Serie I bis III (1968–1992): Die Gründerjahre
Die erste Generation des Jaguar XJ (Serie I) debütierte 1968 unter der Regie von Sir William Lyons und etablierte sofort neue Standards im Segment der Oberklasse-Limousinen. Mit ihrer selbsttragenden Karosserie, der Einzelradaufhängung an allen vier Rädern und den legendären XK-Reihensechszylindermotoren mit 2,8 oder 4,2 Litern Hubraum bot die Serie I eine bis dahin unerreichte Kombination aus Komfort und Sportlichkeit. Die charakteristische Doppelscheinwerfer-Front und die elegante Seitenlinie prägten das Design. 1972 folgte die Serie II mit modifizierter Front, höherer Stoßstange und verbesserter Innenausstattung, die bis 1979 gebaut wurde. Parallel entstand ab 1972 die Langversion XJ Long Wheelbase mit 10 cm mehr Radstand.
1979 brachte Jaguar die Serie III auf den Markt, die äußerlich durch eine deutlich flachere Dachlinie und eine neue Frontpartie mit einzelnen rechteckigen Scheinwerfern auffiel. Technisch bedeutsam war die Einführung des V12-Motors mit 5,3 Litern Hubraum und anfangs 285 PS, der den XJ12 zur schnellsten viertürigen Serienlimousine ihrer Zeit machte. Die Serie III wurde bis 1992 produziert und gilt heute als eine der elegantesten Jaguar-Limousinen überhaupt, wobei die späten Modelle mit Einspritzung und ABS ausgestattet wurden.
XJ40 (1986–1994): Der modernisierte Klassiker
Nach fast zwei Jahrzehnten wagte Jaguar 1986 mit dem intern als XJ40 bezeichneten Modell einen kompletten Neuanfang. Die Entwicklung hatte über zehn Jahre gedauert und führte zu einer vollständig neuen, selbsttragenden Karosserie mit verbesserter Verwindungssteifigkeit. Das kantiger gezeichnete Design mit markanter Frontpartie und fast senkrechtem Heck polarisierte zunächst, wuchs aber vielen Enthusiasten mit der Zeit ans Herz. Technisch bot der XJ40 erstmals eine volldigitale Instrumentierung, elektronische Luftfederung und moderne AJ6-Reihensechszylinder mit 2,9 oder 3,6 Litern Hubraum. Die Leistung reichte von 165 bis 235 PS. Ab 1990 kam auch eine Version mit dem 4,0-Liter-Sechszylinder auf den Markt. Der V12 wurde zunächst nicht angeboten, was viele Puristen enttäuschte. Der XJ40 etablierte sich trotz anfänglicher Qualitätsprobleme als solider Vertreter der Oberklasse und wurde bis 1994 gebaut.
X300 und X308 (1994–2003): Rückkehr zur Tradition
Mit der 1994 eingeführten X300-Generation vollzog Jaguar eine stilistische Kehrtwende und orientierte sich wieder stärker an den klassischen Designelementen der Serie III. Die rundere, organischere Formgebung mit den charakteristischen Jaguar-Proportionen fand sofort Anklang bei Kunden und Kritikern. Technisch basierte die X300 auf einer weiterentwickelten XJ40-Plattform, bot aber komplett neue AJ16-Reihensechszylinder mit 3,2 und 4,0 Litern sowie erstmals wieder einen V12 mit 6,0 Litern Hubraum und 318 PS. Die Leistung der Sechszylinder lag zwischen 211 und 249 PS. Auch die Super-V8-Version mit langem Radstand kehrte zurück und bot höchsten Luxus.
1997 erfolgte ein umfassendes technisches Update zur X308-Generation, bei dem Jaguar erstmals V8-Motoren mit 3,2 und 4,0 Litern Hubraum von der neuen AJ-V8-Baureihe einsetzte. Diese boten zwischen 240 und 290 PS und waren deutlich leichter als die alten Sechszylinder. Der legendäre V12 entfiel nun endgültig. Optisch unterschied sich die X308 kaum von der X300, was die zeitlose Eleganz des Designs unterstrich. Die Verarbeitungsqualität und Zuverlässigkeit verbesserten sich spürbar. Bis 2003 blieb die X308 im Programm und gilt heute als letzte XJ-Generation mit klassischem Jaguar-Charakter.
