Erste Generation: M-Klasse W163 (1997–2005)
Die Geschichte des heutigen GLE beginnt 1997 mit der M-Klasse, die als erstes SUV von Mercedes-Benz in das boomende Segment einstieg. Der W163 wurde im US-Werk Tuscaloosa gefertigt und sollte vor allem den nordamerikanischen Markt erobern. Die robuste Konstruktion mit Leiterrahmen, Luftfederung und permanentem Allradantrieb 4MATIC machte die M-Klasse zum Pionier unter den deutschen Premium-SUV. Zum Marktstart standen V6- und V8-Benziner sowie ab 1999 ein 2,7-Liter-Fünfzylinder-Diesel von Mercedes-Benz zur Wahl. 2001 folgte ein sanftes Facelift mit überarbeiteter Frontpartie, modifizierten Scheinwerfern und erweiterten Sicherheitssystemen. Die W163-Generation etablierte Mercedes erfolgreich im SUV-Markt, hatte jedoch mit Qualitätsproblemen und Rostanfälligkeit zu kämpfen, was dem Ruf der Marke zwischenzeitlich schadete.
Zweite Generation: M-Klasse W164 (2005–2011)
2005 läutete die zweite Generation W164 eine neue Ära ein: Mercedes verabschiedete sich vom Leiterrahmen und setzte auf eine selbsttragende Karosserie, die Komfort und Fahrdynamik deutlich verbesserte. Das Design wurde moderner und kantiger, die Verarbeitungsqualität stieg signifikant. Die Motorenpalette umfasste zunächst V6- und V8-Benziner sowie Reihensechszylinder-Diesel. 2006 debütierte die sportliche ML 63 AMG-Variante mit 6,2-Liter-V8 und 510 PS. Das Facelift 2008 brachte überarbeitete Frontscheinwerfer, neue LED-Rückleuchten, effizientere Motoren sowie das moderne Multimediasystem COMAND APS. Auch das Interieur wurde aufgewertet, der ML 350 BlueTEC mit SCR-Katalysator und AdBlue-Einspritzung setzte neue Maßstäbe bei Dieseleffizienz und Emissionen. Die W164-Generation festigte die Position der M-Klasse als ernstzunehmender Konkurrent zu BMW X5 und verkaufte sich weltweit erfolgreich.
Dritte Generation: M-Klasse / GLE W166 (2011–2019)
Die dritte Generation W166 startete 2011 noch als M-Klasse und erfuhr 2015 eine Umbenennung in GLE, um die SUV-Palette von Mercedes-Benz einheitlicher zu strukturieren. Der W166 überzeugte mit deutlich reduziertem Gewicht durch Aluminium-Einsatz, verbesserter Aerodynamik und modernster Motorentechnik. Zum Launch standen Vierzylinder-Diesel (ML 250 BlueTEC), V6-Diesel und -Benziner sowie V8-Aggregate bereit. Die Luftfederung AIRMATIC war serienmäßig oder optional verfügbar, ebenso das Offroad-Paket mit Untersetzungsgetriebe. 2015 erfolgte das große Facelift mit der Umbenennung in GLE: Die Front erhielt die damals aktuelle Mercedes-Designsprache mit Diamantgrill, LED-Scheinwerfer wurden Standard, das Interieur bekam größere Bildschirme und neue Assistenzsysteme wie aktiven Spurhalte- und Bremsassistent. Parallel debütierte das sportliche Coupé-Derivat GLE Coupé (C292) als Antwort auf den BMW X6. Die AMG-Modelle GLE 43, GLE 63 und GLE 63 S boten zwischen 367 und 585 PS. 2018 führte Mercedes den GLE 350 de als Plug-in-Hybrid mit Dieselmotor ein – eine technische Rarität. Die W166-Generation verkaufte sich über eine Million Mal und war kommerziell äußerst erfolgreich.
Vierte Generation: GLE V167 (seit 2019)
Die aktuelle, vierte Generation V167 feierte ihre Premiere auf dem Pariser Autosalon 2018 und kam Anfang 2019 auf den deutschen Markt. Sie basiert auf der MHA-Plattform (Modular High Architecture) und teilt sich technische Komponenten mit der S-Klasse und dem GLS. Das Design folgt der aktuellen Mercedes-Formensprache mit schlanken LED-Scheinwerfern, markanter Gürtellinie und optional digitalen MULTIBEAM-LED-Scheinwerfern. Das Interieur setzt auf das volldigitale MBUX-System mit zwei 12,3-Zoll-Bildschirmen, Sprachsteuerung "Hey Mercedes" und optionaler Augmented-Reality-Navigation. Die Sitzposition ist variabel, die Verarbeitung liegt auf S-Klassen-Niveau, und optional ist eine dritte Sitzreihe für bis zu sieben Personen verfügbar. Die Motorenpalette ist breit gefächert: Vom GLE 300 d mit 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel (245 PS) über den GLE 400 d mit 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Diesel (330 PS) bis hin zu den Plug-in-Hybriden GLE 350 de (320 PS Systemleistung) und GLE 350 e (333 PS Systemleistung). Die AMG-Versionen GLE 53 4MATIC+ mit Reihensechszylinder-Mildhybrid (435 PS) und GLE 63 S 4MATIC+ mit 4,0-Liter-V8 (612 PS) bilden die sportliche Spitze. Alle Motoren sind mit 9G-TRONIC-Automatikgetriebe und Allradantrieb 4MATIC gekoppelt. Die Luftfederung ist serienmäßig und ermöglicht in Kombination mit dem E-ACTIVE BODY CONTROL-System (optional) aktives Wankmanagement und eine "hüpfende" Schaukelfunktion zur Befreiung aus Sand oder Schlamm.
Ein Facelift erfolgte Ende 2022 für das Modelljahr 2023: Die Front erhielt einen überarbeiteten Kühlergrill, neue Scheinwerfer-Grafik und modifizierte Stoßfänger. Im Innenraum wurde das MBUX-System auf die zweite Generation aktualisiert, die Bildschirmdiagonalen wuchsen auf 12,3 und 14,4 Zoll (optional), und neue Assistenzsysteme wie ein verbesserter Autobahnassistent wurden integriert. Die Motorenpalette wurde gestrafft: Der Vierzylinder-Diesel entfiel weitgehend, dafür rückten die Sechszylinder-Diesel und die Plug-in-Hybride stärker in den Fokus. Der GLE 350 de 4MATIC bietet nun bis zu 100 Kilometer elektrische Reichweite (WLTP) dank größerem Akku (31,2 kWh). Die Preise für die aktuelle Generation starten in Deutschland bei rund 73.000 Euro für den GLE 300 d, die AMG-Topmodelle liegen deutlich über 130.000 Euro. Der GLE V167 setzt Maßstäbe bei Komfort, Technologie und Vielseitigkeit und bleibt eines der meistverkauften Premium-SUV in Deutschland und weltweit.
Marktposition und Bedeutung
Der Mercedes-Benz GLE gehört zu den wichtigsten Modellen der Marke und trägt maßgeblich zum Gewinn bei. In Deutschland rangiert er regelmäßig unter den Top 3 der zugelassenen Premium-SUV und wird geschätzt für seine Kombination aus Platzangebot, Langstreckenkomfort, Offroad-Fähigkeit und Statussymbol. Die breite Motorenpalette, die optionale dritte Sitzreihe und die technische Ausstattung machen ihn zur ersten Wahl für Familien, Dienstwagenfahrer und SUV-Enthusiasten. Mit über 30 Jahren SUV-Erfahrung hat Mercedes-Benz den GLE zur Benchmark im Segment entwickelt.