Erste Generation (JM, 2004-2010): Der Einstieg ins SUV-Segment
Der erste Hyundai Tucson wurde 2004 als Nachfolger des Galloper und als Schwestermodell des Kia Sportage (zweite Generation) auf Basis der gemeinsamen Plattform entwickelt. Mit einer Länge von 4,33 Metern positionierte sich der JM als kompaktes SUV und bot wahlweise Front- oder Allradantrieb. Zum Marktstart standen ein 2,0-Liter-Benziner mit 104 kW (141 PS) und ein 2,7-Liter-V6 mit 129 kW (175 PS) sowie ein 2,0-Liter-Dieselmotor mit 83 kW (113 PS) zur Verfügung. Das Design war funktional und kantig gehalten, ohne große Experimente. Der Tucson bot fünf Sitzplätze und einen Kofferraum von 644 Litern, der sich durch Umklappen der Rücksitze auf bis zu 2.055 Liter erweitern ließ. Im Jahr 2006 erhielt die erste Generation ein Facelift mit überarbeiteter Frontpartie, modifizierten Scheinwerfern und Rückleuchten sowie verbesserter Innenraumqualität. Die Motorenpalette wurde um einen stärkeren 2,0-Liter-Diesel mit 103 kW (140 PS) ergänzt. Trotz solider Verarbeitung und umfangreicher Serienausstattung blieb der erste Tucson in Deutschland hinter den Verkaufszahlen etablierter Konkurrenten wie VW Tiguan oder Ford Kuga zurück.
Zweite Generation (LM, 2010-2015): Moderne Optik und erweiterte Motorenpalette
2010 präsentierte Hyundai die zweite Tucson-Generation (LM), die auch als ix35 vermarktet wurde – ein Name, der in vielen europäischen Märkten verwendet wurde, während in anderen Regionen weiterhin der Name Tucson blieb. Das Design wurde deutlich moderner und fließender gestaltet, mit der damals typischen Fluidic Sculpture-Designsprache von Hyundai. Die Abmessungen wuchsen leicht auf 4,41 Meter Länge. Das Motorenangebot umfasste anfangs einen 1,6-Liter-GDI-Benziner mit 99 kW (135 PS), einen 2,0-Liter-Benziner mit 122 kW (166 PS) sowie zwei Dieselmotoren: einen 1,7-Liter-CRDi mit 85 kW (115 PS) und einen 2,0-Liter-CRDi mit 100 kW (136 PS) oder 135 kW (184 PS). Eine Besonderheit war die limitierte Brennstoffzellenversion ix35 Fuel Cell, die ab 2013 als eines der ersten in Serie produzierten Wasserstofffahrzeuge verfügbar war – allerdings hauptsächlich für Flottenkunden. Das Facelift 2013 brachte überarbeitete Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht, einen modifizierten Kühlergrill und verbesserte Assistenzsysteme. Die Motorenpalette wurde um effizientere Varianten erweitert, und die Verarbeitungsqualität näherte sich weiter dem europäischen Niveau an. Der ix35/Tucson II wurde zum Verkaufserfolg und etablierte Hyundai erstmals ernsthaft im Kompakt-SUV-Segment.
Dritte Generation (TL/TLE, 2015-2020): Reifung zum Bestseller
Die dritte Generation (TL), die ab 2015 wieder konsequent als Tucson vermarktet wurde, markierte den endgültigen Durchbruch im europäischen Markt. Mit 4,48 Metern Länge wuchs das SUV erneut und bot nun ein deutlich hochwertigeres Interieur mit besseren Materialien und modernerer Technik. Das Design folgte der neuen Hyundai-Formensprache mit kaskadenförmigem Kühlergrill und markanten LED-Scheinwerfern. Zum Start waren ein 1,6-Liter-T-GDI-Benziner mit 130 kW (177 PS), ein 2,0-Liter-Benziner mit 122 kW (166 PS) sowie Diesel mit 1,7 Litern und 85 kW (115 PS) bzw. 104 kW (141 PS) und ein 2,0-Liter-Diesel mit 136 kW (185 PS) verfügbar. Alle Motoren erfüllten die Euro-6-Norm. Das umfangreiche Facelift 2018 brachte nicht nur ein komplett überarbeitetes Front- und Heckdesign mit schmaleren Scheinwerfern und neu gestalteten Rückleuchten, sondern auch ein deutlich aufgewertetes Interieur mit größerem Touchscreen und verbesserter Konnektivität. Die Motorenpalette wurde um einen mildhybridisierten 1,6-Liter-Diesel mit 48-Volt-Technik ergänzt. Zudem hielten moderne Assistenzsysteme wie adaptiver Tempomat, Spurhalteassistent und Toter-Winkel-Warner Einzug in die Serienausstattung. Mit der dritten Generation gelang es Hyundai, den Tucson unter die Top 5 der meistverkauften Kompakt-SUVs in Deutschland zu bringen.
