Die Anfänge: C4 (1991–1994)
Die Geschichte des Audi S4 begann 1991 mit der C4-Generation, die auf dem Audi 100 basierte. Audi bot den ersten S4 ausschließlich als Limousine und Avant (Kombi) an. Unter der Haube arbeitete ein 2,2-Liter-Fünfzylinder-Turbomotor mit 169 kW (230 PS), der aus dem legendären Audi Quattro stammte. Das maximale Drehmoment von 350 Nm stand ab 1950 U/min zur Verfügung. Der Sprint von null auf 100 km/h gelang in 6,8 Sekunden, die Spitze lag bei 245 km/h. Serienmäßig verfügte der S4 über Allradantrieb und ein manuelles 6-Gang-Getriebe. Optisch unterschied sich der S4 durch diskrete Karosserie-Anbauteile, spezielle 16-Zoll-Leichtmetallräder und Sportfahrwerk. Die Produktion endete 1994 nach rund 6.800 Einheiten, was den C4 S4 heute zu einem gesuchten Klassiker macht.
Erste B-Baureihe: B5 (1997–2002)
Mit der B5-Generation vollzog Audi 1997 einen Paradigmenwechsel: Der S4 wechselte von der C-Klasse (100/A6) zur B-Klasse (A4) und wurde damit kompakter, aber nicht weniger potent. Unter der Haube arbeitete nun ein 2,7-Liter-V6-Biturbo mit 195 kW (265 PS) und 400 Nm Drehmoment. Der markante Klang und die beeindruckende Durchzugskraft machten diesen Motor zur Legende. In 5,9 Sekunden erreichte der B5 S4 Tempo 100, bei 250 km/h wurde elektronisch abgeregelt. Audi bot sowohl eine Limousine als auch einen Avant an, beide mit manuellem 6-Gang-Getriebe und quattro-Allradantrieb. Die Karosserie erhielt breitere Radhäuser, eine spezifische Frontschürze und charakteristische Vier-Rohr-Endrohre. Das Fahrwerk wurde um 30 Millimeter tiefergelegt. Der B5 S4 entwickelte sich schnell zum Tuning-Favoriten, da der Biturbo-Motor enormes Potenzial bot. Von 1997 bis 2002 entstanden etwa 36.000 Einheiten weltweit.
Zweite B-Generation: B6 (2003–2005)
Die B6-Generation des S4 erschien 2003 und markierte den Abschied vom Biturbo. Stattdessen verbaute Audi erstmals einen 4,2-Liter-V8-Saugmotor mit 253 kW (344 PS) und 410 Nm Drehmoment. Der hochdrehende Achtzylinder stammte technisch aus dem RS4 B7 und überzeugte mit linearer Kraftentfaltung und einem sonoren Sound. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erfolgte in 5,6 Sekunden. Erstmals bot Audi neben dem manuellen 6-Gang-Getriebe auch eine 6-Gang-tiptronic an. Optisch fiel der B6 S4 durch die markante Singleframe-Grill-Vorstufe, verbreiterte Kotflügel und 18-Zoll-Räder auf. Das ESP wurde serienmäßig verbaut, ebenso ein adaptives Sportfahrwerk. Die Bremsanlage stammte vom RS4 und bot beeindruckende Verzögerungswerte. Der B6 S4 war als Limousine, Avant und erstmals auch als Cabriolet erhältlich. Die Bauzeit war mit nur zwei Jahren vergleichsweise kurz, dennoch entstanden über 28.000 Fahrzeuge.
Dritte B-Generation: B7 (2005–2009)
Das B7-Facelift von 2005 brachte dem S4 hauptsächlich optische Retuschen und dezente technische Verbesserungen. Der 4,2-Liter-V8 leistete weiterhin 253 kW (344 PS), doch durch optimierte Motorsteuerung und geringfügige Gewichtsreduktion verbesserten sich Fahrleistungen und Verbrauch minimal. Der Singleframe-Kühlergrill wurde markanter gestaltet, die LED-Tagfahrlichter hielten Einzug, und das Interieur erhielt hochwertigere Materialien. Die Instrumentenbeleuchtung wechselte zu weißem Licht. Technisch blieb der S4 B7 seinem Vorgänger treu: quattro-Allradantrieb, Torsen-Mittendifferential und optionales adaptives Fahrwerk. Das Cabriolet erfreute sich besonderer Beliebtheit und bot als eines der wenigen Kompakt-Cabrios V8-Power mit Allradantrieb. Die Produktion lief bis 2009, insgesamt entstanden etwa 38.000 Einheiten aller Karosserievarianten. Der B7 S4 gilt heute als zuverlässiger Gebrauchtwagen mit kultiviertem V8-Charakter.
