Die erste Generation: Audi e-tron (2018–2024)
Im September 2018 präsentierte Audi in San Francisco den e-tron als erstes rein batterieelektrisches Serienfahrzeug der Marke. Der Marktstart in Deutschland erfolgte im März 2019. Der e-tron basierte auf einer adaptierten MLB-evo-Plattform und wurde als klassisches SUV mit 4,90 Meter Länge positioniert. Zum Start standen zwei Motorisierungen zur Wahl: Der e-tron 50 quattro mit 230 kW (313 PS) und 71 kWh Batteriekapazität sowie der e-tron 55 quattro mit 265 kW (360 PS) im Boost-Modus und 95 kWh Bruttokapazität (86,5 kWh netto). Beide Varianten verfügten über zwei Elektromotoren und permanenten Allradantrieb. Die WLTP-Reichweite des e-tron 55 lag bei bis zu 417 Kilometern, das Schnellladen war mit bis zu 150 kW möglich.
Bereits im November 2019 erweiterte Audi das Portfolio um den e-tron Sportback, eine coupéhafte Variante mit abfallender Dachlinie, die einen cW-Wert von 0,25 erreichte und damit zu den aerodynamisch effizientesten SUV-Coupés seiner Zeit zählte. Die Sportback-Karosserie bot bis zu 615 Liter Kofferraumvolumen (SUV: 660 Liter) und sprach Kunden an, die sportlicheres Design bevorzugten. Technisch war der Sportback identisch mit dem klassischen SUV, profitierte aber durch die bessere Aerodynamik von rund 10 Kilometern zusätzlicher Reichweite.
Im Sommer 2020 folgte der e-tron S bzw. e-tron S Sportback als sportliche Topversion mit drei Elektromotoren: Zwei E-Maschinen an der Hinterachse und eine an der Vorderachse erzeugten im Boost-Modus kombiniert 370 kW (503 PS) und 973 Nm Drehmoment. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelang in 4,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 210 km/h. Der e-tron S war das erste Serienfahrzeug von Audi mit elektrischem Torque Vectoring an der Hinterachse. Die Reichweite fiel mit bis zu 370 Kilometern (WLTP) aufgrund des höheren Gewichts und der sportlicheren Auslegung geringer aus als bei den Basisversionen.
Facelift 2022: Optimierungen und erweiterte Modellpalette
Im Herbst 2021 kündigte Audi ein umfassendes Facelift für Modelljahr 2022 an, das im Frühjahr 2022 auf den Markt kam. Die überarbeiteten Modelle erhielten einen modifizierten Kühlergrill in Wabenoptik, neu gestaltete LED-Scheinwerfer mit Matrix-LED-Technologie und überarbeitete Stoßfänger vorn und hinten. Die wichtigste technische Neuerung war die vergrößerte Batteriekapazität: Der e-tron 50 quattro erhielt eine 71-kWh-Batterie (netto: 64 kWh), der e-tron 55 quattro wurde auf 95 kWh brutto (89 kWh netto) aufgewertet. Dadurch stieg die WLTP-Reichweite des e-tron 55 quattro auf bis zu 441 Kilometer beim SUV und 453 Kilometer beim Sportback.
Parallel führte Audi eine neue Einstiegsvariante ein: Den e-tron 40 quattro mit 150 kW (204 PS) und der kleineren 71-kWh-Batterie, der ab etwa 67.500 Euro angeboten wurde. Die Ladeleistung blieb bei bis zu 150 kW für DC-Schnellladen, AC-laden war mit bis zu 11 kW (optional 22 kW) möglich. Im Innenraum wurden die Materialqualität verbessert, neue Dekoreinlagen angeboten und die MMI-Software aktualisiert. Das Facelift brachte zudem neue Außenfarben und erweiterte Assistenzsysteme wie den adaptiven Fahrassistenten für teilautomatisiertes Fahren auf Autobahnen.
