Erste Generation (2002-2009)
Der Hummer H2 debütierte im Jahr 2002 als SUV-Variante und sollte die Lücke zwischen dem extrem teuren, militärisch geprägten H1 und dem später eingeführten, kompakteren H3 schließen. Mit einer Länge von 5.170 mm, einer Breite von 2.062 mm und einer Höhe von 2.012 mm war der H2 ein gigantisches Fahrzeug, das auf deutschen Straßen und Parkplätzen eine echte Herausforderung darstellte. Das Leergewicht lag bei circa 2.900 kg. Die markante Frontpartie mit den sieben vertikalen Kühlerschlitzen, den massiven Stoßfängern und der extrem hohen Bodenfreiheit von etwa 260 mm machten den H2 unverwechselbar. Der Innenraum bot Platz für fünf bis sieben Personen, je nach Konfiguration.
Angetrieben wurde der H2 zunächst von einem 6.0-Liter-V8-Benzinmotor (LQ4) mit 316 PS und 474 Nm Drehmoment. Ab 2003 wurde dieser durch den stärkeren 6.0-Liter-V8 (LQ9) mit 325 PS ersetzt. Die Kraftübertragung erfolgte über ein Viergang-Automatikgetriebe und einen permanenten Allradantrieb. Der Verbrauch war mit Werten zwischen 18 und 22 Litern auf 100 km extrem hoch, was angesichts der Fahrzeugmasse und der unterirdischen Aerodynamik nicht überraschte. Die Höchstgeschwindigkeit war elektronisch auf etwa 160 km/h begrenzt. Die Geländefähigkeiten waren beeindruckend: Der H2 verfügte über ein Verteilergetriebe mit Geländeuntersetzung, Differentialsperren und konnte Steigungen von bis zu 60 Prozent bewältigen sowie 50 cm tiefe Wasserdurchfahrten meistern.
Facelift 2008
Im Modelljahr 2008 erhielt der H2 ein bemerkenswertes Facelift, das vor allem technische Verbesserungen mit sich brachte. Die auffälligste Änderung war die Einführung eines neuen 6.2-Liter-V8-Motors aus der Generation der Small-Block-V8-Triebwerke von General Motors. Dieser leistete nun 393 PS und 415 Nm Drehmoment, was die Fahrleistungen spürbar verbesserte. Gleichzeitig wurde das Automatikgetriebe auf eine moderne Sechsgang-Automatik (6L80) aufgerüstet, die sanftere Gangwechsel und eine etwas bessere Kraftstoffeffizienz ermöglichte – wobei der Verbrauch mit 17-20 Litern weiterhin astronomisch blieb.
Optisch blieb das Facelift dezent: Die Front erhielt leicht modifizierte Scheinwerfer mit klarerem Glas, die Rückleuchten wurden überarbeitet, und im Innenraum gab es neue Materialien sowie ein aktualisiertes Infotainmentsystem. Die Verarbeitungsqualität wurde verbessert, blieb aber nach europäischen Maßstäben auf mittlerem Niveau. Das Armaturenbrett präsentierte sich weiterhin mit massiven, kantigen Formen und großen Bedienelementen, die auch mit Handschuhen bedienbar waren – ein klares Statement zur Geländetauglichkeit des Fahrzeugs.
Varianten: SUV und SUT
Neben dem klassischen SUV mit geschlossener Karosserie bot Hummer ab 2004 auch den H2 SUT (Sport Utility Truck) an. Diese Pickup-Variante verfügte über eine viertürige Kabine und eine offene Ladefläche mit einer Länge von etwa 1,3 Metern. Die Ladefläche konnte durch Umklappen der sogenannten Midgate, einer Trennwand zwischen Kabine und Laderaum, auf etwa 1,8 Meter erweitert werden. Der SUT teilte sich die technische Basis mit dem SUV, war aber mit 5.256 mm nochmals länger. Beide Varianten wurden in Mishawaka, Indiana, im ehemaligen AM General-Werk produziert, wo auch die militärischen Humvees vom Band liefen.
