Die Anfänge: Continental R und T (1991-2003)
Die moderne Continental-Ära begann 1991 mit dem Continental R, der auf der Plattform des Mulsanne basierte. Dieser zweitürige Grand Tourer war das erste Bentley-Modell seit den 1960er Jahren, das wieder eigenständig entwickelt wurde, nachdem Bentley jahrzehntelang im Schatten von Rolls-Royce gestanden hatte. Der Continental R wurde von einem 6,75-Liter-V8-Turbomotor angetrieben, der zunächst 325 PS leistete. 1994 folgte der Continental S mit gesteigerter Leistung von 385 PS. Das Design stammte von John Heffernan und Ken Greenley und zeigte klassische Bentley-Proportionen mit langer Motorhaube und kurzem Heck. 1996 kam der Continental T hinzu, eine sportlichere Variante mit kürzerem Radstand, breiteren Radhäusern und 400 PS. Der T war deutlich agiler und wiegt rund 150 kg weniger. 2000 wurde der Continental R Mulliner vorgestellt, eine luxuriöse Sonderedition mit 420 PS. Diese erste Continental-Generation wurde bis 2003 gebaut und legte den Grundstein für die Renaissance der Marke.
Erste Generation Continental GT (2003-2011)
2003 revolutionierte Bentley den Luxus-Coupé-Markt mit dem Continental GT der ersten Generation (interne Bezeichnung Typ 3W). Nach der Übernahme durch Volkswagen 1998 entstand auf Basis der VW-Konzernplattform D1 ein völlig neues Fahrzeug. Der 6,0-Liter-W12-Biturbo mit 560 PS und 650 Nm Drehmoment ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von 318 km/h und machte den Continental GT zum schnellsten Bentley aller Zeiten. Das Design von Dirk van Braeckel kombinierte moderne Elemente mit klassischen Bentley-Stilmerkmalen wie der Matrix-Kühlergrill und die charakteristischen Rundscheinwerfer. Das Allradsystem und das 6-Gang-Automatikgetriebe stammten aus dem VW-Konzern. 2005 folgte das Continental Flying Spur, eine viertürige Limousine auf gleicher Basis. 2006 kam das Continental GTC als Cabriolet-Variante hinzu. Der Einstiegspreis in Deutschland lag bei etwa 160.000 Euro, was den Continental GT deutlich zugänglicher machte als frühere Bentley-Modelle. 2008 erhielt die Baureihe ein Facelift mit überarbeiteter Front, LED-Rückleuchten und verfeinerten Interieurdetails. Gleichzeitig wurde der Continental GT Speed eingeführt, dessen W12 auf 610 PS erstarkte und 326 km/h Spitze erreichte.
Facelift 2008 und V8-Motorisierung 2012
Das 2008er-Facelift brachte nicht nur optische Retuschen, sondern auch technische Verbesserungen. Die Lenkung wurde direkter abgestimmt, die Luftfederung erhielt neue Dämpfercharakteristiken. Im Innenraum wurden hochwertigere Materialien und eine erweiterte Farbpalette angeboten. 2009 folgte der Continental Supersports, die bis dahin leistungsstärkste Variante mit 630 PS, die als erstes Bentley-Modell E85-Biokraftstoff vertrug. Der Supersports wog dank Leichtbaumaßnahmen 110 kg weniger und beschleunigte in 3,7 Sekunden auf 100 km/h. Ein wichtiger Meilenstein war 2012 die Einführung des Continental GT V8 mit 4,0-Liter-V8-Biturbo und 507 PS. Dieser Motor, entwickelt gemeinsam mit Audi, bot mit kombiniertem Verbrauch von etwa 11 Litern deutlich bessere Effizienz als der W12 (rund 15 Liter) bei weiterhin beeindruckenden Fahrleistungen. Der V8 wurde zum Bestseller der Baureihe, besonders in Europa und Deutschland.
