Die Pionierzeit: ix35 Fuel Cell (2013-2018)
Bevor der Nexo auf den Markt kam, wagte Hyundai mit dem ix35 Fuel Cell den ersten Schritt in die Serienproduktion von Wasserstofffahrzeugen. Der zwischen 2013 und 2018 produzierte ix35 Fuel Cell basierte auf dem konventionellen ix35 SUV und war weltweit das erste in Serie produzierte Brennstoffzellen-Fahrzeug. Mit einer Leistung von 100 kW (136 PS) und einer Reichweite von etwa 594 Kilometern nach NEFZ war das Fahrzeug seiner Zeit voraus, blieb aber aufgrund der limitierten Wasserstoff-Infrastruktur und hoher Kosten ein Nischenprodukt. In Deutschland wurde der ix35 Fuel Cell hauptsächlich an Flottenkunden, Behörden und Unternehmen verleast. Die drei Wasserstofftanks mit einem Gesamtvolumen von 5,64 Kilogramm fassten ausreichend Kraftstoff für den Alltag, doch die fehlende Tankstelleninfrastruktur verhinderte einen breiteren Markterfolg. Der ix35 Fuel Cell diente primär als Technologieträger und Imageprojekt, um die Brennstoffzellentechnologie weiterzuentwickeln und erste Erfahrungen im Realbetrieb zu sammeln.
Die aktuelle Generation: Hyundai Nexo (2018-heute)
Im Jahr 2018 präsentierte Hyundai auf dem Genfer Automobilsalon den Nexo als eigenständiges Wasserstoffmodell mit komplett neuem Design und deutlich verbesserter Technologie. Anders als der ix35 Fuel Cell basiert der Nexo nicht auf einem konventionellen Verbrenner-Modell, sondern wurde von Grund auf als Brennstoffzellenfahrzeug konzipiert. Das Design ist modern und aerodynamisch optimiert mit einem cW-Wert von 0,329, was zur effizienten Nutzung der Energie beiträgt. Das 4,67 Meter lange SUV bietet Platz für fünf Personen und einen Kofferraum von 461 bis 1.466 Litern, womit es sich als vollwertiges Familienfahrzeug eignet.
Technisch basiert der Nexo auf der vierten Generation der Hyundai-Brennstoffzellentechnologie. Die Brennstoffzelle arbeitet mit einer Leistung von 95 kW, während der Elektromotor 120 kW (163 PS) leistet und ein maximales Drehmoment von 395 Newtonmetern bereitstellt. Drei Wasserstofftanks mit einem Gesamtvolumen von 6,33 Kilogramm (156,6 Liter bei 700 bar) ermöglichen nach WLTP eine Reichweite von bis zu 666 Kilometern, in der Praxis sind 500 bis 600 Kilometer realistisch. Der Wasserstoffverbrauch liegt bei etwa 0,95 Kilogramm pro 100 Kilometer. Die Betankung dauert lediglich drei bis fünf Minuten und unterscheidet sich kaum vom Tankvorgang bei einem konventionellen Fahrzeug.
Technik und Innovation
Der Nexo arbeitet mit einer Polymer-Elektrolyt-Membran-Brennstoffzelle (PEM), in der Wasserstoff mit Sauerstoff aus der Umgebungsluft reagiert. Dabei entsteht elektrische Energie, die den Motor antreibt – das einzige Abfallprodukt ist reines Wasser. Eine kleine Pufferbatterie mit 1,56 kWh Kapazität dient zur Speicherung der Rekuperationsenergie beim Bremsen und zur Unterstützung bei Beschleunigungsvorgängen. Die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch auf 179 km/h begrenzt, der Sprint von null auf 100 km/h gelingt in 9,2 Sekunden – Werte, die für den Alltagseinsatz mehr als ausreichend sind.
Ein besonderes Feature des Nexo ist sein Luftreinigungssystem: Der großflächige Luftfilter im vorderen Bereich reinigt während der Fahrt bis zu 449.100 Liter Luft – etwa so viel, wie 42 Erwachsene pro Stunde atmen. Dabei werden 99,9 Prozent aller Feinstaubpartikel herausgefiltert. In stark verschmutzten Städten fährt der Nexo damit faktisch als mobiler Luftreiniger durch die Straßen.
