Die erste Generation: E24 (1976–1989)
Die Geschichte des BMW 6er begann 1976 mit dem E24, der als Nachfolger des legendären E9 Coupés (2800 CS bis 3.0 CSL) auf den Markt kam. Designer Paul Bracq schuf eine zeitlose Keilform mit markanter Haifischnase und flacher Silhouette. Der E24 basierte technisch auf der 5er-Baureihe (E12/E28), erhielt aber eine sportlichere Abstimmung und exklusivere Ausstattung. Zum Start waren Reihensechszylinder mit 2,8 und 3,0 Litern Hubraum verfügbar, die zwischen 135 kW (184 PS) und 160 kW (218 PS) leisteten. 1978 folgte der 628 CSi mit Bosch L-Jetronic-Einspritzung, 1983 dann das Topmodell M635 CSi mit 210 kW (286 PS) starkem 3,5-Liter-Reihensechszylinder aus dem M1. Dieser M6 (wie er in Nordamerika hieß) beschleunigte in 6,4 Sekunden auf 100 km/h und erreichte 255 km/h. Der E24 wurde bis 1989 produziert und gilt heute als begehrter Klassiker, insbesondere in der M-Version.
Die Pause und das Comeback: E63/E64 (2003–2010)
Nach einer 14-jährigen Pause kehrte der 6er 2003 zurück. Die zweite Generation E63 (Coupé) und E64 (Cabrio) präsentierte Chefdesigner Chris Bangle in einer polarisierenden Formensprache mit markanten Sicken, dem sogenannten Bangle-Butt am Heck und einer kraftvollen, muskulösen Linienführung. Technische Basis war wieder die 5er-Reihe (E60/E61). Zum Marktstart standen zwei V8-Motoren bereit: der 645Ci mit 4,4 Litern und 245 kW (333 PS) sowie ab 2005 der 650i mit 4,8 Litern und 270 kW (367 PS). Beide Aggregate waren mit einer Sechsgang-Handschaltung oder einer sequentiellen Sechsgang-Automatik (SMG) gekoppelt. 2005 debütierte der M6 mit einem 5,0-Liter-V10 aus dem M5 (E60), der 373 kW (507 PS) und 520 Nm lieferte. Dieses Hochdrehzahl-Triebwerk stammte aus der Formel-1-Entwicklung und gilt als eines der charismatischsten BMW-Aggregate. Der M6 sprintete in 4,6 Sekunden auf 100 km/h. 2007 erweiterte BMW das Portfolio um den 630i mit 3,0-Liter-Reihensechszylinder und 190 kW (258 PS) als günstigere Einstiegsvariante. Ein Facelift 2007/2008 brachte überarbeitete Scheinwerfer, modifizierte Stoßfänger und neue Motoren: Der 650i erhielt einen Twin-Turbo-V8 mit 300 kW (407 PS), der M6 blieb unverändert. Die Produktion endete 2010.
Die dritte Generation: F12/F13/F06 (2011–2018)
2011 startete BMW die dritte 6er-Generation mit deutlich harmonischerem Design. Die Baureihe umfasste nun drei Karosserievarianten: F12 (Cabrio), F13 (Coupé) und ab 2012 das viertürige F06 Gran Coupé mit rahmenloser Türkonstruktion. Technische Basis war die F10-Generation der 5er-Reihe. Zum Launch waren der 640i mit 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Turbo und 235 kW (320 PS) sowie der 650i mit 4,4-Liter-V8-Biturbo und 300 kW (407 PS) verfügbar. Beide Motoren waren serienmäßig mit Achtgang-Automatik kombiniert. 2012 folgte der 640d mit 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Diesel, der 230 kW (313 PS) und beachtliche 630 Nm Drehmoment bot – eine Seltenheit im Luxus-Coupé-Segment. Der M6 debütierte ebenfalls 2012, nun mit 4,4-Liter-V8-Biturbo und 412 kW (560 PS), später sogar 441 kW (600 PS) in der Competition-Variante. Beschleunigung: 4,2 Sekunden auf 100 km/h. Ein umfassendes Facelift erfolgte 2015 mit neuen LED-Scheinwerfern, überarbeiteten Stoßfängern, aktualisiertem iDrive-System und modifizierten Motoren. Der 640i leistete nun 250 kW (340 PS), der 650i blieb bei 330 kW (450 PS). Neu war der 640d xDrive mit Allradantrieb. 2017 kam der 630d mit 195 kW (265 PS) als sparsame Diesel-Alternative hinzu. Die Produktion von Coupé und Cabrio endete im Sommer 2018, das Gran Coupé lief noch bis Ende 2018.
