Erste Generation (2003-2011): Der Neuanfang unter VW-Ägide
Der 2003 vorgestellte Continental GT markierte einen Wendepunkt in Bentleys Geschichte. Nach der Übernahme durch Volkswagen 1998 entwickelte das Unternehmen auf Basis der VW Phaeton-Plattform ein Coupé, das Bentley wieder profitabel machen sollte. Der 6,0-Liter-W12-Biturbo mit 560 PS und 650 Nm katapultierte den 2,4 Tonnen schweren Koloss in 4,8 Sekunden auf 100 km/h und erreichte 318 km/h Höchstgeschwindigkeit. Das markante Design von Dirk van Braeckel kombinierte klassische Bentley-Elemente wie die Matrixgrill-Optik mit modernen Linien. Der Allradantrieb von Audi garantierte auch bei widrigen Bedingungen Traktion. Mit einem Grundpreis von etwa 170.000 Euro war der Continental GT deutlich günstiger als die traditionellen Modelle Arnage und Azure, sprach damit eine jüngere Klientel an und wurde zum Verkaufsschlager. 2005 folgte das Cabrio Continental GTC, 2007 die viertürige Stufenheck-Limousine Continental Flying Spur. Die technische Basis blieb weitgehend identisch, wobei das Cabrio mit elektrischem Stoffverdeck und verstärkter Karosserie rund 200 kg schwerer ausfiel.
Facelift 2008: Mehr Leistung und V8-Debüt
2008 erhielt die erste Generation ein umfassendes Facelift. Die Scheinwerfer wurden neu gestaltet, die Stoßfänger überarbeitet und LED-Tagfahrlicht integriert. Der W12-Motor leistete nun 610 PS in der Speed-Version, die 329 km/h erreichte. Das bedeutendste Update war jedoch die Einführung eines 4,0-Liter-V8-Biturbos mit 507 PS im Jahr 2012 (als Brückenmodell zur zweiten Generation). Dieser von Audi stammende Motor reduzierte Gewicht und Verbrauch spürbar. Mit Zylinderabschaltung sank der Normverbrauch auf 10,7 Liter – für einen Bentley ein Meilenstein. Das V8-Modell war am geänderten Kühlergrill und den ovalen Auspuffendrohren zu erkennen. Die Fahrwerksabstimmung wurde sportlicher kalibriert, während das Infotainment-System erstmals eine Festplatten-Navigation erhielt. Dieses Facelift verlängerte die Marktpräsenz der ersten Generation bis 2011, während parallel bereits die zweite Generation entwickelt wurde.
Zweite Generation (2011-2018): Evolution statt Revolution
Im Herbst 2010 debütierte die zweite Continental GT-Generation auf dem Pariser Autosalons. Optisch eine behutsame Weiterentwicklung, verbarg sich unter der Haut umfassende Technik. Die Plattform basierte weiterhin auf der MSB-Architektur, wurde aber deutlich versteift. Der Radstand blieb bei 2746 mm, doch die Karosserie war 60 mm länger. Der bekannte 6,0-Liter-W12 leistete zunächst 575 PS, die GT Speed-Version ab 2012 brachte es auf 625 PS und 820 Nm. Die Kraftübertragung erfolgte über eine 8-Gang-Automatik von ZF, die die bisherige 6-Stufen-Einheit ersetzte. Gewichtseinsparungen von bis zu 65 kg gelangen durch Aluminium-Bauteile. Das Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern und aktiven Wankstabilisatoren verbesserte Komfort und Dynamik gleichermaßen. Im Innenraum dominierten weiterhin handverarbeitete Materialien, ergänzt durch ein überarbeitetes Infotainment mit Touchscreen und Festplatten-Jukebox. Der V8 mit nun 521 PS blieb im Programm und wurde zum meistverkauften Antrieb. 2015 erschien der Continental GT3-R als limitierte Sonderedition mit 580 PS und reduziertem Gewicht – ein Tribut an die Motorsport-Erfolge im GT3-Racing.
