Die Entstehung einer Legende (2005-2011): Veyron 16.4
Der ursprüngliche Bugatti Veyron 16.4 wurde erstmals 2005 der Öffentlichkeit präsentiert und markierte einen radikalen Neuanfang für die Marke Bugatti unter der Führung des Volkswagen-Konzerns. Das Herzstück bildete ein 8,0-Liter-W16-Motor mit vier Turboladern, der eine Leistung von 1001 PS (736 kW) bei 6000 U/min entwickelte. Das maximale Drehmoment von 1250 Nm lag zwischen 2200 und 5500 U/min an. Diese Kraftentfaltung ermöglichte eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 2,5 Sekunden und eine elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 407 km/h. Der Veyron war damit das erste Serienfahrzeug, das die 400-km/h-Marke durchbrach.
Die Karosserie bestand aus einer Karbon-Monocoque-Konstruktion, die höchste Steifigkeit bei minimalem Gewicht garantierte. Mit einer Länge von 4462 mm, einer Breite von 1998 mm und einer Höhe von nur 1159 mm präsentierte sich der Veyron als kompakter Mittelmotorsportwagen. Das Leergewicht lag bei etwa 1888 kg. Die Kraftübertragung erfolgte über ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe auf alle vier Räder mittels eines permanent aktiven Allradsystems von Haldex. Besonders innovativ war das aerodynamische Konzept mit einem ausfahrbaren Heckspoiler, der je nach Geschwindigkeit verschiedene Positionen einnahm und sowohl für Abtrieb als auch als Luftbremse fungierte.
Der Innenraum kombinierte exklusivste Materialien wie handvernähtes Leder, Aluminium und Karbonfaser. Trotz der kompromisslosen Ausrichtung auf Leistung bot der Veyron einen überraschend hohen Alltagskomfort mit einer funktionierenden Klimaanlage, einem hochwertigen Soundsystem und sogar einem kleinen Kofferraum von etwa 100 Litern im Vorderwagen. Der Verbrauch lag im kombinierten Zyklus bei etwa 24,1 l/100km, bei Höchstgeschwindigkeit wurden jedoch rund 100 Liter auf 100 km verbraucht. Der deutsche Listenpreis betrug bei Markteinführung 1,2 Millionen Euro netto.
Sondermodelle und Varianten (2007-2011)
Parallel zur Standardversion entwickelte Bugatti verschiedene Sondermodelle, die dem Veyron zusätzliche Facetten verliehen. 2007 präsentierte die Marke den Veyron Pur Sang mit freiliegender Karbon-Karosserie, von dem nur fünf Exemplare entstanden. 2009 folgte das Sondermodell Centenaire zum 100. Geburtstag von Firmengründer Ettore Bugatti, limitiert auf drei Fahrzeuge. Diese Editionen zeichneten sich durch spezielle Lackierungen, exklusive Interieur-Ausstattungen und teilweise Gewichtsreduzierungen aus. Der Bleu Centenaire, ein spezieller Blauton, wurde eigens für das Jubiläumsmodell kreiert und etablierte sich als Markenzeichen.
Grand Sport: Open-Air-Hypersportler (2009-2011)
Im Jahr 2009 erweiterte Bugatti das Portfolio um den Veyron Grand Sport, eine Targa-Version mit abnehmbarem Dach. Die technische Herausforderung bestand darin, die strukturelle Integrität ohne festes Dach zu gewährleisten. Bugatti löste dies durch Verstärkungen im Monocoque und im Schwellerbereich, was das Gewicht um etwa 85 kg auf rund 1973 kg erhöhte. Die Motorleistung blieb mit 1001 PS identisch zur Coupé-Version. Die Höchstgeschwindigkeit wurde mit montiertem Notdach auf 407 km/h begrenzt, mit dem mitgelieferten Stoffdach auf 360 km/h. Der Grand Sport bot erstmals die Möglichkeit, die extreme Leistung des Veyron mit offenem Verdeck zu erleben. Der Aufpreis gegenüber dem Coupé betrug etwa 100.000 Euro. 150 Exemplare des Grand Sport wurden gebaut.
