Erste Generation (2015–2017): Plug-in-Hybrid für den chinesischen Markt
Die erste Generation des BYD Tang wurde 2015 exklusiv für den chinesischen Markt eingeführt und basierte auf der S6-Plattform von BYD. Das SUV war als Plug-in-Hybrid konzipiert und kombinierte einen 2,0-Liter-Turbobenziner mit zwei Elektromotoren – einer an der Vorderachse, einer an der Hinterachse. Diese Konfiguration ermöglichte einen Allradantrieb und eine Systemleistung von 371 kW (505 PS), was für beeindruckende Fahrleistungen sorgte. Die rein elektrische Reichweite lag bei etwa 80 Kilometern nach chinesischem NEDC-Zyklus. Optisch präsentierte sich der erste Tang als klassisches, eher konventionell gestaltetes SUV mit Chrome-Akzenten und einer markanten Frontpartie. Die Ausstattung umfasste bereits damals Features wie ein großes Touchscreen-Infotainmentsystem und verschiedene Assistenzsysteme. Der Name Tang bezieht sich auf die Tang-Dynastie (618–907 n. Chr.), eine kulturelle Blütezeit Chinas, und steht in einer Reihe mit anderen BYD-Modellen, die nach chinesischen Dynastien benannt sind.
Zweite Generation (2018–2022): Modernisierung und internationale Ambitionen
2018 stellte BYD die zweite Generation des Tang vor, die auf der neuen BNA-Plattform (Build Your Dreams New Architecture) basierte. Diese Generation zeigte deutliche Fortschritte in Design, Technik und Verarbeitung. Der ehemalige Audi-Designer Wolfgang Egger hatte maßgeblichen Einfluss auf die Gestaltung, was sich in der dynamischeren Linienführung, der markanten Dragon-Face-Frontgestaltung und der hochwertigeren Anmutung widerspiegelte. Die zweite Generation wurde sowohl als Plug-in-Hybrid (Tang DM) als auch als vollelektrisches Modell (Tang EV) angeboten. Der Tang DM behielt das Konzept aus Benzinmotor und zwei E-Maschinen bei, bot nun aber eine Systemleistung von bis zu 431 kW (586 PS) und erreichte eine elektrische Reichweite von etwa 100 Kilometern. Der reine Elektro-Tang verfügte über einen 82,8-kWh-Akku und zwei Elektromotoren mit zusammen 360 kW (490 PS), was Reichweiten von rund 500 Kilometern nach NEFZ ermöglichte. Das Interieur wurde deutlich aufgewertet: Ein drehbares 12,8-Zoll-Touchscreen-Display im Hochformat dominierte das Cockpit, dazu kamen digitale Instrumente und hochwertigere Materialien. Die zweite Generation bot wahlweise fünf oder sieben Sitzplätze und war in China äußerst erfolgreich. In Europa wurde sie zunächst nur in Norwegen eingeführt, wo BYD erste Erfahrungen im westlichen Markt sammelte.
Dritte Generation (seit 2022): Markteintritt in Deutschland
Die dritte Generation des BYD Tang wurde 2022 offiziell für den deutschen und europäischen Markt lanciert und ist ausschließlich als batterieelektrisches Fahrzeug (BEV) erhältlich. BYD verzichtete bewusst auf die Plug-in-Hybrid-Variante, um sich klar als Anbieter reiner Elektromobilität zu positionieren. Technisches Herzstück ist die hauseigene Blade Battery, eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) mit 86,4 kWh Kapazität, die BYD als besonders sicher, langlebig und temperaturstabil bewirbt. Das Blade-Design bezeichnet dabei die flache, klingenförmige Zellbauweise, die mehr Energie auf gleichem Raum unterbringt und das Brandrisiko minimiert. Der Tang wird von zwei permanenterregten Synchronmotoren angetrieben – einer pro Achse –, die zusammen 380 kW (517 PS) und 680 Nm Drehmoment liefern. Der Sprint von null auf 100 km/h gelingt in 4,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 180 km/h abgeregelt. Die WLTP-Reichweite gibt BYD mit bis zu 400 Kilometern an, was im Segment eher durchschnittlich ist. Das Schnellladen ist mit bis zu 120 kW DC möglich, womit der Akku in etwa 30 Minuten von 30 auf 80 Prozent geladen werden kann. An der Wechselstrom-Wallbox lädt der Tang mit maximal 11 kW.