Vierte B-Generation: B8 (2009–2012)
2009 läutete die B8-Generation eine neue Ära ein: Der S4 behielt zwar den 3,0-Liter-V6-Kompressor-Motor (TFSI) mit 245 kW (333 PS), doch das Downsizing gegenüber dem V8 sorgte für Gewichtsersparnis und bessere Effizienz. Das maximale Drehmoment von 440 Nm lag bereits ab 2.900 U/min an. In 5,1 Sekunden spurtete der B8 S4 auf 100 km/h – schneller als seine V8-Vorgänger. Erstmals war serienmäßig ein 7-Gang-S-tronic-Doppelkupplungsgetriebe verbaut, das manuelle Getriebe entfiel. Die Karosserie wurde aerodynamischer gestaltet, die Stirnfläche reduziert und der cw-Wert auf 0,32 gesenkt. Das Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern (Audi drive select) ermöglichte individuelle Abstimmungen zwischen Komfort und Sport. Optisch präsentierte sich der B8 S4 mit dezenter Sportlichkeit: verbreiterte Schweller, spezifische Schürzen und Vier-Rohr-Auspuff. Als Limousine und Avant verfügbar, überzeugte der B8 durch seine Alltagstauglichkeit und den reduzierten Verbrauch von unter 10 Litern kombiniert.
B8-Facelift (2012–2015)
2012 erhielt der S4 ein umfassendes Facelift: Die Front wurde mit neuen Scheinwerfern (optional Xenon Plus oder Matrix-LED), überarbeitetem Singleframe-Grill und modifizierten Lufteinlässen modernisiert. Am Heck wurden die LED-Rückleuchten neu gezeichnet. Technisch blieb der 3,0-TFSI mit 245 kW (333 PS) unverändert, doch Audi optimierte die Kraftstoffeinspritzung und senkte die Emissionen. Das Infotainment-System MMI wurde auf die neueste Generation aktualisiert, Audi connect bot erstmals Internetdienste im Auto. Die Assistenzsysteme wurden erweitert: Side Assist, adaptive Geschwindigkeitsregelung und Audi pre sense waren nun verfügbar. Das Fahrwerk profitierte von überarbeiteten Dämpfern, die Lenkung wurde direkter abgestimmt. Der Innenraum erhielt neue Sitzbezüge, Ziernähte und optionale Alcantara-Elemente. Das B8-Facelift lief bis Ende 2015 und bildete die Brücke zur vollständig neuen B9-Generation.
Fünfte B-Generation: B9 (2016–2019)
Die B9-Generation startete 2016 auf der vollständig neuen MLB-Plattform, die sich der S4 mit dem A4 teilte. Der neue 3,0-Liter-V6-TFSI-Turbo ersetzte den Kompressor-Motor und leistete nun 260 kW (354 PS) bei einem Drehmoment von 500 Nm. Die Kraftentfaltung erfolgte dank Turboaufladung spontaner, der Verbrauch sank auf unter 8 Liter kombiniert. Die 8-Gang-tiptronic ersetzte das Doppelkupplungsgetriebe und bot sanftere Schaltvorgänge. Der Allradantrieb mit selbstsperrendem Mittendifferential und optionalem Sportdifferential an der Hinterachse sorgte für noch agileres Handling. In 4,7 Sekunden erreichte die Limousine 100 km/h. Optisch präsentierte sich der B9 S4 mit breiteren Lufteinlässen, mattierten Spiegelkappen, 18-Zoll-Rädern und Vier-Rohr-Auspuff. Das Virtual Cockpit, Matrix-LED-Scheinwerfer und umfangreiche Assistenzsysteme hoben den S4 auf ein neues Technologie-Niveau. Das Gewicht sank dank Aluminium-Bauweise um bis zu 90 Kilogramm gegenüber dem B8.
B9-Facelift (2019–2024)
Das 2019 präsentierte Facelift brachte dem B9 S4 hauptsächlich optische und technologische Updates. Die Front erhielt einen breiteren Singleframe-Grill mit wabenförmiger Struktur, neue Matrix-LED- oder optional HD-Matrix-LED-Scheinwerfer sowie modifizierte Lufteinlässe. Am Heck wurden die OLED-Rückleuchten optional verfügbar – eine Premiere in der Mittelklasse. Technisch führte Audi die Mildhybrid-Technologie ein: Ein 48-Volt-Bordnetz mit Riemenstarter-Generator (RSG) ermöglicht Segeln mit abgeschaltetem Motor und Rekuperation beim Bremsen. Der 3,0-TFSI leistet weiterhin 260 kW (354 PS), doch der Verbrauch sank weiter. Das MMI touch-Bedienkonzept mit zwei zentralen Displays ersetzte den Dreh-Drück-Steller. Die Sprachsteuerung wurde auf natürliche Sprache erweitert, Audi connect bietet LTE-Geschwindigkeit. Neue Assistenzsysteme wie adaptive Fahrassistent, Kreuzungsassistent und Ausstiegswarnung erhöhten die Sicherheit. Das Fahrwerk wurde nochmals verfeinert, optionale Sportbremsen mit 375-mm-Scheiben vorne verbesserten die Verzögerung. Der B9 S4 nach Facelift gilt als ausgereifteste und effizienteste S4-Generation und wird voraussichtlich 2024 von der kommenden B10-Generation abgelöst.