Die erste und einzige Generation (2001-2009)
Der Jaguar X-Type kam 2001 auf den Markt und basierte auf der CD132-Plattform von Ford, die auch dem Mondeo zugrunde lag. Jaguar betonte jedoch stets die umfangreichen Modifikationen: Die Plattform wurde verlängert, verbreitert und mit einer eigenen Hinterachskonstruktion versehen. Zunächst war der X-Type ausschließlich mit Allradantrieb und V6-Motoren erhältlich. Die Benziner umfassten einen 2,5-Liter-V6 mit 194 PS und einen 3,0-Liter-V6 mit 231 PS. Beide Aggregate stammten aus der Ford-Familie, wurden aber für Jaguar angepasst. Die Kraftübertragung erfolgte über eine Fünfgang-Automatik oder ein manuelles Fünfgang-Getriebe. Der Allradantrieb verteilte das Drehmoment normalerweise im Verhältnis 60:40 (vorne:hinten), konnte aber bei Bedarf bis zu 100 Prozent nach hinten schicken.
Das Interieur des frühen X-Type zeigte klassisches Jaguar-Design mit Holzfurnieren, Lederausstattung und analogen Instrumenten. Die Verarbeitung lag auf gutem Niveau, erreichte aber nicht ganz die Standards der größeren Jaguar-Modelle. Der Kofferraum der Limousine fasste 450 Liter, was für die Klasse angemessen war. Die deutsche Presse lobte das angenehme Fahrverhalten und die gute Straßenlage, kritisierte aber den hohen Verbrauch und die spürbare Verwandtschaft zum Mondeo bei bestimmten Bedienelementen.
Erweiterung des Programms (2003-2004)
2003 erweiterte Jaguar das Motorenprogramm deutlich. Um den X-Type auch für preisbewusstere Käufer attraktiv zu machen, wurden erstmals Dieselmotoren angeboten. Der 2,0-Liter-TDCi mit 130 PS markierte den Einstieg und brachte endlich auch Versionen mit Frontantrieb ins Programm. Später folgte ein 2,2-Liter-Diesel mit ebenfalls 130 PS (ab 2005) sowie eine stärkere Variante mit 155 PS. Die Dieselmotoren stammten von Ford-PSA und sorgten für deutlich niedrigere Verbrauchswerte von etwa 6-7 Litern auf 100 Kilometer. Parallel dazu wurden auch frontgetriebene Benziner mit vier Zylindern eingeführt: ein 2,0-Liter mit 130 PS und ein 2,1-Liter mit 157 PS (in manchen Märkten). Diese Versionen sollten den Einstiegspreis senken und die Modellpalette abrunden.
2004 kam der X-Type Estate (Kombi) auf den Markt, der optisch gelungen umgesetzt wurde und das Kofferraumvolumen auf bis zu 1.380 Liter bei umgeklappter Rückbank erweiterte. Der Estate wurde vor allem in Europa gut angenommen und machte zeitweise fast die Hälfte der X-Type-Verkäufe aus. Das elegante Design mit der steil abfallenden Dachlinie und den schlanken D-Säulen hob sich positiv von der Konkurrenz ab.
Facelift 2007
2007 erhielt der X-Type ein Facelift, das vor allem optische Retuschen brachte. Die Front wurde modernisiert mit überarbeiteten Scheinwerfern, einem neu gestalteten Kühlergrill und einer modifizierten Stoßstange. Am Heck gab es neue Rückleuchten mit LED-Technik. Im Innenraum wurden die Materialien aufgewertet, es gab ein neues Lenkrad und überarbeitete Sitze. Die Instrumententafel erhielt eine frischere Grafik. Technisch blieb weitgehend alles beim Alten, allerdings wurden die Motoren hinsichtlich Emissionen optimiert. Der 2,2-Liter-Diesel erhielt in seiner stärksten Ausbausform nun 152 PS (zuvor 155 PS), was aber primär Messunterschiede widerspiegelte. Auch beim Fahrwerk wurden leichte Anpassungen vorgenommen, um Komfort und Handling zu verbessern.
