Die erste Generation (2006-2012): Wiederbelebung einer Tradition
Als Bentley 2006 den Continental GTC vorstellte, kehrte die Marke nach Jahrzehnten wieder zum viersitzigen Luxus-Cabriolet zurück. Basierend auf dem erfolgreichen Continental GT Coupé, nutzte die Cabrio-Variante dieselbe Plattform und den gleichen 6,0-Liter-W12-Motor mit zunächst 560 PS. Die Markteinführung in Deutschland erfolgte zu Preisen ab 195.000 Euro. Das versenkbare Stoffverdeck benötigte 25 Sekunden zum Öffnen und konnte bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h betätigt werden. Mit einem Leergewicht von rund 2.485 kg war der GTC deutlich schwerer als das Coupé, beschleunigte aber dennoch in 5,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 312 km/h. Der Innenraum bot Platz für vier Personen und zeichnete sich durch handverarbeitetes Leder und Wurzelholzfurniere aus. 2008 wurde die Speed-Version eingeführt, die mit 610 PS und 750 Nm noch mehr Leistung bot und in 4,8 Sekunden auf 100 km/h sprintete.
Facelift 2011: Verfeinerte Eleganz
Im Jahr 2011 erhielt die erste Generation ein umfassendes Facelift, das sich sowohl äußerlich als auch technisch bemerkbar machte. Die überarbeitete Front zeigte größere Lufteinlässe und eine neu gestaltete Stoßfängerpartie. Der W12-Motor leistete nun 575 PS in der Standardversion, während die Speed-Variante auf 625 PS erstarkt wurde. Bentley führte zudem erstmals die Möglichkeit ein, das Verdeck in zwölf verschiedenen Farben zu bestellen. Das Facelift brachte auch technische Verbesserungen wie ein aktualisiertes Infotainmentsystem und verfeinerte Fahrwerksabstimmungen. Der Verbrauch konnte durch Zylinderabschaltung und Start-Stopp-Automatik leicht gesenkt werden, blieb aber mit kombiniert 16,8 Litern auf 100 Kilometer im hohen Bereich.
Die zweite Generation (2012-2018): Leichter und effizienter
2012 präsentierte Bentley die zweite Generation des Continental GTC, die auf einer weiterentwickelten Plattform basierte. Trotz größerer Abmessungen gelang es den Ingenieuren, das Gewicht um etwa 50 kg zu reduzieren. Der W12-Motor leistete in der Basisversion 575 PS und ermöglichte eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,8 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 318 km/h. Optisch präsentierte sich die zweite Generation mit schärferen Linien und LED-Scheinwerfern. Das Interieur wurde nochmals aufgewertet mit neuen Sitzkonfigurationen und erweiterten Individualisierungsmöglichkeiten durch die Mulliner-Abteilung. Deutsche Kunden konnten ab 199.500 Euro zugreifen. Neben dem W12 bot Bentley erstmals auch einen 4,0-Liter-V8-Motor mit 507 PS an, der bei 187.900 Euro startete und den Verbrauch auf 11,4 Liter senkte.
GTC V8 S und Speed-Varianten der zweiten Generation
Die zweite Generation wurde kontinuierlich erweitert. 2013 kam der GTC V8 S mit 528 PS, der sportlicher abgestimmt war und in 4,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigte. Die Continental GTC Speed-Version mit 635 PS aus dem W12 folgte als Topmodell und erreichte 325 km/h Höchstgeschwindigkeit. 2015 erhielt die zweite Generation ein Facelift mit überarbeiteter Front, neuen Full-LED-Scheinwerfern und einem modernisierten Infotainmentsystem mit größerem Touchscreen. Die Motorenpalette wurde ebenfalls optimiert: Der V8 leistete nun 521 PS, der W12 in der Speed-Version 642 PS. Bentley führte zudem neue Assistenzsysteme wie adaptive Geschwindigkeitsregelung und City-Notbremssystem ein – für ein Luxus-Cabrio dieser Klasse damals noch ungewöhnlich.
Die dritte Generation (seit 2019): Digitale Luxusrevolution
Die aktuelle dritte Generation des Continental GTC wurde 2019 in Deutschland eingeführt und basiert auf der MSB-Plattform des Volkswagen-Konzerns, die sie mit dem Porsche Panamera teilt. Das Design wurde evolutionär weiterentwickelt mit einer markanten ovalen Matrix-LED-Scheinwerfereinheit und einer breiteren Spur. Das versenkbare Stoffverdeck besteht aus sieben Lagen und ist in sieben Farben erhältlich, darunter erstmals auch Tweed-Optik. Die Öffnungszeit wurde auf 19 Sekunden bei bis zu 50 km/h Fahrtgeschwindigkeit verbessert. Der 6,0-Liter-W12 mit Doppelturboaufladung leistet 635 PS und 900 Nm, ermöglicht eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 3,8 Sekunden und erreicht 333 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der alternative 4,0-Liter-V8 bietet 550 PS und ist mit 4,1 Sekunden auf 100 km/h kaum langsamer. Beide Motoren sind mit einem 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe und permanentem Allradantrieb kombiniert.
Technologie und Ausstattung der aktuellen Generation
Das Interieur der dritten Generation beeindruckt mit dem rotierenden Display, das zwischen einem 12,3-Zoll-Touchscreen, analogen Uhren und einer Holzfurnierung wechseln kann. Die digitale Instrumentierung und das Head-up-Display sind serienmäßig. Bentley bietet 15 Lederfarben und acht verschiedene Holzfurniere an. Das optionale Naim-Soundsystem mit 2.200 Watt und 18 Lautsprechern gilt als eines der besten Audiosysteme im Automobilbereich. Sicherheitstechnisch verfügt der aktuelle GTC über adaptive Fahrwerksregelung mit kontinuierlicher Dämpferanpassung, aktive Wankstabilisierung und umfassende Fahrerassistenzsysteme. Der Kofferraum fasst 235 Liter bei geschlossenem Verdeck. 2020 ergänzte Bentley die Speed-Version mit 659 PS aus dem W12, die in 3,7 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. 2022 folgte die Azure-Variante mit Fokus auf Komfort sowie die Mulliner-Sondermodelle mit exklusivsten Ausstattungsoptionen.
Ausblick und Elektrifizierung
Bentley hat angekündigt, bis 2030 komplett auf elektrische Antriebe umzusteigen. Der Continental GTC wird voraussichtlich in seiner aktuellen Form noch bis etwa 2025/2026 produziert, bevor eine elektrifizierte oder vollelektrische Nachfolgegeneration folgt. Derzeit bietet Bentley den Continental GTC ausschließlich mit Verbrennungsmotoren an, während andere Baureihen bereits Plug-in-Hybrid-Varianten erhalten haben. Der deutsche Markt bleibt für Bentley von hoher Bedeutung – etwa 15 Prozent aller Continental GTC werden hier verkauft. Mit Preisen ab etwa 231.000 Euro für den V8 und über 265.000 Euro für den W12 positioniert sich das Modell klar im Ultra-Luxussegment und bietet eine einzigartige Kombination aus offenem Fahrerlebnis, viersitzigem Komfort und handwerklicher Exzellenz, die in dieser Form konkurrenzlos ist.