Die erste Generation: Typ 81 (1980-1988)
Im Herbst 1980 präsentierte Audi mit dem Coupé auf Basis des Audi 80 B2 (Typ 81) ein sportlich-elegantes Zweitürer-Modell, das sich durch seine flache Dachlinie und die markante Heckpartie vom viertürigen Schwestermodell deutlich unterschied. Die Karosserie wurde von Karmann in Osnabrück gefertigt, während Audi für die technische Entwicklung und den Vertrieb zuständig war. Das Design stammte von Hartmut Warkuß und war für damalige Verhältnisse ausgesprochen zeitlos und aerodynamisch. Zur Markteinführung standen zunächst zwei Fünfzylinder-Ottomotoren zur Verfügung: der 1.9-Liter mit 85 kW (115 PS) und der 2.1-Liter mit 100 kW (136 PS). Beide Aggregate waren für ihre Laufkultur und den charakteristischen Fünfzylinder-Sound bekannt.
Die absolute Sensation folgte im März 1980 mit der Präsentation des Audi quattro auf dem Genfer Autosalon – einem Hochleistungs-Coupé mit permanentem Allradantrieb, Turbomotor mit 147 kW (200 PS) und einer für damalige Verhältnisse revolutionären Technik. Der quattro basierte auf der gleichen Plattform wie das normale Coupé, wurde jedoch mit breiten Radhäusern, einem kräftigeren Motor und dem innovativen Allradsystem ausgestattet. Dieses Modell begründete nicht nur den Mythos des Audi quattro-Antriebs, sondern dominierte auch den Rallye-Sport der 1980er Jahre mit Weltmeistertiteln und legendären Fahrern wie Hannu Mikkola, Stig Blomqvist und Walter Röhrl. Für den regulären Coupé-Kunden bedeutete dies einen enormen Imagetransfer: Audi wurde plötzlich als sportliche, technologieführende Marke wahrgenommen.
1984 erhielt die erste Coupé-Generation ein Facelift mit überarbeiteter Front, neuen Rückleuchten und modifizierten Stoßfängern. Die Motorenpalette wurde erweitert: Neben den bekannten Fünfzylindern kam ein kleinerer 1.8-Liter-Vierzylinder mit 66 kW (90 PS) hinzu, der das Einstiegsmodell darstellte. Im oberen Leistungsbereich wurde der 2.2-Liter-Fünfzylinder mit 85 kW (115 PS) oder 100 kW (136 PS) angeboten. Der quattro erhielt 1984 eine Leistungssteigerung auf 151 kW (205 PS). Bis zum Produktionsende 1988 wurden rund 74.000 Einheiten der ersten Coupé-Generation gebaut – eine respektable Zahl für ein Nischenmodell. Die Fahrzeuge überzeugten durch solide Verarbeitung, gute Fahrleistungen und einen für ein Coupé akzeptablen Alltagsnutzen mit ausreichend Platz für vier Personen.
Die zweite Generation: Typ 89 (1988-1996)
Im Herbst 1988 stellte Audi die zweite Generation des Coupé vor, nun auf Basis des Audi 80 B3 (Typ 89). Das Design war deutlich moderner und aerodynamischer als beim Vorgänger, mit einem cW-Wert von 0,32 gehörte das neue Coupé zu den windschlüpfrigsten Fahrzeugen seiner Klasse. Die Front zeigte die für Audi typische Trapezform mit integrierten Scheinwerfern, während das Heck durch eine prägnante Spoilerlippe und schmale Rückleuchten gekennzeichnet war. Weiterhin wurde die Karosserie bei Karmann in Osnabrück gefertigt. Die Abmessungen wuchsen leicht: Mit 4,41 Metern Länge bot die zweite Generation etwas mehr Innenraum, blieb aber kompakt genug für ein sportliches Coupé.
