Die erste Generation: D2 (1994–2002)
Im März 1994 präsentierte Audi mit dem A8 (intern D2, Typ 4D) seine erste selbst entwickelte Oberklasse-Limousine und den Nachfolger des technisch mit dem Audi 100/200 verwandten Audi V8. Die revolutionäre Neuerung war die vollständig aus Aluminium gefertigte selbsttragende Karosserie im Audi Space Frame (ASF), die rund 40 Prozent Gewichtsvorteil gegenüber Stahlkonstruktionen bot. Zum Marktstart standen V6- und V8-Motoren mit Leistungen zwischen 110 kW (150 PS, 2.8-V6) und 221 kW (300 PS, 4.2-V8) zur Verfügung, später kamen ein 2.5-V6-TDI mit 110 kW und der kraftvolle 3.7-V8 mit 191 kW hinzu. Der permanente Allradantrieb quattro war bei den stärkeren Motorisierungen serienmäßig, die Frontantriebsvarianten blieben auf wenige Märkte beschränkt. 1996 folgte die Langversion A8 L mit 13 cm mehr Radstand, die vor allem auf den US- und asiatischen Märkten nachgefragt wurde. Das charakteristische Design stammte von Hartmut Warkuß und betonte klare, horizontale Linien. 1999 erhielt die Baureihe ein dezentes Facelift mit überarbeiteten Scheinwerfern, modifizierter Frontschürze und aufgewerteten Innenraummaterialien. Der 4.2 V8 quattro entwickelte sich zum meistverkauften Modell der Reihe.
Die zweite Generation: D3 (2002–2010)
Im Herbst 2002 debütierte die zweite A8-Generation (D3, Typ 4E), die den Aluminium-Space-Frame konsequent weiterentwickelte und erstmals auch einen W12-Motor mit 6.0 Litern Hubraum und 309 kW (420 PS) anbot – eine Gemeinschaftsentwicklung mit dem Volkswagen Konzern. Das Design von Satoshi Wada wirkte kantiger und präsenter als beim Vorgänger, mit markanten Sicken in den Flanken und einer stärkeren Betonung des Singleframe-Kühlergrills, der zum neuen Markengesicht wurde. Die Motorenpalette umfasste anfangs V6-, V8- und W12-Benziner sowie ab 2003 erstmals einen V8-TDI mit 4.0 Litern Hubraum und zunächst 202 kW (275 PS), der 2004 auf 240 kW (326 PS) erstarkt wurde – damals der stärkste Diesel-Pkw der Welt. Technische Highlights waren die adaptive Luftfederung, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit dynamischer Kurvenlichtfunktion und ab 2005 das Audi Pre Sense System zur Unfallvermeidung. Das MMI-Bediensystem (Multi Media Interface) mit zentralem Dreh-Drück-Steller wurde eingeführt und zum Markenzeichen. 2005 kam ein kompakter 3.2-V6-FSI mit 191 kW als Einstiegsmotorisierung hinzu. Das umfassende Facelift 2007 brachte LED-Tagfahrlicht (eine Premiere in der Oberklasse), überarbeitete Motoren mit FSI- und TDI-Technologie, ein neues Sechsgang-Automatikgetriebe und modifizierte Front- und Heckpartien. Der S8 mit 5.2-V10-FSI und 331 kW (450 PS) aus dem Lamborghini Gallardo vervollständigte ab 2006 die Palette und bot 250 km/h Höchstgeschwindigkeit (abgeregelt).
Die dritte Generation: D4 (2010–2017)
Im November 2009 stellte Audi die dritte A8-Generation (D4, Typ 4H) vor, die ab Frühjahr 2010 ausgeliefert wurde. Der Aluminium-Space-Frame wurde abermals verfeinert und durch den Einsatz höherfester Legierungen und neue Fertigungsverfahren nochmals leichter. Das Design von Stefan Sielaff folgte der Audi-Formensprache der 2010er-Jahre mit fließenden Linien, einer ausgeprägten Gürtellinie und optionalen Matrix-LED-Scheinwerfern ab 2013 – eine Weltneuheit, die blendfreies Fernlicht ermöglichte. Die Motorenpalette startete mit einem 3.0-TFSI-V6 (213 kW/290 PS) und dem bewährten 4.2-V8-TDI (250 kW/340 PS), ergänzt durch einen 3.0-TDI-V6 in verschiedenen Leistungsstufen (150 bis 190 kW). Der W12-Motor mit nun 6.3 Litern und 368 kW (500 PS) blieb der Langversion vorbehalten. 2012 folgte ein 2.0-TFSI-Vierzylinder mit 155 kW (211 PS) als sparsame Einstiegsmotorisierung, die jedoch vor allem für steueroptimierte Firmenwagenmärkte gedacht war. Das große Facelift 2013 brachte überarbeitete Front- und Heckleuchten, Matrix-LED-Technik, ein neues MMI-System mit LTE-Modul und Google Earth Integration sowie eine 8-Gang-tiptronic-Automatik über alle Motorisierungen. Der S8 plus mit 4.0-TFSI-V8 und 445 kW (605 PS) markierte 2015 die Leistungsspitze der Baureihe. Ebenfalls 2013 präsentierte Audi den A8 hybrid mit 2.0-TFSI und E-Motor (180 kW Systemleistung), der jedoch nur geringe Stückzahlen erreichte. Die Langversion dominierte in dieser Generation den Absatz, da die Normalversion nur noch in wenigen Märkten angeboten wurde. Technische Innovationen wie Head-up-Display, Nachtsichtassistent mit Fußgängererkennung, aktive Federung und ein umfassendes Assistenzsystem-Paket unterstrichen den Anspruch als Technologieträger.
