Die erste Generation: F22/F23 (2013–2021)
Mit der Baureihe F22 führte BMW Ende 2013 den 2er als eigenständige Modellreihe ein und löste damit das 1er Coupé ab. Das kompakte Coupé baute auf der Plattform des damaligen 1er (F20) auf, behielt aber im Gegensatz zum später frontgetriebenen 1er den klassischen Heckantrieb bei. Mit Abmessungen von 4.432 mm Länge, 1.774 mm Breite und 1.418 mm Höhe positionierte sich das F22 Coupé als agiler Sportler mit Alltagstauglichkeit. Das Design mit der kurzen Frontpartie, der langen Motorhaube und der nach hinten versetzten Kabine folgte klassischen Proportionen. Zum Marktstart standen Vierzylinder-Benziner und -Diesel zur Verfügung, von 184 PS im 220i bis zu 218 PS im 225d. Das Topmodell M235i leistete 326 PS aus einem Reihensechszylinder und beschleunigte in 5,0 Sekunden auf 100 km/h.
Im Frühjahr 2014 folgte das Cabrio F23 mit elektrischem Stoffverdeck, das sich in 20 Sekunden öffnen und schließen ließ. 2015 kam der 2er Active Tourer (F45) als erster frontgetriebener BMW mit quer eingebautem Motor hinzu, gefolgt vom noch kompakteren Gran Tourer (F46) mit optionaler dritter Sitzreihe. Diese Van-Varianten zielten auf Familien und markierten einen Paradigmenwechsel bei BMW. Im März 2017 erhielt die F22/F23-Reihe ein Facelift mit überarbeiteten Scheinwerfern, modifizierter Frontschürze und neuen LED-Rückleuchten. Die Motorenpalette wurde aktualisiert, der M240i ersetzte den M235i mit nun 340 PS. Im Innenraum gab es ein neues Lenkrad und verbesserte Konnektivität.
Das M2-Performance-Kapitel
Eine Sonderstellung nahm der BMW M2 ein, der im Oktober 2015 als eigenständiges M-Modell präsentiert wurde. Mit 370 PS aus einem 3,0-Liter-Reihensechszylinder, mechanischem Sperrdifferenzial und spezifischem Fahrwerk positionierte er sich zwischen M235i und M4. 2018 folgte der M2 Competition mit 410 PS und dem überarbeiteten S55-Motor aus M3/M4, der in 4,2 Sekunden auf 100 km/h beschleunigte. Als Abschiedsmodell kam 2020 der M2 CS mit 450 PS, Karbon-Komponenten und noch schärferer Abstimmung. Dieser entwickelte sich schnell zum Sammlerstück und verkörperte die puristische Sportwagen-DNA von BMW in kompakter Form.
Neuausrichtung: F44 Gran Coupé (seit 2019)
Im November 2019 stellte BMW mit dem 2er Gran Coupé (F44) eine viertürige Stufenheck-Limousine vor, die auf der frontgetriebenen FAAR-Plattform basiert – der gleichen Architektur wie 1er F40 und der dritte Generation des X1. Mit 4.526 mm Länge ist das Gran Coupé deutlich größer als das klassische Coupé und bietet mit fünf Türen mehr Alltagstauglichkeit. Das Design folgt dem Konzept eines viertürigen Coupés mit abfallender Dachlinie und frameless doors. Die Motorenpalette reicht vom 218i mit 140 PS über diverse Diesel bis zum M235i xDrive mit 306 PS und Allradantrieb. Der Kofferraum fasst 430 Liter. Im Innenraum gibt es das BMW Live Cockpit mit digitalen Instrumenten und Touchscreen. Das F44 Gran Coupé richtet sich an Kunden, die viertürige Praktikabilität mit sportlichem Design kombinieren möchten und auf Heckantrieb verzichten können.