Zum Marktstart standen drei Motorisierungen zur Wahl: Ein 2.0-Liter-Vierzylinder mit 83 kW (113 PS), der bewährte 2.3-Liter-Fünfzylinder mit 98 kW (133 PS) sowie als Topmodell der 2.3 E mit 125 kW (170 PS). Alle Motoren verfügten über eine elektronische Einspritzung und erfüllten die damals geltenden Abgasnormen. Das Fahrwerk war straffer abgestimmt als beim Audi 80, serienmäßig gab es eine Einzelradaufhängung vorn und eine Verbundlenkerachse hinten. Die Lenkung arbeitete präzise, und das Coupé bot einen gelungenen Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Komfort. Zur Serienausstattung gehörten elektrische Fensterheber vorn, ein Radio und stoffbezogene Sportsitze.
1990 erweiterte Audi die Motorenpalette nach unten mit einem 1.8-Liter-Vierzylinder mit 82 kW (112 PS) und nach oben mit dem 2.6 E V6 mit 110 kW (150 PS) sowie dem 2.8 E V6 mit 128 kW (174 PS). Die V6-Modelle boten nochmals mehr Laufruhe und Durchzugskraft, blieben aber Fronttriebler. Eine quattro-Version des Typ 89 Coupé wurde nie in Serie produziert, was viele Enthusiasten bedauerten. 1992 gab es ein Facelift mit leicht überarbeiteter Front, neuen Scheinwerfern und modifizierten Rückleuchten. Die Motorenpalette wurde gestrafft, und es gab nun auch ein S2 Coupé als absolute Topversion: Mit einem 2.2-Liter-Fünfzylinder-Turbo und 169 kW (230 PS), quattro-Allradantrieb und einem sportlichen Fahrwerk war das S2 Coupé das schnellste Serienmodell der Baureihe. Es beschleunigte in 6,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h.
Das S2 Coupé wurde von 1992 bis 1995 produziert und ist heute ein begehrtes Sammlerstück. Es verfügte über breite Radhausverbreiterungen, einen großen Heckspoiler, 16-Zoll-Leichtmetallräder und ein aufgewertetes Interieur mit Lederausstattung und Recaro-Sitzen. Die Produktion der gesamten zweiten Coupé-Generation endete im Sommer 1996. Insgesamt wurden rund 69.000 Einheiten gebaut, davon etwa 3.500 S2 Coupé. Audi entschied sich danach, das klassische Coupé-Konzept nicht direkt fortzuführen. Erst 2007 kehrte Audi mit dem A5 Coupé in dieses Segment zurück, wobei der A5 auf einer moderneren Plattform basierte und eine Klasse höher angesiedelt war.
Technische Besonderheiten und Innovationen
Das Audi Coupé zeichnete sich über beide Generationen hinweg durch den Einsatz von Fünfzylinder-Motoren aus, die Audi zu dieser Zeit zu einem Alleinstellungsmerkmal verhalfen. Diese Aggregate boten eine gute Balance zwischen der Laufkultur eines Sechszylinders und der Kompaktheit eines Vierzylinders. Die Verzinkung der Karosserie sorgte für eine überdurchschnittliche Rostbeständigkeit, was heute vielen Fahrzeugen das Überleben gesichert hat. Das Fahrwerk mit Einzelradaufhängung vorn und Verbundlenker-Hinterachse bot ein ausgewogenes Handling. Beim S2 kam erstmals eine elektronische Differentialsperre (EDS) zum Einsatz, die die Traktion nochmals verbesserte. Die Bremsanlage mit Scheibenbremsen rundum und bei späteren Modellen ABS gehörte zur Serienausstattung.
Bedeutung für die Marke Audi
Das Audi Coupé spielte eine zentrale Rolle bei der Transformation von Audi von einem konservativen Volumenhersteller zu einer sportlichen Premium-Marke. Der quattro-Rallye-Erfolg strahlte auf die gesamte Baureihe ab und verlieh Audi ein progressives Image. Das Coupé zeigte, dass Audi in der Lage war, emotional ansprechende Fahrzeuge zu bauen, die nicht nur technisch überzeugen, sondern auch gestalterisch Akzente setzen. Heute gelten vor allem die quattro-Modelle und das S2 Coupé als automobile Ikonen. Die Preise für gut erhaltene Exemplare sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen, was die wachsende Anerkennung dieser Modelle im Klassiker-Segment unterstreicht. Das Audi Coupé Typ 89 in normalen Ausführungen ist mittlerweile ein bezahlbarer Youngtimer mit solider Ersatzteilversorgung über Audi Tradition und den freien Markt.