Die erste Generation: W 163 (1997–2005)
Die erste M-Klasse (W 163) feierte 1997 ihre Premiere und wurde im neu errichteten Werk in Tuscaloosa, Alabama, produziert – eine strategische Entscheidung, um den wichtigen nordamerikanischen Markt zu bedienen. Das Design war für damalige Mercedes-Verhältnisse revolutionär: ein klassischer SUV mit hoher Sitzposition, großem Innenraum und robustem Auftritt. Zum Marktstart standen Sechszylinder-Benziner (ML 320 mit 218 PS) und später Fünfzylinder-Diesel (ML 270 CDI mit 163 PS) zur Wahl. Der permanente Allradantrieb 4MATIC verteilte die Kraft auf alle Räder, eine Geländeuntersetzung war optional erhältlich. Die Federung kombinierte vorne Einzelradaufhängung mit einer hinteren Starrachse, was Robustheit, aber weniger Komfort bedeutete.
Im Jahr 2000 erhielt die erste M-Klasse ein dezentes Facelift mit überarbeiteten Scheinwerfern und modifizierter Frontschürze. Die Motorenpalette wurde erweitert: Der ML 55 AMG mit 5,4-Liter-V8 und 347 PS markierte den Einstieg von AMG in die SUV-Welt. Parallel dazu verbesserte Mercedes die anfänglich kritisierte Verarbeitungsqualität und Materialanmutung im Innenraum. Der ML 400 CDI mit V8-Diesel und 250 PS bot erstmals richtige Durchzugskraft für Anhängerlasten bis 3,5 Tonnen. Trotz anfänglicher Kritik verkaufte sich die W 163 über 600.000 Mal und ebnete den Weg für weitere SUV-Modelle von Mercedes-Benz.
Die zweite Generation: W 164 (2005–2011)
2005 präsentierte Mercedes die komplett neu entwickelte zweite M-Klasse (W 164), die in allen Bereichen eine deutliche Weiterentwicklung darstellte. Das Design orientierte sich an der damaligen S-Klasse und wirkte wesentlich eleganter und luxuriöser. Erstmals kam eine Vierlenker-Hinterachse zum Einsatz, die den Fahrkomfort und die Straßenlage erheblich verbesserte. Die Karosserie wuchs in allen Dimensionen, der Radstand legte um 70 mm zu. Im Innenraum bot die W 164 deutlich hochwertigere Materialien, moderne Technik und optional eine dritte Sitzreihe für bis zu sieben Personen.
Die Motorenpalette startete mit dem ML 280 CDI (3,0-Liter-V6-Diesel, 190 PS) und reichte bis zum ML 63 AMG mit 6,2-Liter-V8 und zunächst 510 PS, später sogar 525 PS. Benziner waren als ML 350 (272 PS V6) und ML 500 (388 PS V8) verfügbar. Ein Highlight war der ML 420 CDI mit 306 PS starkem V8-Diesel, der souveräne Leistung mit akzeptablem Verbrauch verband. Alle Modelle verfügten serienmäßig über die 7G-TRONIC-Automatik und permanenten Allradantrieb. Optional gab es das AIRMATIC-Luftfederungssystem mit adaptiver Dämpferregelung und Niveauregulierung.
2008 erhielt die W 164 ein Facelift mit überarbeiteter Front, LED-Tagfahrlicht und modifiziertem Heck. Im Innenraum hielt ein neues Multimediasystem mit COMAND-Controller Einzug. Die Motorenpalette wurde um effizientere BlueEFFICIENCY-Varianten ergänzt, etwa den ML 300 CDI mit 204 PS und deutlich reduziertem Verbrauch dank Start-Stopp-Automatik und optimierter Aerodynamik. Der ML 350 BlueTEC mit SCR-Katalysator und AdBlue-Einspritzung erfüllte bereits die strengen US-Abgasnormen. Die zweite Generation verkaufte sich weltweit über 800.000 Mal und festigte die Position der M-Klasse im Premium-SUV-Segment.
