Die Anfänge: W 460 (1979–1991)
1979 debütierte die G-Klasse als W 460, entwickelt in Kooperation mit Steyr-Daimler-Puch in Graz. Ursprünglich als robustes Militär- und Nutzfahrzeug konzipiert, bot sie Leiterrahmen, Starrachsen vorn und hinten sowie zuschaltbaren Allradantrieb. Anfangs gab es nur kurze und lange Radstände, offene und geschlossene Aufbauten sowie einen 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner (102 PS) und verschiedene Dieselmotoren (72–95 PS). Ab 1981 folgten stärkere Aggregate wie der 2,3-Liter-Benziner (136 PS) und der 3,0-Liter-Fünfzylinder-Diesel (88 PS). Die kantige Karosserie mit runden Scheinwerfern, exponierten Türscharnieren und Ersatzrad am Heck prägte das bis heute gültige Design. Die W 460 war spartanisch, aber unverwüstlich und etablierte den Ruf der G-Klasse als Offroad-Legende.
Erste Evolution: W 461 (ab 1992)
1992 führte Mercedes die W 461 als Nachfolger der W 460 ein, allerdings nicht als vollständigen Ersatz, sondern als parallele Baureihe für Behörden, Militär und Profianwender. Die W 461 behielt den Leiterrahmen und Starrachsen bei, erhielt aber modernere Motoren wie den 2,9-Liter-Fünfzylinder-Diesel (120 PS) und später den 2,7-Liter-CDI-Diesel (156 PS). Optisch blieb sie der W 460 sehr ähnlich, mit einfacher Ausstattung und Fokus auf Robustheit. Die W 461 wird bis heute produziert und hauptsächlich als Kastenwagen, Pritsche oder Sonderfahrzeug angeboten, nicht jedoch für Privatkunden in Deutschland. Sie repräsentiert die ursprüngliche Nutzfahrzeug-DNA der G-Klasse und wird vor allem in Märkten mit hohem Offroad-Bedarf geschätzt.
Luxus-Wende: W 463 (1990–2018)
1990 läutete die W 463 eine neue Ära ein: Sie wurde als erste G-Klasse gezielt auch für Privatkunden positioniert und erhielt deutlich mehr Komfort und Ausstattung. Der Leiterrahmen und die Starrachsen blieben, aber permanenter Allradantrieb, ABS und später ESP (ab 1999) hielten Einzug. Optisch erkennbar an rechteckigen Scheinwerfern, breiteren Kotflügeln und eleganteren Stoßfängern, bot die W 463 anfangs Motoren wie den 3,0-Liter-Sechszylinder-Benziner (170 PS), den 3,0-Liter-Turbodiesel (113 PS) und später den 3,2-Liter-Sechszylinder (215 PS). 1993 debütierte die erste AMG-Version G 36 AMG mit 6,0-Liter-V8 und 272 PS. In den folgenden Jahrzehnten erfuhr die W 463 zahlreiche Facelifts und Motorupdates, ohne jedoch ihr Grunddesign zu verändern.
Facelift 1996
1996 erhielt die W 463 ein erstes dezentes Facelift mit überarbeiteten Stoßfängern, neuen Rückleuchten und moderneren Motoren. Der 2,3-Liter-Kompressor-Vierzylinder (193 PS) kam hinzu, ebenso wie der 2,9-Liter-Turbodiesel (125 PS). Innen gab es neue Instrumente und verbesserte Verarbeitung. Dieses Facelift markierte den Übergang von der utilitären zur Premium-Positionierung, ohne die Offroad-Fähigkeiten zu verwässern.
