Die erste Generation: EQS V297 (seit 2021)
Im April 2021 stellte Mercedes-Benz den EQS als Weltpremiere vor, der Marktstart in Deutschland erfolgte im Sommer desselben Jahres. Die Baureihe V297 wurde von Beginn an als reines Elektrofahrzeug konzipiert, ohne Kompromisse durch eine geteilte Plattform mit Verbrennermotoren. Der radstand von 3.210 mm ermöglicht ein außergewöhnlich großzügiges Raumangebot, insbesondere im Fond. Zur Markteinführung standen zunächst zwei Varianten zur Verfügung: der EQS 450+ mit Heckantrieb und 245 kW (333 PS) sowie der EQS 580 4MATIC mit Allradantrieb und 385 kW (523 PS). Beide Modelle verfügen über eine Lithium-Ionen-Batterie mit nutzbarer Kapazität von 107,8 kWh, die Reichweiten von über 700 Kilometer nach WLTP ermöglicht.
Das Design des EQS folgt der "Sensual Purity"-Philosophie von Mercedes-Benz mit fließenden Linien und einer Schrägheck-Silhouette, die dem cW-Wert zugutekommt. Die Front verzichtet auf einen klassischen Kühlergrill und zeigt stattdessen ein geschlossenes Black Panel mit integriertem Stern. Optional ist dieses Panel mit LED-Lichtfasern ausgeführt. Im Innenraum dominiert das MBUX Hyperscreen: Drei Displays verschmelzen unter einer gemeinsamen 141 cm breiten Glasscheibe und schaffen eine Bildschirmfläche von insgesamt 2,6 Quadratmetern. Die Bedienoberfläche nutzt künstliche Intelligenz und passt sich kontinuierlich an die Vorlieben des Fahrers an.
Ende 2021 erweiterte Mercedes-Benz das Portfolio um den EQS 53 4MATIC+ von AMG. Dieser Performance-Ableger leistet im Standardmodus 484 kW (658 PS) und mit AMG Dynamic Plus Paket bis zu 560 kW (761 PS), womit der Sprint von 0 auf 100 km/h in 3,4 Sekunden gelingt. Die AMG-Variante verfügt über eine sportlich abgestimmte Luftfederung, Hinterachslenkung und spezifische Fahrprogramme. Im Frühjahr 2022 folgte der EQS 350+ als Einstiegsvariante mit 215 kW (292 PS) und Heckantrieb, der besonders effizient ist und Reichweiten von bis zu 717 Kilometer erreicht.
Parallel zur Limousine entwickelte Mercedes-Benz den EQS SUV (X296), der im April 2022 vorgestellt wurde und die gleiche Technik in einem SUV-Gewand bietet. Die Limousine selbst erhielt im Modelljahr 2023 einige technische Verfeinerungen, darunter verbesserte Software-Algorithmen für mehr Reichweite und optimiertes Schnellladen mit bis zu 200 kW Ladeleistung. Die Vorkonditionierung der Batterie vor dem Ladevorgang wurde effizienter gestaltet, und das Navigationssystem plant Ladestopps noch präziser.
Modellpflege 2024
Zur IAA Mobility 2023 kündigte Mercedes-Benz umfangreiche Updates für das Modelljahr 2024 an, die im Frühjahr 2024 in den Handel kamen. Das Facelift brachte vor allem technische Verbesserungen: Eine neue Batteriegeneration mit optimierter Zellchemie erhöht die nutzbare Kapazität auf bis zu 118 kWh bei den stärkeren Varianten, was Reichweiten von über 800 Kilometer ermöglicht. Der EQS 450+ wurde zum EQS 500 4MATIC umbenannt und verfügt nun serienmäßig über Allradantrieb mit 330 kW (449 PS). Gleichzeitig wurde die Motorenpalette gestrafft und die Effizienz aller Antriebe weiter gesteigert.
Optisch erkennbar ist das Facelift an überarbeiteten Digital Light-Scheinwerfern mit erhöhter Pixelzahl (jeweils 2,6 Millionen Pixel pro Scheinwerfer) und modifizierten Raddesigns. Im Innenraum wurde die MBUX-Software auf die dritte Generation aktualisiert, die schnellere Prozessoren und eine noch intuitivere Bedienung bietet. Neu ist auch die Integration von Augmented Reality für die Navigation, die Fahranweisungen direkt ins Head-up-Display projiziert. Die Sprachsteuerung wurde mit dem "Hey Mercedes"-Assistenten deutlich verbessert und versteht nun komplexere Befehle in natürlicher Sprache.
