Die erste Generation: Ferrari 348 tb/ts (1989-1993)
Der 348 tb (trasversale berlinetta) und 348 ts (trasversale spider) wurden 1989 auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellt und läuteten eine neue Ära ein. Die Bezeichnung "trasversale" verwies auf das quer zur Fahrtrichtung eingebaute Getriebe, das nun gemeinsam mit dem längs eingebauten V8-Mittelmotor eine kompakte Einheit bildete. Der 3,4-Liter-V8 mit vier Ventilen pro Zylinder leistete 320 PS bei 7.200 U/min und ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von 275 km/h. Das Drehmoment von 324 Nm lag bei 4.200 U/min an. Die Karosserie zeigte sich deutlich kantiger als beim Vorgänger 328, mit breiten Lufteinlässen hinter den Türen und markanten Längsrippen, die an den Testarossa erinnerten. Das Fahrwerk mit Doppelquerlenker-Aufhängung vorn und hinten sowie die Zahnstangenlenkung ohne Servounterstützung sorgten für direktes Feedback. Der deutsche Neupreis lag 1989 bei etwa 185.000 DM für den 348 tb.
Technische Verbesserungen: Ferrari 348 GTB/GTS (1993-1995)
1993 überarbeitete Ferrari den 348 grundlegend und führte die Modellvarianten 348 GTB (Gran Turismo Berlinetta) und 348 GTS (Gran Turismo Spider) ein. Diese Weiterentwicklung stellte ein signifikantes Facelift dar. Der Motor erhielt modifizierte Ansaugrohre und ein optimiertes Motormanagement, blieb aber bei 320 PS Leistung. Die wichtigsten Änderungen betrafen das Fahrwerk: Ferrari spendierte nun serienmäßig eine Servolenkung, verbesserte die Dämpferabstimmung und modifizierte die Federung. Die Bremsanlage wurde verstärkt, die Kupplung leichtgängiger ausgelegt. Optisch erkannte man den GTB/GTS an leicht modifizierten Stoßfängern und überarbeiteten Rückleuchten. Im Innenraum gab es neue Sitze mit besserer Seitenführung und ein leicht überarbeitetes Armaturenbrett. Die Verarbeitungsqualität wurde spürbar verbessert, nachdem der frühe 348 für gewisse Qualitätsmängel kritisiert worden war. In Deutschland kostete der 348 GTB ab 1993 etwa 198.000 DM.
Die Sonderserie: Ferrari 348 Spider (1993-1995)
Parallel zu den Coupé-Versionen bot Ferrari den 348 auch als offenen Spider an. Der 348 Spider unterschied sich vom GTS durch sein vollständig abnehmbares Targadach, während der GTS nur über ein herausnehmbares Dachsegment verfügte. Die Spider-Version war aufgrund der notwendigen Versteifungen etwa 60 kg schwerer als die Berlinetta, bot aber uneingeschränktes Open-Air-Feeling. Die Leistung blieb identisch, die Höchstgeschwindigkeit lag mit 270 km/h minimal niedriger. Der Spider fand vor allem auf dem amerikanischen Markt großen Anklang, während in Deutschland primär die Berlinetta-Versionen nachgefragt wurden. Der Aufpreis für den Spider betrug etwa 15.000 DM gegenüber dem geschlossenen Modell.
Das Sondermodell: Ferrari 348 Challenge (1993-1995)
Für die hauseigene Rennserie Ferrari Challenge entwickelte das Werk ab 1993 den 348 Challenge. Diese Version basierte auf dem 348 GTB, verfügte aber über zahlreiche Rennstrecken-Modifikationen: Der Motor leistete unverändert 320 PS, war jedoch auf Langstreckeneinsätze optimiert. Der Innenraum wurde komplett ausgeräumt, ein Überrollkäfig eingeschweißt, Rennsitze mit Sechspunkt-Gurten montiert. Das Fahrwerk erhielt härtere Federn und Dämpfer, die Bremsen größere Scheiben. Durch den Verzicht auf Komfortausstattung wog der Challenge nur noch etwa 1.060 kg. Insgesamt wurden rund 50 Exemplare gebaut, die nie für den Straßenverkehr homologiert waren. Einige wenige gelangten später mit nachträglicher Straßenzulassung in Sammlerhand.