Aktuelle Generation: G42 Coupé (seit 2021)
Im Juli 2021 präsentierte BMW die zweite Generation des 2er Coupés (G42), die erneut auf Heckantrieb setzt und sich damit vom frontgetriebenen Gran Coupé abgrenzt. Das G42 nutzt die CLAR-Plattform in kompakter Ausführung und teilt sich technische Komponenten mit dem 3er und 4er. Mit 4.537 mm Länge, 1.838 mm Breite und 1.390 mm Höhe ist das neue Coupé gewachsen, bleibt aber kompakter als der 4er. Das Design polarisierte zunächst mit der kantigen Frontpartie und den markanten Lufteinlässen, verzichtet aber auf die große Niere des 4er. Der Radstand von 2.741 mm bietet ausreichend Beinfreiheit im Fond. Zum Start standen 220i (184 PS), 230i (245 PS) und M240i xDrive (374 PS) zur Verfügung. Alle Motoren sind Reihenmotoren – Vierzylinder oder Sechszylinder – und werden mit einer Achtgang-Automatik kombiniert.
Das Fahrwerk des G42 wurde auf Sportlichkeit getrimmt, mit strafferer Abstimmung als beim 3er. Das adaptive M Fahrwerk ist optional verfügbar, ebenso wie das M Sportdifferenzial für die Hinterachse. Im Innenraum dominiert das BMW Curved Display mit 12,3-Zoll-Instrumenten und 14,9-Zoll-Touchscreen, gesteuert vom Operating System 8. Das Platzangebot ist für ein Coupé ordentlich, der Kofferraum fasst 390 Liter. Im März 2022 folgte der neue M2 (G87) mit 460 PS aus einem 3,0-Liter-Reihensechszylinder, der in 4,1 Sekunden auf 100 km/h sprintet. Mit breiterer Spur, spezifischem Fahrwerk und aggressivem Design setzt er die Performance-Tradition fort.
Technische Besonderheiten und Antriebe
Die aktuelle G42-Generation bietet ausschließlich Benzinmotoren mit Mild-Hybrid-Technologie (48-Volt-System) für die Vierzylinder. Die Leistungsspanne reicht von 170 PS im 220i über 245 PS im 230i bis zu 374 PS im M240i xDrive mit Allradantrieb. Der M2 leistet 460 PS. Alle Modelle erfüllen die Euro 6d-Norm und sind mit Partikelfilter ausgestattet. Die Beschleunigung variiert von 7,5 Sekunden (220i) bis 4,1 Sekunden (M2) auf 100 km/h. Der kombinierte Verbrauch liegt zwischen 6,4 und 9,3 Liter auf 100 Kilometer. Die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch auf 250 km/h begrenzt, beim M2 optional auf 285 km/h. Das Fahrwerk kombiniert MacPherson-Federbeine vorn mit Mehrlenker-Hinterachse und optionaler adaptiver Dämpfung.
Marktpositionierung und Zukunft
Der BMW 2er besetzt im deutschen Markt eine Nische zwischen kompakten Premium-Modellen und sportlichen Coupés. Mit Preisen ab circa 39.000 Euro für das Gran Coupé und ab etwa 41.000 Euro für das G42 Coupé liegt er unter dem 4er, bietet aber ähnliche Technologie. Die parallele Existenz von frontgetriebenem Gran Coupé und heckgetriebenem Coupé ermöglicht es BMW, unterschiedliche Käuferschichten anzusprechen. Das Gran Coupé punktet mit Praktikabilität und günstigeren Einstiegspreisen, das klassische Coupé mit Fahrdynamik und puristischerem Konzept. Die Zukunft der Baureihe ist gesichert: BMW plant, beide Konzepte weiterzuführen, wobei mittelfristig auch elektrifizierte Varianten denkbar sind. Ein vollelektrischer 2er ist noch nicht angekündigt, würde aber zur Strategie passen, bis 2030 mindestens 50 Prozent der Verkäufe zu elektrifizieren.