Ferrari Dino 246 GT (1969–1974): Die Geburt einer Legende
Der Dino 246 GT wurde 1969 als Nachfolger des Dino 206 GT vorgestellt und markierte einen Wendepunkt in Ferraris Modellpolitik. Anders als sein Vorgänger mit Aluminiumkarosserie erhielt der 246 GT eine Stahlkarosserie, was die Produktion vereinfachte und die Kosten senkte. Das von Pininfarina entworfene und bei Scaglietti gebaute Coupé gilt bis heute als eines der schönsten Ferrari-Designs aller Zeiten. Die geschwungene Linienführung, die tief angesetzte Frontpartie und die markanten Lufteinlässe hinter den Türen schufen eine zeitlose Silhouette, die das Mittelmotor-Konzept perfekt visualisierte.
Technisch basierte der 246 GT auf einem vergrößerten V6-Motor mit nun 2418 cm³ Hubraum statt der 2,0 Liter des Vorgängers. Der querliegende Sechszylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen pro Zylinderbank und drei Weber-Doppelvergasern leistete 195 PS bei 7600 U/min. Das Triebwerk war hinter den Sitzen mittig im Chassis platziert, gekoppelt an ein manuelles Fünfgang-Getriebe. Mit einem Leergewicht von etwa 1100 kg erreichte der 246 GT eine Höchstgeschwindigkeit von rund 235 km/h und beschleunigte in etwa 7 Sekunden auf 100 km/h – beeindruckende Werte für die frühen 1970er Jahre. Das Fahrwerk mit Einzelradaufhängung rundum, Scheibenbremsen an allen Rädern und einem präzisen Lenkverhalten machte den Dino zum Maßstab für Mittelmotor-Sportwagen seiner Zeit.
Interessant ist die Namensgebung: Ferrari verzichtete zunächst darauf, den Dino mit dem Ferrari-Schriftzug zu versehen, da der V6-Motor nicht den traditionellen V12-Triebwerken entsprach, die man mit der Marke Ferrari verband. Stattdessen wurde der Wagen als eigenständige Marke 'Dino' vermarktet, was ihn theoretisch einem breiteren Publikum zugänglich machen sollte. In der Praxis wurde der Dino aber stets als Ferrari wahrgenommen und gehandelt. Zwischen 1969 und 1974 entstanden insgesamt 2487 Exemplare des 246 GT, was ihn zu einem der erfolgreichsten Ferrari-Modelle seiner Ära machte.
Ferrari Dino 246 GTS (1972–1974): Die Targa-Variante
Im Jahr 1972 erweiterte Ferrari die Dino-Baureihe um die GTS-Version – ein Targa-Modell mit abnehmbarem Mittelsteg aus schwarzem Stahl, der hinter den Sitzen verstaut werden konnte. Die GTS-Variante behielt die technischen Spezifikationen des GT bei, bot aber erstmals offenes Fahren in dieser Modellreihe. Das herausnehmbare Dachelement war eine innovative Lösung, die den puristischen Charakter des Fahrzeugs bewahren sollte, ohne die strukturelle Integrität zu sehr zu beeinträchtigen.
Optisch unterschied sich der GTS durch die mattschwarzen Säulen und das fehlende Festdach vom GT. Die hinteren Buttresses wurden beibehalten und gaben dem Wagen auch mit geöffnetem Dach eine markante Silhouette. Die offene Version wurde schnell populär, besonders auf dem amerikanischen Markt, wo Cabriolets und Targa-Modelle traditionell stark nachgefragt wurden. Bis zum Produktionsende 1974 wurden 1274 Exemplare des 246 GTS gebaut – deutlich weniger als die GT-Version, was die GTS-Modelle heute zu besonders gesuchten Sammlerstücken macht.