Marktpositionierung und Rezeption in Deutschland
In Deutschland wurde der Hummer H2 nie offiziell verkauft, fand aber über Importeure einen kleinen, aber treuen Kundenkreis. Die deutschen Käufer waren meist Unternehmer, Prominente oder Liebhaber amerikanischer Fahrzeuge. Der Neupreis lag je nach Ausstattung und Importeur zwischen 80.000 und 120.000 Euro. Die größten Herausforderungen waren die Fahrzeugbreite, die viele deutsche Parkhäuser unpassierbar machte, der exorbitante Kraftstoffverbrauch und die in Deutschland besonders hohe Kfz-Steuer aufgrund der CO2-Emissionen von über 400 g/km. Die Typisierung für den deutschen Markt erforderte oft kostspielige Umbauten, etwa bei der Beleuchtung und den Sicherheitssystemen.
Umweltschützer kritisierten den H2 massiv als Symbol für Verschwendung und Ignoranz gegenüber dem Klimawandel. In den USA führte dies in manchen Städten sogar zu Vandalismus gegen geparkte Hummer. Andererseits schätzten Besitzer die einzigartige Präsenz des Fahrzeugs, die tatsächlich beeindruckenden Offroad-Fähigkeiten und den hohen Wiedererkennungswert. Der Innenraum bot trotz der Außenmaße nicht übermäßig viel Platz, da die Karosserie extrem massiv konstruiert war. Der Kofferraum des SUV fasste etwa 1.190 Liter, bei umgeklappter Rückbank bis zu 2.430 Liter.
Das Ende der Produktion
Die Finanzkrise 2008 und stark gestiegene Benzinpreise besiegelten das Schicksal der Marke Hummer. General Motors, selbst in existenzieller Not, stellte die Produktion des H2 im Juli 2009 ein. Insgesamt wurden etwa 153.000 Einheiten des H2 (SUV und SUT zusammen) produziert. Pläne, die Marke Hummer an chinesische Investoren zu verkaufen, scheiterten. Heute gilt der H2 als Zeitzeugnis einer Ära, in der Größe und Kraftstoffverbrauch noch als erstrebenswert galten. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt sind gut erhaltene Exemplare bei Liebhabern weiterhin gefragt, wobei die laufenden Kosten für Kraftstoff, Versicherung und Steuer enorm bleiben.
Technische Besonderheiten
Der H2 verfügte über einen robusten Leiterrahmen, Starrachsen vorne und hinten mit Längslenkern und Panhardstab sowie Schraubenfedern. Die Bremsanlage bestand aus belüfteten Scheibenbremsen an allen vier Rädern mit einem Durchmesser von 325 mm vorne und 320 mm hinten. Das Fahrzeug war serienmäßig mit ABS, Traction Control und Stabilitätskontrolle ausgestattet. Die Wattiefe von 50 cm wurde durch hoch angebrachte Ansaug- und Abgasleitungen ermöglicht. Das Verteilergetriebe bot eine Geländeuntersetzung von 2,64:1. Die Bereifung war üblicherweise 315/70 R17, was einem Durchmesser von etwa 85 cm entsprach und zur imposanten Optik beitrug. Optional waren auch 20-Zoll-Räder erhältlich.
Ausstattung und Sondermodelle
Der H2 wurde in verschiedenen Ausstattungslinien angeboten, darunter die Basis-Version, die besser ausgestattete Adventure Series und die luxuriöse Luxury Series. Letztere bot Lederausstattung, beheizbare Sitze, ein Bose-Soundsystem und Chromapplikationen. Sondermodelle wie der H2 Black Chrome Limited Edition oder der H2 Victory Red Limited Edition mit speziellen Lackierungen und Ausstattungsdetails wurden in kleinen Stückzahlen produziert. Der Aftermarket bot zudem unzählige Tuning-Möglichkeiten, von Lackierungen über Felgen bis hin zu Leistungssteigerungen. Viele deutsche Importeure boten Rechtslenkervarianten zur Umrüstung an, was die Alltagstauglichkeit im Linksverkehr erhöhte.