Die erste Generation: E31 (1989-1999)
Der ursprüngliche BMW 8er der Baureihe E31 debütierte 1989 auf der IAA Frankfurt als technologisches Meisterwerk und stilistischer Meilenstein. Als Nachfolger des 6er E24 sollte der E31 BMW in der Oberklasse der sportlichen Luxuscoupés etablieren. Das von Chefdesigner Claus Luthe entworfene Design war seiner Zeit voraus: Versenkbare Scheinwerfer, ein extrem niedriger Luftwiderstandsbeiwert von cw 0,29 und eine keilförmige Silhouette machten den 8er zu einem der aerodynamischsten Serienfahrzeuge der frühen 1990er Jahre. Technisch setzte BMW neue Maßstäbe mit dem ersten Serieneinsatz eines V12-Motors (850i mit 5,0 Liter und 300 PS, später 850Ci und CSi mit 5,6 Liter und bis zu 380 PS). Das elektronische Fahrwerk, die Hinterachslenkung und ein volldigitales Kombiinstrument unterstrichen den Hightech-Anspruch.
Neben den V12-Modellen bot BMW ab 1992 auch den 840i und 840Ci mit 4,0-Liter- bzw. 4,4-Liter-V8-Motoren an, die bei geringerem Verbrauch und niedrigerem Preis eine breite Käuferschicht ansprechen sollten. Das Topmodell 850CSi mit 5,6-Liter-V12 und 380 PS wurde von 1992 bis 1996 in nur 1.510 Exemplaren gebaut und gilt heute als begehrtes Sammlerstück. Trotz seiner technischen Brillanz blieb der E31 kommerziell hinter den Erwartungen zurück. Die Produktionskosten waren hoch, die Zielgruppe klein, und die wirtschaftliche Rezession Anfang der 1990er Jahre tat ihr Übriges. Nach zehn Jahren und rund 30.000 verkauften Einheiten stellte BMW 1999 die Produktion ein, ohne einen direkten Nachfolger anzukündigen.
Die Pause: 1999-2018
Nach dem Ende des E31 verzichtete BMW fast zwei Jahrzehnte lang auf einen 8er. Die Rolle des sportlichen Luxuscoupés übernahm zunächst der 6er (E63/E64, später F12/F13), der jedoch eine Klasse tiefer positioniert war. BMW konzentrierte sich in dieser Phase auf den Ausbau der SUV-Palette und die Elektrifizierung der Modellreihen. Erst mit dem Erstarken des Segments der Gran Turismos – nicht zuletzt durch Erfolge von Mercedes-Benz mit der S-Klasse Coupé-Familie – entschied sich BMW, die Tradition des 8er wiederzubeleben und gleichzeitig oberhalb des 6er zu positionieren.
Die Renaissance: G14/G15/G16 (2018-heute)
2018 kündigte BMW die Rückkehr des 8er mit dem Coupé G15 an, das auf der Plattform des neuen 7er (G11/G12) basiert, aber deutlich sportlicher ausgelegt ist. Das Design von Chefdesigner Domagoj Dukec greift Elemente des E31 auf – etwa die flache, breite Silhouette und die schlanken Scheinwerfer – interpretiert sie aber modern mit großer Niere, scharfen Sicken und muskulösen Radhäusern. Im Innenraum dominiert ein hochwertiges Ambiente mit digitalen Instrumenten, großem iDrive-Display und sportlichen Sportsitzen. Serienmäßig ist die neueste Generation des iDrive-Bedienkonzepts mit Touchscreen an Bord.
Zum Marktstart 2018 standen der 840d xDrive mit 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Diesel (320 PS) und der M850i xDrive mit 4,4-Liter-V8-Benziner (530 PS) zur Wahl. 2019 folgte das viertürige Gran Coupé (G16), das mit seiner eleganten Dachlinie und vier vollwertigen Sitzplätzen eine praktische Alternative zum zweitürigen Coupé bietet. Parallel debütierte das Cabriolet (G14) mit elektrisch versenkbarem Stoffverdeck, das in 15 Sekunden öffnet oder schließt. Die Baureihe wurde sukzessive um weitere Motorisierungen ergänzt: der 840i xDrive mit V8-Benziner (340 PS) als Einstiegsvariante sowie die Hochleistungsmodelle M8, M8 Competition und die extrem limitierte M8 Competition Gran Coupé mit bis zu 625 PS aus dem S63-V8-Biturbo.
