Die Anfänge: Erste Generation Continental GT Supersports (2009-2011)
Der erste Bentley Continental GT Supersports debütierte 2009 als Antwort auf Kundenwünsche nach noch mehr Leistung und Sportlichkeit. Basierend auf der ersten Continental-GT-Generation (2003-2011) stellte der Supersports eine konsequente Weiterentwicklung des GT Speed dar. Der 6,0-Liter-W12-Biturbo-Motor leistete 630 PS (463 kW) und 800 Nm Drehmoment – damals Bestwerte in der Modellreihe. Bentley erreichte damit eine Höchstgeschwindigkeit von 329 km/h und machte den Supersports zum schnellsten Serien-Bentley aller Zeiten. Eine Besonderheit war die Flex-Fuel-Fähigkeit: Der Motor konnte sowohl mit herkömmlichem Benzin als auch mit E85-Bioethanol betrieben werden, was Bentley als Statement für alternative Kraftstoffe verstand.
Zur Gewichtsreduktion verzichtete Bentley auf die hinteren Sitze und bot stattdessen eine Carbon-Abstützung. Leichtbau-Schalensitze aus Carbon, eine Karosserie mit Aluminium- und Carbon-Komponenten sowie leichtere Räder trugen zu einer Gewichtsersparnis von rund 110 kg gegenüber dem GT Speed bei. Das Fahrwerk wurde straffer abgestimmt, die Lenkung direkter ausgelegt. Optisch unterschied sich der Supersports durch eine mattschwarz lackierte Kühlermaske, dunkle Scheinwerfergehäuse, spezielle 20-Zoll-Räder und markante Riffelungen auf Motorhaube und Heckklappe. Im Innenraum dominierten Alcantara und Carbon. Der Neupreis in Deutschland lag bei etwa 267.000 Euro. 2010 folgte zusätzlich ein Convertible mit gleichem Antriebsstrang, das die Sportwagen-Palette nach oben abrundete.
Zweite Generation Continental GT Supersports (2017-2018)
Nach einer Pause kehrte der Supersports-Name 2017 zurück – diesmal auf Basis der zweiten Continental-GT-Generation (2011-2018). Bentley präsentierte sowohl ein Coupé als auch ein Cabriolet. Der überarbeitete 6,0-Liter-W12-TSI-Motor leistete nun 710 PS (522 kW) bei 6.000 U/min und entwickelte ein maximales Drehmoment von 1.017 Nm zwischen 2.000 und 4.500 U/min. Damit beschleunigte das Coupé in 3,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h, das Cabriolet benötigte 3,9 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit des Coupés wurde mit 336 km/h angegeben, das Cabriolet erreichte 322 km/h – jeweils neue Rekorde für die jeweilige Fahrzeugkategorie bei Bentley.
Technisch setzte Bentley auf ein adaptives Luftfederungssystem mit kontinuierlicher Dämpferanpassung, ein aktives Wankstabilisierungssystem und eine carbon-keramische Bremsanlage als Serienausstattung. Die Acht-Gang-Doppelkupplungsautomatik wurde für schnellere Schaltvorgänge optimiert. Der Allradantrieb mit Torque Vectoring verteilte die Kraft variabel zwischen Vorder- und Hinterachse sowie zwischen den Hinterrädern. Zur Gewichtsreduktion kamen Carbon-Komponenten an Motorhaube, Kotflügeln, Heckspoiler und Innenraum zum Einsatz. Das Leergewicht des Coupés lag bei etwa 2.280 kg – rund 25 kg weniger als beim GT Speed.
Optisch zeichnete sich der Supersports durch eine sportlichere Frontschürze mit größeren Lufteinlässen, schwarze Akzente an der Karosserie, spezielle 21-Zoll-Leichtmetallräder und einen ausgeprägteren Heckspoiler aus. Die Auspuffanlage mit Titan-Endschalldämpfern war nicht nur leichter, sondern produzierte auch einen markanten Sound. Im Innenraum kombinierte Bentley feinstes Leder mit Alcantara und Carbon-Einlagen. Die gesteppten Supersports-Sitze boten serienmäßig 12-fach-Verstellung und Belüftung. Das digitale Instrumentendisplay zeigte spezielle Supersports-Grafiken. Der Neupreis in Deutschland startete bei circa 285.000 Euro für das Coupé, das Cabriolet kostete etwa 305.000 Euro.
Technische Besonderheiten und Fahrwerk
Beide Generationen des Continental GT Supersports zeichneten sich durch eine Kombination aus brutaler Leistung und luxuriösem Komfort aus. Das W12-Triebwerk, eine Bentley-Besonderheit, entstand durch die Verschmelzung zweier VR6-Motoren im 15-Grad-Winkel. Diese kompakte Bauweise ermöglichte trotz zwölf Zylindern eine vergleichsweise kurze Motorlänge. Die beiden Turbolader sorgten für spontanes Ansprechverhalten über den gesamten Drehzahlbereich. Der Normverbrauch lag bei der zweiten Generation bei etwa 14,1 l/100 km (NEFZ), was angesichts der Leistung und des Gewichts im erwarteten Rahmen lag. Real waren jedoch 18-22 Liter bei sportlicher Fahrweise durchaus üblich.
