Ferrari 456 GT (1992-1998)
Im Jahr 1992 präsentierte Ferrari den 456 GT als Nachfolger des 412. Das Kürzel 456 bezeichnete den Hubraum eines einzelnen Zylinders (456 cm³), während GT für Gran Turismo stand. Das von Pininfarina entworfene Design war elegant und zeitlos, mit einer langen Motorhaube, kurzen Überhängen und einer charakteristischen Fastback-Silhouette. Unter der Haube arbeitete ein 5,5-Liter-V12-Motor mit 442 PS bei 6.250 U/min und 550 Nm Drehmoment bei 4.500 U/min. Der Zwölfzylinder war eine Weiterentwicklung des Motors aus dem Ferrari Daytona und wurde erstmals in der Unternehmensgeschichte in einem Frontmotor-Ferrari mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe kombiniert.
Der 456 GT erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 302 km/h und beschleunigte in 5,2 Sekunden von null auf 100 km/h. Die Kraftübertragung erfolgte auf die Hinterachse, die über ein Transaxle-Getriebe verfügte – das Getriebe saß also hinten an der Achse, was eine optimale Gewichtsverteilung von 51:49 ermöglichte. Das Fahrwerk kombinierte vorne Doppelquerlenker mit hinteren Querlenkern, elektronisch verstellbare Koni-Stoßdämpfer sorgten für Komfort. Die Servolenkung und die Klimaanlage waren Standard, ebenso das Lederleder-Interieur mit hochwertigen Materialien. Der 456 GT war wahlweise als Coupé erhältlich, später folgte die GTA-Version mit Viergangautomatik.
Ferrari 456 GTA (1996-1998)
1996 erweiterte Ferrari die Baureihe um den 456 GTA, wobei das A für Automatico stand. Statt des manuellen Sechsgang-Getriebes erhielt diese Variante eine Viergangautomatik von GM. Obwohl Puristen die manuelle Schaltung bevorzugten, bot die Automatik vor allem im Stadtverkehr und auf langen Reisen deutlich mehr Komfort. Die Leistung des V12 blieb unverändert bei 442 PS, allerdings verlängerte sich die Beschleunigungszeit auf etwa 5,6 Sekunden. Der GTA war vor allem in den USA beliebt, wo Automatikgetriebe traditionell höhere Akzeptanz genießen. Optisch unterschied sich der GTA kaum vom manuellen GT, nur dezente Schriftzüge wiesen auf die Automatik hin.
Ferrari 456 M GT und 456 M GTA (1998-2003)
Im Jahr 1998 unterzog Ferrari den 456 einem umfassenden Facelift und benannte ihn in 456 M um, wobei das M für Modificata stand. Die wichtigsten Änderungen betrafen die Optik und das Interieur. An der Front erhielt der Wagen neue Scheinwerfer mit klaren Gläsern statt der bisherigen Streuscheiben, was ihm ein moderneres Aussehen verlieh. Die Rückleuchten wurden ebenfalls überarbeitet und erhielten ein neues Design. Die Seitenspiegel wurden aerodynamisch optimiert, und neue 17-Zoll-Felgen im überarbeiteten Design rundeten die optischen Änderungen ab.
Im Innenraum spendierte Ferrari dem 456 M eine grundlegende Überarbeitung. Das Armaturenbrett wurde neu gestaltet, die Mittelkonsole erhielt ein moderneres Layout, und die Qualität der Materialien wurde nochmals gesteigert. Der V12-Motor leistete weiterhin 442 PS, erhielt aber eine überarbeitete Motorelektronik und ein verbessertes Abgassystem, das den Klang noch sonorer machte. Das manuelle Sechsgang-Getriebe wurde verbessert, die Schaltkulisse präziser. Die Automatik-Variante 456 M GTA nutzte weiterhin die Viergangautomatik, allerdings mit optimierter Abstimmung für spontanere Schaltvorgänge.