Super Sport: Neuer Geschwindigkeitsrekord (2010-2011)
2010 setzte Bugatti mit dem Veyron Super Sport ein neues Ausrufezeichen. Die Ingenieure steigerten die Leistung des W16-Motors auf 1200 PS (883 kW) bei gleichzeitig erhöhtem Drehmoment von 1500 Nm. Erreicht wurde dies durch größere Turbolader, optimierte Ladeluftkühler und eine überarbeitete Motorsteuerung. Die Karosserie wurde aerodynamisch optimiert, unter anderem durch eine längere Heckpartie und neu gestaltete Lufteinlässe. Am 26. Juni 2010 stellte der Super Sport auf dem Testgelände von Volkswagen in Ehra-Lessien einen neuen Geschwindigkeitsweltrekord für Serienfahrzeuge auf: 431,072 km/h im Durchschnitt zweier Fahrten in entgegengesetzter Richtung.
Die Serienversion des Super Sport wurde auf 415 km/h elektronisch begrenzt. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erfolgte in 2,4 Sekunden. Optisch unterschied sich der Super Sport durch orangefarbene Akzente, neu gestaltete Lufteinlässe und ein modifiziertes Heck. Das Leergewicht konnte trotz zusätzlicher Verstärkungen auf etwa 1838 kg reduziert werden. Der Preis lag bei etwa 1,65 Millionen Euro netto. Die Produktion war auf 30 Einheiten limitiert, später wurden fünf weitere Exemplare als World Record Edition mit spezieller Lackierung aufgelegt.
Grand Sport Vitesse: Das ultimative Cabrio (2012-2015)
2012 kombinierte Bugatti die offene Karosserieform des Grand Sport mit der Motorleistung des Super Sport und schuf damit den Grand Sport Vitesse. Mit 1200 PS war er das leistungsstärkste Cabrio der Welt. Die technischen Herausforderungen waren immens: Die offene Karosseriestruktur musste die enormen Kräfte bei hohen Geschwindigkeiten beherrschen. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 410 km/h mit montiertem Dach, mit Stoffdach bei 375 km/h. 2013 erreichte ein Grand Sport Vitesse 408,84 km/h und wurde damit zum schnellsten offenen Serienfahrzeug der Welt.
Der Vitesse erhielt die aerodynamischen Optimierungen des Super Sport, musste jedoch zusätzlich strukturelle Verstärkungen aufnehmen. Das Gewicht lag bei etwa 1990 kg. Der Kühlluftbedarf für den Motor und die Ladeluftkühler erforderte überarbeitete Lufteinlässe. Bugatti produzierte 92 Exemplare des Grand Sport Vitesse, darunter zahlreiche Sondermodelle wie den Jean-Pierre Wimille, den Meo Constantini oder den Rembrandt Bugatti, die jeweils auf drei bis acht Einheiten limitiert waren. Der Grundpreis betrug etwa 1,95 Millionen Euro netto.
Das Ende einer Ära (2015)
Die Produktion des Bugatti Veyron endete 2015 nach zehn Jahren mit dem Sondermodell La Finale, einem Grand Sport Vitesse in der klassischen Farbkombination Rot und Schwarz. Von allen Varianten zusammen entstanden exakt 450 Fahrzeuge: 300 Coupés (davon 30 Super Sport) und 150 offene Versionen (davon 92 Vitesse). Der Veyron etablierte Bugatti als Hersteller von Hypersportwagen und ebnete den Weg für den Nachfolger Chiron. Technisch bewies der Veyron, dass extreme Geschwindigkeit und relativer Alltagskomfort keine Gegensätze sein müssen. Viele der entwickelten Technologien, vom W16-Motor über das Allradsystem bis zur adaptiven Aerodynamik, flossen in den Chiron ein. Der Veyron bleibt ein automobiles Denkmal für technische Exzellenz und kompromisslose Ingenieurskunst.