Erste Generation: B5 (1994–2001)
1994 löste der Audi 80 B4 den langjährigen Bestseller ab und wurde in Audi A4 umbenannt – Teil der neuen Nomenklatur mit A3, A6 und A8. Die B5-Generation basierte auf der Volkswagen-Konzernplattform B5 und teilte sich Technik mit dem VW Passat B5, setzte aber auf eigenständiges, strafferes Design und höherwertige Materialien. Der A4 B5 war als viertürige Limousine und fünftüriger Avant erhältlich. Die Motorenpalette umfasste Vierzylinder-Benziner (1.6, 1.8, 1.8 T) mit 100–150 PS, Fünfzylinder (2.4, 2.8 V6) mit bis zu 193 PS sowie sparsame TDI-Diesel (1.9 TDI mit 75–110 PS, 2.5 V6 TDI mit 150 PS). Der optionale quattro-Allradantrieb etablierte sich schnell als Verkaufsargument, besonders in Kombination mit den stärkeren Motoren. 1997 folgte ein dezentes Facelift mit überarbeiteten Scheinwerfern und Stoßfängern. Die B5-Generation legte den Grundstein für den A4 als Premium-Standard in der Mittelklasse und verkaufte sich über eine Million Mal.
Zweite Generation: B6 (2000–2004)
Ende 2000 erschien die zweite A4-Generation (B6), die evolutionär weiterentwickelt wurde. Das Design blieb kantig und sachlich, typisch für die damalige Audi-Formensprache. Die Plattform wurde gestrafft, das Interieur hochwertiger. Neu waren die Mehrlenker-Hinterachse und eine verbesserte Lenkung. Die Motorenpalette startete mit 1.6- und 1.8-T-Benzinern (102–170 PS), dazu kamen V6-Aggregate (2.4, 3.0) mit bis zu 220 PS. Bei den Dieseln setzte Audi auf 1.9 TDI (130 PS) und 2.5 V6 TDI (163 PS), später auch den 3.0 TDI mit 204 PS. Das Topmodell S4 mit 4.2 V8 und 344 PS rundete das Angebot nach oben ab. 2002 kam das Cabrio (A4 B6 Cabriolet) als dritte Karosserieform hinzu. Die B6-Generation galt als solide, aber weniger innovativ als die Konkurrenz von BMW (3er E46) und Mercedes (C-Klasse W203).
Dritte Generation: B7 (2004–2008)
2004 folgte die B7-Generation, technisch eine umfassende Überarbeitung der B6. Audi sprach offiziell von einem Facelift, doch Fahrwerk, Karosserie und Innenraum waren so stark modifiziert, dass viele Beobachter von einer neuen Generation sprachen. Der Single-Frame-Kühlergrill debütierte und prägte fortan die Marken-DNA. Die Scheinwerfer wurden flacher, die Linienführung dynamischer. Die Motorenpalette wurde erweitert: 1.8 TFSI (163 PS), 2.0 TFSI (200 PS), 3.2 V6 FSI (255 PS) bei den Benzinern; 2.0 TDI (120–170 PS), 2.7 TDI V6 (180 PS) und 3.0 TDI (204–233 PS) bei den Dieseln. Erstmals gab es den 2.0 TDI auch mit 120 PS als Einstiegsdiesel. Das S4-Modell behielt den 4.2 V8 mit 344 PS, neu kam der RS4 Avant mit 420 PS. Das B7-Facelift 2006 brachte LED-Rückleuchten und überarbeitete Motoren. Die B7 festigte den Ruf des A4 als technologisch führendes Mittelklassemodell.
