Die erste und aktuelle Generation (2020 bis heute)
Der Ferrari Roma der ersten Generation basiert auf einer Aluminium-Raumrahmen-Konstruktion und nutzt eine modifizierte Version der Plattform des Portofino. Das Design stammt vom Ferrari Centro Stile unter der Leitung von Flavio Manzoni und verzichtet bewusst auf aggressive aerodynamische Elemente zugunsten klarer, fließender Linien. Die Front zeigt einen breiten Grill mit horizontalen Lamellen, schmale LED-Scheinwerfer und eine flache Motorhaube. Das Profil ist durch eine lange Motorhaube, eine weit nach hinten versetzte Kabine und eine kurze Heckpartie gekennzeichnet – klassische Proportionen eines Frontmotor-GT. Das Heck präsentiert zwei runde Rückleuchten, die an klassische Ferrari-Modelle erinnern, sowie vier zentrale Endrohre.
Angetrieben wird der Roma vom 3,9-Liter-V8-Biturbo-Motor mit der internen Bezeichnung F154, der bereits im Portofino und anderen Ferrari-Modellen zum Einsatz kommt. Im Roma leistet der Motor 456 kW (620 PS) bei 5.750 bis 7.500 U/min und liefert ein maximales Drehmoment von 760 Newtonmetern ab 3.000 U/min. Die Kraftübertragung erfolgt über ein 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe an die Hinterräder. Der Roma beschleunigt in 3,4 Sekunden von null auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h. Der kombinierte Normverbrauch liegt bei etwa 11,2 Litern auf 100 Kilometer, was CO2-Emissionen von 255 g/km entspricht.
Technisch verfügt der Roma über eine elektronisch gesteuerte Hinterachslenkung, das Side Slip Control System 6.0, magnetorheologische Dämpfer und eine elektromechanische Servolenkung. Das Fahrwerk ist straff abgestimmt, bietet aber mehr Komfort als die reinen Sportwagen von Ferrari. Im Innenraum setzt Ferrari auf ein radikal aufgeräumtes Cockpit-Design mit einem 16-Zoll-Digital-Instrumentendisplay hinter dem Lenkrad, einem vertikalen 8,4-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole und einem optionalen Beifahrer-Display. Die Bedienung erfolgt primär über das neue Lenkrad mit Touch-Sensoren für Blinker, Scheibenwischer und weitere Funktionen. Die 2+2-Bestuhlung bietet im Fond sehr begrenzten Platz, der eher für Kinder oder Gepäck geeignet ist. Der Kofferraum fasst 272 Liter.
Ferrari Roma Spider (2023)
Im April 2023 präsentierte Ferrari auf der Auto Shanghai den Roma Spider, eine offene Variante des Gran Turismo-Coupés. Der Spider ergänzt das Roma-Portfolio und konkurriert mit offenen GT-Modellen anderer Hersteller. Das elektrisch betätigte Stoffverdeck öffnet oder schließt in 13,5 Sekunden bei Geschwindigkeiten bis 60 km/h. Im geschlossenen Zustand verschwindet das Verdeck unter einer Abdeckung hinter den Rücksitzen, was die klaren Linien des Designs bewahrt. Das Verdeck ist in verschiedenen Farben erhältlich, darunter Schwarz, Blau und Bordeaux.
Technisch teilt der Roma Spider die Plattform und den Antriebsstrang mit dem Coupé. Der 3,9-Liter-V8-Biturbo leistet identische 456 kW (620 PS) und 760 Nm Drehmoment. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h erfolgt in 3,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 320 km/h – also identisch zum Coupé, da Ferrari strukturelle Verstärkungen minimieren konnte und das Gewicht nur um etwa 75 Kilogramm stieg. Das Leergewicht des Spider liegt bei circa 1.570 Kilogramm gegenüber 1.495 Kilogramm beim Coupé. Der Verbrauch erhöht sich minimal auf etwa 11,4 Liter kombiniert.
Beim Roma Spider verzichtete Ferrari auf die beim Coupé vorhandenen kleinen Rücksitze – stattdessen findet sich hinter den beiden Hauptsitzen eine gepolsterte Ablage für Gepäck. Der Kofferraum fasst mit geschlossenem Verdeck 255 Liter, bei geöffnetem Verdeck reduziert sich das Volumen auf 180 Liter. Die Innenausstattung entspricht weitgehend dem Coupé mit dem digitalen Cockpit, dem zentralen Touchscreen und dem innovativen Lenkrad. Optional ist ein Windschott erhältlich, das bei geöffnetem Verdeck Verwirbelungen im Innenraum reduziert.