Optisch zeigt sich die dritte Generation deutlich eigenständiger: Die Dragon-Face-Front wurde weiterentwickelt, LED-Matrix-Scheinwerfer sind serienmäßig, und die Proportionen wirken ausgewogener. Die Länge beträgt 4870 mm, die Breite 1950 mm und die Höhe 1725 mm – damit ist der Tang größer als viele Konkurrenten. Das Platzangebot ist exzellent, auch in der dritten Sitzreihe, die optional erhältlich ist und das SUV zum Siebensitzer macht. Der Kofferraum fasst 235 Liter (Siebensitzer) beziehungsweise 940 Liter (Fünfsitzer); bei umgeklappten Sitzen erweitert sich das Volumen auf bis zu 1655 Liter. Das Interieur orientiert sich am bewährten BYD-Design: Ein um 90 Grad drehbares 15,6-Zoll-Touchscreen dominiert die Mittelkonsole und ermöglicht die Bedienung im Hoch- oder Querformat. Das Infotainmentsystem basiert auf Android und bietet zahlreiche Apps, OTA-Updates und eine Sprachsteuerung. Das digitale Kombiinstrument misst 12,3 Zoll. Materialqualität und Verarbeitung erreichen ein für chinesische Hersteller hohes Niveau, auch wenn im direkten Vergleich mit deutschen Premiummarken noch kleine Unterschiede spürbar sind.
Ausstattung und Marktpositionierung
In Deutschland wird der BYD Tang in einer gut ausgestatteten Basisversion angeboten, die bereits LED-Matrix-Licht, Panorama-Glasdach, Ledersitze, elektrisch verstellbare Vordersitze mit Belüftung und Massage, eine 360-Grad-Kamera, adaptive Luftfederung und zahlreiche Assistenzsysteme umfasst. Dazu gehören ein adaptiver Tempomat, Spurhalteassistent, Toter-Winkel-Warner, Verkehrszeichenerkennung und ein automatischer Notbremsassistent. Das optionale Premium-Paket ergänzt unter anderem ein Distronic-System und weitere Komfortfeatures. Mit einem Einstiegspreis von knapp 72.000 Euro (Stand 2023/2024) positioniert sich der Tang im oberen Mittelklasse-Segment, unterbietet aber viele europäische Konkurrenten bei gleichzeitig großzügiger Ausstattung. BYD gewährt zudem eine Garantie von sechs Jahren oder 150.000 Kilometern auf das Fahrzeug und acht Jahre oder 200.000 Kilometer auf die Batterie, was Vertrauen in die Langlebigkeit der LFP-Technologie signalisiert.
Fahrverhalten und Alltag
Der BYD Tang überzeugt im Alltag mit kräftigem Antritt, leisem Fahrwerk und komfortabler Abstimmung. Die adaptive Luftfederung gleicht Unebenheiten gut aus, und das hohe Gewicht von etwa 2,5 Tonnen wird durch die tiefe Schwerpunktlage der Batterie teilweise kompensiert. Sportliches Handling steht nicht im Vordergrund; der Tang ist primär auf Komfort und Langstreckentauglichkeit ausgelegt. Die Lenkung ist leichtgängig, die Bremsen verzögern kräftig, und die Rekuperation lässt sich in mehreren Stufen einstellen. Im Verbrauchstest zeigen sich realistische Werte zwischen 22 und 28 kWh/100 km, je nach Fahrstil und Bedingungen. Die Reichweite von 400 Kilometern reicht für die meisten Alltagsszenarien, auf langen Autobahnfahrten schrumpft sie jedoch merklich. Das Ladeverhalten ist solide, aber nicht Klassenführend – hier bieten Tesla oder Hyundai schnellere Lösungen.
Zukunftsaussichten und Wettbewerb
Mit dem Tang verfolgt BYD das Ziel, sich als ernstzunehmende Alternative zu etablierten Marken im europäischen Markt zu positionieren. Die Kombination aus großem Platzangebot, hoher Serienausstattung, sicherer Batterietechnologie und attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis spricht vor allem Familien und Vielfahrer an, die Wert auf Elektromobilität legen. Herausforderungen bleiben das noch ausbaufähige Ladenetz-Erlebnis, die Markenbekanntheit und die Skepsis gegenüber chinesischen Herstellern in Europa. BYD investiert jedoch massiv in den Ausbau des Händlernetzes und in Marketingmaßnahmen. Ein Facelift oder eine vierte Generation dürfte in den kommenden Jahren folgen, möglicherweise mit größerer Batterie, schnellerer Ladetechnik und weiter verfeinertem Design. Der Tang bleibt ein wichtiger Baustein in BYDs europäischer Elektrooffensive.