Vierte Generation: B8 (2007–2015)
2007 startete die vierte Generation (B8) mit komplett neuer Plattform (MLB), die Längsmotor und Allradantrieb optimierte. Das Design wurde fließender, die Proportionen gestreckter. Der Innenraum setzte neue Maßstäbe mit hochwertigen Materialien, klarer Ergonomie und dem MMI-Infotainment. Die Motoren wurden effizienter: 1.8 TFSI (120–170 PS), 2.0 TFSI (180–211 PS), 3.0 TFSI (272 PS), 3.2 FSI (265 PS) sowie 2.0 TDI (120–177 PS), 2.7 TDI (190 PS) und 3.0 TDI (204–245 PS). Neu war der 1.8 TFSI als Einstiegsbenziner. Das S4-Modell wechselte auf einen 3.0 TFSI V6 Kompressor mit 333 PS, der RS4 pausierte zunächst. 2011 folgte ein umfassendes Facelift (B8.5): neue Front mit breiterer Single-Frame-Maske, LED-Scheinwerfer, überarbeitete Heckleuchten und modernisierte Motoren. Der 2.0 TFSI leistete nun bis zu 225 PS, der 3.0 TDI bis zu 245 PS. Neu kamen der 2.0 TDI ultra (163 PS) mit Zylinderabschaltung und der A4 allroad quattro als robuste Kombi-Variante. Die B8/B8.5 war die meistverkaufte A4-Generation und etablierte den Avant als Bestseller in vielen Märkten.
Fünfte Generation: B9 (2015–2019)
2015 debütierte die fünfte Generation (B9) auf der neuen MLB-Evo-Plattform, die bis zu 120 kg Gewichtsersparnis brachte. Das Design wurde schärfer, sportlicher, mit flacheren Scheinwerfern und breiterer Spur. Der Innenraum erhielt das digitale Audi Virtual Cockpit serienmäßig (je nach Ausstattung), ein 12,3-Zoll-TFT-Display statt analoger Instrumente. Die Motorenpalette startete mit 1.4 TFSI (150 PS), 2.0 TFSI (190–252 PS) und 3.0 TFSI (354 PS im S4) sowie 2.0 TDI (122–190 PS) und 3.0 TDI (218–286 PS). Alle Motoren ab 2.0 Liter erhielten Mild-Hybrid-Technik (12V), die den Verbrauch senkte. Das Infotainment wurde mit MMI touch und später MMI plus modernisiert. Der Avant folgte 2016, der A4 allroad quattro 2016. Die B9 war leiser, komfortabler und technologisch auf Höhe der Zeit, wurde aber für ihre konservative Optik teils kritisiert.
Facelift B9 (2019–2024)
2019 erhielt die B9 ein Facelift mit breiterer Single-Frame-Maske, neuen LED- und Matrix-LED-Scheinwerfern sowie überarbeiteten Rückleuchten mit dynamischem Blinker. Der Innenraum bekam ein 10,1-Zoll-Touchdisplay für MMI und überarbeitete Bedienelemente. Die Motorenpalette wurde gestrafft: 2.0 TFSI (150–245 PS), 3.0 TFSI (347 PS im S4), 2.0 TDI (163–204 PS) und 3.0 TDI (231 PS). Neu kamen Plug-in-Hybride (A4 40 TFSI e und 45 TFSI e) mit 204 bzw. 245 PS Systemleistung und rund 40 km elektrischer Reichweite. Das Mild-Hybrid-System wurde auf 12V und 48V erweitert, was Start-Stopp-Komfort und Effizienz verbesserte. Das Facelift war eher Evolution als Revolution, festigte aber die Position des A4 als Benchmark in Sachen Verarbeitung und Alltagstauglichkeit. Die Produktion der B9-Generation endete 2024, ein direkter Nachfolger wurde zunächst nicht angekündigt – Audi konzentriert sich auf elektrische Modelle wie den A6 e-tron, der perspektivisch auch A4-Käufer ansprechen soll.
Sondermodelle und Sportversionen
Über alle Generationen hinweg bot Audi diverse Sondermodelle: Der S4 als sportliche Mittelklasse mit Sechszylinder oder V8 (je nach Generation), der RS4 (nur Avant ab B7) mit bis zu 450 PS als Speerspitze, sowie diverse Edition- und Competition-Modelle. Der A4 allroad quattro (ab B8.5) kombiniert Kombi-Praktikabilität mit Offroad-Optik und erhöhter Bodenfreiheit. Diese Vielfalt unterstreicht die Flexibilität der A4-Baureihe und ihre Bedeutung für Audi.