Bei den Assistenzsystemen führte Mercedes-Benz den Drive Pilot in der nächsten Ausbaustufe ein, der auf Autobahnen bis 95 km/h teilautomatisiertes Fahren der Stufe 3 ermöglicht – allerdings zunächst nur in ausgewählten Märkten und unter bestimmten Bedingungen. In Deutschland ist das System für Autobahnen zugelassen, sofern die Strecke im digitalen Kartenmaterial hinterlegt ist. Der Fahrer kann in diesem Modus die Hände vom Lenkrad nehmen und sich anderen Tätigkeiten widmen, muss aber jederzeit übernahmebereit bleiben.
Technische Highlights und Innovationen
Der EQS nutzt eine 400-Volt-Architektur und kann an DC-Schnellladesäulen mit bis zu 200 kW laden. Von 10 auf 80 Prozent Ladestand benötigt das Fahrzeug unter optimalen Bedingungen etwa 31 Minuten. Die Wärmepumpe ist serienmäßig verbaut und steigert die Effizienz bei niedrigen Temperaturen erheblich. Das Energiemanagement berücksichtigt Topografie, Wetter und Verkehrsdaten, um die Reichweite zu optimieren. Die elektrischen Antriebseinheiten sind permanent erregte Synchronmotoren (PSM), die auf hohe Effizienz und spontane Leistungsentfaltung ausgelegt sind.
Die Luftfederung AIRMATIC ist serienmäßig und bietet zusammen mit der Hinterachslenkung (bis zu 10 Grad Einschlagwinkel) außergewöhnliche Wendigkeit trotz der Fahrzeuglänge von über fünf Metern. Der Wendekreis reduziert sich damit auf 10,9 Meter. Serienmäßig sind außerdem adaptive Dämpfer, die das Fahrwerk kontinuierlich an den Straßenzustand anpassen. Bei den AMG-Modellen kommt zusätzlich eine aktive Wankstabilisierung zum Einsatz, die Kurvenneigungen nahezu vollständig kompensiert.
Ausstattung und Preisstrategie
Der EQS startete 2021 in Deutschland bei knapp 106.000 Euro für die Basisversion EQS 350+. Nach der Modellpflege 2024 liegt der Einstiegspreis bei etwa 109.000 Euro für den EQS 450+, während die Top-Variante EQS 53 4MATIC+ bei über 160.000 Euro beginnt. Serienmäßig umfasst die Ausstattung bereits LED-Scheinwerfer, Navigationssystem, Ledersitze, Mehrzonenklimatisierung und umfassende Assistenzsysteme. Das MBUX Hyperscreen ist gegen Aufpreis erhältlich und kostet rund 8.500 Euro, während die Basisversion zwei separate Displays bietet.
Zu den verfügbaren Optionen zählen Executive-Sitze im Fond mit Massagefunktion und verstellbaren Waden- und Fußstützen, ein Burmester 4D-Soundsystem mit 15 Lautsprechern oder das High-End-System mit 710 Watt Leistung, Panoramadach mit Magic Sky Control (elektrochrome Dimmfunktion), Head-up-Display und diverse Design-Pakete. Mercedes bietet zudem unterschiedliche Linien an: Die AMG Line betont den sportlichen Charakter, während die Maybach-ähnliche Ausstattungslinie maximalen Luxus bietet.
Marktpositionierung und Konkurrenz
Der EQS tritt gegen etablierte Luxuslimousinen mit Elektroantrieb an, darunter BMW iX, Audi e-tron GT, Porsche Taycan und Tesla Model S. Im Segment der elektrischen Oberklasse-Limousinen gehört der EQS zu den reichweitenstärksten Modellen und punktet mit traditionellem Mercedes-Komfort. Die Zielgruppe umfasst Fuhrparkmanager, Unternehmer und Privatpersonen, die Wert auf Repräsentation, neueste Technologie und emissionsfreie Mobilität legen. In Deutschland wird der EQS häufig als Chauffeur-Fahrzeug eingesetzt, wobei die großzügigen Fondabmessungen besonders geschätzt werden.
Produktionsstätte des EQS ist das Mercedes-Benz Werk in Sindelfingen, wo auch die S-Klasse gefertigt wird. Seit 2021 wurden weltweit mehrere Zehntausend Einheiten ausgeliefert, wobei China, USA und Europa die wichtigsten Märkte darstellen. In Deutschland profitiert der EQS von steuerlichen Vorteilen bei der Dienstwagenbesteuerung und gilt als Vollzeitfahrzeug ohne Reichweiteneinschränkungen im Alltag.