Die erste Generation: Klassiker mit Kultstatus (1966–1985)
Der ursprüngliche Fiat 124 Spider wurde 1966 eingeführt und von Pininfarina entworfen – eine Designikone der 1960er-Jahre. Das elegante Roadster-Coupé basierte auf der Bodengruppe der Fiat 124-Limousine, wurde aber von Anfang an als eigenständiges Sportmodell konzipiert. Anfangs kam ein 1,4-Liter-Vierzylinder mit 90 PS zum Einsatz, der dem leichten Spider (unter 900 kg) durchaus sportliche Fahrleistungen bescherte. Die Karosserie wurde bei Pininfarina in Turin gefertigt, was dem 124 Spider eine besondere Exklusivität verlieh.
1972 erfolgte eine erste Modellpflege (AS), bei der die Motorenpalette erweitert wurde. Es gab nun Varianten mit 1,6 und 1,8 Litern Hubraum, wobei letzterer bis zu 128 PS leistete. Die charakteristische Keilform mit den markanten Doppelscheinwerfern blieb erhalten, während technische Details wie die Bremsanlage verbessert wurden. 1975 folgte eine weitere Überarbeitung (BS), die vor allem US-Sicherheitsvorschriften Rechnung trug: größere Stoßfänger und modifizierte Scheinwerfer veränderten das Erscheinungsbild leicht.
Ab 1979 wurde der 124 Spider als Spider 2000 mit 2,0-Liter-Motor und Bosch L-Jetronic-Einspritzung angeboten, der rund 102 PS leistete. In den USA wurde das Modell unter dem Label Pininfarina Spider vermarktet und erfreute sich dort großer Beliebtheit. Die Produktion des klassischen 124 Spider endete erst 1985 nach einer beeindruckenden Laufzeit von 19 Jahren – insgesamt entstanden über 198.000 Exemplare. Bis heute gilt der Original-124 Spider als erschwinglicher Klassiker mit zeitlosem Design und einem treuen Liebhaberkreis.
Die Neuauflage: Fiat 124 Spider (2016–2019)
Nach über 30 Jahren Pause präsentierte Fiat 2015 auf dem Genfer Autosalon den neuen 124 Spider (Typ 348), der 2016 in den Verkauf startete. Die Wiedergeburt erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Mazda: Plattform, Fahrwerk, Getriebe und große Teile der Innenraumstruktur stammen vom Mazda MX-5 (ND). Fiat steuerte jedoch ein völlig eigenständiges Design bei, das mit verlängerter Karosserie (rund 14 cm länger als der MX-5), eigenem Frontdesign mit charakteristischem Kühlergrill und hecklastiger Silhouette an die Designsprache des Originals anknüpft.
Technisch unterscheidet sich der 124 Spider fundamental vom Mazda-Partner: Statt Saugmotoren setzt Fiat auf einen 1,4-Liter-Vierzylinder-Turbomotor (MultiAir) aus eigener Produktion. In der Basisversion leistet dieser 140 PS, die stärkere Variante bringt es auf 170 PS. Das maximale Drehmoment von 240 Nm liegt bereits bei 2.250 U/min an, was dem 124 Spider einen kräftigeren Durchzug im mittleren Drehzahlbereich beschert als dem Saugmotor-MX-5. Zur Wahl stehen ein manuelles 6-Gang-Getriebe oder eine 6-Gang-Automatik. Das Stoffverdeck lässt sich in wenigen Sekunden manuell öffnen und schließen.
Das Fahrwerk wurde von Fiat eigenständig abgestimmt: Die Federn sind weicher, die Dämpfer komfortorientierter als beim straffer abgestimmten Mazda. Die Lenkung bietet weniger direktes Feedback, dafür legt Fiat mehr Wert auf Langstreckenkomfort. Die Gewichtsverteilung ist mit 50:50 optimal ausbalanciert, und mit einem Leergewicht von rund 1.050 kg bleibt der 124 Spider ein Leichtgewicht. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 7,5 Sekunden (170 PS) beziehungsweise 8,5 Sekunden (140 PS), die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 215 bzw. 204 km/h.
