
Jaguar
Jaguar MK II
Foto: Ermell / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Der Jaguar MK II ist eine klassische britische Limousine, die von 1959 bis 1967 gebaut wurde. Mit eleganter Karosserie, edlem Lederinterieur und kraftvollen Reihensechszylinder-Motoren gilt er als Ikone der 1960er Jahre und ist heute ein begehrter Oldtimer-Klassiker.
Ideal für: Oldtimer-Enthusiasten und Liebhaber britischer Klassiker mit Sinn für zeitloses Design und sportliche Fahrkultur
Foto: Ermell / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Technische Daten
Jaguar MK II Eckdaten
Der Jaguar MK II ist ein britischer Klassiker, der von 1959 bis 1967 produziert wurde und heute als einer der begehrtesten Oldtimer der 1960er Jahre gilt. Als Weiterentwicklung des Jaguar 2.4/3.4 (oft als MK I bezeichnet) bot der MK II eine elegante Limousine mit sportlichem Charakter, die sowohl von Gentleman-Fahrern als auch von Bankräubern geschätzt wurde. Mit seiner charakteristischen Chromzierleiste, den schlanken Säulen und der deutlich vergrößerten Verglasung setzte der MK II neue Maßstäbe in der Mittelklasse. Die Kombination aus handwerklicher Qualität, edlem Lederinterieur mit Wurzelholz-Furnier und kräftigen Reihensechszylinder-Motoren machte ihn zur Ikone. Da es sich um ein historisches Modell handelt, das nicht mehr produziert wird, konzentriert sich dieser Artikel auf die Geschichte und technischen Besonderheiten dieser einzigen Generation.
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Die Entstehung und Markteinführung (1959)
Der Jaguar MK II wurde im Oktober 1959 als Nachfolger der Modelle 2.4 und 3.4 vorgestellt, die intern nie offiziell als "MK I" bezeichnet wurden, diesen Namen aber rückwirkend erhielten. Jaguar-Chef Sir William Lyons erkannte die Schwächen der Vorgängermodelle – insbesondere die schmalen Fensterflächen und die begrenzten Platzverhältnisse im Fond – und ließ diese konsequent überarbeiten. Die Ingenieure vergrößerten die Seitenfenster um 18 Prozent, machten die A-, B- und C-Säulen schlanker und erweiterten die Spurweite um gut fünf Zentimeter, was dem Wagen eine stabilere Straßenlage und mehr Innenraum verschaffte. Die Karosserie blieb in ihren Grundzügen erhalten, wirkte aber durch die neue Verglasung und die markante umlaufende Chromzierleiste deutlich moderner und leichter. Zum Marktstart standen drei Motorvarianten zur Wahl: der 2.4-Liter-Sechszylinder mit 120 PS, der 3.4-Liter mit 210 PS und der neue, besonders begehrte 3.8-Liter-Motor mit 220 PS, der aus dem XK 150 S stammte.
Technik und Antrieb
Alle Jaguar MK II Modelle wurden von Reihensechszylinder-Motoren der legendären XK-Baureihe angetrieben, die seit 1948 in verschiedenen Jaguar-Modellen zum Einsatz kam. Der Einstiegsmotor mit 2483 cm³ Hubraum leistete 120 PS bei 5750 U/min und bot ein Drehmoment von 193 Nm. Die mittlere Variante mit 3442 cm³ brachte es auf 210 PS bei 5500 U/min und 294 Nm Drehmoment. Das Topmodell, der 3.8-Liter mit 3781 cm³, leistete 220 PS bei 5500 U/min und entwickelte 325 Nm Drehmoment. Serienmäßig wurde die Kraft über ein manuelles Vierganggetriebe mit Overdrive auf die Hinterräder übertragen, optional war ein Dreigang-Automatikgetriebe von Borg-Warner erhältlich. Die Vorderachse verfügte über doppelte Querlenker mit Schraubenfedern und Teleskopstoßdämpfern, während hinten eine Starrachse mit halbelliptischen Blattfedern und Panhardstab zum Einsatz kam. Gebremst wurde an allen vier Rädern mit Scheibenbremsen – zur damaligen Zeit eine fortschrittliche Lösung, die Jaguar aus dem Rennsport übernommen hatte. Die Servolenkung war optional erhältlich und wurde vor allem in Kombination mit dem schweren 3.8-Liter-Motor empfohlen.