Technische Weiterentwicklungen und Besonderheiten
Während der Produktionszeit erfuhr der Dino 246 mehrere kleinere technische Verbesserungen. Frühe Modelle hatten noch Plexiglas-Seitenfenster im Motorraum, spätere Versionen erhielten Lüftungsschlitze. Die Sitze wurden im Laufe der Produktion ergonomisch verbessert, und die Innenausstattung wurde sukzessive aufgewertet. Einige Fahrzeuge wurden mit optionalen Leichtmetallfelgen im Campagnolo-Stil ausgeliefert, die das sportliche Erscheinungsbild unterstrichen. Die Farbpalette reichte von klassischem Rosso Corsa über Giallo bis hin zu elegantem Blu Sera, wobei viele Fahrzeuge mit aufwendigen Leder-Innenausstattungen in Tan, Schwarz oder Rot bestellt wurden.
Der Dino 246 war einer der ersten Ferrari-Modelle, die ernsthaft für den amerikanischen Markt adaptiert wurden, mit entsprechenden Stoßstangen und Emissionsanpassungen für spätere Modelljahre. Dies trug erheblich zum Verkaufserfolg bei, auch wenn die US-Versionen leichte Leistungseinbußen hinnehmen mussten. Die Zuverlässigkeit des V6-Motors erwies sich als gut, wenngleich die drei Weber-Vergaser regelmäßige Wartung erforderten. Die Ersatzteilversorgung war selbst damals bereits eine Herausforderung, was sich im Laufe der Jahrzehnte verstärkte.
Ferrari 246 F1: Der Rennwagen der 1950er Jahre
Neben dem Straßensportwagen Dino 246 GT/GTS gab es auch den Ferrari 246 F1, einen Grand-Prix-Rennwagen, der 1958 in der Formel 1 eingesetzt wurde. Dieser Monoposto war mit einem 2,4-Liter-V6-Motor ausgestattet und stellte eine Weiterentwicklung der Dino-Rennmotoren dar, die Enzo Ferraris Sohn mitentwickelt hatte. Der 246 F1 war der letzte frontmotorige Formel-1-Ferrari und kam in einer Übergangszeit zum Einsatz, als sich das Mittelmotor-Konzept in der Formel 1 durchzusetzen begann. Mike Hawthorn gewann mit dem Ferrari 246 F1 (in der Variante Dino 246) die Fahrerweltmeisterschaft 1958, was diesem Modell einen besonderen Platz in der Rennsportgeschichte sicherte. Der F1-Rennwagen und der spätere Straßensportwagen teilen sich die Namensgebung und die Hommage an Alfredo Ferrari, repräsentieren aber völlig unterschiedliche Fahrzeugkonzepte und Epochen.
Marktwert und Sammlerstatus heute
Der Ferrari Dino 246 GT und GTS zählen heute zu den begehrtesten klassischen Ferrari-Modellen. Die Preise für gut erhaltene Exemplare haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten vervielfacht. Ein restaurierter 246 GT kann heute zwischen 300.000 und 450.000 Euro kosten, während GTS-Modelle aufgrund ihrer Seltenheit oft noch höhere Preise erzielen. Besonders gesucht sind Fahrzeuge mit dokumentierter Historie, Matching Numbers und originaler Lackierung. Die zeitlose Ästhetik, die historische Bedeutung als einer der ersten erfolgreichen Mittelmotor-Sportwagen und die überschaubare Produktionszahl machen den Dino 246 zu einer soliden Wertanlage im Segment der Klassiker. Sammler schätzen zudem die im Vergleich zu V12-Ferrari moderateren Unterhaltskosten, wenngleich Wartung und Restaurierung nach wie vor Expertenwissen erfordern. Der Dino 246 repräsentiert eine Ära, in der Ferrari begann, seine Modellpalette zu diversifizieren und auch unterhalb des V12-Segments technologisch anspruchsvolle Sportwagen anzubieten – ein Konzept, das mit Modellen wie dem späteren 308 GTB fortgeführt wurde und bis heute in der Ferrari-DNA verankert ist.