Zweite Generation Continental GT (2011-2018)
2011 präsentierte Bentley die zweite Continental-Generation (Typ 3W2), die evolutionär weiterentwickelt wurde. Äußerlich wurde das Design geschärft, die Scheinwerfer erhielten eine neue Form, die Kotflügel wurden stärker betont. Technisch blieb die D1-Plattform erhalten, wurde aber in allen Bereichen verfeinert. Der W12 leistete nun 575 PS, später 625 PS in der Speed-Version. Das Gewicht konnte durch Aluminium-Einsatz an Türen, Motorhaube und Kofferraumklappe reduziert werden. Das Fahrwerk erhielt eine neue adaptive Luftfederung mit kontinuierlicher Dämpferregelung. Im Innenraum dominierte weiterhin Handwerkskunst: bis zu 20 Rinderhäute und echtes Holzfurnier in über 20 Varianten. 2012 kam erneut der V8 mit nun 528 PS, ab 2015 auch in der S-Variante mit 521 PS. Das 8-Gang-Automatikgetriebe von ZF ersetzte die alte 6-Stufen-Automatik. 2015 erhielt die Baureihe ein umfassendes Facelift mit komplett neuer Front, größerem Kühlergrill und LED-Matrix-Scheinwerfern. Die Rückleuchten wurden ovaler, das Heck breiter. Im Interieur hielt erstmals ein 8-Zoll-Touchscreen Einzug. Der Continental GT3-R, eine auf 300 Exemplare limitierte Sonderedition von 2014, bot 580 PS und wog 100 kg weniger als der Standard-GT.
Facelift 2015 und Sondermodelle
Das 2015er-Facelift brachte die zweite Generation optisch und technisch auf den neuesten Stand. Die gesamte Front wurde neu gestaltet, der Kühlergrill vergrößert und die Lufteinlässe neu geformt. Erstmals waren Full-LED-Scheinwerfer verfügbar. Die Motorpalette wurde um den GT3-R erweitert, später folgten zahlreiche Sondermodelle wie der Black Speed Edition oder der Continental 24. Technisch wurde das Infotainment auf den aktuellen VW-Konzernstand gehoben, Navigation und Konnektivität verbessert. Das Fahrwerk erhielt neue Software für die adaptive Dämpfung, die Lenkung wurde nochmals verfeinert. 2017 kam der Continental Supersports als Topmodell zurück: 710 PS aus dem W12, 1017 Nm Drehmoment, 336 km/h Höchstgeschwindigkeit und 3,5 Sekunden auf 100 km/h – der schnellste viersitzige Bentley aller Zeiten. In Deutschland kostete der Supersports über 310.000 Euro. Die zweite Generation verkaufte sich weltweit über 60.000 Mal und etablierte den Continental GT endgültig als meistverkauftes Bentley-Modell.
Dritte Generation ab 2018
2018 läutete Bentley mit der dritten Generation (Typ GE) eine neue Ära ein. Erstmals basiert der Continental GT auf der MSB-Plattform (Modularer Standard-Baukasten) von Porsche, die er sich mit dem Panamera teilt. Das Design wurde evolutionär weiterentwickelt, wirkt aber dynamischer und moderner. Die Scheinwerfer sind schmaler, der Kühlergrill größer, die Linienführung klarer. Der W12 wurde auf 6,0 Liter Hubraum reduziert, leistet aber dank Zylinderabschaltung und überarbeiteten Turboladern 635 PS bei besserem Verbrauch (kombiniert etwa 12,5 Liter). Der V8 bietet 550 PS und ist dank Zylinderabschaltung mit rund 11 Litern kombiniert noch sparsamer. Das neue 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet deutlich schneller als die alte Wandlerautomatik. Das dreiteilige adaptive Luftfahrwerk kann jedes Rad einzeln ansteuern und bietet 48-Volt-Wankstabilisierung. Im Innenraum begeistert das rotierende Display: Auf Knopfdruck dreht sich die Mittelkonsole und zeigt wahlweise ein 12,3-Zoll-Touchscreen, drei analoge Uhren oder eine glatte Holzfläche. Die Verarbeitungsqualität erreicht neue Maßstäbe, digitale Features wie 3D-Navigation und umfassendes Konnektivitätspaket sind verfügbar. 2019 folgte das GTC Cabriolet mit einem Stoffverdeck, das in 19 Sekunden bis Tempo 50 öffnet oder schließt. 2022 kam der Continental GT Speed mit 659 PS starkem W12, der in 3,6 Sekunden auf 100 km/h sprintet und 335 km/h erreicht. 2024 revolutionierte Bentley mit dem Continental GT Speed Plug-in-Hybrid: Der neue 4,0-Liter-V8 kombiniert mit einem Elektromotor liefert 782 PS Systemleistung, eine 25,9-kWh-Batterie ermöglicht über 80 km elektrische Reichweite. Das Gewicht liegt bei etwa 2,5 Tonnen, trotzdem sind die Fahrleistungen beeindruckend. Dieser Hybrid markiert den Beginn der Elektrifizierung bei Bentley und soll bis 2030 zur vollelektrischen Marke führen.