Markteinführung und erste Generation (2021–2024)
Der Mercedes-Benz EQB feierte seine Weltpremiere im April 2021 in Shanghai und kam im Herbst 2021 in Deutschland auf den Markt. Von Anfang an bot Mercedes den EQB in verschiedenen Antriebsvarianten an: Der EQB 250 startete als Einstiegsmodell mit Frontantrieb und einem 140 kW (190 PS) starken Elektromotor. Parallel dazu wurde der EQB 300 4MATIC angeboten, der mit zwei Elektromotoren und Allradantrieb ausgestattet ist und eine Systemleistung von 168 kW (228 PS) leistet. Das Topmodell EQB 350 4MATIC bringt es auf 215 kW (292 PS). Alle Varianten der ersten Generation sind mit einem 66,5 kWh großen Lithium-Ionen-Akku ausgestattet, der eine Nettokapazität von etwa 66,5 kWh bietet. Die WLTP-Reichweite liegt je nach Modell und Ausstattung zwischen 420 und 474 Kilometern. Der EQB unterstützt DC-Schnellladen mit bis zu 100 kW, wodurch der Akku in etwa 32 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden kann.
Im Innenraum setzt Mercedes auf das bekannte MBUX-Infotainmentsystem mit zwei 10,25-Zoll-Bildschirmen, die zu einem gemeinsamen Widescreen verschmelzen. Die dritte Sitzreihe, die optional erhältlich ist, eignet sich vor allem für Kinder oder kurze Strecken, da der Platz dort begrenzt ist. Der Kofferraum fasst 495 Liter bei fünf Sitzen und kann bei umgeklappter zweiter Sitzreihe auf bis zu 1.710 Liter erweitert werden. Bei siebensitziger Konfiguration schrumpft das Gepäckvolumen auf 465 Liter. Die Verarbeitung entspricht dem gewohnten Mercedes-Standard mit hochwertigen Materialien und solider Haptik. Der EQB positioniert sich preislich im gehobenen Segment: Der Einstiegspreis lag bei Markteinführung bei etwa 55.000 Euro für den EQB 250, während die Allrad-Varianten bei rund 60.000 Euro starteten.
Facelift und Modellpflege (2024–heute)
Im Frühjahr 2024 präsentierte Mercedes-Benz ein umfassendes Facelift für den EQB, das vor allem technische Verbesserungen und eine aktualisierte Antriebspalette mit sich brachte. Die auffälligste Änderung betrifft die Motorisierungen: Mercedes führte einen neuen, effizienteren Elektromotor ein, der in verschiedenen Leistungsstufen angeboten wird. Der EQB 250+ ersetzt den bisherigen EQB 250 und leistet nun 140 kW (190 PS), bietet aber dank optimierter Effizienz eine verbesserte Reichweite von bis zu 512 Kilometern nach WLTP. Der EQB 300 4MATIC wurde durch den EQB 350 4MATIC ersetzt, der mit 215 kW (292 PS) und verbesserter Effizienz aufwartet. Als neue Topvariante ergänzt der EQB 400 4MATIC das Portfolio mit 250 kW (340 PS) Systemleistung.
Eine wesentliche Neuerung ist die größere Batteriekapazität: Die aktuellen Modelle verfügen über einen 70,5 kWh großen Akku (netto etwa 66,5 kWh nutzbar), der eine höhere Energiedichte aufweist. Die Ladeleistung wurde ebenfalls verbessert und liegt nun bei bis zu 112 kW DC-Ladeleistung, was die Ladezeit von 10 auf 80 Prozent auf etwa 30 Minuten reduziert. Optisch erhielt der EQB dezente Retuschen an Front und Heck, darunter neue LED-Scheinwerfer mit verbesserter Digital Light-Technologie (optional) und überarbeitete Stoßfänger. Im Innenraum wurde das MBUX-System auf die neueste Generation aktualisiert, mit schnelleren Prozessoren, verbesserter Sprachsteuerung und erweiterten Over-the-Air-Update-Funktionen.
Die Materialqualität wurde nochmals gesteigert, und Mercedes bietet nun mehr Individualisierungsmöglichkeiten bei Polstern und Dekoren. Der überarbeitete EQB erhielt außerdem neue Assistenzsysteme, darunter einen verbesserten aktiven Spurhalteassistenten und einen erweiterten Notbremsassistenten mit Kreuzungsassistenz. Die Preise für das Facelift-Modell starteten 2024 bei etwa 58.900 Euro für den EQB 250+, während die Allrad-Topvariante EQB 400 4MATIC bei rund 68.000 Euro beginnt. Mercedes positioniert den EQB damit weiterhin als Premiumangebot im Segment der elektrischen Kompakt-SUVs, konkurriert aber mit günstigeren Alternativen wie dem Volkswagen ID.4 oder dem Skoda Enyaq.
