Die erste und einzige Generation (1990-1996)
Das Hyundai S-Coupé debütierte 1990 auf Basis der Excel-Plattform und wurde ausschließlich als dreitüriges Coupé angeboten. Die Karosserie entwarf das italienische Designhaus Bertone, was dem Fahrzeug eine eigenständige, europäisch anmutende Formgebung verlieh. Mit einer Länge von etwa 4.100 mm und einer Breite von knapp 1.650 mm entsprach das S-Coupé den Dimensionen damaliger Kompakt-Coupés wie dem Opel Astra Coupé oder dem Renault 19 Coupé. Die flache Dachlinie und die große Heckklappe mit integrierter Heckscheibe sollten Dynamik und Alltagstauglichkeit verbinden.
Zum Marktstart bot Hyundai das S-Coupé in Deutschland mit zwei Motorisierungen an: einem 1,5-Liter-Vierzylinder-Ottomotor mit 84 PS und einer stärkeren 1,5-Liter-Variante mit 102 PS. Beide Aggregate stammten aus Mitsubishi-Kooperation und waren für ihre Laufruhe und Zuverlässigkeit bekannt. Die Kraftübertragung erfolgte über ein manuelles Fünfgang-Getriebe an die Vorderräder; eine Automatik wurde nicht angeboten. Die Fahrleistungen waren für die Klasse angemessen: Der 102-PS-Motor beschleunigte das rund 1.000 kg schwere Coupé in etwa 10,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von rund 180 km/h.
Ausstattung und Marktpositionierung
Das Hyundai S-Coupé wurde bewusst als Einstiegsmodell im Coupé-Segment positioniert und unterbietete die europäische Konkurrenz beim Preis deutlich. In der Basisversion kostete das Fahrzeug in Deutschland Ende 1990 rund 16.000 DM, während vergleichbare europäische Modelle häufig über 20.000 DM lagen. Trotz des günstigen Preises bot Hyundai bereits serienmäßig elektrische Fensterheber vorn, ein Radio-Kassettendeck, höhenverstellbare Vordersitze und eine Zentralverriegelung. Höherwertige Ausstattungslinien ergänzten das Angebot um Nebelscheinwerfer, Leichtmetallräder und ein Sportschiebedach.
Im Interieur dominierten dunkle Kunststoffe und textile Sitzbezüge. Die Verarbeitung entsprach dem damaligen Standard asiatischer Importeure: funktional, aber nicht auf dem Niveau deutscher oder französischer Hersteller. Der Kofferraum fasste rund 280 Liter und ließ sich durch Umklappen der asymmetrisch geteilten Rückbanklehne auf etwa 700 Liter erweitern – ein praxisgerechter Wert für ein Coupé dieser Klasse.
Technische Basis und Fahrverhalten
Technisch setzte das S-Coupé auf MacPherson-Federbeine vorn und eine Verbundlenkerachse hinten – eine für die frühen 1990er-Jahre typische Konstruktion im Kompaktsegment. Die Lenkung arbeitete ohne Servoassistenz, was bei niedrigen Geschwindigkeiten durchaus Kraft erforderte, dem Fahrzeug aber ein direktes Lenkgefühl verlieh. Scheibenbremsen vorn und Trommelbremsen hinten sorgten für eine ausreichende Verzögerung, erreichten aber nicht die Ansprechqualität europäischer Wettbewerber. Das Fahrwerk war komfortorientiert abgestimmt und neigte bei sportlicher Fahrweise zu stärkeren Wankbewegungen.
Ein Schwachpunkt des S-Coupé war die mangelnde passive Sicherheit: Airbags, ABS oder andere elektronische Assistenzsysteme waren weder serienmäßig noch optional verfügbar. Dies entsprach zwar dem damaligen Standard in der unteren Preisklasse, stellte aber bereits Mitte der 1990er-Jahre einen zunehmenden Nachteil gegenüber moderneren Wettbewerbern dar, die solche Systeme zunehmend auch in günstigeren Modellen anboten.
Facelift und Modellpflege (1992)
1992 erhielt das Hyundai S-Coupé eine dezente Modellpflege. Die auffälligste Änderung betraf die Frontpartie: Die Popklappen-Scheinwerfer wichen fest stehenden Scheinwerfern mit klarer Abdeckung, was dem Fahrzeug ein moderneres Gesicht verlieh und gleichzeitig die Anfälligkeit für Defekte reduzierte. Auch die Rückleuchten wurden überarbeitet und erhielten einen dunkleren Hintergrund. Im Innenraum verbesserte Hyundai die Materialqualität punktuell und führte neue Stoffmuster ein.