Varianten und Sondermodelle
Neben den drei Hubraumvarianten bot Jaguar den MK II in unterschiedlichen Ausstattungslinien an. Das 2.4-Modell war etwas schlichter ausgestattet, während die 3.4- und 3.8-Liter-Versionen mit üppigem Leder, Wurzelholz-Armaturenbrett und hochwertigen Teppichen aufwarteten. Ab 1967 führte Jaguar die vereinfachten Versionen 240 und 340 ein, die technisch auf dem MK II basierten, aber mit schlankeren Stoßstangen (ohne Hörner), einfacherer Innenausstattung und reduzierten Chromapplikationen kostengünstiger angeboten wurden. Diese Modelle liefen bis 1969 vom Band. Besonders begehrt waren und sind die 3.8-Liter-Modelle mit manuellem Getriebe und Overdrive, die Höchstgeschwindigkeiten von über 200 km/h erreichten und damit zu den schnellsten Serienlimousinen ihrer Zeit gehörten. Einige Exemplare wurden werksseitig oder durch spezialisierte Tuner wie Coombs weiter aufgerüstet. Der MK II wurde auch als Polizeifahrzeug eingesetzt, wobei Scotland Yard und verschiedene britische Polizeibehörden die kraftvollen 3.8-Liter-Versionen nutzten – ironischerweise nutzten auch Kriminelle dieselben Fahrzeuge für Banküberfälle und spektakuläre Fluchten.
Design und Ausstattung
Das Design des Jaguar MK II stammte im Kern noch aus der Feder von Sir William Lyons selbst, der als begnadeter Stilist galt. Die kompakte Limousine mit den ausgestellten Hinterradhäusern, der flachen Motorhaube und den markanten Doppelscheinwerfern verkörperte britische Eleganz mit sportlicher Note. Im Interieur dominierte edles Connolly-Leder in verschiedenen Farben, ergänzt durch Wurzelholz-Furniere an Armaturenbrett, Türverkleidungen und Mittelkonsole. Die Instrumentierung war übersichtlich mit zentralem Tachometer und Drehzahlmesser sowie kleineren Rundinstrumenten für Öldruck, Wassertemperatur, Batterie und Kraftstoffvorrat. Die vorderen Einzelsitze boten guten Seitenhalt, die Rückbank war durch die vergrößerten Seitenfenster und die breitere Spur deutlich geräumiger als beim Vorgänger. Zur Serienausstattung gehörten bei den größeren Motoren Nebelscheinwerfer, Leseleuchten hinten, klappbare Armlehnen und eine Heizung mit Frischluftzufuhr. Optional waren unter anderem ein Webasto-Schiebedach, Radio, Weißwandreifen und die bereits erwähnte Servolenkung erhältlich.
Motorsport und kulturelle Bedeutung
Der Jaguar MK II wurde nicht nur auf der Straße, sondern auch auf der Rennstrecke erfolgreich eingesetzt. In der britischen Tourenwagen-Meisterschaft dominierten die von Teams wie Coombs und Ecurie Ecosse eingesetzten 3.8-Liter-Modelle Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre ihre Klasse. Legendär waren die Duelle mit Ford Galaxie und anderen Konkurrenten auf Strecken wie Silverstone und Brands Hatch. Fahrer wie Roy Salvadori, Graham Hill und Sir John Whitmore fuhren den MK II zu zahlreichen Klassensiegen. Auch im Rallyesport war der MK II aktiv, wenn auch mit begrenztem Erfolg auf unbefestigten Straßen. Kulturell wurde der MK II durch zahlreiche Film- und Fernsehauftritte unsterblich. Die britische Krimiserie "Inspector Morse" machte einen burgunderroten 2.4-Liter-MK II zum Markenzeichen des Hauptcharakters. Auch in Filmen wie "The Italian Job" und anderen Produktionen der Swinging Sixties tauchte der elegante Jaguar regelmäßig auf. Die Verbindung zu Londons Unterwelt – mehrere spektakuläre Banküberfälle wurden mit gestohlenen oder präparierten MK II durchgeführt – trug zur Legende bei und machte den Wagen zum Symbol für die widersprüchliche Atmosphäre des Großbritanniens der 1960er Jahre.