Facelift 2000
Im Jahr 2000 folgte ein umfassenderes Facelift mit klarer werdenden Scheinwerfern, farblich abgesetzten Stoßfängern und einem völlig neuen Innenraum mit Holzdekor und hochwertigeren Materialien. Die Motorenpalette wurde um den 5,0-Liter-V8 (296 PS) und den 4,0-Liter-V8-Turbodiesel (250 PS) erweitert. Die AMG-Version G 55 AMG erhielt ab 2004 einen 5,4-Liter-V8-Kompressor mit 476 PS, später sogar 507 PS. Dieses Facelift verwandelte die G-Klasse endgültig in ein Luxus-SUV für zahlungskräftige Kundschaft.
Facelift 2006
2006 brachte Mercedes erneut ein Facelift mit LED-Tagfahrlicht, überarbeiteten Scheinwerfern und neuer Front. Die Motorenpalette umfasste nun den 3,5-Liter-V6-Benziner (272 PS), den 3,0-Liter-V6-CDI-Diesel (224 PS) und den 5,5-Liter-V8 (388 PS). Die G 55 AMG wurde durch die G 63 AMG (544 PS) und die noch extremere G 65 AMG mit 6,0-Liter-V12-Biturbo (612 PS, später 630 PS) ergänzt. Innen gab es das COMAND-Infotainmentsystem und mehr Assistenzsysteme. Die G-Klasse war nun ein rollender Tresor mit Geländewagen-Genen.
Facelift 2012
2012 erhielt die W 463 ein weiteres Facelift mit LED-Rückleuchten, neuen Stoßfängern und überarbeiteten Scheinwerfern. Die Motorenpalette wurde modernisiert: der G 350 BlueTEC mit 3,0-Liter-V6-Diesel (211 PS), der G 500 mit 5,5-Liter-V8-Biturbo (421 PS) und die AMG-Modelle G 63 AMG (544 PS, später 571 PS) und G 65 AMG (630 PS). Innen gab es neue Sitze, überarbeitete Instrumentierung und verbesserte Dämmung. Trotz aller Modernisierung blieb die Basis nahezu unverändert – ein Tribut an die Ikone.
Neuauflage: W 463 A (ab 2018)
2018 präsentierte Mercedes die zweite Generation W 463 A, die erste echte Neukonstruktion seit 1990. Der Leiterrahmen blieb, aber erstmals kam eine unabhängige Vorderradaufhängung mit Doppelquerlenker zum Einsatz, die Komfort und Handling deutlich verbesserte. Die Karosserie wurde breiter, länger und steifer, behielt aber die ikonische Optik mit Kastenform, runden Scheinwerfern (nun LED) und exponierten Scharnieren. Innen gab es ein volldigitales Cockpit mit zwei 12,3-Zoll-Displays, MBUX-Infotainment und Luxusausstattung auf S-Klasse-Niveau. Die Motorenpalette startete mit dem G 350 d (286 PS, 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Diesel), gefolgt vom G 500 (421 PS, 4,0-Liter-V8-Biturbo). Die AMG-Version G 63 leistet 585 PS aus einem 4,0-Liter-V8-Biturbo und beschleunigt in 4,5 Sekunden auf 100 km/h. Alle Modelle haben 9-Gang-Automatik, permanenten Allradantrieb und drei Differenzialsperren. Die W 463 A ist komfortabler, technologisch moderner und dennoch geländegängiger als je zuvor.
Facelift 2024
2024 erhielt die W 463 A ein Facelift mit dezenten optischen Retuschen, darunter neue Scheinwerfer-Signaturen, überarbeitete Stoßfänger und neue Farben. Innen gab es das aktualisierte MBUX-System mit größeren Displays und mehr Konnektivität. Die Motorenpalette blieb weitgehend unverändert, jedoch wurde der G 350 d überarbeitet und die AMG-Modelle erhielten Detailoptimierungen. Erstmals wurde auch eine vollelektrische Variante angekündigt, die G-Klasse EQG, die ab 2024 auf den Markt kommen soll. Trotz aller Modernisierung bleibt die G-Klasse ihrem Erbe treu: ein Offroad-Klassiker, der Luxus und Können vereint.