Erste Generation – Typ 42 (2006–2015)
Der ursprüngliche Audi R8 debütierte 2006 auf dem Pariser Autosalon und läutete eine neue Ära für Audi ein. Erstmals wagte sich die Marke mit den vier Ringen in das Segment der echten Supersportwagen vor. Basis war die Aluminium Space Frame-Technologie (ASF), die bereits im Audi A8 zum Einsatz kam. Die erste Generation wurde zunächst ausschließlich als Coupé mit einem 4,2-Liter-V8-Motor angeboten, der 420 PS leistete und aus dem RS4 stammm. Dieser Mittelmotor trieb über ein manuelles 6-Gang-Getriebe oder optional über die 6-Gang-Automatik R tronic alle vier Räder an. Das Design mit den markanten Seitenklingen, den LED-Scheinwerfern und der flachen Silhouette wurde zum Markenzeichen und ist bis heute prägend.
2008 wurde das Portfolio um den R8 V10 erweitert, der mit seinem 5,2-Liter-V10-Motor und zunächst 525 PS deutlich mehr Performance bot. Dieser Motor war eng verwandt mit dem Triebwerk des Lamborghini Gallardo und wurde in Zusammenarbeit entwickelt. Ein Jahr später, 2009, folgte das R8 Spyder mit elektrischem Stoffverdeck, das in 19 Sekunden öffnete und bis 50 km/h betätigt werden konnte. Das Spyder war sowohl mit V8 als auch mit V10 erhältlich und wog nur rund 100 kg mehr als das Coupé.
Facelift Typ 42 (2012–2015)
2012 erhielt die erste Generation ein umfangreiches Facelift. Die Frontpartie wurde überarbeitet, wobei die Lufteinlässe größer wurden und der Singleframe-Kühlergrill neu gestaltet wurde. Auch die LED-Scheinwerfer wurden modifiziert. Technisch brachte das Update vor allem die Einführung der 7-Gang-S-tronic-Doppelkupplungsgetriebe, die die bisherige R tronic ersetzte. Der V8-Motor wurde auf 430 PS aufgewertet, der V10 auf 525 PS im Standardmodell. Zeitgleich wurde der R8 GT eingeführt, eine limitierte Hochleistungsvariante mit 560 PS, reduziertem Gewicht von 1525 kg und verbesserter Aerodynamik. Nur 333 Exemplare des GT wurden weltweit gebaut.
2013 folgte der R8 V10 plus als permanentes Top-Modell mit 550 PS, der die Lücke zum GT schloss. Diese Variante beschleunigte in 3,5 Sekunden auf 100 km/h und erreichte 317 km/h Höchstgeschwindigkeit. Carbon-Keramik-Bremsen waren serienmäßig, ebenso ein spezielles Sport-Fahrwerk. Das Facelift brachte zudem neue Assistenzsysteme wie eine Rückfahrkamera und das Audi Parking System. 2015 wurde die erste Generation nach knapp 28.000 produzierten Einheiten eingestellt.
Zweite Generation – Typ 4S (2015–2023)
Die zweite Generation des R8 wurde 2015 auf der IAA Frankfurt präsentiert und basiert auf der Modularen Sportwagenplattform (MSS), die zusammen mit Lamborghini entwickelt wurde und auch dem Huracán als Basis dient. Die Struktur besteht nun aus einer Kombination von Aluminium und Carbon, wodurch die Steifigkeit um 40 Prozent gegenüber dem Vorgänger stieg, während das Gewicht leicht reduziert wurde. Das Design wurde evolutionär weiterentwickelt, mit schärferen Linien, einer breiteren Spur und neuen Full-LED- bzw. optional Laser-Scheinwerfern.
Der V8-Motor wurde komplett gestrichen – die zweite Generation startete ausschließlich mit dem 5,2-Liter-V10. In der Basisversion leistete er 540 PS, in der V10 plus-Variante 610 PS. Alle Modelle erhielten das 7-Gang-S-tronic-Doppelkupplungsgetriebe, ein manuelles Getriebe wurde nicht mehr angeboten. Die Beschleunigung des V10 plus lag bei 3,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit bei 330 km/h. Das virtuelle Cockpit mit 12,3-Zoll-Display wurde zum Standard und ersetzte die analogen Instrumente vollständig. Die Fahrdynamik wurde durch ein neu abgestimmtes quattro-System mit elektrisch gesteuerter Lamellenkupplung und optionaler Hinterachslenkung verfeinert.
Facelift Typ 4S (2019–2023)
2019 erhielt die zweite Generation ein umfassendes Facelift. Die Front wurde mit neuen Lufteinlässen und einem breiteren Diffusor am Heck deutlich aggressiver gestaltet. Die Motorleistungen wurden angehoben: Der Basis-V10 leistete nun 570 PS, der V10 performance (neue Bezeichnung statt plus) 620 PS. Beide Varianten erhielten überarbeitete Abgasanlagen mit noch markanterer Akustik. Das Fahrwerk wurde mit neuen adaptiven Dämpfern ausgestattet, und die Lenkung wurde direkter abgestimmt.
Technisch wurde das Infotainment auf die neueste MMI-Generation aktualisiert, und es kamen zusätzliche Konnektivitätsfunktionen hinzu. Die Seitenteile konnten nun in Wagenfarbe, Carbon oder kontrastierend bestellt werden. Audi führte außerdem mehrere Sondermodelle ein, darunter den R8 V10 Decennium 2019 zum zehnjährigen Jubiläum des V10-Motors (limitiert auf 222 Stück) und den R8 green hell 2021, inspiriert von der Nordschleife des Nürburgrings. 2022 kündigte Audi das Ende der R8-Produktion an. Als Abschiedsmodell wurde der R8 GT aufgelegt, limitiert auf 333 Exemplare weltweit, mit 620 PS, optimierter Aerodynamik und einem Leergewicht von unter 1570 kg.
Rennsport und Technologie
Parallel zur Straßenversion entwickelte Audi den R8 LMS für den GT3-Rennsport. Seit 2009 ist der R8 LMS einer der erfolgreichsten GT3-Rennwagen weltweit und gewann unter anderem die 24 Stunden von Spa, die 24 Stunden vom Nürburgring und zahlreiche GT-Meisterschaften. Die vierte Generation des R8 LMS wurde 2022 vorgestellt und wird weiterhin an Kundenteams verkauft, obwohl die Straßenversion ausläuft. Diese enge Verzahnung zwischen Renn- und Straßensport ist charakteristisch für den R8.
Technologisch setzt der R8 seit jeher auf hochwertigste Materialien und innovative Lösungen. Die Virtual Cockpit-Technologie feierte im R8 ihr Debüt, bevor sie in die gesamte Modellpalette Einzug hielt. Auch die Matrix-LED- und Laser-Scheinwerfer wurden im R8 erstmals angeboten. Der Audi Space Frame in Aluminium und später die Carbon-Aluminium-Hybridstruktur demonstrieren den Leichtbau-Anspruch. Mit dem Auslaufen 2023 endet vorerst eine Ära, doch Audi hat bereits angekündigt, dass ein Nachfolger kommen wird – möglicherweise mit elektrischem Antrieb als Teil der e-tron-Familie.