Technisch erhielt der 456 M ein überarbeitetes Fahrwerk mit neu abgestimmten Dämpfern und optimierter Federung. Die Bremsen wurden verstärkt, neue größere Bremsscheiben sorgten für noch bessere Verzögerungswerte. Das elektronische Stabilitätsprogramm ASR (Anti-Slip Regulation) wurde serienmäßig eingebaut, was die Sicherheit vor allem bei nassen Bedingungen deutlich erhöhte. Die Gewichtsverteilung blieb nahezu perfekt, was dem 456 M eine außergewöhnliche Balance und ein präzises Handling verlieh.
Ferrari 456 GT Venice (1996)
1996 stellte Ferrari eine limitierte Sonderedition vor: den 456 GT Venice. Diese Variante wurde speziell für den US-Markt entwickelt und war auf nur 12 Exemplare limitiert. Der Venice zeichnete sich durch eine exklusive zweifarbige Lackierung in Blau und Silber aus, die an venezianische Gondeln erinnern sollte. Das Interieur war mit besonders hochwertigem Leder in abgestimmten Farben ausgestattet. Technisch entsprach der Venice dem regulären 456 GT mit manuellem Getriebe, die Exklusivität lag vor allem in der individuellen Gestaltung.
Technische Besonderheiten und Marktpositionierung
Der Ferrari 456 war in seiner gesamten Bauzeit ein Statement für die klassische Grand-Tourer-Philosophie. Anders als moderne Mittelmotor-Sportwagen wie der zeitgenössische F355 setzte der 456 auf den traditionellen Frontmotor-Layout, was mehr Innenraum und bessere Alltagstauglichkeit ermöglichte. Die 2+2-Bestuhlung bot tatsächlich nutzbare Rücksitze für Kinder oder kurze Strecken, der Kofferraum war mit 160 Litern für einen Ferrari großzügig dimensioniert.
Die Verarbeitung und Materialqualität waren auf höchstem Niveau. Connolly-Leder, Wilton-Teppiche und Wurzelholz-Intarsien prägten den Innenraum. Jeder 456 wurde nach individuellen Kundenwünschen konfiguriert, sodass kaum ein Exemplar dem anderen glich. Die Farbpalette reichte von klassischen Ferrari-Tönen wie Rosso Corsa über elegante Metallic-Lackierungen bis zu individuellen Sonderlackierungen. Über die gesamte Produktionszeit wurden etwa 3.289 Exemplare des 456 in allen Varianten gebaut, davon circa 1.957 als 456 GT/GTA und 1.332 als 456 M GT/M GTA.
Der Ferrari 456 kostete in Deutschland bei Markteinführung 1992 rund 320.000 DM, was etwa 163.000 Euro entspricht. Die M-Modelle lagen 1998 bei etwa 240.000 Euro. Heute sind gut erhaltene Exemplare gesuchte Klassiker. Während 456 GT in gutem Zustand ab etwa 80.000 Euro zu finden sind, verlangen Händler für perfekte 456 M GT mit niedriger Laufleistung zwischen 120.000 und 180.000 Euro. Die GTA-Modelle mit Automatik sind meist 10-15 Prozent günstiger als die manuellen Varianten, obwohl Puristen die manuelle Schaltung bevorzugen.
Nachfolger und Vermächtnis
2003 endete die Produktion des 456 M, als Ferrari den 612 Scaglietti als Nachfolger vorstellte. Der 612 war größer, schwerer und moderner, konnte aber die elegante Linie des 456 nicht vollständig reproduzieren. Heute gilt der 456, insbesondere in der M-Version mit manuellem Getriebe, als einer der letzten klassischen Ferrari-Grand-Tourer. Der V12-Saugmotor ohne Turboaufladung, das manuelle Getriebe und die zeitlose Pininfarina-Linie machen ihn zu einem begehrten Sammlerstück, dessen Werte in den letzten Jahren stabil geblieben oder sogar gestiegen sind. Für Liebhaber klassischer Ferrari mit Alltagstauglichkeit bleibt der 456 eine hervorragende Wahl.