Facelift und Modellpflege (2022)
2022 unterzog BMW die gesamte 8er-Baureihe einem Facelift, das vor allem optische und digitale Verbesserungen brachte. Die Niere wurde nochmals vergrößert und erhielt eine neue Struktur, die Scheinwerfer wurden schmaler und mit adaptiver LED-Technik ausgestattet. Im Innenraum hielt das neue BMW Operating System 8 Einzug, das ein gebogenes Display mit 12,3 Zoll Instrumentendisplay und 14,9 Zoll Infotainment-Touchscreen kombiniert. Die Sprachsteuerung wurde deutlich verbessert, und das iDrive-System arbeitet nun schneller und intuitiver. Technisch blieben die Motoren weitgehend unverändert, wurden jedoch in puncto Effizienz und Emissionen optimiert. Auch das Fahrwerk erhielt feinere Abstimmungen für noch mehr Komfort auf langen Strecken bei gleichbleibend sportlichem Handling.
Technische Basis und Antriebe
Die aktuelle 8er-Generation basiert auf der CLAR-Plattform (Cluster Architecture), die BMW konzernweit für seine Modelle von der 3er- bis zur 7er-Klasse nutzt. Der extensive Einsatz von Aluminium, hochfesten Stählen und in den M-Modellen auch Carbon (CFRP) sorgt für ein günstiges Leistungsgewicht. Die Gewichtsverteilung liegt nahezu perfekt bei 50:50. Alle 8er sind serienmäßig mit dem intelligenten Allradsystem xDrive und einer Achtgang-Steptronic-Automatik ausgestattet. In den M8-Modellen kommt eine spezielle M xDrive-Kalibrierung mit hinterradbetonter Kraftverteilung und aktivem M-Differenzial zum Einsatz, die je nach Fahrmodus bis zu 100 Prozent der Kraft auf die Hinterachse leiten kann.
Das Motorenprogramm umfasst aktuell einen Dreiliter-Reihensechszylinder-Diesel (840d xDrive mit 320 PS und 680 Nm), zwei V8-Benziner (840i xDrive mit 340 PS und M850i xDrive mit 530 PS) sowie den S63-V8-Biturbo in den M8-Varianten (600 PS in der Basis, 625 PS in der Competition-Version). Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gelingt dem M8 Competition in nur 3,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch auf 250 km/h begrenzt, kann aber auf Wunsch auf 305 km/h freigegeben werden. Der Verbrauch bewegt sich je nach Motorisierung und Fahrweise zwischen 8,0 und 11,0 Litern auf 100 Kilometer.
Positionierung und Wettbewerb
BMW positioniert den 8er als Gran Turismo oberhalb des 6er und als sportliche Alternative zur luxuriösen 7er-Limousine. Hauptkonkurrenten sind das Mercedes-Benz S-Klasse Coupé und Cabriolet (inzwischen eingestellt), der Porsche Panamera, der Audi A7/A8 und in gewissem Maße auch der Bentley Continental GT. Im Vergleich zur Konkurrenz setzt BMW stärker auf Sportlichkeit und Fahrdynamik, während Mercedes traditionell mehr Wert auf Luxus und Komfort legt. Der Einstiegspreis liegt in Deutschland bei rund 98.000 Euro für den 840i xDrive, die M8 Competition-Modelle starten bei über 170.000 Euro. Das Gran Coupé ist dabei etwa 5.000 Euro teurer als das zweitürige Coupé.
Ausblick und Zukunft
Die Zukunft des BMW 8er ist derzeit offen. Während die aktuelle Generation weiterhin erfolgreich verkauft wird, bleibt abzuwarten, ob BMW eine dritte Generation des 8er plant oder ob die Baureihe – ähnlich wie beim E31 – nach einem Lebenszyklus wieder eingestellt wird. Die zunehmende Elektrifizierung und strengere CO2-Vorgaben stellen große Coupés und Cabriolets mit Verbrennungsmotoren vor Herausforderungen. BMW könnte den 8er in einer künftigen Generation elektrifizieren, wie es bereits beim i7 geschehen ist, oder die Gran-Turismo-Rolle mit anderen Modellen wie dem künftigen i8 (als Elektro-Sportwagen) besetzen. Fest steht jedoch, dass der 8er auch heute noch die Faszination verkörpert, die bereits der E31 vor über 30 Jahren ausstrahlte: die Verbindung von Luxus, Technologie und sportlicher Eleganz auf höchstem Niveau.