Trotz des Facelifts konnte der X-Type nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen. Die Verkaufszahlen gingen kontinuierlich zurück, was mehrere Gründe hatte: Die Konkurrenz in der Mittelklasse war extrem stark geworden (BMW 3er, Audi A4, Mercedes C-Klasse), die Plattform-Verwandtschaft zum Mondeo wurde als Makel empfunden, und die Marke Jaguar hatte Schwierigkeiten, sich klar zu positionieren. Hinzu kamen Qualitätsprobleme, die dem Ruf schadeten: Elektrische Defekte, Probleme mit der Automatik und Rostanfälligkeit an bestimmten Stellen wurden häufiger gemeldet.
Das Ende und die Folgen
2009 lief die Produktion des X-Type aus, ohne dass ein direkter Nachfolger präsentiert wurde. Jaguar konzentrierte sich stattdessen auf die höheren Segmente und entwickelte später die XE als neuen Mittelklasse-Vertreter, der aber erst 2015 erschien. In den acht Produktionsjahren wurden insgesamt etwa 350.000 Einheiten des X-Type gebaut, was deutlich unter den ursprünglichen Erwartungen lag. Ford, damals Eigentümer von Jaguar, hatte mit wesentlich höheren Stückzahlen gerechnet.
Auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt ist der X-Type heute für relativ kleines Geld zu haben. Die Preise beginnen bei wenigen Tausend Euro für frühe Modelle mit hoher Laufleistung. Besonders die Dieselversionen und die Kombis sind bei Liebhabern gefragt. Beim Kauf sollte auf Rostansätze an Schwellern, Radläufen und der Hinterachse geachtet werden. Die Automatikgetriebe können bei mangelnder Wartung Probleme bereiten, und elektrische Komponenten wie Fensterheber oder das Klimasystem neigen zu Ausfällen. Die V6-Motoren gelten als robust, wenn regelmäßig das Öl gewechselt wurde. Die Dieselmotoren haben gelegentlich Probleme mit Einspritzdüsen und Turboladern, sind aber grundsätzlich langstreckentauglich.
Technische Besonderheiten
Eine Besonderheit des X-Type war das serienmäßige Allradsystem bei den V6-Modellen, das in dieser Klasse nicht selbstverständlich war. Die selbsttragende Karosserie war aus Stahl gefertigt, wobei Jaguar Wert auf eine hohe Steifigkeit legte. Die Vorderachse bestand aus MacPherson-Federbeinen, hinten kam eine Mehrlenker-Konstruktion zum Einsatz. Das Verhältnis von Länge (4,67 Meter bei der Limousine) zu Radstand (2,71 Meter) war ausgewogen, was sich positiv auf das Handling auswirkte.
Die Sicherheitsausstattung umfasste sechs Airbags, ESP und ABS als Standard. Bei den Euro-NCAP-Crashtests erreichte der X-Type vier von fünf Sternen, was für die damalige Zeit solide war. Optional gab es Xenon-Scheinwerfer, Einparkhilfe und ein Navigationssystem, dessen Bedienung allerdings als umständlich galt.
Marktposition und Fazit
Der Jaguar X-Type bleibt ein ambivalentes Kapitel in der Geschichte der britischen Marke. Einerseits ermöglichte er vielen Menschen erstmals den Zugang zu einem Jaguar und erweiterte die Kundenbasis. Andererseits verwässerte er in den Augen mancher die Markenidentität und konnte qualitativ nicht ganz mit der Oberklasse-Konkurrenz mithalten. Die gemeinsame Plattform mit Ford war wirtschaftlich vernünftig, wurde aber kommunikativ zum Problem. Heute wird der X-Type von Enthusiasten zunehmend geschätzt, besonders der Estate mit Dieselmotor gilt als praktischer Geheimtipp. Die klassische Optik, der komfortable Charakter und die inzwischen niedrigen Anschaffungskosten machen ihn zu einer Alternative für alle, die etwas Besonderes suchen, ohne ein Vermögen auszugeben. Als Alltagsauto mit regelmäßiger Wartung kann der X-Type durchaus zuverlässig sein, verlangt aber mehr Aufmerksamkeit als deutsche Premiummodelle der gleichen Ära.