Die dritte Generation: W 166 (2011–2015)
Im Sommer 2011 debütierte die dritte und letzte Generation der M-Klasse (W 166), die erneut einen großen Entwicklungssprung darstellte. Das Design folgte der damals aktuellen Mercedes-Formensprache mit markanter Frontpartie, fließenden Linien und einem deutlich niedrigeren Luftwiderstandsbeiwert von nur noch 0,32 – Bestwert im Segment. Trotz größerer Abmessungen reduzierte Mercedes das Leergewicht durch Aluminium-Komponenten um bis zu 200 kg gegenüber dem Vorgänger. Die Karosserie war nun noch steifer, die Crashsicherheit auf höchstem Niveau.
Technisch setzte die W 166 neue Maßstäbe: Die Direktlenkung mit variabler Übersetzung, die serienmäßige AGILITY CONTROL-Dämpferregelung und optional das AIRMATIC-Fahrwerk mit kontinuierlich regelbarer Dämpfung sorgten für einen hervorragenden Kompromiss aus Komfort und Dynamik. Das Offroad-Paket PRO umfasste eine Geländeuntersetzung, Differentialsperren und spezielle Fahrprogramme für Sand, Schlamm und Fels. Im Innenraum dominierte Premiumanmutung: hochwertige Materialien, exzellente Verarbeitung und modernste Assistenzsysteme wie aktiver Spurhalte-Assistent, DISTRONIC PLUS mit Staufolgefahrt und PRE-SAFE-Bremse.
Die Motorenpalette der W 166 startete mit dem ML 250 BlueTEC (2,1-Liter-Vierzylinder-Diesel, 204 PS), der dank 500 Nm Drehmoment und kombiniertem Verbrauch von 6,2 l/100 km besonders effizient war. Der ML 350 BlueTEC bot als 3,0-Liter-V6 mit 258 PS mehr Laufruhe und Souveränität. Benziner waren als ML 350 (306 PS V6) und ML 500 (408 PS V8 Biturbo) erhältlich. Das AMG-Topmodell ML 63 AMG leistete zunächst 525 PS, in der Performance-Version sogar 557 PS aus 5,5 Litern Hubraum mit Biturbo-Aufladung – Sprint auf 100 km/h in 4,7 Sekunden. Alle Motoren waren an die 7G-TRONIC PLUS gekoppelt, später kam die 9G-TRONIC zum Einsatz.
2012 erweiterte Mercedes das Angebot um den ML 400 mit 3,0-Liter-V6-Biturbo-Benziner und 333 PS sowie um eine Hybrid-Variante: Der ML 350 BlueTEC Hybrid kombinierte einen 2,1-Liter-Diesel (204 PS) mit einem Elektromotor (27 kW) zu einer Systemleistung von 231 PS und einem vorbildlichen Normverbrauch von 6,4 l/100 km. Ein dezentes Facelift folgte 2015 mit überarbeiteten Scheinwerfern, modifiziertem Kühlergrill und neuen Assistenzsystemen. Gleichzeitig erfolgte die Umbenennung in GLE-Klasse gemäß der neuen Mercedes-Nomenklatur, die M-Klasse wurde Geschichte. Die W 166 gilt als technisch ausgereifteste M-Klasse und überzeugt bis heute mit hoher Alltagstauglichkeit, Zuverlässigkeit und Wertbeständigkeit.
Nachfolger: GLE-Klasse ab 2015
Mit der Modellpflege 2015 wurde die M-Klasse in GLE umbenannt, um das neue Nomenklatursystem von Mercedes-Benz umzusetzen (GL = SUV, E = E-Klassen-Äquivalent). Die technische Basis blieb zunächst identisch, doch die Modellbezeichnungen änderten sich: Aus dem ML 250 BlueTEC wurde der GLE 250 d, aus dem ML 350 BlueTEC der GLE 350 d. Parallel entstand mit dem GLE Coupé ein sportlicher Ableger mit abfallender Dachlinie als Konkurrent zum BMW X6. Die vollständig neue Generation GLE (V 167) startete 2019 mit modernster MBUX-Bedienung, 48-Volt-Bordnetz, Luftfederung als Serie und Plug-in-Hybrid-Varianten mit über 100 km elektrischer Reichweite. Der GLE führt das Erbe der M-Klasse erfolgreich fort und zählt weiterhin zu den meistverkauften Premium-SUV weltweit.