Das Fahrwerk vereinte Komfort und Dynamik durch elektronisch geregelte Luftfedern und adaptive Dämpfer. Im Comfort-Modus bot der Supersports überraschend langstreckentauglichen Komfort, im Sport- und Sport-Plus-Modus versteifte sich das Setup deutlich und erlaubte präzise Kurvenfahrten trotz der über 2,2 Tonnen Gewicht. Das Torque-Vectoring-System an der Hinterachse verbesserte die Agilität merklich. Die carbon-keramischen Bremsscheiben (420 mm vorn, 356 mm hinten bei der zweiten Generation) boten unermüdliche Verzögerungswerte und minimiertes Fading.
Marktpositionierung und Konkurrenz
Der Continental GT Supersports positionierte sich im Segment der Ultra-Luxus-Performance-Coupés, wo er mit Fahrzeugen wie dem Aston Martin DBS Superleggera, dem Ferrari GTC4Lusso und dem Porsche 911 Turbo S konkurrierte – wobei letzterer preislich deutlich darunter lag. Die Bentley-Philosophie unterschied sich jedoch grundlegend: Während Sportwagenhersteller den Fokus auf minimales Gewicht und maximale Agilität legen, bot Bentley ultimativen Luxus gepaart mit Höchstleistung. Der Supersports war nie als Trackday-Werkzeug gedacht, sondern als gran turismo im klassischen Sinn – ein Fahrzeug für schnellste Überlandfahrten in höchstem Komfort.
Die Produktionszahlen blieben überschaubar. Die erste Generation des Supersports wurde bis 2011 in etwa 600 Exemplaren gefertigt, die zweite Generation von 2017 bis 2018 in ähnlich exklusiver Stückzahl. Dies unterstreicht den Exklusivitätsanspruch und macht den Supersports auch auf dem Gebrauchtmarkt zu einem seltenen Fahrzeug. Sammler schätzen besonders Fahrzeuge in Sonderlackierungen oder mit individuellen Mulliner-Ausstattungen.
Aktuelle Generation und Ausblick
Die dritte Generation des Continental GT, 2018 vorgestellt und seither kontinuierlich weiterentwickelt, erhielt bislang keine dedizierte Supersports-Variante. Bentley bot zunächst den Continental GT mit einem 550 PS starken 6,0-Liter-W12 an, später kam der GT Speed mit 659 PS hinzu. 2022 erweiterte Bentley die Palette um Plug-in-Hybrid-Versionen mit V8-Motor und Elektrounterstützung. Die Elektrifizierungsstrategie von Bentley könnte bedeuten, dass ein zukünftiger Supersports – falls er kommt – hybridisiert oder sogar rein elektrisch angetrieben würde. Bentley kündigte an, ab 2030 ausschließlich vollelektrische Fahrzeuge anzubieten. Ein elektrischer Supersports mit über 1.000 PS wäre technisch möglich und würde die Marke ins moderne Zeitalter führen, ohne die Performance-DNA aufzugeben.
Auf dem deutschen Gebrauchtmarkt sind Exemplare beider Supersports-Generationen selten. Die erste Generation (2009-2011) wird je nach Zustand und Laufleistung zwischen 80.000 und 130.000 Euro gehandelt. Modelle der zweiten Generation (2017-2018) starten bei etwa 160.000 Euro und können bei geringer Laufleistung und Vollausstattung über 200.000 Euro kosten. Wichtig bei Gebrauchtwagen sind lückenlose Servicenachweise bei Bentley-Vertragshändlern, da Wartung und Reparaturen kostspielig ausfallen können. Die carbon-keramischen Bremsen beispielsweise kosten im Austausch etwa 20.000 Euro.
Fazit zur Modellhistorie
Der Bentley Continental GT Supersports repräsentiert die kompromissloseste Auslegung der Continental-Philosophie: maximale Leistung, exklusives Design und handwerkliche Perfektion in einem Gran Turismo. Beide Generationen setzten Maßstäbe für Performance-Luxus-Coupés und bewiesen, dass über zwei Tonnen schwere Luxusliner auch sportlich überzeugen können. Ob Bentley die Supersports-Tradition fortführen wird, bleibt abzuwarten – die Marke steht vor der Herausforderung, ihre Heritage mit den Anforderungen an Elektrifizierung und Nachhaltigkeit zu vereinen. Bis dahin bleiben die existierenden Supersports-Modelle begehrte Sammlerstücke für Enthusiasten, die ultimative Performance im Gewand britischen Luxus schätzen.