Die Entstehung: Ferrari 208 GT4 (1975-1980)
Die Geschichte des Ferrari 208 begann bereits 1975 mit dem 208 GT4, der auf dem Dino 308 GT4 basierte. Der Dino 308 GT4 war Ferraris erster Serien-V8-Mittelmotor-Sportwagen mit 2+2-Sitzanordnung und stammte vom Design-Haus Bertone. Um den italienischen Markt besser bedienen zu können, entwickelte Ferrari eine Version mit reduziertem Hubraum. Der V8-Motor wurde von 2927 cm³ auf 1991 cm³ verkleinert, indem Bohrung und Hub verringert wurden. Die Leistung sank dadurch von 255 PS auf etwa 170 PS. Der 208 GT4 war ausschließlich für Italien bestimmt und wurde dort von 1975 bis 1980 produziert. Die Keilform des GT4, entworfen von Marcello Gandini bei Bertone, war damals polarisierend, ist heute aber zu einer Ikone geworden. Technisch verfügte der 208 GT4 über einen quer eingebauten V8-Motor, Doppelquerlenker-Aufhängung vorne und hinten sowie ein 5-Gang-Schaltgetriebe.
Ferrari 208 GTB und GTS (1980-1985)
1980 folgte die wichtigste Generation des 208: der 208 GTB (Gran Turismo Berlinetta) und 208 GTS (Gran Turismo Spider) als Pendant zum weitaus bekannteren Ferrari 308 GTB/GTS. Diese Generation nutzte die von Pininfarina gestaltete Karosserie des 308, die zu den schönsten Ferrari-Designs aller Zeiten zählt. Der 208 GTB kam zunächst als geschlossenes Coupé auf den Markt, kurz darauf folgte die Targa-Version GTS mit herausnehmbarem Dachsegment. Der Zweiliter-V8 leistete in dieser Ausführung zunächst rund 155 PS bei 7000 U/min, was für einen Ferrari bescheiden war. Das Drehmoment lag bei etwa 166 Nm. Die Performance war entsprechend moderat: Die Höchstgeschwindigkeit lag bei etwa 220 km/h, der Sprint von 0 auf 100 km/h dauerte rund 8,5 Sekunden. Für damalige Verhältnisse war das durchaus akzeptabel, konnte aber mit dem 308er nicht mithalten. Die Karosserie bestand zunächst aus Stahl, später auch aus GFK. Das Fahrwerk entsprach weitgehend dem des 308 mit Doppelquerlenkern rundum, Scheibenbremsen und Zahnstangenlenkung.
Ferrari 208 Turbo (1982-1985)
Um den Leistungsnachteil des kleinen Hubraums auszugleichen, präsentierte Ferrari 1982 den 208 Turbo – eine technische Sensation. Es war der erste straßenzugelassene Ferrari mit Turboaufladung überhaupt. Der 208 Turbo erhielt einen KKK-Abgasturbolader, der den Zwei-Liter-V8 auf beeindruckende 220 PS bei 7000 U/min brachte. Das maximale Drehmoment stieg auf 245 Nm bei 3800 U/min. Damit war der 208 Turbo plötzlich annähernd so schnell wie der hubraumstärkere 308 Quattrovalvole: Höchstgeschwindigkeit etwa 240 km/h, 0-100 km/h in rund 6,5 Sekunden. Äußerlich unterschied sich der 208 Turbo durch spezielle Schriftzüge, NACA-Lufteinlässe auf der Motorhaube zur Kühlung des Ladeluftkühlers und teilweise durch dezente Spoilerlippen. Der 208 Turbo wurde sowohl als GTB (Coupé) als auch als GTS (Targa) angeboten. Die Turbo-Technologie war damals noch anfällig für Turboloch, doch Ferrari gelang eine für die Zeit gute Abstimmung. Der 208 Turbo markierte den Einstieg Ferraris in die Turbo-Ära, die später mit dem F40 und modernen Modellen zum Standard wurde.
Technische Details und Besonderheiten
Alle Varianten des Ferrari 208 teilten sich die grundlegende Mittelmotor-Architektur mit quer eingebautem V8 hinter den Sitzen. Der Motor verfügte über zwei obenliegende Nockenwellen pro Zylinderbank, vier Weber-Doppelvergaser (beim Turbo eine Einspritzanlage) und eine Trockensumpfschmierung. Das Fünfgang-Getriebe war mechanisch über ein offenes Gestänge geschaltet – typisch für Ferrari jener Ära. Die Bremsen waren rundum belüftete Scheiben. Die Bereifung war mit 205/70 VR14 vorne und 225/70 VR14 hinten nach heutigen Maßstäben schmal, entsprach aber dem damaligen Stand der Technik. Das Leergewicht lag bei etwa 1100-1150 kg, was dem 208 trotz moderater Leistung eine gute Agilität verlieh. Der Verbrauch war für einen Ferrari günstig und lag bei etwa 11-13 Litern auf 100 km.
Produktion und Marktsituation
Der Ferrari 208 wurde ausschließlich in Italien verkauft und war nie offiziell für den Export vorgesehen. Die Produktionszahlen blieben entsprechend niedrig: Vom 208 GT4 entstanden etwa 840 Exemplare, vom 208 GTB/GTS ohne Turbo rund 160 Einheiten und vom 208 Turbo etwa 450 Fahrzeuge in verschiedenen Varianten (GTS und GTB). Damit gehört der 208 zu den seltensten modernen Ferraris. Für den deutschen Markt spielte das Modell praktisch keine Rolle, da hier die steuerlichen Anreize fehlten und Ferrari-Kunden den leistungsstärkeren 308 bevorzugten. Einige wenige Exemplare gelangten später über Reimporte nach Deutschland, bleiben aber absolute Raritäten. In Italien hingegen fand der 208 eine treue, wenn auch kleine Käuferschaft, die die steuerlichen Vorteile zu schätzen wusste.
Bedeutung und Sammlerwert heute
Heute ist der Ferrari 208 ein begehrtes Sammlerstück, vor allem der 208 Turbo als erster Turbo-Ferrari für die Straße. Die Preise liegen deutlich unter denen vergleichbarer 308er-Modelle, was den 208 zu einem relativen Schnäppchen im Ferrari-Segment macht. Gut erhaltene 208 Turbo GTS werden für 80.000 bis 120.000 Euro gehandelt, während vergleichbare 308er deutlich teurer sind. Die Seltenheit, die historische Bedeutung als erster Turbo-Ferrari und das zeitlose Pininfarina-Design machen den 208 zu einer interessanten Wahl für Sammler. Allerdings ist die Ersatzteilversorgung aufgrund der geringen Stückzahlen teilweise schwierig, und viele Teile müssen mit dem 308 geteilt werden. Für den deutschen Markt bleibt der 208 eine Kuriosität – ein Ferrari, der zeigt, dass selbst eine Luxusmarke pragmatisch auf Marktbedingungen reagieren musste.