Die finale Variante: Ferrari 348 GT Competizione (1994)
Als homologierte Straßenversion des Challenge präsentierte Ferrari 1994 den 348 GT Competizione. Dieser sollte ambitionierten Kunden ein möglichst rennstreckennahes Fahrzeug bieten, das dennoch im Alltag bewegt werden konnte. Der Motor blieb bei 320 PS, das Fahrwerk wurde jedoch deutlich straffer abgestimmt. Das Gewicht reduzierte sich durch Leichtbaumaßnahmen auf etwa 1.230 kg. Optisch fielen die GT Competizione durch zusätzliche Lufteinlässe, einen größeren Heckspoiler und spezielle Leichtmetallräder auf. Die Produktion blieb streng limitiert, genaue Stückzahlen für den deutschen Markt sind nicht dokumentiert. Der Preis lag deutlich über dem des Standard-GTB.
Motor und Fahrleistungen im Detail
Der 3,4-Liter-V8 des Ferrari 348 war eine Weiterentwicklung des Motors aus dem 328, jedoch mit vergrößertem Hubraum (von 3,2 auf 3,4 Liter durch längeren Hub). Die Bohrung betrug 85 mm, der Hub 75 mm. Vier obenliegende Nockenwellen steuerten die vier Ventile pro Zylinder. Das Verdichtungsverhältnis lag bei 10,4:1. Die Bosch-Motronic-Einspritzung ersetzte die frühere Weber-Marelli-Anlage. Das Fünfgang-Getriebe war quer eingebaut, was eine kompaktere Bauweise ermöglichte. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelang in 5,6 Sekunden (tb/ts) bzw. 5,4 Sekunden (GTB/GTS). Die Elastizität im vierten Gang von 80 auf 120 km/h benötigte 6,8 Sekunden. Der Verbrauch lag im Alltagsbetrieb bei etwa 16-18 Litern Super Plus auf 100 km.
Marktpositionierung und Konkurrenz
Der Ferrari 348 positionierte sich als Einstiegsmodell unterhalb des Testarossa und später des 512 TR. Hauptkonkurrenten waren der Porsche 911 Turbo, der Lotus Esprit Turbo und später der Acura NSX. Während der Porsche als alltagstauglicher und zuverlässiger galt, punktete der Ferrari mit seinem emotionalen V8-Sound und dem Prestige der Marke. Im Vergleich zum Vorgänger 328 war der 348 technisch moderner, wurde aber von Kritikern als weniger harmonisch im Fahrverhalten beschrieben. Erst mit dem Facelift zum GTB/GTS verbesserte sich der Ruf deutlich. In Deutschland wurden zwischen 1989 und 1995 schätzungsweise 250-300 Exemplare aller Varianten neu zugelassen. Die Produktion endete 1995 mit der Einführung des Nachfolgers F355, der erneut einen großen Entwicklungssprung darstellte.
Heutige Bedeutung und Sammlerwert
Der Ferrari 348 gilt heute als interessanter Klassiker mit moderatem Wertsteigerungspotenzial. Lange Zeit im Schatten des geliebten 328 und des überlegenen F355 stehend, erfreut sich der 348 zunehmender Aufmerksamkeit. Gepflegte Exemplare des 348 GTB/GTS mit dokumentierter Servicehistorie kosten heute zwischen 60.000 und 90.000 Euro, frühe 348 tb/ts liegen bei 50.000 bis 75.000 Euro. Besonders begehrt sind Spider-Versionen und Fahrzeuge in seltenen Farbkombinationen. Die Unterhaltskosten sind typisch Ferrari: Ein großer Service mit Zahnriemenwechsel (alle fünf Jahre empfohlen) kostet 3.000 bis 5.000 Euro bei spezialisierten Werkstätten. Die Ersatzteilversorgung ist durch Ferrari Classiche gut gesichert. Rostprobleme sind bei guter Pflege selten, typische Schwachstellen sind die Klimaanlage und die elektrischen Fensterheber. Als letzter Ferrari ohne moderne Fahrassistenten verkörpert der 348 pures, analoges Fahrerlebnis und markiert eine wichtige Übergangsphase in der Markengeschichte.