Sondermodell Abarth 124 Spider (2016–2019)
Parallel zum normalen 124 Spider bot Fiat ab 2016 auch eine Abarth-Version an, die als sportlichste Variante deutlich schärfer auftrat. Der Abarth 124 Spider leistet 170 PS und erhielt ein speziell abgestimmtes Sportfahrwerk mit Bilstein-Dämpfern, ein mechanisches Sperrdifferenzial (wahlweise), Brembo-Bremsen und ein sportlicheres Auspuffsystem mit markanten Endrohren. Optisch unterscheidet sich der Abarth durch aggressivere Stoßfänger, einen Heckdiffusor, rote Akzente und spezifische 17-Zoll-Felgen.
Das Fahrverhalten des Abarth ist deutlich straffer und direkter als beim Basis-Fiat, die Lenkung wurde präziser kalibriert. Der Sound des Abarth-Auspuffs ist deutlich markanter und emotionaler – ein wichtiger Faktor für die Marke. 2018 legte Abarth noch einmal nach und präsentierte den 124 Rally Tribute mit 170 PS, der in limitierter Stückzahl an die Rallye-Erfolge des historischen 124 Abarth erinnern sollte. Diese Sondermodelle sind heute besonders gesucht.
Modellpflege und Marktende (2019)
2018 erhielt der Fiat 124 Spider eine leichte Modellpflege: neue Außenfarben, überarbeitete Ausstattungslinien und kleinere Detail-Verbesserungen. Technisch blieb alles beim Alten. Doch der Erfolg blieb überschaubar: Während der Mazda MX-5 kontinuierlich hohe Verkaufszahlen erzielte, fristete der 124 Spider ein Nischendasein. Die Gründe waren vielfältig: höherer Preis als der MX-5 (ab ca. 28.000 Euro), fehlende Markentradition bei Sportwagen, mangelndes Händlernetz und die Tatsache, dass viele Kunden die japanische Zuverlässigkeit und das bewährte Saugmotor-Konzept bevorzugten.
Fiat entschied sich 2019, die Produktion des 124 Spider einzustellen – nach nur dreieinhalb Jahren auf dem Markt. In Deutschland wurden insgesamt weniger als 2.000 Exemplare zugelassen, weltweit blieb die Stückzahl im unteren fünfstelligen Bereich. Mazda produzierte den MX-5 hingegen weiter. Der vorzeitige Produktionsabbruch macht den modernen 124 Spider heute zu einem seltenen Fahrzeug, das bei Liebhabern durchaus geschätzt wird – vor allem die Abarth-Varianten gelten als Geheimtipp.
Technik und Konzept
Der moderne Fiat 124 Spider folgt konsequent dem klassischen Roadster-Rezept: Frontmotor, Hinterradantrieb, zwei Sitze, Stoffverdeck. Die Plattform-Architektur mit längs eingebautem Motor und Hinterradantrieb stammt vollständig von Mazda, die Produktion erfolgte im Mazda-Werk in Hiroshima, Japan. Fiat lieferte die Motoren aus Italien zu. Der Innenraum ist weitgehend identisch mit dem MX-5, lediglich Lenkrad, Schalthebel und einige Details tragen Fiat-Branding.
Der Kofferraum fasst 140 Liter – typisch für einen kompakten Roadster. Das Verdeck ist gut isoliert und dichtet zuverlässig ab. Serienmäßig gab es bereits in der Basis-Ausstattung Klimaanlage, Lederausstattung und ein anständiges Infotainment-System. ESP, ABS und sechs Airbags gehören zur Standardausstattung. Der Verbrauch liegt bei rund 6,5 Litern auf 100 km (NEFZ), was für einen Turbomotor dieser Leistungsklasse akzeptabel ist.
Fazit und Einordnung
Der Fiat 124 Spider bleibt ein ambivalentes Kapitel in der jüngeren Fiat-Geschichte. Einerseits gelang es, mit dem eigenständigen Design und dem charaktervollen Turbomotor eine echte Alternative zum Mazda MX-5 zu schaffen. Andererseits scheiterte das Modell am Markt, weil die Marke Fiat im Sportwagen-Segment keine Tradition mehr hat und der Preis-Leistungs-Vorteil fehlte. Heute werden gut erhaltene Exemplare, insbesondere Abarth-Versionen, zu interessanten Gebrauchtwagenpreisen gehandelt. Für Puristen, die einen bezahlbaren, emotionalen Roadster mit italienischem Flair suchen, ist der 124 Spider eine echte Alternative – auch wenn die Produktion längst eingestellt wurde.