Die erste Generation X250 (2007–2015)
Im März 2007 debütierte der Jaguar XF als Nachfolger des in die Jahre gekommenen S-Type auf dem Genfer Automobilsalon. Die erste Generation basierte auf der weiterentwickelten DEW-Plattform von Ford, die auch im Vorgänger zum Einsatz kam, allerdings mit 80 Prozent neuen Komponenten. Das revolutionäre Design von Ian Callum brach radikal mit der konservativen Jaguar-Tradition: Klare Linien, eine coupéhafte Dachlinie und moderne Proportionen sollten eine jüngere Käuferschaft ansprechen. Besonders spektakulär waren Details wie die bei Motorstart aus der Mittelkonsole aufsteigende Gangwahlscheibe und die kreisförmigen Lüftungsdüsen, die sich beim Start drehten und öffneten. Zum Marktstart standen ein 2,7-Liter-V6-Diesel mit 207 PS, ein 3,0-Liter-V6-Diesel mit 275 PS sowie Benziner mit 3,0 Litern (238 PS) und 4,2 Litern (300 PS) zur Wahl. Später folgten ein 5,0-Liter-V8 mit 385 PS und die Performance-Version XFR mit 510 PS. Der XF X250 wurde ausschließlich als viertürige Limousine angeboten und verfügte über Hinterradantrieb, optional war bei den stärkeren Varianten eine Allradversion erhältlich.
Die Interieur-Qualität markierte einen Quantensprung gegenüber früheren Jaguar-Modellen, wobei hochwertige Materialien und moderne Technologie die Kundenbindung deutlich verbesserten. Das Infotainmentsystem basierte zunächst auf Fords SYNC-Technologie, was in der Fachpresse teilweise kritisiert wurde. Die Fahrdynamik wurde hingegen durchweg gelobt: Die Aluminium-Doppelquerlenker-Vorderachse und die Mehrlenker-Hinterachse boten sportliches Handling bei gleichzeitig hohem Komfort. Ab 2009 wurde das Motorenprogramm um einen sparsamen 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 190 PS erweitert, der die Einstiegspreise senkte und den XF flottenkundenfreundlicher machte. Dieser Motor stammte aus der Kooperation mit PSA Peugeot Citroën und half Jaguar, die CO₂-Flottengrenzwerte zu erreichen.
Facelift der ersten Generation (2011–2015)
Im Jahr 2011 erhielt der XF sein erstes größeres Facelift, das hauptsächlich optische und technische Detailverbesserungen brachte. Die Front wurde dezent überarbeitet mit einem größeren Kühlergrill und modifizierten LED-Tagfahrlichtern. Im Innenraum kam ein neues Infotainmentsystem mit 8-Zoll-Touchscreen zum Einsatz, das deutlich zeitgemäßer wirkte als der Vorgänger. Die Motorenpalette wurde gestrafft und optimiert: Der 2,2-Liter-Diesel erhielt eine Leistungssteigerung auf 200 PS, während ein neuer 3,0-Liter-V6-Diesel mit Kompressor 240 PS leistete. Bei den Benzinern wurde der 3,0-Liter-V6 auf 340 PS aufgewertet. Das Facelift brachte auch mehr Assistenzsysteme wie adaptiven Tempomat, Spurhalteassistent und einen Totwinkelwarner. 2012 folgte schließlich der lang erwartete Sportbrake, die Kombi-Version des XF, die erstmals einen vollwertigen Fünftürer im Programm darstellte. Der Sportbrake bot 550 bis 1.675 Liter Kofferraumvolumen und wurde in Deutschland zu einem wichtigen Flottenwagen, insbesondere mit den sparsamen Dieselmotoren. Die XFR-Version erhielt 2013 ein Update zur XFR-S mit 550 PS und war damit die stärkste Limousine, die Jaguar bis dahin gebaut hatte.
Die zweite Generation X260 (seit 2015)
Im April 2015 präsentierte Jaguar auf der New York International Auto Show die zweite Generation des XF mit dem internen Code X260. Sie basiert auf der neuen iQ[Al]-Aluminium-Architektur, die auch im Jaguar XE und F-Pace zum Einsatz kommt. Durch den intensiven Einsatz von Aluminium in der Karosseriestruktur sparte Jaguar bis zu 190 Kilogramm Gewicht gegenüber dem Vorgänger ein, was sich positiv auf Verbrauch, Emissionen und Fahrdynamik auswirkte. Trotz kompakterer Außenmaße wuchs der Innenraum, besonders die Beinfreiheit im Fond verbesserte sich deutlich. Das Design blieb der Linie des Vorgängers treu, wirkte aber moderner und dynamischer mit einer tieferen Gürtellinie und einer noch stärker coupéhaft abfallenden Dachlinie. Die markanten LED-Scheinwerfer und die charakteristische Jaguar-Kühlergrillform prägten die Front.