Technische Besonderheiten und Fahrdynamik
Der EQB nutzt die MFA2-Plattform, die nicht ausschließlich für Elektrofahrzeuge entwickelt wurde, sondern auch Verbrenner wie die A-Klasse und GLB-Klasse trägt. Dies bringt sowohl Vorteile als auch Kompromisse mit sich: Einerseits konnte Mercedes den EQB schnell und kosteneffizient auf den Markt bringen, andererseits ist die Plattform nicht so raumoptimiert wie dedizierte E-Auto-Plattformen. Der Akku ist im Unterboden verbaut, was den Schwerpunkt senkt und zu einem stabilen Fahrverhalten beiträgt. Die Allrad-Varianten bieten gute Traktion auch bei widrigen Witterungsverhältnissen, was für ein SUV dieser Klasse wichtig ist.
Die Fahrleistungen sind für ein Familien-SUV angemessen: Der EQB 250+ sprintet in 8,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h, während der EQB 400 4MATIC diese Marke in nur 5,9 Sekunden erreicht. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei allen Varianten elektronisch auf 160 km/h begrenzt, um die Reichweite zu schonen. Der Verbrauch liegt je nach Modell und Fahrbedingungen zwischen 16,2 und 20,5 kWh/100 km nach WLTP. In der Praxis erreichen die meisten Nutzer bei gemischter Fahrweise etwa 18-22 kWh/100 km, was Reichweiten von 300 bis 400 Kilometern im Alltag bedeutet. Der EQB eignet sich damit vor allem für den Stadt- und Umlandverkehr sowie für mittlere Distanzen. Langstrecken sind machbar, erfordern aber Ladestopps.
Marktpositionierung und Konkurrenz
Der Mercedes-Benz EQB ist Teil der umfassenden Elektrifizierungsstrategie von Mercedes-Benz, die unter dem Label EQ verschiedene vollelektrische Modelle umfasst. Im Portfolio steht der EQB zwischen dem kleineren EQA und dem größeren EQC (dessen Produktion mittlerweile eingestellt wurde). Die Konkurrenz im Segment der elektrischen Kompakt-SUVs ist intensiv: Volkswagen bietet mit dem ID.4 ein günstigeres Modell mit vergleichbarer Reichweite, Audi kontert mit dem Q4 e-tron, der auf derselben MEB-Plattform wie der ID.4 basiert, aber ein premiumorientiertes Design bietet. BMW hat mit dem iX1 ebenfalls einen elektrischen Kompakt-SUV im Angebot, der sportlicher ausgelegt ist als der EQB.
Der größte Vorteil des EQB gegenüber vielen Wettbewerbern ist die optionale dritte Sitzreihe, die ihn zu einem echten Siebensitzer macht – wenn auch mit Einschränkungen beim Platzangebot. Dies spricht vor allem Familien an, die gelegentlich mehr als fünf Personen transportieren müssen. Das Markenimage von Mercedes-Benz und die hochwertige Verarbeitung rechtfertigen für viele Käufer den Aufpreis gegenüber günstigeren Alternativen. Allerdings muss sich Mercedes auch kritischen Stimmen stellen, die bemängeln, dass der EQB aufgrund der nicht-dedizierten Plattform nicht so effizient und raumoptimiert ist wie Konkurrenten auf reinen E-Auto-Plattformen.
Fazit und Ausblick
Der Mercedes-Benz EQB hat sich seit seiner Einführung 2021 als solides elektrisches Familien-SUV etabliert, das Premiumanspruch mit Alltagstauglichkeit verbindet. Das Facelift von 2024 brachte wichtige technische Verbesserungen, insbesondere bei Reichweite und Effizienz, ohne das Grundkonzept zu verändern. Für Mercedes ist der EQB ein wichtiger Baustein in der Elektrostrategie, auch wenn die Marke mit der kommenden MMA-Plattform ab 2025 auf eine dedizierte E-Auto-Architektur setzt, die mehr Effizienz und Raumangebot verspricht. Bis dahin bleibt der EQB eine attraktive Option für Käufer, die ein elektrisches SUV mit Stern am Kühlergrill suchen und Wert auf Markenimage und Verarbeitungsqualität legen. Die siebensitzige Variante ist nach wie vor ein Alleinstellungsmerkmal im Premiumsegment. Mit den jüngsten Updates ist der EQB gut aufgestellt, um in einem wachsenden Markt für Elektromobilität weiterhin eine wichtige Rolle zu spielen.