Vierte Generation (NX4, seit 2021): Designrevolution und volle Elektrifizierung
Seit 2021 wird die vierte Generation des Tucson (NX4) verkauft, die einen radikalen Designwandel vollzieht. Das auffälligste Merkmal sind die Parametric Hidden Lights: Die Tagfahrlichter sind in die dreidimensionale Kühlergrill-Struktur integriert und werden erst beim Einschalten sichtbar. Das kantige, futuristische Design polarisiert, verleiht dem Tucson aber eine unverwechselbare Identität. Mit 4,50 Metern Länge und einem Radstand von 2,68 Metern bietet er deutlich mehr Innenraum als der Vorgänger. Der Kofferraum fasst 620 bis 1.799 Liter. Das Interieur wirkt hochwertig mit zwei 10,25-Zoll-Displays, die miteinander verschmelzen, sowie modernen Touch-Bedienelementen. Die Motorenpalette ist breit gefächert: Benziner mit 1,6 Liter Hubraum und 110 kW (150 PS) oder 132 kW (180 PS), teilweise mit 48-Volt-Mildhybrid, ein 1,6-Liter-Diesel mit 100 kW (136 PS) oder 115 kW (156 PS) sowie zwei Plug-in-Hybrid-Varianten mit 195 kW (265 PS) und 4WD oder 183 kW (250 PS) mit Frontantrieb. Letztere bieten eine elektrische Reichweite von über 60 Kilometern dank 13,8-kWh-Batterie. Alle Motoren sind an Sechsgang-Schaltgetriebe, Sechsgang-Automatik oder Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt. Die Ausstattung umfasst zahlreiche Assistenzsysteme der neuesten Generation, darunter Highway Driving Assist, Fernlicht-Assistent, Kreuzungsassistent und ein Head-up-Display. Das Facelift 2024 brachte weitere Detailverbesserungen bei Design, Konnektivität und Effizienz, wobei das markante Grunddesign beibehalten wurde. Mit der vierten Generation positioniert sich der Tucson endgültig als ernstzunehmende Alternative zu etablierten Platzhirschen wie Volkswagen Tiguan, Škoda Karoq oder Mazda CX-5.
Marktposition und Bedeutung für Deutschland
Der Hyundai Tucson hat sich in Deutschland von einem Außenseiter zu einem der beliebtesten Kompakt-SUVs entwickelt. Besonders die dritte und vierte Generation profitierten von der stark gestiegenen Qualitätswahrnehmung der Marke Hyundai, der umfangreichen Serienausstattung und der konkurrenzfähigen Preisgestaltung. Die fünfjährige Garantie ohne Kilometerbegrenzung ist ein wichtiges Verkaufsargument. Der Tucson spricht vor allem Kunden an, die ein gut ausgestattetes, modernes SUV mit viel Platz suchen, aber nicht das Premiumpreissegment bedienen möchten. Die Plug-in-Hybrid-Varianten machen ihn auch für Dienstwagenfahrer attraktiv. In den Verkaufsstatistiken rangiert der Tucson regelmäßig unter den Top 10 der SUV-Neuzulassungen und hat sich als feste Größe im deutschen Automobilmarkt etabliert.