Ausstattung und Varianten
Der Hyundai Nexo wird in Deutschland in zwei Ausstattungsvarianten angeboten: Trend und Style. Bereits die Basisversion Trend ist umfangreich ausgestattet mit LED-Scheinwerfern, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, Klimaautomatik, beheizbaren Vordersitzen, Rückfahrkamera, Spurhalteassistent, Müdigkeitserkennung, Totwinkelwarner und einem 7-Zoll-Touchscreen mit Navigation. Die Style-Variante ergänzt dies um 19-Zoll-Felgen, Leder-Innenausstattung, beheizbare Rücksitze, elektrisch verstellbare Vordersitze mit Belüftung, Head-up-Display, ein Premium-Soundsystem von Krell und ein 12,3-Zoll-Kombiinstrument sowie ein 10,25-Zoll-Navigationsdisplay.
Besonders innovativ war bei der Markteinführung das blinde Flecken-Warnsystem BVM (Blind-Spot View Monitor), das statt konventioneller Außenspiegel auf Wunsch Kameras einsetzt, deren Bilder auf zwei Displays im Innenraum übertragen werden. Diese Technologie reduziert den Luftwiderstand zusätzlich, konnte sich auf dem deutschen Markt jedoch nicht durchsetzen und ist mittlerweile nicht mehr erhältlich.
Marktpositionierung und Verfügbarkeit
Der Hyundai Nexo richtet sich in Deutschland primär an Gewerbetreibende, Flottenbetreiber, Behörden und Early Adopters, die aktiv zur Energiewende beitragen möchten. Mit einem Einstiegspreis von ursprünglich 69.000 Euro (später auf etwa 77.290 Euro angehoben, aktuell ab 78.990 Euro) war der Nexo nie ein Massenmarktprodukt. Bis zur Abschaffung der Wasserstoff-Förderung im September 2022 wurde der Nexo mit dem Umweltbonus von bis zu 9.000 Euro gefördert, was die Anschaffung wirtschaftlich attraktiver machte.
Die größte Hürde für eine breitere Akzeptanz bleibt die Infrastruktur: In Deutschland existieren Stand 2024 nur etwa 90 öffentliche Wasserstofftankstellen, konzentriert auf Ballungsräume und Hauptverkehrsachsen. Hyundai bietet dem Nexo-Käufern deshalb eine H2-Mobility-Tankkarte an, mit der sie zu bevorzugten Konditionen tanken können. Zudem garantiert Hyundai eine Verfügbarkeit von mindestens einer Tankstelle im Umkreis von 50 Kilometern zum Wohnort des Käufers.
Konkurrenz und Zukunftsaussichten
Der Hyundai Nexo steht in direkter Konkurrenz zum Toyota Mirai, der ebenfalls mit Brennstoffzellentechnologie arbeitet, sowie zum Honda Clarity Fuel Cell, der allerdings nicht mehr in Europa verfügbar ist. Während Toyota mit dem Mirai eine Limousine anbietet, punktet der Nexo mit seiner SUV-Karosserieform und dem größeren Platzangebot. Im Konzernverbund teilt sich der Nexo die Brennstoffzellentechnologie mit dem Schwestermodell Kia, das den Nexo jedoch nicht als eigenständiges Modell anbietet.
Für die Zukunft plant Hyundai, die Brennstoffzellentechnologie weiterzuentwickeln und in größeren Fahrzeugen wie Nutzfahrzeugen, Bussen und möglicherweise auch in der Schifffahrt einzusetzen. Eine nächste Generation des Nexo wurde angekündigt, soll aber frühestens 2025 oder 2026 erscheinen und auf einer neuen, noch effizienteren Brennstoffzellen-Plattform basieren. Ob Wasserstoff sich langfristig im PKW-Bereich durchsetzen kann oder primär im Schwerlastverkehr und in der Industrie zum Einsatz kommt, bleibt abzuwarten. Der Nexo beweist jedoch schon heute, dass Brennstoffzellentechnologie alltagstauglich, sicher und zuverlässig funktioniert.