Marktpositionierung und Konkurrenz
Der Ferrari Roma positioniert sich als eleganter Gran Turismo für den Alltag und richtet sich an Kunden, die einen Ferrari mit hohem Komfortniveau und klassischem Design suchen. Er ist weniger radikal als der F8 Tributo oder der SF90 Stradale und spricht eine Klientel an, die diskreteren Luxus bevorzugt. Die Preise für den Roma Coupé starten in Deutschland bei etwa 222.000 Euro, der Roma Spider beginnt bei circa 245.000 Euro. Damit liegt der Roma preislich zwischen dem günstigeren Portofino (dem inzwischen eingestellten Einstiegsmodell) und den teureren V12-Modellen wie dem 812 Superfast.
Zu den direkten Konkurrenten zählen der Aston Martin DB11, der Bentley Continental GT, der McLaren GT und in gewisser Weise auch der Porsche 911 Turbo. Der Roma unterscheidet sich durch seinen V8-Frontmotor und die klassische GT-Architektur von den meisten modernen Supersportwagen mit Mittelmotor. Die Zielgruppe sind häufig Ferrari-Kenner, die bereits andere Modelle der Marke besessen haben, sowie Neukunden, die einen eleganteren, weniger aggressiven Ferrari suchen.
Design-Philosophie und kulturelle Bedeutung
Der Roma markiert eine bewusste Rückkehr zu klassischen Ferrari-Designprinzipien. Während viele moderne Supersportwagen auf extreme aerodynamische Effizienz und aggressive Optik setzen, betont der Roma Proportionen, Eleganz und zeitlose Schönheit. Ferrari-Chefdesigner Flavio Manzoni ließ sich von italienischen Gran Turismos der 1950er und 1960er Jahre inspirieren, insbesondere vom Ferrari 250 GT Berlinetta Lusso. Die klaren Linien, das Fehlen überflüssiger Lufteinlässe und Spoiler sowie die harmonischen Proportionen sollen an die Ära erinnern, als Ferrari-Fahrzeuge nicht nur Rennmaschinen, sondern auch Kunstwerke waren.
Der Name Roma unterstreicht diese kulturelle Verbindung zur italienischen Hauptstadt, die in den 1950er und 1960er Jahren Zentrum von Kunst, Film und Mode war – die Dolce Vita-Ära, die auch Ferrari prägte. Der Roma wurde bewusst in Rom und nicht auf einer Automesse präsentiert, um diese kulturelle Verbindung zu betonen. Das Marketing positioniert den Roma als Auto für stilbewusste Genießer, die Wert auf Eleganz und Raffinesse legen.
Technische Weiterentwicklung und Auszeichnungen
Der V8-Motor des Roma wurde 2019 und 2020 zum vierten Mal in Folge zum International Engine of the Year gewählt. Die Turbolader sitzen tief im V zwischen den Zylinderbänken (Hot-V-Konzept), was Ansprechverhalten und Effizienz verbessert. Die Variable Boost Management-Technologie passt den Ladedruck in höheren Gängen an, um maximale Leistung über einen breiten Drehzahlbereich zu liefern. Das 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet in unter 100 Millisekunden und ist deutlich alltagstauglicher als frühere Ferrari-Getriebe.
Das Fahrwerk kombiniert Sportlichkeit mit GT-Komfort durch die magnetorheologischen Dämpfer, die sich tausendfach pro Sekunde anpassen. Die Hinterachslenkung verbessert Agilität bei niedrigen Geschwindigkeiten und Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten. Das Side Slip Control 6.0 integriert alle elektronischen Assistenzsysteme und ermöglicht kontrollierte Drifts für erfahrene Fahrer, während es weniger erfahrenen Fahrern Sicherheit bietet. Optional ist ein Lift-System erhältlich, das die Vorderachse um 40 Millimeter anhebt, um Bordsteine und Einfahrten zu bewältigen.
Sondermodelle und Individualisierung
Ferrari bietet über das Tailor-Made-Programm nahezu unbegrenzte Individualisierungsmöglichkeiten für den Roma an. Kunden können aus hunderten Lackfarben, verschiedenen Lederqualitäten und -farben, Carbon-Elementen und speziellen Verzierungen wählen. Einige Roma wurden mit historischen Ferrari-Lackierungen wie Blu Tour de France, Giallo Modena oder Rosso Corsa ausgeliefert. Das Interieur kann mit verschiedenen Lederarten, Alcantara, Carbon oder Aluminium-Akzenten personalisiert werden. Auch das Verdeck des Spider ist in mehreren Farben verfügbar.
Obwohl Ferrari bisher keine offiziellen Limited Editions des Roma angekündigt hat, entstehen durch die Individualisierungsmöglichkeiten faktisch Unikate. Die Wartezeiten für einen neuen Roma liegen je nach Spezifikation bei 12 bis 18 Monaten, was die anhaltend hohe Nachfrage nach diesem eleganten GT unterstreicht. Der Wiederverkaufswert von Ferrari-Fahrzeugen liegt traditionell hoch, und auch der Roma zeigt stabile Wertentwicklung auf dem Gebrauchtwagenmarkt.