und umfasste zunächst den bekannten 2,3-Liter-Fünfzylinder mit 100 kW (136 PS) und 98 kW (133 PS) in einer sparsameren Variante. Ab 1989 kam der 2,0-Liter-Vierzylinder mit 85 kW (115 PS) hinzu, während das Topmodell Audi 90 2.3 E mit 125 kW (170 PS) neue Maßstäbe setzte. Dieser Motor mit elektronischer Einspritzung und optimierter Motorsteuerung bot eine deutlich bessere Beschleunigung und machte den Audi 90 zu einem echten Sportsedan. Der quattro-Allradantrieb war nun für alle größeren Motorisierungen erhältlich und wurde besonders in Kombination mit dem 2,3 E häufig geordert.
Das Interieur wurde hochwertiger gestaltet, mit einem ergonomischeren Armaturenbrett, besseren Materialien und mehr Platz im Fond. Optional waren nun ABS, Klimaanlage, elektrische Sitze und ein Schiebedach verfügbar. Die Verarbeitungsqualität erreichte ein für Audi typisches hohes Niveau, das den höheren Preis gegenüber dem Audi 80 besser rechtfertigte. Die zweite Generation des Audi 90 verkaufte sich deutlich besser als der Vorgänger und etablierte das Modell als feste Größe im Portfolio von Audi.
Facelift 1991-1994 – Letzte Evolutionsstufe
1991 erhielt der Audi 90 ein dezentes Facelift, das vor allem die Scheinwerfer, Rückleuchten und Stoßfänger betraf. Die Scheinwerfer wurden klarer und moderner, die Rückleuchten erhielten eine neue Grafik mit stärker strukturierten Reflektoren. Im Innenraum wurden die Materialien nochmals verbessert, und die Ausstattungslisten wurden um weitere Sicherheits- und Komfortfeatures ergänzt. Airbags für Fahrer und Beifahrer waren nun optional erhältlich, ebenso wie ein verbessertes Soundsystem und Ledersitze mit Sitzheizung.
Die Motorenpalette blieb weitgehend unverändert, wobei die Leistungswerte durch optimierte Motorsteuerungen leicht angehoben wurden. Der 2,3-Liter-Fünfzylinder blieb das Herzstück der Baureihe, während der 2,0-Liter-Vierzylinder als Einstiegsmotorisierung diente. Der Dieselmotor, ein 2,5-Liter-TDI mit 85 kW (115 PS), wurde 1991 eingeführt und bot erstmals eine moderne Turbodiesel-Technologie mit Direkteinspritzung. Dieser Motor war sparsam und durchzugsstark und machte den Audi 90 TDI zu einer attraktiven Wahl für Vielfahrer.
1994 endete die Produktion des Audi 90, da Audi die Modellpalette neu strukturierte. Der Nachfolger war der Audi A4, der im Herbst 1994 vorgestellt wurde und eine modernere Plattform, neue Motoren und ein zeitgemäßeres Design bot. Der Audi 90 blieb jedoch in Erinnerung als Fahrzeug, das die Marke Audi im Premium-Segment etablierte und den Weg für die erfolgreiche A-Reihe ebnete.
Technische Besonderheiten und Innovationen
Der Audi 90 war für seine Zeit technisch fortschrittlich. Der quattro-Allradantrieb, der ab der ersten Generation verfügbar war, stellte einen klaren Wettbewerbsvorteil dar und machte den Audi 90 zu einem der wenigen Allradfahrzeuge in der gehobenen Mittelklasse. Die vollverzinkte Karosserie sorgte für einen ausgezeichneten Rostschutz, was heute noch an vielen gut erhaltenen Exemplaren zu erkennen ist. Die aerodynamische Optimierung der zweiten Generation trug zu einem niedrigen Verbrauch und geringen Windgeräuschen bei.
Die Fünfzylinder-Motoren, die aus der Rallye-Erfahrung von Audi stammten, boten ein charakteristisches Klangbild und eine gute Balance zwischen Leistung und Laufkultur. Die Einführung des TDI-Motors 1991 war ein wichtiger Schritt, da Audi damit die Diesel-Direkteinspritzung in die Mittelklasse brachte und den Grundstein für die späteren TDI-Erfolge legte. Das Fahrwerk des Audi 90 bot eine gute Mischung aus Komfort und Sportlichkeit, wobei die quattro-Versionen durch ihre bessere Traktion besonders auf nassen und winterlichen Straßen überzeugten.
Marktposition und Nachfolger
Der Audi 90 positionierte sich zwischen dem Audi 80 und dem Audi 100 und richtete sich an Kunden, die mehr Prestige und Ausstattung wünschten, ohne in die größere und teurere Klasse aufzusteigen. Die Konkurrenz kam von Modellen wie dem BMW 3er, Mercedes-Benz 190 E und Volvo 940. Der Audi 90 konnte sich durch seine Verarbeitung, die quattro-Technologie und das gute Preis-Leistungs-Verhältnis behaupten. Mit der Einführung des Audi A4 1994 wurde die Nomenklatur von Audi neu geordnet, und der Audi 90 ging im A4 auf, der bis heute als eines der erfolgreichsten Modelle der Marke gilt. Heute sind gut erhaltene Audi 90, insbesondere die quattro-Versionen mit Fünfzylinder-Motor, bei Liebhabern und Youngtimer-Enthusiasten gefragt.