Produktionszahlen und Ende der Fertigung
Zwischen 1959 und 1967 wurden insgesamt rund 83.000 Exemplare des Jaguar MK II gebaut, zuzüglich etwa 8.000 Exemplare der vereinfachten Nachfolgemodelle 240 und 340. Die meisten davon waren 3.4- und 3.8-Liter-Modelle, während das 2.4-Modell trotz des günstigeren Preises weniger nachgefragt wurde. Hauptproduktionsstandort war das Jaguar-Werk in Coventry. Exportiert wurde der MK II vor allem in die USA, nach Europa, Australien und Südafrika. 1967 konzentrierte sich Jaguar auf die neue Mittelklasse-Limousine XJ6, die mit moderner Technik und zeitgemäßem Design die Nachfolge antrat. Die Produktion der preisgünstigeren 240/340-Modelle lief noch bis 1969 weiter, um die Umstellung auf die neue Baureihe zu überbrücken. Der MK II gilt heute als einer der wertvollsten klassischen Jaguar-Modelle. Gut erhaltene 3.8-Liter-Exemplare mit Schaltgetriebe und dokumentierter Geschichte erzielen auf dem internationalen Sammlermarkt sechsstellige Summen. Restaurierungen sind aufwendig, da viele Komponenten nicht mehr verfügbar sind und aufwändig nachgefertigt werden müssen.
Der Jaguar MK II auf dem deutschen Markt
In Deutschland war der Jaguar MK II in den 1960er Jahren ein exklusives Fahrzeug für gutverdienende Käufer. Jaguar wurde hierzulande durch ein Netz ausgewählter Importeure und Händler vertreten, die den MK II neben dem E-Type und den großen Limousinen anboten. Der Preis lag deutlich über dem von Mercedes-Benz 220 oder BMW 2000, aber unterhalb der großen Mercedes-Modelle der S-Klasse. Besonders geschätzt wurden die sportlichen Fahrleistungen der großvolumigen Motoren, die in Deutschland mit damals bereits verbreiteten Autobahnfahrten gut harmonierten. Allerdings machten die empfindliche Lucas-Elektrik, Rostprobleme und der höhere Wartungsaufwand im Vergleich zu deutschen Fabrikaten den MK II zu einem Liebhaberfahrzeug. Heute existiert in Deutschland eine aktive Szene von MK II-Besitzern, organisiert in Clubs wie dem Jaguar Drivers Club Germany und dem Classic Jaguar Club. Restaurationsbetriebe und Teilehändler haben sich auf die klassischen Jaguar-Modelle spezialisiert und bieten Unterstützung bei Wartung und Wiederaufbau. Der MK II nimmt regelmäßig an Oldtimer-Veranstaltungen wie der Hamburg-Berlin-Klassik oder den Classic Days Schloss Dyck teil und wird als zeitloses Beispiel britischer Automobilkunst geschätzt.
Häufige Fragen
Wann wurde der Jaguar MK II gebaut?
Der Jaguar MK II wurde von 1959 bis 1967 produziert. Die vereinfachten Nachfolgemodelle 240 und 340 liefen noch bis 1969 vom Band. Insgesamt entstanden rund 91.000 Exemplare aller Varianten.
Welche Motoren hatte der Jaguar MK II?
Der Jaguar MK II wurde mit drei Reihensechszylinder-Motoren angeboten: 2.4 Liter mit 120 PS, 3.4 Liter mit 210 PS und 3.8 Liter mit 220 PS. Alle Motoren stammten aus der legendären XK-Baureihe von Jaguar.
Wie schnell war der Jaguar MK II 3.8?
Der Jaguar MK II mit 3.8-Liter-Motor erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von über 200 km/h (ca. 201 km/h) und beschleunigte in etwa 9,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Damit gehörte er zu den schnellsten Serienlimousinen seiner Zeit.
Was kostet ein Jaguar MK II heute?
Die Preise für einen Jaguar MK II variieren stark je nach Zustand, Motorisierung und Originalität. Restaurierungsbedürftige Exemplare starten bei etwa 15.000 Euro, während vollständig restaurierte 3.8-Liter-Modelle mit guter Provenienz 80.000 Euro und mehr kosten können.
Was ist der Unterschied zwischen MK II und 240/340?
Die Modelle 240 und 340 (ab 1967) waren vereinfachte Versionen des MK II mit schlankeren Stoßstangen ohne Hörner, reduziertem Chromschmuck und einfacherer Innenausstattung. Sie wurden bis 1969 als kostengünstigere Alternative angeboten.