Ferrari 512 S und 512 M (1970-1971) – Der Rennwagen für die Straße
Die Geschichte des 512 beginnt 1970 mit dem Ferrari 512 S, einem reinrassigen Rennsportwagen, der entwickelt wurde, um gegen den Porsche 917 in der Sportwagen-Weltmeisterschaft anzutreten. Das "S" stand für "Sport", während die Zahl 512 den Hubraum von 5 Litern und die Zylinderzahl 12 kodierte. Der 512 S verfügte über einen V12-Mittelmotor mit 4993 ccm Hubraum, der etwa 550 PS leistete. Die Karosserie stammte aus der Feder von Pininfarina und wurde aus Aluminium und Kunststoff gefertigt. Nur 25 Exemplare wurden gebaut, um die Homologationsanforderungen für die Rennserie zu erfüllen. 1971 folgte der weiterentwickelte 512 M ("M" für "Modificata"), von dem nochmals etwa 25 Stück entstanden. Die Modifikationen umfassten aerodynamische Verbesserungen, ein kürzeres Heck und optimierte Lufteinlässe. Beide Varianten waren primär für den Renneinsatz konzipiert, einige wenige Exemplare wurden jedoch für den Straßeneinsatz zugelassen.
Ferrari 512 BB (1976-1981) – Revolution mit Mittelmotor
1976 läutete Ferrari mit dem 512 BB (Berlinetta Boxer) eine neue Ära ein. Es war Ferraris erster straßenzugelassener Seriensportwagen mit Mittelmotor-Konzept und Boxermotor-Konfiguration – daher der Zusatz "BB". Der 4,9-Liter-Flachzwölfzylinder leistete zunächst 360 PS bei 6200 U/min und ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 302 km/h. Die Karosserie entwarf wieder Pininfarina in typischer Keilform der 1970er Jahre, mit charakteristischen Klappscheinwerfern und einer breiten, flachen Silhouette. Der 512 BB löste den 365 GT4 BB ab, der einen kleineren 4,4-Liter-Motor besaß. Die größere Hubraumvariante sollte mehr Durchzugskraft und höhere Fahrleistungen bieten. Das Getriebe war ein manuelles Fünfgang-Schaltgetriebe. Die Produktion des 512 BB lief bis 1981 mit insgesamt etwa 929 gefertigten Exemplaren. Der 512 BB war ein Prestigeobjekt und konkurrierte direkt mit dem Lamborghini Countach.
Ferrari 512 BBi (1981-1984) – Einspritzung statt Vergaser
1981 überarbeitete Ferrari den 512 BB und führte die Bosch K-Jetronic-Benzineinspritzung ein, was dem Modell die neue Bezeichnung 512 BBi ("i" für "iniezione") einbrachte. Die Einspritzung verbesserte die Abgaswerte und das Ansprechverhalten, reduzierte jedoch die Leistung leicht auf 340 PS bei 6000 U/min. Optisch blieb der 512 BBi nahezu identisch mit seinem Vorgänger, lediglich Details wie neue Rückleuchten und dezente Schriftzüge unterschieden die Versionen. Die Höchstgeschwindigkeit lag weiterhin bei rund 290 km/h. Bis 1984 entstanden etwa 1007 Exemplare des 512 BBi. Danach wurde die Baureihe zugunsten des Testarossa eingestellt, der 1984 als Nachfolger vorgestellt wurde und das Mittelmotor-Konzept mit moderner Technik und spektakulärem Design weiterführte.
Ferrari 512 TR (1991-1994) – Weiterentwicklung des Testarossa
1991 kehrte Ferrari zur 512-Nomenklatur zurück und stellte den Ferrari 512 TR vor, eine umfassend überarbeitete Version des Testarossa. "TR" stand für "Testarossa", und das Modell behielt den charakteristischen 4,9-Liter-Flachzwölfzylinder bei, nun jedoch mit 428 PS bei 6750 U/min – deutlich mehr als der ursprüngliche Testarossa mit 390 PS. Der 512 TR erhielt ein gründlich überarbeitetes Design mit neuer Frontpartie, glatteren Linien, neuen Felgen im Einloch-Design und einem modernisierten Innenraum. Die Höchstgeschwindigkeit stieg auf etwa 312 km/h, der Sprint von 0 auf 100 km/h gelang in 4,8 Sekunden. Technisch wurden Fahrwerk, Bremsen und Aerodynamik verbessert. Die Produktion des 512 TR umfasste von 1991 bis 1994 insgesamt 2261 Exemplare. Der 512 TR war der vorletzte Vertreter der klassischen Ferrari-Zwölfzylinder-Mittelmotorsportwagen mit Boxer-Konfiguration.
Ferrari 512 M (F512 M) (1994-1996) – Das große Finale
1994 präsentierte Ferrari das letzte Kapitel der 512-Geschichte: den Ferrari F512 M, oft auch einfach 512 M genannt. Das "M" stand für "Modificata", und tatsächlich handelte es sich um die finale Evolutionsstufe des Testarossa-Konzepts. Die Leistung stieg nochmals leicht auf 440 PS bei 6750 U/min, die Höchstgeschwindigkeit blieb bei etwa 315 km/h. Optisch wurde der F512 M durch feststehende Rundscheinwerfer (statt Klappscheinwerfer), eine überarbeitete Front mit größeren Lufteinlässen, neue Seitenschweller und ein modifiziertes Heck mit integrierten Rundleuchten modernisiert. Der Innenraum erhielt hochwertigere Materialien und eine bessere Verarbeitung. Bis 1996 entstanden 501 Exemplare des F512 M. Er markierte das Ende der flachen Zwölfzylinder-Boxer-Ära bei Ferrari, denn der Nachfolger 550 Maranello kehrte zum klassischen Frontmotor-Konzept zurück. Der F512 M ist heute ein gesuchtes Sammlerstück und repräsentiert das technische und ästhetische Finale einer legendären Modellreihe.
Bedeutung und Sammlerwert
Alle Generationen des Ferrari 512 haben heute einen hohen Sammlerwert. Die frühen Rennversionen 512 S und M sind extrem selten und erzielen bei Auktionen Millionenbeträge. Die 512 BB und BBi sind begehrte Klassiker aus der Ära der Keilform-Sportwagen und gelten als erschwinglichere Alternativen zum Daytona und frühen Testarossa. Der 512 TR und F512 M profitieren von ihrer Alltagstauglichkeit, Zuverlässigkeit (im Ferrari-Kontext) und dem ikonischen Design. Für den deutschen Markt wurden alle Generationen offiziell angeboten, allerdings in begrenzter Stückzahl. Die Fahrzeuge sind heute hauptsächlich in Liebhaberhand und werden auf Oldtimer-Veranstaltungen und in Sammlungen gehegt und gepflegt.