Die vierte Generation: D5 (seit 2017)
Die vierte und aktuelle A8-Generation (D5, Typ 4N) feierte im Juli 2017 auf dem Audi Summit in Barcelona Premiere und kam Ende 2017 auf den Markt. Sie basiert auf der MLB-evo-Plattform (Modularer Längsbaukasten) und vereint Aluminium, Stahl, Magnesium und CFK in einer Multimaterial-Karosserie. Mit 5.17 Metern Länge in der Normalversion und 5.30 Metern als A8 L ist sie größer als der Vorgänger, wirkt durch das coupéhafte Dach und die flache Gürtellinie aber dynamischer. Das Interieur verzichtet weitgehend auf physische Tasten: Zwei große Touchscreens (oberer 10.1 Zoll für Infotainment, unterer 8.6 Zoll für Klimatisierung und Texteingabe) mit haptischem Feedback prägen das Cockpit. Die Motorenpalette startete mit einem 3.0-TFSI-V6 (250 kW/340 PS) und einem 3.0-TDI-V6 (210 kW/286 PS), beide mit 48-Volt-Mildhybrid-System, das kinetische Energie rekuperiert und bis zu 12 kW Zusatzleistung bereitstellt. Der 4.0-TFSI-V8 im S8 leistet 420 kW (571 PS), ein zweiter V8-Diesel mit 320 kW (435 PS) ergänzte 2018 die Palette. 2019 folgte der A8 L 60 TFSI e quattro als Plug-in-Hybrid mit 3.0-TFSI und E-Motor (330 kW Systemleistung, 14.1 kWh Akkukapazität, ca. 40 km elektrische Reichweite nach WLTP). Technologisch war der A8 D5 bei Einführung Vorreiter: Der Audi AI Staupilot bot als erstes Seriensystem Level-3-Autonomie (bedingt automatisiertes Fahren bis 60 km/h), musste jedoch aufgrund fehlender rechtlicher Freigaben in vielen Märkten deaktiviert bleiben. Weitere Innovationen sind eine prädiktive Aktivfederung, die mittels Frontkamera Fahrbahnunebenheiten vorausschauend ausgleicht, Allradlenkung, und die Matrix-LED-Scheinwerfer mit bis zu 138 einzeln ansteuerbaren Segmenten pro Scheinwerfer (HD Matrix LED mit Laserlicht optional).
Facelift 2021 (D5 II)
Im Frühjahr 2021 präsentierte Audi das Facelift der vierten Generation. Die Designänderungen fielen dezent aus: Der Singleframe-Grill erhielt breitere horizontale Chromstreben, die Scheinwerfer wurden schmaler, die Heckleuchten bekamen eine neue LED-Signatur mit durchgehendem Lichtband und OLED-Technologie. Letztere erlaubt individualisierbare Leuchtmuster und kommuniziert mit der Umgebung durch Warnsignale. Im Innenraum blieb die Grundarchitektur mit den beiden Touchscreens erhalten, die Materialqualität und Farbkombinationen wurden jedoch erweitert. Die Motorenpalette wurde gestrafft: Der 3.0-TFSI entfiel, stattdessen gibt es einen 4.0-TFSI-V8 mit 338 kW (460 PS) als 60 TFSI, den 4.0-V8-TDI mit 210 kW (286 PS) als 50 TDI und den Plug-in-Hybriden 60 TFSI e mit nun 340 kW (462 PS) Systemleistung und vergrößertem 17.9-kWh-Akku für bis zu 61 km elektrische Reichweite. Der S8 behielt den 4.0 TFSI mit 420 kW. Alle Motoren verfügen über 48-Volt-Mildhybrid-Technik und erfüllen Euro 6d-ISC-FCM. Die Achtstufenautomatik tiptronic und der quattro-Allradantrieb sind durchgehend Standard. Das überarbeitete MMI touch response mit MIB 3-Chipsatz bietet schnellere Rechenleistung, LTE Advanced, Car-to-X-Kommunikation und die Integration von Android Auto und Apple CarPlay. Die Assistenzsysteme wurden erweitert: Der adaptive Fahrassistent kombiniert Geschwindigkeits-, Abstands- und Spurführungsassistent bis 250 km/h (autobahntauglich), der Parkassistent manövriert den A8 per Smartphone-App aus engen Parklücken. Audi hat den A8 nach dem Facelift wieder stärker als luxuriöses Chauffeurfahrzeug positioniert, insbesondere die Langversion mit individuellen Rücksitzen, Massagefunktion, Fußstütze und Ambientebeleuchtung mit 30 Farben.