BMW 6er Gran Turismo: G32 (2017–2024)
Parallel zur Einstellung der klassischen 6er-Coupés und -Cabrios führte BMW 2017 den 6er Gran Turismo (G32) ein – faktisch der Nachfolger des 5er Gran Turismo (F07). Diese viertürige Fließhecklimousine mit erhöhter Sitzposition und großer Heckklappe positionierte sich zwischen Limousine und SUV. Der Radstand war identisch mit der 7er-Langversion (G12), die Karosserie bot deutlich mehr Kopffreiheit und ein variables Kofferraumvolumen von 610 bis 1800 Litern. Zum Start waren der 630i mit 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbo und 190 kW (258 PS), der 640i xDrive mit 3,0-Liter-Reihensechszylinder und 250 kW (340 PS), der 630d mit 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Diesel und 195 kW (265 PS) sowie der 640d xDrive mit 235 kW (320 PS) verfügbar. Alle Motoren waren mit Achtgang-Automatik kombiniert. 2018 folgte der M Sport-Diesel M550d xDrive mit Quad-Turbo-Technologie, 294 kW (400 PS) und 760 Nm – ein echter Autobahn-Gleiter. Ein Facelift 2020 brachte subtile optische Retuschen, aktualisierte Assistenzsysteme und das BMW Operating System 7.0. Die mildhybridisierten Varianten 630i und 640i erhielten 48-Volt-Technik mit Startergenerator für mehr Effizienz und Komfort. Der 6er GT blieb bis 2024 im Programm und wurde dann durch die rein elektrische i5 Touring-Alternative konzeptionell abgelöst, auch wenn ein direkter Nachfolger ausblieb.
Technische Besonderheiten und Innovationen
Über alle Generationen hinweg integrierte BMW in den 6er zahlreiche technische Innovationen. Der E63/E64 war einer der ersten BMW mit aktiver Lenkung und adaptivem Dämpfungssystem. Der F12/F13/F06 führte Integral-Aktivlenkung mit Hinterachslenkung ein, die bei niedrigen Geschwindigkeiten gegensinnig und bei hohen Geschwindigkeiten gleichsinnig zur Vorderachse einlenkte. Carbon-Dächer für geringeres Gewicht und tieferen Schwerpunkt waren beim M6 verfügbar. Der 6er GT setzte auf Luftfederung an der Hinterachse für optimalen Komfort und variables Ladevolumen. Die Cabrio-Versionen des F12 verfügten über ein dreischichtiges Stoff-Verdeck, das in 19 Sekunden bis Tempo 40 km/h öffnete und schloss.
Marktpositionierung und Bedeutung
Der BMW 6er etablierte sich als sportlich-elegante Alternative zur Mercedes CLS-Klasse und zum Porsche Panamera (im Gran-Coupé-Format) sowie zum Mercedes SL und Porsche 911 (als Coupé/Cabrio). Die Baureihe sprach Kunden an, die mehr Exklusivität als im 4er, aber weniger Pomp als im 8er suchten. Mit der Wiedereinführung des 8er ab 2018 übernahm dieser die Rolle des Sport-Coupés und -Cabrios, während der 6er GT eine Nische für reiseorientierte Fahrer mit Platzbedarf besetzte. Die M6-Varianten galten stets als Geheimtipp für Enthusiasten, die diskreteren Auftritt als mit einem M5 bevorzugten, aber ähnliche Performance wünschten. Der 6er bleibt ein wichtiges Kapitel in BMWs Historie – als Brücke zwischen Sportlichkeit und Luxus, zwischen Alltag und Rennstrecke.