Facelift 2015: Digitalisierung und Leistungssteigerung
Zur Halbzeit der zweiten Generation präsentierte Bentley 2015 ein substanzielles Facelift. Die Scheinwerfer erhielten vollständig LED-Technik, die Motorhaube wurde neu geformt, und die Stoßfänger zeigten markantere Lufteinlässe. Der W12 leistete in der Basisversion nun 582 PS, die Speed-Variante kam auf 642 PS bei 820 Nm und erreichte 336 km/h. Der V8 blieb bei 521 PS, profitierte jedoch von optimierter Abstimmung. Technisches Highlight war das volldigitale Kombiinstrument sowie WLAN-Hotspot und Smartphone-Integration. Die adaptive Luftfederung wurde verfeinert, optional gab es Carbon-Keramik-Bremsen mit 420 mm Scheibendurchmesser. 2016 ergänzte Bentley das Portfolio um den Continental GT Convertible in Black Edition mit dunkler Optik. 2017 folgte als Abschiedsgruß der Continental Supersports mit 710 PS aus dem W12 – das bis dahin leistungsstärkste Bentley-Serienmodell überhaupt. Dieser beschleunigte in 3,5 Sekunden auf 100 km/h und erreichte 336 km/h Spitze. Die Produktion der zweiten Generation endete im Sommer 2018 nach rund 64.000 gebauten Einheiten.
Dritte Generation (seit 2018): Revolutionäre Technik und Handwerkskunst
Die im Herbst 2017 vorgestellte dritte Generation des Continental GT bedeutete einen Neustart. Erstmals basierte der Bentley auf der MSB-Plattform von Porsche (Panamera), die deutlich leichter und steifer ausfiel. Der Radstand wuchs minimal auf 2851 mm, die Gesamtlänge auf 4850 mm. Der überarbeitete 6,0-Liter-W12 mit Doppelturboaufladung leistet 635 PS und 900 Nm, beschleunigt in 3,7 Sekunden auf 100 km/h und erreicht 333 km/h. Erstmals kam eine Doppelkupplungs-8-Gang-Automatik zum Einsatz. Das adaptive Luftfahrwerk mit 48-Volt-Elektromotoren für die Wankstabilisierung (Bentley Dynamic Ride) minimiert Karosseriebewegungen. Das Design von Stefan Sielaff wirkt muskulöser, mit markanter Gürtellinie und elliptischen LED-Scheinwerfern. Im Interieur debütierte das drehbare Rotating Display – ein 12,3-Zoll-Touchscreen, der sich bei Motorstart aus der Holzverkleidung dreht. Drei analoge Rundinstrumente bilden die alternative Ansicht. Seit 2019 ergänzt der Continental GT V8 mit 550 PS das Programm. Die W12-Produktion wurde 2024 eingestellt, der V8 bleibt als alleiniger Antrieb. 2019 folgte der Continental GT Speed mit 659 PS und 900 Nm, 2020 das Cabrio GTC. 2022 wurde das Plug-in-Hybrid-Projekt verworfen, stattdessen fokussiert Bentley auf synthetische Kraftstoffe und Elektrifizierung ab 2025.
Facelift 2024: Verfeinerte Details und nachhaltiger Fokus
2024 erhielt die dritte Generation ein dezentes Facelift. Die Matrix-LED-Scheinwerfer wurden überarbeitet, neue Felgendesigns eingeführt und die Farbpalette erweitert. Im Innenraum kamen nachhaltige Materialien wie Leder aus CO2-neutraler Produktion und Furniere aus zertifizierter Forstwirtschaft zum Einsatz. Das Infotainment basiert nun auf aktualisierter Software mit verbesserter Sprachsteuerung und Over-the-Air-Updates. Der V8-Motor erfüllt die Euro 7-Norm durch Partikelfilter und optimierte Abgasreinigung. Die Speed-Variante wurde neu kalibriert und bietet nun 635 PS aus dem V8 mit Hybridunterstützung – ein Vorgeschmack auf die künftige Elektrifizierung. Bentley bietet erstmals eine digitale Fahrzeughistorie per Blockchain an. Die Preise starten bei etwa 240.000 Euro für den V8, die Speed-Version kostet ab 275.000 Euro. Der Continental GT bleibt damit das meistverkaufte Bentley-Modell und Flaggschiff der Marke bis zur geplanten Vollelektrifizierung Ende der 2020er Jahre.