X350 (2003–2009): Die Aluminium-Revolution
2003 läutete Jaguar mit der X350-Generation eine technische Revolution ein: Als erste Luxuslimousine weltweit verfügte der neue XJ über eine komplett aus Aluminium gefertigte Karosserie-Struktur, die das Gewicht gegenüber dem Vorgänger um rund 200 kg reduzierte und gleichzeitig die Steifigkeit um 60 Prozent erhöhte. Designchef Ian Callum schuf eine Karosserie, die moderne Elemente mit klassischen Jaguar-Proportionen verband, wobei insbesondere die geschwungene Dachlinie und die große Glasfläche charakteristisch waren. Zum Marktstart standen V8-Motoren mit 3,5 und 4,2 Litern Hubraum zur Verfügung, die 258 bis 298 PS leisteten. Die Topversion XJR bot einen kompressorgeladenen 4,2-Liter-V8 mit 400 PS.
2007 erhielt die X350 ein Facelift mit dezent modifizierter Front, neuen Scheinwerfern und überarbeitetem Interieur. Gleichzeitig erweiterte Jaguar die Motorenpalette um einen 2,7-Liter-V6-Diesel mit 207 PS, der erstmals auch Firmenkunden ansprach. Später folgte ein stärkerer 3,0-Liter-V6-Diesel mit 275 PS. Die X350 etablierte den XJ als technologisch fortschrittlichste Limousine ihrer Klasse und bewies, dass Leichtbau und Luxus keine Gegensätze sein müssen. Die Kombination aus geringem Gewicht und starken Motoren sorgte für beeindruckende Fahrleistungen bei gleichzeitig moderatem Verbrauch.
X351 (2009–2019): Die moderne Interpretation
Die 2009 vorgestellte X351-Generation markierte den radikalsten Designbruch in der XJ-Geschichte. Ian Callum und sein Team schufen eine viertürige Limousine mit stark coupéhafter Silhouette, fließenden Linien und einer dramatisch abfallenden Dachlinie. Die Traditionslinie wurde bewusst verlassen, um jüngere Käufer anzusprechen und das Image zu modernisieren. Die Reaktionen waren gespalten, doch die X351 fand international Anerkennung und gewann zahlreiche Designpreise. Technisch basierte die neue Generation auf einer weiterentwickelten Aluminium-Architektur mit nochmals verbesserter Steifigkeit.
Zum Start bot Jaguar V8-Benziner mit 5,0 Litern Hubraum in drei Leistungsstufen: 385 PS, 470 PS (kompressorgeladen) und 510 PS im XJR. Parallel standen V6-Dieselmotoren mit 3,0 Litern Hubraum und 275 bzw. 300 PS zur Verfügung. Alle Motoren wurden mit einer Achtgang-Automatik kombiniert, Hinterrad- oder Allradantrieb waren wählbar. Das Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern und optionaler Luftfederung bot eine exzellente Balance zwischen Komfort und Dynamik. Die Langversion mit 12,7 cm mehr Radstand sorgte im Fond für Limousinen-Raumverhältnisse.
2015 erhielt die X351 ein umfassendes Facelift mit vollständig neu gestalteter Front, LED-Scheinwerfern in J-Form, modifiziertem Heck und aufgewertetem Interieur. Gleichzeitig entfielen die V6-Dieselmotoren zugunsten eines neuen 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesels mit 180 PS für den Einstieg sowie eines 3,0-Liter-V6-Kompressor-Benziners mit 340 PS. Die V8-Palette blieb weitgehend unverändert, wobei die XJR575-Sonderversion mit 575 PS die Speerspitze bildete. Das Infotainment-System wurde auf den neuen InControl-Standard mit 8-Zoll-Touchscreen aktualisiert. 2019 endete die Produktion der X351 ohne direkten Nachfolger, da Jaguar die Modellpalette neu ausrichtete und zunächst keinen batterieelektrischen XJ zur Marktreife brachte. Die X351 bleibt damit als letzte realisierte XJ-Generation eine elegante Hommage an über 50 Jahre britischer Luxuslimousinen-Tradition, die technische Innovation mit emotionalem Design verband und bis zuletzt eine eigenständige Alternative zu deutschen Wettbewerbern darstellte.