Die erste Generation: TG (2005–2011)
Die erste Generation des Hyundai Azera erschien 2005 und basierte auf der Plattform des Hyundai Sonata, wurde jedoch deutlich vergrößert und luxuriöser ausgestattet. Mit einer Länge von 4,89 Metern positionierte sich die Limousine zwischen gehobener Mittelklasse und Oberklasse. Der Azera trug intern die Bezeichnung TG und wurde in Südkorea als Grandeur vermarktet – ein Name, der bereits seit 1986 für Hyundais Flaggschiff-Limousinen verwendet wurde. Das Design orientierte sich an konservativen Werten mit klassischen Proportionen, einer langen Motorhaube und kurzen Überhängen. Die Frontpartie zeigte bereits Hyundais damaliges Markengesicht mit einem großen Chromgrill. Im Innenraum setzte Hyundai auf hochwertige Materialien, Holzapplikationen und eine umfangreiche Serienausstattung, die in dieser Preisklasse ungewöhnlich war.
Angetrieben wurde die erste Generation ausschließlich von V6-Motoren. Zum Marktstart stand ein 3,3-Liter-V6 mit 173 kW (235 PS) zur Verfügung, später folgte ein stärkerer 3,8-Liter-V6 mit 198 kW (269 PS). Beide Aggregate wurden mit einer Fünfgang-Automatik kombiniert und trieben die Vorderräder an. Die Motorisierungen waren auf Laufruhe und Komfort ausgelegt, weniger auf sportliche Fahrleistungen. Das Fahrwerk war komfortorientiert abgestimmt, wobei Hyundai auf eine Einzelradaufhängung an allen vier Rädern setzte. Zur Serienausstattung gehörten bereits damals Xenon-Scheinwerfer, Ledersitze, Klimaautomatik, ein Premium-Soundsystem und zahlreiche Sicherheitsfeatures. Der Azera TG wurde vor allem in Nordamerika ein Erfolg, wo er als preisgünstige Alternative zu japanischen Konkurrenten wie dem Toyota Avalon oder Nissan Maxima wahrgenommen wurde.
Die zweite Generation: HG (2011–2017)
2011 präsentierte Hyundai die zweite Azera-Generation mit dem internen Code HG. Das Design wurde deutlich moderner und folgte Hyundais neuer Designsprache "Fluidic Sculpture", die fließende Linien und dynamischere Proportionen betonte. Die Fahrzeuglänge wuchs minimal auf 4,92 Meter, während die Breite auf 1,86 Meter zunahm – die Limousine wirkte nun deutlich kraftvoller und präsenter. Die Front dominierte nun ein großer hexagonaler Kühlergrill, der zum neuen Markenzeichen Hyundais wurde. LED-Tagfahrlicht und eine coupéhafte Dachlinie verliehen dem Azera einen moderneren Charakter. Im Innenraum setzte Hyundai auf hochwertigere Materialien, eine bessere Verarbeitung und modernste Technologie.
Motorenseitig bot die zweite Generation zunächst weiterhin den 3,3-Liter-V6 mit nun 213 kW (290 PS) sowie optional den bekannten 3,8-Liter-V6. Die Kraftübertragung erfolgte über eine moderne Sechsgang-Automatik, die spürbar geschmeidiger schaltete als der Vorgänger. Der Fokus lag weiterhin auf Komfort und Laufruhe, wobei die Geräuschdämmung nochmals verbessert wurde. Zur umfangreichen Serienausstattung gehörten nun ein großer Touchscreen, Navigationssystem, Rückfahrkamera, beheizte und belüftete Sitze vorne und hinten, ein Panorama-Glasdach sowie fortschrittliche Assistenzsysteme wie Spurhalteassistent, Totwinkelwarner und adaptive Geschwindigkeitsregelung. Die zweite Generation unterstrich Hyundais Anspruch, technologisch und qualitativ mit etablierten Premiummarken gleichzuziehen.
Facelift der zweiten Generation (2014–2017)
2014 erhielt der Azera HG ein dezentes Facelift, das sich hauptsächlich auf optische Details und Technologie-Updates konzentrierte. Die Frontschürze wurde leicht überarbeitet, die Scheinwerfer erhielten modernere LED-Elemente, und der Kühlergrill wurde breiter und dominanter gestaltet. Am Heck wurden die Rückleuchten mit neuer LED-Grafik ausgestattet. Im Innenraum ergänzte Hyundai das Infotainment-System um neue Funktionen und verbesserte die Konnektivität. Die Motorenpalette blieb weitgehend unverändert, allerdings arbeitete Hyundai an der Effizienz und senkte den Verbrauch leicht durch optimierte Motorsteuerung und geringere Reibungsverluste. Das Facelift sollte das Modell für die letzten Jahre der zweiten Generation frisch halten, bevor 2017 die Produktion dieser Baureihe auslief.