Motorenseitig blieb es bei den beiden 1,5-Liter-Aggregaten, allerdings wurde die Abgasreinigung optimiert, um strengere Emissionsnormen zu erfüllen. Die Leistungswerte blieben unverändert. Optional war nun auch ein höherwertiges Audiosystem mit CD-Spieler erhältlich – ein Zugeständnis an die fortschreitende Entwicklung der Unterhaltungselektronik in Fahrzeugen.
Marktentwicklung und Verkaufszahlen in Deutschland
In Deutschland erreichte das Hyundai S-Coupé nie nennenswerte Verkaufszahlen. Die Marke Hyundai war Anfang der 1990er-Jahre noch relativ unbekannt, und das Image als Billiganbieter erschwerte den Zugang zu Käuferschichten, die Wert auf Markenimage legten. Zudem war das Coupé-Segment von etablierten Herstellern wie Opel, Volkswagen, Ford und den japanischen Wettbewerbern Honda und Toyota dominiert. Zwischen 1990 und 1996 wurden in Deutschland schätzungsweise weniger als 3.000 Einheiten des S-Coupé zugelassen – eine Zahl, die deutlich unter den Erwartungen blieb.
Ein weiterer Faktor für den mäßigen Erfolg war das begrenzte Händlernetz von Hyundai in Deutschland. Potenzielle Käufer mussten häufig weite Strecken zurücklegen, um eine Probefahrt zu vereinbaren oder Service in Anspruch zu nehmen. Dies schreckte viele Interessenten ab, die sich dann doch für ein besser verfügbares Konkurrenzprodukt entschieden. Trotz wettbewerbsfähiger Garantieleistungen – Hyundai bot bereits damals eine für koreanische Hersteller typische Drei-Jahres-Garantie – konnte das S-Coupé nicht gegen die etablierte Konkurrenz bestehen.
Produktionsende und Nachfolge
1996 stellte Hyundai die Produktion des S-Coupé ohne direkten Nachfolger ein. Der koreanische Hersteller konzentrierte sich fortan auf andere Segmente und brachte stattdessen das Hyundai Coupé (intern als RD bezeichnet) auf den Markt, das jedoch auf einer anderen, moderneren Plattform basierte und eine deutlich höherwertige Positionierung anstrebte. Das Hyundai Coupé der RD-Generation war größer, leistungsstärker und technisch anspruchsvoller – und sollte sich als deutlich erfolgreicher erweisen.
Heute ist das Hyundai S-Coupé weitgehend in Vergessenheit geraten. Nur wenige Exemplare haben in Deutschland überlebt, und Ersatzteile sind kaum noch verfügbar. In Sammlerkreisen gilt das Fahrzeug als Kuriosität aus der Frühphase von Hyundais Europapräsenz, ohne nennenswerten Sammlerwert zu besitzen. Dennoch markiert das S-Coupé einen wichtigen Schritt in der Entwicklung von Hyundai: Es zeigte den Willen des Herstellers, über reine Volumenmodelle hinaus auch emotionalere Fahrzeugkonzepte anzubieten – ein Ansatz, der in späteren Jahren mit Modellen wie dem Hyundai i30 N oder dem Genesis-Submarken-Portfolio weiterentwickelt wurde.
Technische Besonderheiten und Einordnung
Aus heutiger Sicht war das Hyundai S-Coupé ein typisches Produkt seiner Zeit: funktional, günstig, aber ohne besondere technische Highlights. Die Verwendung von Mitsubishi-Motoren war für Hyundai in dieser Phase noch üblich, da der Konzern erst schrittweise eigene Antriebsstränge entwickelte. Die Zusammenarbeit mit Bertone für das Design zeigte jedoch, dass Hyundai bereits früh versuchte, durch Kooperationen mit etablierten europäischen Partnern an Glaubwürdigkeit zu gewinnen.
Im Vergleich zu japanischen Konkurrenten wie dem Honda CRX oder dem Toyota Paseo bot das S-Coupé weniger Fahrfreude und eine schlechtere Verarbeitungsqualität. Gegenüber europäischen Wettbewerbern wie dem Opel Astra Coupé oder dem Fiat Coupé fehlte es an Markenprestige und Händlernetz. Das S-Coupé blieb damit ein Nischenprodukt für preisbewusste Käufer, die bereit waren, Kompromisse bei Ausstattung, Image und Verfügbarkeit einzugehen.