Modelljahrpflege 2023 und letzte Updates
Für das Modelljahr 2023 führte Audi weitere Detailverbesserungen durch: Die Software für Antrieb und Rekuperation wurde optimiert, um die Effizienz nochmals zu steigern. Die Wärmepumpe wurde serienmäßig in allen Varianten verbaut, was besonders im Winter zu einer verbesserten Reichweite führte. Audi erweiterte zudem das Angebot an Ausstattungslinien und Paketen, darunter das Black Edition-Paket mit schwarz lackierten Designelementen. Die Preise starteten 2023 beim e-tron 40 quattro bei etwa 69.000 Euro, während der e-tron 55 quattro ab circa 81.000 Euro gelistet war. Der e-tron S Sportback markierte mit über 96.000 Euro die Spitze der Baureihe.
Umbenennung zum Audi Q8 e-tron (2024)
Mit Beginn des Jahres 2024 vollzog Audi eine umfassende Umstrukturierung seiner E-Auto-Nomenklatur. Der e-tron wurde in Q8 e-tron umbenannt, um die Positionierung innerhalb der Q-SUV-Familie zu verdeutlichen und die Verwandtschaft zum konventionell angetriebenen Q8 zu unterstreichen. Die technischen Änderungen zum Q8 e-tron umfassten eine nochmals vergrößerte Batterie mit 114 kWh Bruttokapazität (106 kWh netto) im Q8 55 e-tron quattro, was die Reichweite auf bis zu 582 Kilometer (WLTP) steigerte. Der Q8 e-tron ist in den Varianten Q8 50 e-tron quattro, Q8 55 e-tron quattro und SQ8 e-tron erhältlich, jeweils auch als Sportback-Version.
Die Ladeleistung wurde auf bis zu 170 kW erhöht, wodurch die Batterie in optimalen Bedingungen von 10 auf 80 Prozent in etwa 31 Minuten geladen werden kann. Design-Updates umfassen einen breiteren Singleframe-Grill, neue LED-Rückleuchten mit dynamischem Blinklicht und überarbeitete Felgendesigns von 19 bis 22 Zoll. Der SQ8 e-tron leistet weiterhin bis zu 370 kW (503 PS) und beschleunigt in 4,5 Sekunden auf Tempo 100. Der Innenraum profitiert von Audis neuestem MMI-System mit einem 10,1-Zoll-Touchscreen oben und 8,6-Zoll-Display unten sowie einem optionalen Head-up-Display. Die Preise für den Q8 e-tron beginnen 2024 bei etwa 74.500 Euro.
Marktposition und Konkurrenz
Der Audi e-tron bzw. Q8 e-tron positioniert sich im Premium-Segment der Elektro-SUVs und tritt gegen Fahrzeuge wie den Mercedes EQC, BMW iX3, Jaguar I-PACE und Tesla Model X an. Mit einer Gesamtproduktion von über 170.000 Einheiten zwischen 2018 und 2023 etablierte sich der e-tron als eines der erfolgreichsten Elektrofahrzeuge im Premium-Segment in Europa. In Deutschland war der e-tron zeitweise das meistverkaufte Elektro-SUV der Oberklasse. Die hohe Verarbeitungsqualität, die Alltagstauglichkeit durch akzeptable Reichweiten und das dichte Audi-Servicenetz wurden von Kunden besonders geschätzt. Kritisiert wurden anfangs die im Vergleich zur Konkurrenz geringere Reichweite und die hohen Verbrauchswerte von bis zu 26 kWh/100 km, die mit den Facelifts kontinuierlich verbessert wurden.
Produktion und Nachhaltigkeit
Der e-tron wird seit 2018 im Audi-Werk Brüssel gefertigt, das als erstes zertifiziert CO2-neutrales Großserienwerk der Automobilindustrie gilt. Die Batterien stammen von LG Chem und werden in einem eigenen Bereich im Werk montiert. Audi legte bei der Produktion Wert auf Verwendung von Ökostrom, geschlossene Aluminium-Kreisläufe und wassersparende Lackierverfahren. Das Batterierecycling wird über Partner organisiert, wobei eine Wiederverwertungsquote von über 90 Prozent der Rohstoffe angestrebt wird. Die Hochvolt-Batterie ist mit acht Jahren Garantie bzw. 160.000 Kilometern abgesichert, was im Premium-Segment dem Standard entspricht.