Zum Marktstart im Herbst 2015 standen ein 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 163 PS oder 180 PS, ein 3,0-Liter-V6-Diesel mit 300 PS sowie ein 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 200 PS oder 250 PS zur Wahl. Alle Motoren waren mit einer Achtgang-Automatik von ZF kombiniert, der Allradantrieb war für die stärkeren Versionen optional erhältlich. Das Interieur setzte neue Maßstäbe bei Jaguar: Hochwertige Verarbeitung, edles Leder, echte Holz- und Aluminium-Applikationen sowie ein neues Infotainmentsystem namens InControl Touch Pro mit 8-Zoll- oder optional 10,2-Zoll-Touchscreen sorgten für Premiumatmosphäre. Die aufsteigende Gangwahlscheibe blieb als ikonisches Element erhalten. Der Sportbrake folgte 2017 und bot mit 565 bis 1.700 Litern Kofferraumvolumen noch mehr Variabilität als der Vorgänger. Besonders in Deutschland wurde der Sportbrake zum wichtigen Volumenmodell, da deutsche Kunden traditionell Kombis bevorzugen.
Facelift der zweiten Generation (2020–heute)
Im Sommer 2020 erhielt die zweite Generation ein umfangreiches Facelift, das sowohl Design als auch Technik betraf. Die Frontpartie wurde deutlich überarbeitet: Flachere LED-Matrix-Scheinwerfer mit J-förmiger Tagfahrlicht-Signatur, ein breiterer und flacherer Kühlergrill sowie vergrößerte Lufteinlässe verliehen dem XF einen aggressiveren Auftritt. Am Heck kamen neue LED-Rückleuchten mit charakteristischer Grafik zum Einsatz. Im Innenraum dominiert nun das 11,4-Zoll-Curved-Glass-Touchscreen-Infotainmentsystem mit dem Pivi Pro-System, das deutlich schneller und intuitiver reagiert als der Vorgänger. Die traditionelle Gangwahlscheibe wurde durch einen klassischen Wählhebel ersetzt, was nostalgische Fans bedauerten, aber die Alltagstauglichkeit verbesserte.
Die Motorenpalette wurde drastisch reduziert und elektrifiziert: Es stehen nur noch ein 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 163 PS oder 204 PS (beide mit 48-Volt-Mildhybrid-Technologie) sowie ein 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 250 PS oder 300 PS (ebenfalls mit Mildhybrid) zur Wahl. Der V6-Diesel wurde ersatzlos gestrichen, ebenso wie die leistungsstärkeren V8-Versionen. Diese Entscheidung spiegelt den Strategiewechsel von Jaguar wider, der sich zunehmend auf Elektrifizierung konzentriert. Der Mildhybrid unterstützt den Verbrennungsmotor beim Anfahren und Beschleunigen, ermöglicht Segeln bei konstantem Tempo und speist beim Bremsen Energie zurück in die 48-Volt-Batterie. Dadurch sinken Verbrauch und Emissionen spürbar. Der Allradantrieb (AWD) ist weiterhin für stärkere Motorisierungen verfügbar. Assistenzsysteme wurden erweitert: 3D-Surround-Kamera, adaptiver Tempomat mit Lenkassistent, Verkehrszeichenerkennung und ein Semi-autonomer Park-Assistent gehören je nach Ausstattungslinie zum Angebot. Die Fertigung wurde 2024 in Castle Bromwich eingestellt, womit das Ende der XF-Ära besiegelt wurde, da Jaguar zur reinen Elektromarke transformiert wird.
Marktposition und Besonderheiten
Der Jaguar XF war stets ein Außenseiter im hart umkämpften Segment der Premium-Mittelklasse, konnte sich aber durch eigenständiges Design, exzellentes Fahrverhalten und britischen Charme eine treue Fangemeinde sichern. Die Verkaufszahlen blieben jedoch stets hinter denen der deutschen Konkurrenten zurück, was auch an der geringeren Händlerdichte und dem schwächeren Flottengeschäft lag. Besonders der Sportbrake fand in Deutschland Anklang und bot eine echte Alternative zu BMW 5er Touring, Mercedes E-Klasse T-Modell und Audi A6 Avant. Der XF punktet mit sportlicher Abstimmung, direkter Lenkung und einem emotionalen Fahrerlebnis, das bei den deutschen Wettbewerbern teilweise zu kurz kommt. Die Dieselmotoren galten als sparsam und durchzugsstark, während die Verarbeitungsqualität über die Jahre deutlich zunahm. Mit der Einstellung der Produktion Ende 2024 endet die Ära des XF, da Jaguar künftig ausschließlich elektrische Luxusfahrzeuge produzieren wird. Gebrauchte XF bieten heute ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis für Käufer, die Wert auf Individualität und Fahrspaß legen.