Die dritte Generation: IG (2017–2019)
Die dritte und bislang letzte Generation des Hyundai Azera erschien 2017 ausschließlich für den südkoreanischen Markt als Grandeur IG sowie für einige ausgewählte asiatische Märkte. Der nordamerikanische Markt erhielt dieses Modell nicht mehr, da Hyundai dort bereits die Genesis-Marke etabliert hatte. Das Design der dritten Generation folgte einer eleganteren und zurückhaltenderen Linie im Vergleich zum dramatischen Vorgänger. Die Proportionen wurden harmonischer, die Linienführung reduzierter und die Front zeigte einen großen, kaskadenförmigen Kühlergrill im Stil der Genesis-Modelle. Mit 4,93 Metern Länge blieb die Limousine kompakt genug für asiatische Innenstädte, bot jedoch einen großzügigen Innenraum mit besonders viel Beinfreiheit im Fond.
Die Motorenpalette der dritten Generation umfasste mehrere Optionen: einen 2,4-Liter-Vierzylinder mit 138 kW (188 PS), einen 2,5-Liter-Vierzylinder mit 142 kW (193 PS), einen 3,0-Liter-V6 mit 186 kW (253 PS) und optional einen 3,3-Liter-V6 mit 220 kW (299 PS). Neu war auch eine Hybrid-Variante, die den 2,4-Liter-Benziner mit einem Elektromotor kombinierte und eine Systemleistung von 158 kW (215 PS) bot. Alle Motoren wurden mit einer Sechsgang-Automatik oder einer modernen Achtgang-Automatik kombiniert. Die technische Ausstattung erreichte ein neues Niveau mit Semi-autonomen Fahrfunktionen, 360-Grad-Kamera, Head-up-Display, Gestensteuerung für das Infotainment und einem hochauflösenden 12,3-Zoll-Digitaldisplay.
Warum der Azera Deutschland nie erreichte
Für den deutschen und europäischen Markt entschied sich Hyundai bewusst gegen den Azera. Stattdessen setzte die Marke auf andere Strategien zur Markenpositionierung im Premiumsegment. Zunächst versuchte Hyundai mit dem Genesis (2008–2016) als eigenständiges Modell Fuß zu fassen. Als diese Strategie nur mäßig erfolgreich war, gründete der Konzern 2015 Genesis als eigenständige Luxusmarke, die heute mit Modellen wie G70, G80 und G90 gegen deutsche Premiumhersteller antritt. Der europäische Markt galt als zu kompetitiv und anspruchsvoll für den Azera, der trotz seiner Qualitäten nicht die Markenstärke und das Prestige europäischer oder japanischer Premium-Konkurrenten erreichte.
Zudem bevorzugen europäische Käufer in dieser Fahrzeugklasse eher Dieselmotoren oder kleinere, effizientere Aggregate, während der Azera hauptsächlich auf großvolumige Benziner setzte. Die Positionierung zwischen gehobener Mittelklasse und Oberklasse war in Europa schwierig, da hier traditionell deutsche Hersteller dominieren. Hyundai konzentrierte sich daher auf Modelle wie den i40 in der Mittelklasse und später auf SUVs wie den Santa Fe und Tucson, die deutlich erfolgreicher waren. Die Entscheidung, den Azera nicht nach Deutschland zu bringen, erwies sich retrospektiv als richtig, da die Genesis-Marke heute die Premium-Ambitionen des Konzerns besser repräsentiert und gezielter positioniert ist.
Technische Besonderheiten und Innovationen
Über alle Generationen hinweg zeichnete sich der Azera durch eine überdurchschnittliche Serienausstattung aus, die oft Features beinhaltete, die bei europäischen Konkurrenten nur gegen Aufpreis erhältlich waren. Dazu gehörten adaptive Dämpfer, belüftete Sitze, Premium-Soundsysteme von Marken wie Lexicon oder Infinity, elektrische Heckklappe bei späteren Versionen und umfangreiche Assistenzsysteme. Die dritte Generation war eine der ersten Hyundai-Limousinen mit semi-autonomen Fahrfunktionen, die Lenken, Beschleunigen und Bremsen in bestimmten Situationen übernahmen. Der Fokus auf Komfort, Geräuschdämmung und Langstreckentauglichkeit blieb über alle Generationen konstant und machte den Azera besonders in Nordamerika und Asien zur beliebten Wahl für geschäftliche Vielfahrer und als Chauffeur-Limousine.