Die Anfänge: Erste Generation (2005-2013)
Der erste Bentley Flying Spur debütierte 2005 als viertürige Variante des Continental GT und sollte die Lücke zwischen dem sportlichen Coupé und der klassischen Staatskarosse Arnage schließen. Auf der Volkswagen-D1-Plattform basierend, teilte sich der Flying Spur viele Komponenten mit dem Continental GT, erhielt jedoch eine um 36 Zentimeter verlängerte Karosserie und vier vollwertige Türen. Der markante Unterschied zu den klassischen Bentley-Limousinen: Der Flying Spur bot sportlichere Proportionen und moderneres Design. Angetrieben wurde die erste Generation ausschließlich von einem 6,0-Liter-W12-Biturbo-Motor, der zunächst 560 PS leistete. Der Allradantrieb und die Luftfederung sorgten für souveränes Fahrverhalten bei jedem Wetter. Im Innenraum setzte Bentley auf traditionelle Handwerkskunst mit aufwendigen Holzintarsien, handvernähtem Leder und verchromten Details. Die Rücksitze boten deutlich mehr Platz als im Continental GT, womit sich der Flying Spur als chauffeurgeeignete Limousine etablierte.
2008 erhielt die erste Generation ein erstes Update: Die Flying Spur Speed-Variante steigerte die Leistung auf 610 PS und die Höchstgeschwindigkeit auf über 320 km/h, was sie zur schnellsten viertürigen Limousine ihrer Zeit machte. Optisch unterschied sich die Speed-Version durch dunklere Chromakzente, spezielle 20-Zoll-Räder und Sportauspuffendrohre. 2009 folgte ein dezentes Facelift mit überarbeiteter Front, LED-Tagfahrlichtern und verfeinerten Interieurdetails. Die Motoren wurden effizienter, blieben aber bei der bewährten W12-Konfiguration. Trotz des hohen Gewichts von über 2,4 Tonnen beeindruckte der Flying Spur mit Fahrleistungen, die sportliche Coupés in Verlegenheit brachten: 0-100 km/h in unter 5 Sekunden waren Standard.
Zweite Generation (2013-2019)
2013 präsentierte Bentley die zweite Generation des Flying Spur, die auf einer weiterentwickelten MSB-Plattform basierte und deutlich eigenständiger gegenüber dem Continental GT auftrat. Die Karosserie wurde komplett neu gestaltet mit einer steileren Frontpartie, prägnanter Gürtellinie und muskulöseren Proportionen. Erstmals war der Flying Spur auch als V8-Variante erhältlich: Der 4,0-Liter-V8-Biturbo mit 507 PS bot eine sportlichere, leichtere Alternative zum W12, der nun 625 PS leistete. Beide Motoren waren mit einem 8-Gang-Automatikgetriebe von ZF gekoppelt. Eine technische Innovation war das kontinuierlich variable Allradsystem, das je nach Fahrsituation bis zu 100 Prozent der Kraft an die Hinterachse senden konnte, was für agileres Handling sorgte.
Das Interieur der zweiten Generation hob Bentley auf ein neues Niveau: Volldigitale Instrumente, ein größerer Touchscreen, WLAN-Hotspot und erweiterte Sicherheitssysteme hielten Einzug, ohne den Charakter handwerklicher Exzellenz zu verwässern. Die Passagiere profitierten von komfortableren Sitzen mit Massage- und Ventilationsfunktion, verbesserter Geräuschdämmung und einem optionalen Naim-Soundsystem mit bis zu 2200 Watt. 2016 wurde das Portfolio um die V8 S-Version erweitert, die sportlichere Abstimmung und zusätzliche Ausstattungsdetails bot. 2017 folgte ein Facelift mit überarbeiteten LED-Scheinwerfern, neuen Stoßfängern und erweiterten Assistenzsystemen wie adaptivem Tempomat und Nachtsichtassistent. Die W12 S-Variante mit 642 PS bildete ab 2017 die Speerspitze und erreichte 325 km/h Höchstgeschwindigkeit. Im gleichen Jahr führte Bentley das Mulliner-Driving-Specification-Paket ein, das zusätzliche Individualisierungsmöglichkeiten bot.
Dritte Generation (seit 2019)
Die 2019 vorgestellte dritte Generation markiert einen Neuanfang für den Flying Spur. Erstmals trägt die Limousine eine komplett eigenständige Karosserie, die sich deutlich vom Continental GT unterscheidet, obwohl beide die MSB-Plattform teilen. Mit 5,32 Metern Länge bietet der Flying Spur III noch mehr Präsenz und Raum. Das Design wirkt athletischer und moderner: Die B-Säule ist schwarz abgesetzt, die Gürtellinie steigt dynamisch an, und die LED-Matrix-Scheinwerfer mit Kristallglas-Optik setzen neue Akzente. Zum Marktstart war ausschließlich der 6,0-Liter-W12 mit 635 PS verfügbar, der den Sprint auf 100 km/h in 3,8 Sekunden ermöglicht – beeindruckend für eine 2,4 Tonnen schwere Limousine.
Technologisch setzt die dritte Generation Maßstäbe: Das Bentley Rotating Display ist ein innovatives Element, bei dem sich ein 12,3-Zoll-Touchscreen auf Knopfdruck dreht und wahlweise drei analoge Rundinstrumente oder eine glatte Holzfurnier-Oberfläche zeigt. Die volldigitale Instrumentierung, ein Head-up-Display, kabelloses Laden und ein 4G-WLAN-Hotspot gehören zum Standard. Die Vierradlenkung verbessert die Agilität in Kurven und das Rangieren in engen Räumen. Aktive Wankstabilisierung, adaptive Luftfederung und elektromechanische Aktiv-Wankstabilisierung (Bentley Dynamic Ride) sorgen für ein perfektes Gleichgewicht zwischen Komfort und Dynamik. 2020 folgte die V8-Version mit 4,0-Liter-Biturbo und 550 PS, die bei reduziertem Gewicht und Verbrauch kaum Kompromisse beim Fahrspaß macht.
2021 erweiterte Bentley das Angebot um die Speed-Variante mit 635 PS vom W12, zusätzlichen Sportdetails und spezieller Fahrwerksabstimmung. Ein Jahr später debütierte die Flying Spur Mulliner, die höchste Ausstattungsstufe mit exklusiven Materialien, handgefertigten Details und individuellen Gestaltungsmöglichkeiten. 2023 folgte der Flying Spur Hybrid mit einem 2,9-Liter-V6-Motor und Elektromotor, der eine Systemleistung von 536 PS erzielt und rein elektrisch bis zu 40 Kilometer fahren kann – ein wichtiger Schritt in Bentleys Elektrifizierungsstrategie. Das Facelift 2024 brachte verfeinerte Lichtsignaturen, neue Lackfarben und erweiterte Konnektivität. Der Flying Spur bleibt damit die technologisch fortschrittlichste Luxuslimousine von Bentley und konkurriert direkt mit Rolls-Royce Ghost und Mercedes-Maybach S-Klasse, während er sportlichere Fahrleistungen als beide Wettbewerber bietet.